Erst beten, dann bohren!

Donnerstagabend: Wir besprechen am Ende des Feiertags noch die Positionen der neuen Fahrradständer in der HB4. Unser Hausmeister fragt mich, ob ich ihm am Freitagmorgen beim Bohren der Löcher helfen kann. Um 7:00 Uhr will er bei Firma Verleihnix einen Erdlochbohrer leihen, da er ab 8:00 Uhr kein Auto mehr hat – und der Gemeindebus auf dem Camp ist. Ja, ich will ihm gerne helfen, aber um 9:00 Uhr habe ich geplant im CZM beim Pastorengebet der Ev. Allianz dabei zu sein. Soll ich das Pastorengebet absagen?

Nein, ich gehe hin, so entscheide ich mich. Ich telefoniere um kurz nach acht mit G.. Nein, er hat das Bohrgerät nicht bekommen, es ist leider verliehen. Beim Baumarkt, bei dem ich gerade bin, gibt es auch keine Bohrgeräte, habe ich schnell eruiert.

Also, gehe ich zum Gebet. Einmal im Monat treffen wir uns als Pastoren in einer Gemeinde, um für die Gemeinde und für die Stadt zu beten. Das Gebet ist richtig klasse. Heute sind wir im CZM, wir sind zwar nur eine kleine Gruppe, aber es ist total intensiv. Das allein hat sich gelohnt!

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Nach dem Gebet erzähle ich F., dass wir keinen Erdlochbohrer bekommen haben und so unser Projekt für heute scheitern würde. Und dass wir kein Auto zum Transport haben, alle auf dem Rangercamp. „Ooh, einer unserer Rangerleiter hat gerade einen Erdlochbohrer mit Motor gekauft.“ „Ob wir den ausleihen könnten“, frage ich vorsichtig. Zwei Telefonate später ist alles organisiert und der Erdlochbohrer wird uns vom lieben Rangerleiter noch vor die Haustür gefahren.

bohrer2Ohne den Bohrer wäre nichts gegangen! Nachmittags, 16 Bohrlöcher mit heftigem Baumwurzelkampf und acht Fahrradständer später, weiß ich meine persönliche Lektion des Tages: „Erst beten, dann bohren!“. Sowohl das Beten als auch das Bohren hat richtig Spaß gemacht.

Und das Mitternachtsgebet in der HB4 ist ein toller Abschluss.

 

Gebet hilft Unruhe zu überwinden

Freitag, gegen 12 Uhr: Ich stehe auf dem „Guten Land“ vor einer historischen Schul-Schiefertafel. In fein säuberlichen Buchstaben lese ich die Notizen einer Lektion über das Gebet. „Es hilft mir Unruhe zu überwinden“ steht dort als einer von mehreren Punkten. Wann habt ihr darüber gesprochen, will ich von D. wissen? „Das war gestern morgen in unserem Bibelstudium, das wir jeden Tag von 9 bis 10 Uhr haben.“

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Das gute Land ist eine Reha-Einrichtung von Teen Challenge. Dirk und Meike sind das Leiterehepaar. Zunächst einmal gibt es bei ihnen einen Kaffee und wir beten miteinander. Dirk schreibt gerade an seiner Biografie, wie Jesus ihn aus einem kaputten Leben herausgeholt hat und etwas Neues in seinem Leben gemacht hat. Sie freuen sich über den Austausch und dass ich gekommen bin, um D. zu besuchen.

Ich habe ein kleines „Gastgeschenk“ mitgebracht. Unsere alte FCG-M-Schneefräse hatte ich am vergangenen Wochenende den Gemeinden in Bayern-Süd per Rund-eMail angeboten, ruckzuck gab es vier Bewerber. Am Dienstag morgen bat ich den Gebetskreis dafür zu beten, dass der richtige Bewerber die Schneefräse bekommt. Dann war es klar: die nehme ich am Freitag mit nach Schnedenhaarbach bei Vilsbiburg zum Guten Land. So kann die alte Dame hier noch einen guten Dienst ableisten. Die Freude ist groß.

glZurück zur Schul-Schiefertafel. Wir sprechen mit D. über sein letztes Jahr hier im Guten Land. Es war wirklich „Gutes Land“ für ihn, wenn auch nicht immer einfach. Ich freue mich ihn zu sehen – und er auch, dass ich gekommen bin. Riesig. „Grüße die ganze Gemeinde von mir. Danke an alle, die mir schreiben.“ Sein Bart steht ihm gut. Nein, wir haben D. nicht vergessen. Wir beten gemeinsam. Im Gebet merke ich, wie D. wirklich Schritte gemacht hat. Das Gebet hilft uns wirklich Unruhe zu überwinden.

