Herrliche Spiegelbilder

Präses Roman Siewert ist bekannt dafür, ein Mann des guten Tons zu sein. Auch zur Eröffnung der zweiten BFP Bilderausstellung „Spiegelbilder Seiner Herrlichkeit“ weiß er genau, was er sagen will – voller Wärme und Wertschätzung.

Er dankt den sechs ausstellenden Künstlerinnen und dem einen Künstler. Letzteren würdigt er besonders. „In jedem größeren Unternehmen gibt es einen Gleichstellungsbeauftragten“, flachst der Präses, umgeben von zahlreichen Besuchern der Eröffnung der Kunstausstellung. Als ein solcher fühlt sich Roman Siewert an diesem Abend. Nicht nur Frauen können im BFP malen. „Ich habe erst vor Kurzem in meiner Freizeit mit der Malerei angefangen. Mein Sohn hat mich dazu inspiriert; er arbeitet mehr mit Computer“, führt Walter Mundt, Pastor in Speyer, später vor seinen Bildern stehend, aus. Besonders inspiriert mich als Betrachter das Bild, wie der Heilige Geist auf die Jünger ausgegossen wird.

Walter Mundt bekommt vom Präses ostfriesischen Tee („Tee-ologisches“), während dieser den Damen jeweils eine Rose überreichen lässt. Gabi Dallman (Lörrach), Ulrike Henseler (Buchholz), Irene Justus (Hannover), Laura Kolm (Buchholz) und Rose Adrian-Trienen (Hamburg) gehören schon zu den „alten Hasen“ unter den Künstlern. Sie waren bei der ersten Ausstellung vor einem Jahr schon dabei. Jutta Lenhardt (Eickhorst) und der eben schon erwähnte Walter Mundt sind das erste Mal mit von der Partie.

Die Ausstellung erweist sich als Publikumsmagnet. Viele genießen die Bilder. Zwischen den Bildern sind immer wieder Spiegel angebracht. „Darin kannst du dich selbst als Spiegelbild Seiner Herrlichkeit anschauen“, motiviert Roman Siewert die interessierten Gäste. „Du bist so ein herrliches Spiegelbild“. Im Hintergrund sorgt ein musikalisches Duo für die nötige Atmosphäre: Ute Leschhorn-Kataoka (Cello/Piano) und Mayumi George (Querflöte) aus Hamburg – wirklich hochkarätig. Doch die Gespräche drehen sich nicht nur um die Bilder. Viele Begegnungen am Rande kennzeichnen das Bild des Abends. Alte Freundschaften werden erneuert und neue geschlossen.

Bei Ausstellungsleiterin Esther Dymel-Sohl laufen die Fäden zusammen. Sie ist die gute Seele der Ausstellung: „Künstler verstehen es, Gottes Herrlichkeit für alle sichtbar zu machen. Ihre Bilder sind Spiegelbilder seiner Herrlichkeit, manchmal etwas rätselhaft, doch mit nur einem Ziel: Ehre sei Gott in der Höhe!“

Über die Inhalte der Bilder berichtet GEISTbewegt.de noch separat.

Die Hand am Thron Gottes

Eröffnungsabend der 116. BFP-Konferenz

Die Konferenzhalle liegt im Halbdunkel. An der Seite der dezenten Bühnendekoration steht das Kreuz – in helles Scheinwerferlicht getaucht. Hinter dem Kreuz das Plakat mit dem Motto der Bundeskonferenz. „Heiliger Geist – Erbe und Auftrag“. Die Lobpreisband von BERÖA führt mit einem eher sanften Auftakt in die Konferenz hinein.

Präses Roman Siewert erinnert an den Heimgang von Vizepräses und Bibelschuldirektor Günter Karcher vor genau einer Woche. In kurzen Worten würdigt er zum Konferenzauftakt das Leben seines heimgegangenen Stellvertreters. „Ich habe mit seinem Heimgang nicht gerechnet“, bekennt er ehrlich. Dann verweist er auf das Kreuz neben der Bühne und nimmt es als Sinnbild für schwere Stunden, aber auch für den Sieg. Sein Blick schweift weiter auf das Mottoplakat hinter dem Kreuz. „Heiliger Geist…“. Auch wenn wir durch schwere Stunden gehen, bleibt der Auftrag, zu dem Gott uns berufen hat. Er ermutigt die Konferenzversammlung, sich dem Auftrag des Heiligen Geistes neu zu stellen.