Auf dem Weg nach München mache ich noch einige andere Besuche. Überall wo ich hinkomme, gibt es konkrete Gebetsanliegen. Wie gut, dass wir beten können. Gebet hat Kraft und hilft uns in unseren verschiedenen Lebenslagen.

Am Samstagmorgen kommt eine Schwester in mein Büro, die an diesem Morgen mit im Putzteam ist. In ihrer weiteren Familie gibt es eine schwierige Situation. „Komm, lass uns beten“, ermutige ich sie. „Es ist so gut in das Gemeindehaus kommen zu können und gemeinsam mit Geschwistern zu beten.“ Sagt’s und drückt auf den Einschaltknopf des Staubsaugers.

Gebet hilft wirklich die Unruhe zu überwinden.

Start mit Gebet in das Jahr 2013

guf03Das Gemeindehaus ist wieder liebevoll dekoriert für die Fasten- und Gebetstage 2013. Gebetsstationen sind eingerichtet, an denen man zu bestimmten Themen beten kann: Ehe- und Familien, Arbeitszweige der Gemeinde, persönliche Anliegen, Kranke, Abendgottesdienst. Am Kreuz kann man knien und verweilen, die Strohballen rund um das Feuer laden zum Ausruhen und Gespräch ein, im Hintergrund läuft dezent Musik. Während der Gebetstage kommen noch weitere Gebetsstationen hinzu, z.B. Mission, die Ausrichtung unserer Gemeinde im Jahr 2013.

Galater 2,1-7, Johannes 15,1-5 und Johannes 17 (ganzes Kapitel) setzen die Akzente für die ersten drei Gebetszeiten. Immer wieder leuchtet das Thema „In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis“ durch. Wir lesen gemeinsam die Bibelverse aus den Kapiteln und bewegen die Impulse dieser Abschnitte im Gebet. Auf dem „Hügel“ in der Mitte des Raumes sammeln sich immer mehr Karten, die einzelne Impulse festhalten.

guf01Was legt Gott dir für das Jahr 2013 für die Gemeinde auf’s Herz? – Am Samstag sammeln wir im Gebet einige Gedanken für mögliche Schwerpunkte der Gemeinde im angefangenen Jahr.

Am Nachmittag gehen die Unerschrockenenen selbst bei Dauerregen zum Gebetsspaziergang auf den Gebetshügel in den naheliegenden Westpark, um für die Stadt und unsere Nachbarschaft zu beten. Hörendes Gebet, Gespräche und Gemeinschaft begleiten die Tage, bei denen einige sich gar nicht aus dem Gemeindehaus entfernen.

Gebetstag strassen-kirche.de

Heute wieder bei einem Gebetstag unterwegs in Ostbayern mit Miriam, Johnny und Even vom Team strassen-kirche.de. Super Leute mit einer Vision für das Reich Gottes und Gemeindeneugründung.

Verschiedene Ort im Südosten Bayerns besucht und dabei für die Städte und die dort wohnenden Menschen gebetet.  Es ist spannend solche „Gebetsausflüge“ zu machen.

Mal sehen, an welchen Orten die Straßenkirche im nächsten Jahr / in den nächsten Jahren sein wird. Motto: Alles, was wir tun, soll aus dem Gebet heraus geboren werden.

Heute wiederum festgestellt: Bayern hat wunderschöne Städte, reiche, lange Tradition, aber auch Ecken, die eher „zur zweiten Wahl“ gehören.