Zur Konferenzeröffnung geht es gleich tief in das Generalthema hinein. Hartmut Knorr, Generalsekretär des Bundes, erinnert an das frühe Erbe der Pfingstbewegung. Er beleuchtet dabei besonders die erwecklichen Aufbrüche am Anfang der Bewegung. William Seymour, schwarzer Prediger in der legendären Azusa Street, Los Angeles, predigt dort in einer einfachen Holzbaracke. Oft kniete er nur hinter einer Holzkiste und betete. Es gab keine Dienstbezeichnungen und Männer sowie Frauen predigten ohne Ansehen der Person.

Vor allem aber war in den ersten Aufbrüchen der frühen Pfingstbewegung die Barriere der Hautfarbe unwichtig. Der Heilige Geist fügte Menschen aller Hautfarben in eine Einheit zusammen. „The color bar was washed away in the blood“ (Die Rassenschranke wurde im Blut Jesu hinweggewaschen).  Was menschlichen Bemühungen nicht möglich ist, geschieht durch die Kraft des Heiligen Geistes. Auch diese Botschaft ist heute aktuell.

Kräftige Bekenntnisse aus russlanddeutschen Kehlen
An dieses Erbe knüpft der BFP an, indem er konsequent an der Integration der Migrantengemeinden weiterarbeitet. An diesem ersten Konferenzabend ordiniert die BFP-Bundesgemeinschaft  21 Pastoren aus afrikanischem Kulturhintergrund  und 18 Pastoren aus russlanddeutschen Gemeinden. Als sie das Ordinationsversprechen mit lauter, kräftiger Stimme bestätigen, brandet Applaus in der Versammlung auf. Hier sind Menschen, die sich mit großer Entschlossenheit in den Dienst stellen lassen. Es ist die zweite Ordination, die im Rahmen des Integrationsprozesses auf einer Bundeskonferenz durchgeführt wird.

In seiner Predigt geht Hartmut Knorr auf die herausfordernde Aufgabe von Leiterschaft ein. Alle Leiter müssen sich dieser Herausforderung bewusst sein, wenn sie eine Leitungsaufgabe übernehmen, denn es gibt in einer Gemeinde Gefahren von innen und außen. Er weist darauf hin, dass auch Mose ergänzungsbedürftig war. Er ermutigt die Leiter zum Einsatz ihrer von Gott gegebenen Gaben: „ Führung und Leitung gelingt durch den richtigen Einsatz unserer Hände unter der Leitung Gottes“.

Knorr, selbst sehr bemüht um Mentoring, Coaching und Begleitung, konstatiert: „Wir haben viel gelernt über Führung, Gruppenbildung, gegenseitige Unterstützung, etc., aber wir brauchen neu die Erfahrung mit der Kraft des Heiligen Geistes, die uns Mut macht, auch ‚herauszutreten’. Wir brauchen auch das Herauslösen aus einer ‚ewigen Begleitung’. Tritt heraus, wenn Gott dich ruft“, fordert er die Konferenzteilnehmer zu geistlichen Schritten auf. Geh mutig vorwärts in das hinein, wozu er dich ruft. Geistliche Erfahrungen liegen oft in der Einfachheit des Gottsuchens, nicht in der komplizierten Strategie.

Anhand von 2. Mose 17,8-16 zeigt er auf, was der Schlüssel für Leiterschaft im Heiligen Geist ist. „Unsere Hand muss am Thron des Herrn sein“, greift der den Bibeltext wörtlich auf. „Unsere Hilfe muss vom Herrn kommen, nicht von uns selbst oder von anderen Menschen. Von mir selbst kommt die Kraft nicht“. Der BFP-Generalsekretär ermutigt die Leiter, Zeichen zu setzen:  „In unserer Leiterschaft brauchen wir Zeichen der inneren Bedürftigkeit. Zeichen der Unterwürfigkeit und Zeichen für deine Verbindung zu Gott.“

Zum Schluss wird Knorr noch energischer und deutlicher: „Wir brauchen Klarheit in Zeiten der Verwässerung“. Er fordert auf zum „Durchbeten“ und Warten auf Gott. „Wir müssen es wieder neu lernen, auf Gott zu warten.“ Gebet, prophetischer Dienst, Befreiungsdienst, Handauflegung, um nur einige zu nennen, müssen unseren Gemeindealltag prägen.

Haben wir den Mut diese Zeichen engagiert zu setzen?

Offene Tore in der temporären „BFP-Hauptstadt“

Navigationsgeräte kennen sich gut aus.

Meistens!

Auch die namhaften Marken sind nicht immer fehlerfrei. Aber dafür haben sie ja Melder für Staßensperren und Umleitungen eingebaut, haben wir am Samstag bei einer enormen Stauvermeidung dankbar erfahren. Man braucht also keine Karte mehr! Denkt man! Frauen kennen sich auch gut aus. Manchmal besser, als die Navis. Die beste Ehefrau von allen schlägt aufgrund des Kartenstudiums vor, eine andere Route nach Willingen zu wählen, als das Navi sie vorschlägt. Ich sitze am Steuer – und folge dem Navi. Am Samstag hat uns das Gerät ja sehr geholfen.

Das Hochsauerland ist wirklich schön. Wir genießen die Herbstsonne, die die Bäume auf der Fahrt durch die Wälder in ein fast goldenes Licht taucht.  Aber gibt es hier keine breiteren Straßen? Da wir letztes Jahr auf anderem Wege anreisten, sind wir nicht beunruhigt. Willingen liegt wirklich „mitten in der Pampa“, so scheint es. 10 Kilometer später: Straßensperre. Umleitung. Ich hätte wohl doch dem Rat der Ehefrau und nicht dem Navi folgen sollen…

Die Verzögerung hält sich trotzdem in Grenzen. Willingen, wir kommen! Die Ferienwohnung, die unser „sweet home“ für die Konferenz ist, kennen wir schon vom vergangenen Jahr. Wegen der Trauerfeier in Erzhausen reisen wir schon einen Tag eher an, das war kurzfristig möglich. Das Frühstück auf dem sonnendurchfluteten Balkon können wir am Montag richtig genießen. Leider ist in der Zuckerdose der Ferienwohnung Salz und so kann ich den Tee wegschütten…

Den Vorabend nutzen wir zum Gebet für die Konferenz und für einen kleinen Spaziergang durch den malerischen Ferienort, der bis Donnerstag zur temporären Hauptstadt für den BFP wird. Die Kamera ist, wie immer, dabei.

Die Tore sind offen. Imposant und kühn erhebt sich am Willinger Ortseingang eine alte Eisenbahnbrücke mit mehreren offenen großen Bögen. Selbst am Tag ist dies ein echtes Willkommens- und Wahrzeichen für den Ort.

An diesem Sonntagabend sind die Bögen malerisch beleuchtet. Welch ein Anblick. Wow! Das ist für mich mehr als nur eine Symbolik. Willingen heißt den BFP willkommen. „Heiliger Geist – Erbe und Auftrag!“ lautet das Konferenzthema während dieser Tage. Der BFP besinnt sich auf Erbe und Auftrag. Wir sind gespannt, was die Konferenz bringen wird.

Willkommen! Offene Türen und Tore für den Heiligen Geist, das braucht es in unserem Bund, das braucht es in unserer Zeit, die bei immer größer werdenden globalen Fragen und Krisen nach Antworten sucht.

Die Tore in Willingen sind offen. Und die Herzenstore für den Heiligen Geist.

Katastrophen müssen KEINE Feuerlöscher sein…

Rendsburg in Schleswig-Holstein. Man schreibt das Jahr 1962. Ich selbst bin noch im zarten Windelalter. Auf dem „Viehmarkthallenplatz“ meiner Heimatstadt fährt ein VW-Käfer vor. Heraus steigt ein (damals noch blutjunger) Evangelist, der von einer Rendsburgerin – unwissend, wer es ist – herzlich begrüßt wird. Auf dem zentralen Platz der Stadt ist ein Evangelisationszelt mit 250 Stühlen aufgebaut, sie schiebt Wache. „Unser Pastor hat sich gegen die Ältesten durchgesetzt und einen jungen Evangelisten eingeladen, der noch nicht ganz grün hinter den Ohren ist. Hoffentlich müssen wir nicht eher mit der Evangelisation aufhören…“.