Zucker und Benzin im Hinterland

Am Morgen beim Frühstück sprechen wir über die Notwendigkeit wieder einkaufen gehen zu müssen. Es sind vor allem das Benzin für den Generator, das knapp wird (der Generator, einer unserer „wichtigsten Mitarbeiter“ braucht doch relativ viel) – und der Zucker. Beim Benzin denkt B. darüber nach, den Pastor zu befragen, der über ein Auto verfügt, ob der das besorgen könnte. Eine Extrafahrt zum Einkaufen wäre mit einem hohen Zeitaufwand und auch nicht unerheblichen Kosten verbunden. Aber was könnten wir wegen des Zuckers machen? Vielleicht gibt es in dem kleinen “Laden” unweit von hier etwas? Cola und Chips hat er jedenfalls…

Ein Teil unseres Teams ist heute zur „Hütten-Evangelisation“ aufgebrochen. Sie kommen begeistert zurück. „So viele offene Türen, wir konnten mit Menschen beten und ihnen das Wort Gottes geben.“ St. ist der größte in unserem Team und trägt deswegen auch spaßeshalber den Beinamen „Goliath“. Seine Stimme erinnert beim Gesang leicht an einen Löwen, so ein Volumen legt er spielend hin. Die afrikanischen Zuhörer lieben das. „Wir machen das in den nächsten Tagen noch einmal“, ist das einmütige Statement des Teams.

M. und Bnk. betreuen im Gebetszelt eine junge Frau, die zum seelsorgerlichen Gespräch und Gebet gekommen ist. Auch sie leidet unter starken negativen Einflüssen des Geisterglaubens. Wir beten als Teilteam gemeinsam für sie. Man merkt den Kampf, der in ihr stattfindet. Während der andere Teil des Teams noch unterwegs ist, kommt ein kleiner Junge, vielleicht ist er vier Jahre, auf unser Gelände. In der Hand hält er eine Schüssel. Da ich auf Englisch nicht mit ihm kommunizieren kann, kommt M. herbei. Die Schüssel ist voller Zucker. Wieder ein Geschenk aus der Nachbarschaft, vermutlich ohne zu wissen, dass wir diesen gerade besonders brauchen. Eine nette kleine Erfahrung am Rande des Geschehens. Abends kommen noch Brot, Kartoffeln, kleine Pfirsiche, Spinat, Getränke und anderes dazu… Das hilft dem Team enorm, unser Speiseplan ist vielfältig.

„Da sind ein paar junge Studenten, denen du versprochen hast, für sie zu beten.“ BnK. kommt an mein Zelt und bittet mich zu kommen. Ja, klar habe ich das, aber ich hatte sie heute morgen um 7:00 Uhr erwartet, wie ausgemacht. Ja, sie hätten das nicht geschafft, spät aufstehen, verschlafen und so…. Ich verstehe. Diesmal sind sie aber nicht nur zu zweit, sondern zu fünft, alle in Schuluniform, allerdings die einfache Variante. Gerne beten wir für ihre Prüfungen und die schulischen Fragen. Im Halbschatten unseres Wohnwagenvorzelts entwickelt sich eine kleine Gebetsversammlung, während die Sonne heiß auf unser Gelände drückt.

Aber beim Gebet für die schulischen Leistungen will ich es nicht belassen. Ich bitte BnK. sie zu fragen, ob sie denn schon Jesus angenommen hätten. Der eine war bereits in der Versammlung, sagt er. Er hätte sich auch beim Aufruf gemeldet, sei aber nicht nach vorne gekommen. BnK. erklärt ihnen in kurzen Sätzen die wichtigsten Aspekte des Evangeliums. Mittagsversammlung. Ob er für sie beten dürfe, dass sie Jesus annehmen? Ja, darf er. Alle sind bereit, Ehrfürchtig werden die Schultaschen, tlw. nur Plastiktüten, abgelegt und das Gebet der Lebensübergabe nachgesprochen. So schlicht und einfach geht das hier! Mir ist natürlich klar, dass damit noch kein wirklicher Durchbruch geschehen sein muss, aber ein Anfang ist gemacht. Ich lade sie ein, am Abend in die Versammlung zu kommen, um mehr zu hören. Ich bin gespannt, was aus den Jungs wird. Ich würde mich freuen sie im Himmel wieder zu treffen. Dort will ich dann sowieso in der afrikanischen Abteilung, sollte es diese denn überhaupt geben, vorbeischauen…