Rumms. Reinhard Bonnkes Zuversicht wird zu Brei. Trotzdem: Drei Wochen evangelisiert er in Rendsburg. Dass ich selbst unter den „Zuhörern“ bin und unter den Zeltstühlen herumkrabbele, weiß ich nur aus den Erzählungen meiner Eltern. Die Lokalpresse kommt und berichtet über den Evangelisten, der sich nach eigenen Worten bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht rasiert hatte – und es setzt ein „Run“ auf die Evangelisation ein. Franz Wegner, damals Pastor der Rendsburger Pfingstgemeinde, hatte die Vision für den Dienst von Reinhard. Rendsburg ist, gerade von der Bibelschule kommend, Bonnkes erste Zeltevangelisation. Viele kommen zum Glauben. Was noch viel wichtiger ist: Sie wird zu einem wichtigen Schlüssel für seinen weiteren Dienst.

Dass dieser Evangelist ab 1978 in einem Zelt mit 10.000 Sitzplätzen predigen würde, ist damals nicht denkbar. 1984 wächst es mit der 34.000- er Ausgabe in eine neue Dimension hinein: Ein Zelt dieser Größenordnung gibt es damals weltweit kein zweites.

Kurz darauf: Die „Katastrophe von Kapstadt“, die keine Katastrophe ist. Orkanwinde zerstören das neue Zelt bei seinem ersten offiziellen Einsatz, noch bevor dieser überhaupt richtig begonnen hat. Doch diese Katastrophe wird kein Feuerlöscher, sondern wirkt als „Brandbeschleuniger“.

Nigeria. 2002. Jahrelang aus diesem Land ausgesperrt, predigt der deutsche Evangelist vor Millionen von Zuhörern. Es geht ihm nicht um Zahlen, sondern darum, dass Menschen durch die Kraft des Evangeliums Lebensveränderung erfahren.

Willingen. 2011. Erwartungsvoll kommen 1200 Pastoren und Gemeindeleiter zur 116.BFP-Konferenz ins Hochsauerland. Diesmal ist nicht nur Reinhard da, sondern auch sein Nachfolger Daniel Kolenda. Gemeinsam dienen sie der Bewegung, die einst den Evangelisten nach Afrika ausgesandt hat. Mit dem Akkordeon an der Straßenecke begannen die Evangelisationen in Lesotho. Daraus wurde mehr. Viel mehr. 58 Millionen ausgefüllte Entscheidungkarten seit 2000, so lese ich am Vorabend der Konferenz in der neuesten Publikation von CFAN. Welch eine Ernte für den Himmel!

Dazwischen liegen 700 Seiten „Feuer-Biografie“. Spannend zu lesen, von der ersten Seite bis zur letzten. Das Feuer Gottes ist nicht nur im Sieg in der Stärke da, sondern auch in den Niederlagen und Enttäuschungen. Reinhard schreibt in seiner Autobiografie offen und ehrlich über alle Seiten seines Dienstes. Und das inspiriert, das macht Mut, selbst neue Schritte zu gehen. Und auch bei Niederlagen nicht stehen zu bleiben. Sie können zum Katalysator für Größeres werden!

Bonnkes eigene Beschreibungen sind manchmal schwindelerregend und spannend zugleich. Dies aber ist kein erdachter Roman, sondern eine Geschichte, die das Leben geschrieben hat. Oder besser, die Gott geschrieben hat. Vielleicht manchmal auch nur zugelassen. Sie ist kein Lehrbuch für Evangelisten, aber ein echtes „Lernbuch“.

Ich lese selten so dicke Bücher, aber dieses habe ich mit großem Gewinn fast „aufgefressen“, sogar bis in die späten Nachstunden hinein. Ich konnte es kaum zur Seite legen. Eine Woche Familienbesuch in dem oben beschriebenen Rendsburg, dann war es durch.

Reinhard Bonnke, heiß geliebt – und leider oft „verrissen“, besonders in seinem Heimatland, während man ihm andererorts größte Wertschätzung entgegenbringt. Außer dem Papst kommt kein Deutscher an Zuhörerzahlen, vor denen er gepredigt hat. Seine Autobiografie ist ein ehrliches Zeugnis vom Werk Gottes in seinem Leben – und in Afrika.

„Heiliger Geist – Erbe und Auftrag“. Das Konferenzthema in Willingen ist der Pulsschlag Bonnkes. Die Taufe im Heiligen Geist ist eine seiner wichtigen Botschaften bei den Evangelisationen. Und es ist ein Thema für unser Land, das immer wieder neu Betonung braucht.

Stellen wir uns dem Auftrag.

Ein echter Diener, ein großer.

Siewert„Gott ist gut – was auch kommen mag!“ BFP-Präses Roman Siewert berichtet während der Trauerfeier sehr persönlich von den letzten Momenten des Lebens von Günter Karcher. Mit einem klaren Bekenntnis auf seinen Lippen zu Jesus, seinem Retter, ist Günter in die Ewigkeit abgerufen worden. Obwohl der Verlust für alle schmerzlich ist, legt sich ein Mantel tiefer Dankbarkeit und Friedens über die Versammlung.

Mit Psalm 131 umreißt Siewert vor der mehrhundertköpfigen Abschiedsgemeinde das Leben des Freundes, Lehrers, Pastors, Bibelschuldirektors und BFP-Vize-Präses. Neben dem blumengeschmückten Sarg steht ein großes Bild des Verstorbenen. „Wir müssen Vertrauen zu Gott wagen in einer immer rätselhafter werdenden Welt. Leben und Gesundheit können wir nicht kontrollieren.“

Die herbstliche Sonne strahlt Trauerfeieran diesem Samstag über Erzhausen. Die schweigende Kondolenzschlange am Grab scheint kein Ende zu nehmen. Aus allen Teilen der Republik sind Trauergäste gekommen, um von ihrem Bruder, Freund, Kollegen, Lehrer, Wegbegleiter und Seelsorger Abschied zu nehmen. Stühle sind auch außerhalb der Trauerhalle vorbereitet. „Ich diene heute noch Gott, weil es Günter gab“, zitiert der Präses aus der Kondolenzpost. Die Note der Trauerfeier ist sehr persönlich. Viele Augen bleiben nicht trocken.

Langsam gleitet der Sarg in die Gruft.

Aber zunächst spricht Siewert die Ehefrau Gisela an. „39 Jahre wart ihr miteinander unterwegs. Im Chor damals hat Günter deine schöne Stimme gefallen. Ihr habt euch gefunden und lieben gelernt, Gott hat euch drei Kinder geschenkt.“ Die BFP-Bundesgemeinschaft zeigt Gisela und der Familie eindrücklich, dass sie zu ihr und ihnen steht. Mit einem kleinen Blumenstrauß und einem schlichten Handkuss, den sie angedeutet ins Grab wirft, nimmt die Ehefrau Abschied. „Wir fühlen uns von der Gemeinschaft in diesen Tagen sehr getragen.“ Sohn Tobias, als Pastor selbst in den Fußstapfen seines Vaters, bringt es auf den Punkt, was die Familie fühlt.

Das Präsidium des Bundes ist sehr stark vertreten. Ein großer Teil der Regionalleiter ist da. Sie drücken ihre Wertschätzung gegenüber Günter aus. Die Erinnerungen gehen zurück an die letzte gemeinsam Sitzung mit Günter, die er damals vertretungsweise souverän, zielgerichtet und feinfühlig-offen geleitet hatte. Günter wurde wertgeschätzt wegen seiner Gradlinigkeit, Tiefsinnigkeit und Feinfühligkeit. Auch das ist Grund zur Dankbarkeit. Alt-Präses Ellßel ist aus Tostedt gekommen, sein Vorgänger Reinhold Ulonska grüßt brieflich.

Das Lehrerkollegium von BERÖA verliert einen weitsichtigen und geschätzten Direktor, der ohne konkreten Anlass bereits seinen Nachfolger vorbereitet hat. „Günter war eine Gabe Gottes an uns.“ Richard Krüger, Vorgänger von Karcher im Amt des Seminardirektors, wertschätzt seinen Kollegen. Die Lehrerschaft nimmt als erstes nach der Familie am Grab Abschied. Framo Kaltenbach, hessischer Regionalleiter und Günters Frankfurter Gemeindepastor, hebt die uneingeschränkte Loyalität und Unterstützung des Verstorbenen für die lokale Gemeinde hervor. „Manchmal hast du uns auch einfach nur ertragen.“ Danke, Jesus, für das Leben von Günter.