Beim Mittagsgebet nehmen wir das Buch mit den Namen derjenigen, die sich entschieden haben und halten es im Gebet mit erhobenen Armen vor dem Herrn hin. Die Liste ist wieder gewachsen, zwar langsamer, als in den ersten Tagen. Wir beten, dass die Menschen im Glauben wachsen und in den Glaubensgrundkurs kommen. Wieder ist eine Mutter mit einem Baby da, es ist noch ganz klein. Wie alt es denn ist, will ich wissen – vor einer Woche geboren. Wie niedlich. Gegen Ende des Gebets verirrt sich noch eine Kuh in´s Missionszelt, frei nach dem Motto, dass das „Haus Gottes“ offen für alle ist. Die Ziegen aus der Nachbarschaft scheinen dafür mittlerweile kapiert zu haben, dass unsere Mülltonne für sie tabu ist…

Ich schreibe noch schnell eine eMail und bitte unsere Gemeinde in München und die Gemeinden  der Region um Unterstützung für die zusätzlichen Ausgaben der Evangelisation. Mehrere Reifen für den LKW, Bibeln für die Evangelisation, Kosten für das Benzin des sonst nicht notwendigen Generators. Ich bin sicher, ich kann auf meine Gemeinde zählen…

In der Abendversammlung bin ich wieder total begeistert, wie klar B.s Gabe zur Evangelisation ist. Diesmal predigt er über Zachäus. Jesus kommt in die Stadt – und Zachäus ist neugierig. Beispielhaft spricht er über die Neugierde der südafrikanischen Verkehrspolizisten, die „immer“ etwas finden würden, wenn sie einen anhalten, so jedenfalls die Erfahrung des Evangelisten. Selbst habe ich auch schon oft über die Geschichte gepredigt, aber welche Details er alle – in feiner evangelistischer Weise herausholt – begeistert mich zutiefst.

Auch die Kinder sind an jedem Abend zahlreich vertreten. Sie haben im Zelt ihren eigenen Block. Sie lauschen diszipliniert der Predigt, auch sie reagieren auf die Aufrufe. Kaum Störung, sehr gutes Verhalten, das macht den Dienst wirklich einfacher. Am Freitag gibt es trotzdem ein spezielles Kinderprogramm.

Wieder reagieren viele auf den Aufruf. Morgen beginnt der Nacharbeitskurs. Bitte komme, wenn du dich für Jesus entschieden hast. BnK. lädt eindringlich ein. Während des ganzen Abends wird im Gebetszelt für Menschen, die besonders Gebet brauchen, gebetet und ihnen gedient. Das fordert das Team sehr heraus, aber sie stehen zusammen.

Abends ist auch der Pastor da. Er erklärt sich bereit, sich um das Benzin für den Generator zu kümmern. Eine Sorge weniger für das Team. Danke, Herr!

Gebet mit „100 dB Unterstützung“…

„Heute Abend werden wir für die Kranken beten“. Evangelist B. kündigt für Freitag und Samstag an. Nach dem Aufruf zur Lebensübergabe wird eine spezielle Gebetszeit eingeleitet. Eine lange Doppelreihe bildet sich am Bühnenrand. In mehreren Teams legen wir den Kranken die Hände auf. „Wir werden die Leute einladen, dass sie ihre Berichte von Heilungen geben“, sagt der Evangelist. Ob er das überprüfen will, möchte ich wissen? „Das können wir nur in gewissem Rahmen. Hier kommt es auf das Fingerspitzengefühl unserer Gottesdienstleiter an.“

Die Menschen kommen in Scharen zum Gebet, Jung und Alt. Das Gebet fordert Konzentration und ist nicht einfach, da die Musik wieder mit – nicht nur gefühlten – 100 dB hinter uns Betern spielt. Wie gesagt, Afrika. Aber auch das „überlebe“ ich, es geht um die Menschen. Und die haben große Nöte. Eine junge Mutter bringt ihr Kind zum Gebet. Es strahlt viel aus, aber es hat verkrüppelte Beine. Voller Erbarmen beten wir für das Kind. Mir fällt auf, dass es viele sehr junge Mütter gibt, aber auch sehr alte Mütter. Wer mag ermessen, welche Lebensbiografien dahinter stecken. Mehrfach schlägt mir eine starke Alkoholfahne entgegen. Es gibt viele Probleme in diesem Land.