Trauerfeier„Papa hätte gewollt, dass wir einander begegnen“. Sohn Tobias betet für die Gemeinschaft, die sich auf dem Gelände der Bibelschule und der BFP-Zentrale zu einer Open-Air-Kaffeetafel versammelt hat. Lange Reihen von Tischen auf dem Rasen füllen sich. Die BFP-Gemeinschaft verneigt sich in Trauer, Ehrfurcht und Dankbarkeit vor Gott für das Leben des Bruders.

„Günter hat Grenzen erfahren und überwunden.“ Der Präses führt viele Beispiele an. „Vielen ist nicht bekannt, dass er mit sofortiger Wirkung seine Stellung als Oberschullehrer und designierter stellv. Schulleiter in der DDR verlor, als er seine Überlegungen zum möglichen Theologiestudium äußerte.

Gespräch

Konsequent setzte er sich auch für die „Wende“ ein. 1992 kam er als theologischer Lehrer nach Erzhausen. „Mit seinem theologischen Hintergrundwissen hat er viele von uns gemeinsam in die Tasche stecken können.“ Krüger ist der Respekt vor seinem Nachfolger abzuspüren. Auch die politische Gemeinde Erzhausen zollt Respekt. Günter hat sich über mehrere Jahre hier im Orts-Gemeinderat engagiert.

Die Gespräche an den Tischen ziehen sich lange hin. Viele wichtige Begegnungen geschehen am Rande dieses eigentlich traurigen Anlasses. Der Kuchen und die Brötchen schmelzen in der Sonne dahin. Das Service-Team von Beröa dient mit Hingabe und folgt dem Vorbild des ehemaligen Leiters.

Günter war so ein Diener. Ein großer.

MMM & nine nine eleven

Zum  neunten neunten elf!

Lieber Wolfgang, lieber MiniMutMacher (a.D. und i.D.),

als „BFP-XC-Gemeinde“ wollen wir dir zu deinem heutigen 80.Geburtstag herzlich gratulieren. 80 Jahre – und kein bisschen „leise“. Du bist ein wirklicher Ermutiger, Vorbild, Pionier im Reich Gottes – und ein Geschenk an unsere Bundesgemeinschaft. Wenige Tage nach unserem geschätzten Altpräses gehst nun auch du in den „Kreis der ehrwürdigen Achtziger“ ein.

In den Mitsiebzigern, wenn andere nur noch Briefmarken sammeln und Blumen gießen, hast du angefangen MMMs zu sammeln. Auf stolze 365 hast du es Ende August 2011 gebracht, die Zahl scheint „rein zufällig“. Du hast sie nicht nur gesammelt, sondern erbetet, gesucht, nachgedacht, geschrieben und uns alle – und viele über unser Forum hinaus – damit gesegnet. An dieser Stelle möchten wir als BFP-XC-Moderatorenteam dir ganz herzlich stellvertretend für alle Leser danken.

Du hast uns unlängst gesagt, dass jetzt mit den MMMs „Schluss“ ist, du quasi „MMM a.D.“ bist. Wir aber sehen dich weiter „MMM i.D.“ als mutmachender Bruder und Beispiel für uns alle, wie man das Alter kreativ und innovativ gestalten kann. Deine mutmachende Art ist eben nicht einfach „außer Dienst“ zu setzen.

Unser Gebet und Wunsch ist, dass du uns noch lange erhalten bleibst. Auch wenn du nun keine MMMs mehr schreiben wirst, auf Facebook, so haben wir gesehen, machst du weiter mit kleinen Impulsen.

Ich erinnere mich an unsere Gemeindefreizeit, die wir vor vielen Jahren auf der Naumburg gemeinsam mit dir hatten. Schon damals hast du uns sehr ermutigt. Liebe war immer wieder ein wichtiges Thema von dir. Das hast du mit dem MMM nahtlos fortgesetzt.

Du hast dich – das sagte ich an dieser Stelle schon einmal – auch im Alter an die „neuen Kanzeln“ herangewagt, auch wenn du technisch nicht alles durchblickt hast. Aber dir war es wichtig, die Botschaft von Jesus unter die Leute zu bringen. Deine Biografie ist Zeugnis davon. Ich habe sie mit viel Gewinn gelesen!

Vor wenigen Wochen traf ich dich in Erzhausen. Du hattest auch dort einige Studenten in einem Kurs vor deiner „Kanzel“. Deine frische und spätjugendliche (mutmachende) Ausstrahlung hat mir wieder neu gefallen: Wolfgang hat sich kaum verändert!

Für deine „alten Tage“ wünschen wir dir weiterhin viel Frische und Gelegenheit, deine guten Impulse an nachfolgende Generationen weiterzugeben. Grüße auch bitte deine Lieselotte von uns. Habt gemeinsam einen wunderschönen Tag an deinem Ehrentag.

Ich finde, „nine (nine) eleven“ bekommt da noch mal eine ganz andere Bedeutung… :

Herzliche Grüße
Dein BFP-XC-Moderatorenteam

Frank Aufdemhoff mit Jens S. und Christian H.

Hintergrund: Wolfgang, der MMM, hat im eMail-Forum BFP-XC in den letzten Jahren 365 MiniMutMacher veröffentlicht. Eine Sammlung davon ist bei ihm als PDF kostenlos zu erhalten. Näheres unter www.MiniMutMacher.de.

BERÖA – Immer wieder gerne hier

BERÖA – vor 30 Jahren hier studiert. Immer wieder gerne hier. Für mich ein Ort von viel Segen. Feiert in diesem Herbst 60 Jahre Bestehen. Mehr dazu in der aktuellen Ausgabe von GEISTbewegt!

Sehr gerne denke ich an die Zeit des Studiums zurück. Als ich im Herbst 1980 mit meinen zwei vollgepackten Koffern aus dem damaligen „Nahverkehrssilberling“ der Deutschen Bahn hüpfend erstmalig „Erzhausener Boden“ betrat, wusste ich nicht, was mich erwartet.

Drei Jahre Studium haben mein Leben sehr geprägt. Nicht nur das Kopfwissen, sondern die Begegnung mit vielen Menschen (Lehrer, Mitstudenten, Gastdozenten, Gäste, …), die Zeiten von Gebet, Andacht und Lobpreis, die Gemeinde-Einsätze, Gottesdienste, Gebetstage, Musikfeste, Aufnahmen – und nicht zuletzt die Mitarbeit auf „Bauröa“ haben ihre Spuren bei mir hinterlassen.

Anfang September 2011. Präsidiumssitzung des BFP, zum Essen und im Quartier sind wir auf BERÖA. Ich studiere die Jubiläums-Schautafeln, die zum Fest erstellt worden sind und die Geschichte dieses ehrwürdigen Ortes dokumentieren. Wirklich gut sind sie geworden. Ich entdecke ein Bild von mir – beim „Bauröa-Einsatz“ bei einer Fußbodenvorbereitung…

Im Sommer-Hauspraktikum hatte ich u.a. gelernt, wie man Heizungen baut und Decken verputzt. Dank Herrn Dr. B.B. Neben theologischen und pastoralen Fächern eben eine „umfassende Ausbildung“ auf BERÖA, die mir später nicht selten SEHR dienlich war…

Wirklich!

Was kann aus diesem Ort noch alles werden…?

Besuch im Gut Dietlhofen bei Weilheim
Ich muss in meinen Erinnerungen kramen. Ist es 20 Jahre her? Nein, nicht ganz. Ich bin in Albanien unterwegs. Mit A. G. und seinem quirligen Team fahren wir auf Mission rund um Pogradec in die albanischen Berge. Ich bin beeindruckt von der Effektivität dieses Dienstes. Wir fahren, durchaus komfortabel, in einem relativ neuen Geländewagen deutscher Bauart mit Stern auf der Haube. Die Mission in den Dörfern macht richtig Freude, die Menschen sind offen für das Evangelium, sie hören die Botschaft und lassen für sich beten.