Auch Menschen, die offensichtlich mit Belastungen zu tun haben, kommen. Die klare Verkündigung des Wortes Gottes bleibt auch in diesem Bereich nicht ohne Wirkung. Wir sind vorab informiert worden, dass es in diesem Gebiet viel Kultglauben gibt. Teilweise schreiend rennen sie durchs Zelt. Wir sind dankbar für die couragierte Ordner-Unterstützung aus der benachbarten Gemeinde, junge Frauen, die wissen, wie man mit den Landsleuten umgeht. In der Teambesprechung am anderen Morgen besprechen wir den Vorabend. Was war gut? Was können wir als Team besser machen? Der Evangelist nimmt seine Position als Leiter ein, ohne die Freiheit seiner Mitarbeiter eng zu reglementieren. Klasse.

Über 100 Personen haben sich inzwischen namentlich registrieren lassen, dass sie ihr Leben Jesus gegeben haben. B. zeigt mir das Heft, in dem die Namen fein säuberlich aufgeschrieben sind – und er freut sich über die Frucht! Das ist alle Mühe wert. Manche kommen natürlich an mehreren Abenden nach vorne, aber im Seelsorgezelt wird ihnen gedient und nur die werden neu aufgeschrieben, die nicht schon vorne waren.

Teammutti M, die heute wieder als „Master of Ceremony“ den Gottesdienst leitet, ruft zu Geben von Erfahrungsberichten auf. Wer hat Jesus erlebt? Spontan kommen drei Personen nach vorne. Natürlich kann ich den Inhalt nur per Übersetzung aufnehmen, aber die Art und Weise, wie die Menschen hier ihren Erfahrungsbericht geben, beeindruckt mich. „Ich hatte mit Gott bisher nichts am Hut, bin nicht in die Kirche gegangen. Aber hier ist das anders geworden. Ich habe Jesus mein Leben gegeben.“ Jubel und Applaus aus der Menge. Die junge Frau erzählt, was sich bereits in dieser Woche in ihrer Familie verändert hat, seit sie Jesus angenommen hat. „Am Montag fangen wir mit dem Bibelkurs an. Wir hoffen, dass die Leute auch dazu kommen.“ BnK, der afrikanische Teamleiter von B. ist zuversichtlich.

Am Sonntagmorgen feiern wir teamintern das Abendmahl. Aus einer Leiter, einem Kistendeckel und einer Zeltwand wird schnell ein „feierlicher“ Abendmahlstisch konstruiert. Ich lehre über die Kernpunkte des Abendmahls. „Darf ich am Abendmahl teilnehmen, wenn ich gesündigt habe?“ Am Morgen war eine Frage aus dem Team an mich herangetragen worden. „Es kommt auf deine Herzenshaltung an. Bitte um Vergebung, selbst wenn du im Moment nicht alles korrigieren kannst.“

Selbst am Sonntag ist die Zahl der Frauen aus der Nachbarschaft, die zum Mittagsgebet kommen, groß. Diesmal haben sie einen großen Sack Reis dabei. Die Dankbarkeit für unser Hiersein ist groß. Chicken mit Reis steht heute auf unserem Speiseplan, natürlich wieder megascharf.

Der Generator schnurrt vor sich hin, die Sonne brennt heiß vom blauen afrikanischen Himmel herunter. Ich sitze mit meinem Laptop im Schatten meines Zeltes. Schnell noch diesen Blog an die fleißige Assistentin in München absetzen (Danke, Christl!), damit sie ihn in´s Internet stellen kann!

Heute Abend bin ich dran mit Predigen…

Wie kommt Dunkelheit in eine Pappkiste?

„Damit Dunkelheit in deinem Leben ist, musst du gar nichts tun“. Der Evangelist hält eine kleine Pappbox hoch, die er vor der Versammlung noch schnell aus dem Wohnwagen gekramt hat.

Es ist der dritte Abend der „Underberg-Crusade“. Underberg selbst ist zwar zwei Autostunden weg, aber Afrika ist eben weitläufig. So auch dieses Gebiet hier. Auch heute ist das Zelt kurz vor Versammlungsbeginn in eine Wolke getaucht, leichter Regen macht alles feucht und klamm. Wir liegen hier immerhin auf 1600 Meter unterhalb eines Berggipfels. Auch an diesem Abend lassen sich die Menschen nicht vom Wetter abhalten, in die Evangelisation zu kommen. Als Evangelist B. die Bühne betritt, ist das Zelt wieder sehr gut gefüllt, zwar etwas weniger als am Abend vorher, aber die Resonanz ist gut.