Auf der Rücktour kommen wir über das Auto ins Gespräch. Könnt ihr euch als Mission das leisten? Das war doch sicher nicht gerade billig. „Der Herr versorgt uns. Das hat ein Sponsor aus Bayern finanziert.“

Szenenwechsel: 2009, ich bin auf Missionsreise in Rumänien. Im Norden des Landes besuche ich mit Markus H. ein Hilfsprojekt für Zigeunerfamilien. „Die haben hier richtige Wohnungen bekommen und jetzt bauen wir ein Gemeinschaftshaus, das auch einmal eine Gemeinde beherbergen soll.“ Auf dem Fensterbrett der Baustelle steht ein kleine bayerische Tischfahne. „Was soll die denn hier und wie bezahlt ihr das alles?“ sind meine nächsten logischen Fragen. Wieder kommt ein Sponsor aus Oberbayern ins Gespräch.

Szenenwechsel: Ob ich schon einmal in Dietlhofen war, will der anrufende Pastorenkollege, den ich an diesem Nachmittag empfange, wissen? Etwas ratlos aber nicht hilflos befrage ich Mr. Google. Der spuckt mir sofort einen Pressebericht des Münchner Merkurs dazu aus, dass man in Dietlhofen große Pläne hätte. Ein Hofgut bei Weilheim wäre das, weiß die allwissende Internetkrake. „Du musst unbedingt mal Dietlhofen besuchen und D und C kennenlernen.“ Der Kontakt ist sehr schnell hergestellt und so fahre ich an einem Dienstagnachmittag im Frühsommer Richtung Weilheim.

Kurz vor Weilheim geht es links ab, über die Bahn, durchs Grüne. Nach kuzer Zeit ist man in Dietlhofen. Auffällig die schöne Kirche, die im Rahmen des Hofguts ungewöhnlich erscheint. D. und C. heißen mich herzlich willkommen. Gemeinsame Wurzeln und Bekannte verbinden uns. Sie sind als Familie aus Nordbayern hierher gekommen, um dieses Hofgut mit (geistlichem) Leben zu erfüllen. „Dieses Zentrum soll im globaleren Sinne der Gemeinde Jesu dienen“, führen die beiden aus. An der genaueren Vision wird noch gearbeitet.

„In den nächsten Tagen wird hier ein Royal Ranger – Camp stattfinden“. Während wir das Gelände besichtigen entfaltet das Ehepaar Tremel verschiedene Gedanken, was in Dietlhofen möglich sein könnte. Wir besichtigen die Kirche und ihre Nebenräume. Alles ist sehr schlicht gehalten, aber funktional durchdacht und von hoher Qualität. Im oberen Stockwerk befindet sich ein Seminarbereich. „Heilig, heilig, heilig“, klingt es leise im Hintergrund aus den Lüftungsschächten. Dem Stifter der Kirche war es wichtig, dass hier fortwährend die Heiligkeit Gottes proklamiert wird und seine Heiligkeit im Mittelpunkt steht, werde ich aufgeklärt.

Dem Stifter? Albanien, Rumänien, Weilheim? An diesem Nachmittag laufen bei mir gedanklich verschiedene Fäden zusammen: Der Geländewagen- und Zigeunerdorf-Stifter lebte hier in Dietlhofen und hat dieses Hofgut, nachdem er zum Glauben an Jesus gefunden hatte, mit einer besonderen Berufung versehen. Dann starb er und vermachte das Anwesen der „GKM“ mit dem Auftrag, es für das Reich Gottes nutzbar zu machen.

Im Untergeschoss der Kirche befindet sich ein imposantes Taufbecken: „Gemeinden können hierher kommen, einen Gottesdienst halten, Taufen durchführen, einen Gemeindeausflug machen.“ D. kommt bei seinen Ausführungen fast ins Schwärmen: Hier ist vieles möglich. „Wir arbeiten daran, dass wir ausreichend Platz für Gäste schaffen können.“ Im Moment gibt es nur einige wenige Möglichkeiten, um Gäste unterzubringen, geplant ist mehr.$

Wenige Wochen später ist D. auf unserer Regionalklausur in Magnetsried und stellt uns Dietlhofen ausführlich vor. Er selbst möchte sich in den BFP in der Region Bayern-Süd einbinden und auch die Geschwister über die Möglichkeiten in Dietlhofen informieren. Mir ist klar: Dies ist ein Ort, der sich zum Segen auswirken kann, wenn wir ihn richtig nutzen.

Nähere Infos gerne bei mir.