Teammutti M. ist heute der „MC“, Master of Ceremony, dessen Aufgabe es jeden Abend ist, die Brücke zwischen dem Musikprogramm und der Verkündigung zu bilden, damit die Menschen für die Botschaft vorbereitet sind. Sie hat wirklich eine Gabe dafür.

„Damit Licht in dein Leben kommt, musst du etwas unternehmen“. B. erklärt das Evangelium in einfacher Weise. Er ist adrett gekleidet. Schwarzes, gestreiftes Hemd, ein reinweißer Schlips dazu. Die Afrikaner lieben die Kontraste. Auf der Bühne muss der Prediger adrett gekleidet sein, selbst in der hintersten Pampa. „Es hat uns viel Aufwand gekostet, das Zelt hier aufzubauen und hierin Licht zu haben“. Erklärt er anschaulich. Die Afrikaner nicken und verstehen. „Wir mussten Kabel verlegen, damit das Licht hier brennt“.

Ich versuche den Evangelisten mit der Digi-Kamera, die meine großzügige Tochter mir ausgeliehen hat, gut auf das Bild zu kriegen. Gar nicht so leicht, beim Blitzen sieht’s nicht so doll aus, ohne Blitz einen Prediger zu fotografieren – gar nicht so leicht, besonders wenn dieser nicht still an einem Platz steht, und dann noch einen überaus engagiert mitgehenden Übersetzer hat. „Deswegen fordern wir die Menschen auch jeden Abend auf, dass sie einen Schritt tun können.“

B. ist wirklich ein Evangelist mit Herzblut und Berufung, hier in Südafrika genau am richtigen Platz, ist mein Eindruck. Seine Botschaft und die Art und Weise der Präsentation berühren mich tief. „Du musst Schritte gehen, damit Licht in dein Leben kommt“. Er fordert die aufmerksam lauschenden Afrikaner heraus, ihr Leben Jesus zu geben. „Wenn du Jesus dein Leben gibst, dann kommt Licht in dein Leben“.

Kein steifer Prediger auf der Bühne. Er hebt die Arme, schwenkt mit der Bibel, läuft nach links, geht nach rechts. Der Keyboard-Spieler sitzt in Hab-Acht-Position, um musikalisch unterstützend einzugreifen. So lieben es die Afrikaner. Die Botschaft kommt glasklar und scharf, trotzdem liebevoll und warmherzig. Es ist wichtig, dass Menschen gemäß ihrer Berufung dienen können. Hier erlebe ich, wie jemand in seiner Berufung fließt. Der Abend berührt mich sehr.

Gott hat verschiedene Gaben gegeben. Mit Epheser 4,11 ermutige ich am nächsten Morgen das Team, die Berufung von B. als Dienstgabe wertzuschätzen und zu unterstützen, denn auch er kann ohne die überaus wichtige Unterstützung des Teams wenig bewegen. Ohne Musiker, die die Afrikaner abholen können? Ohne Übersetzer? Ohne Helfer? Ohne Unterstützer aus Deutschland? Und so fließen hier die verschiedenen Dienstgaben zusammen. Es ist wie bei einer Hand. Ein Finger allein kann nicht greifen.

„Damit Dunkelheit in diesem Leben ist, musst du nichts tun, wie bei der Pappkiste. Aber Gott möchte, dass es Licht wird. Wer möchte, dass Licht in sein Leben kommt?“ Hände gehen hoch. Co-Evangelist und Übersetzer BnK. dienen gemeinsam. Während des Altarrufs übernimmt der Einheimische, sie fließen fast übergangslos gemeinsam. Wieder kommen viele zum Gebet nach vorne. Es scheint so leicht, so einfach zu gehen, nicht schwerfällig. Warum bloß ist das in Afrika anders als bei uns – und so leicht? Die Frage bohrt irgendwie in mir…

Aus der Menge kommen auch ein paar Menschen, die ein Schild „Counselor“ tragen. Sie sind aus der benachbarten Gemeinde und dienen den Menschen im Gebet. Die Menschen, die nach vorne kommen, werden im Anschluss gebeten, in ein Nebenzelt zu gehen und entschwinden mit dem Seelsorgeleiter in das Dunkel des Gebetszelts. Irgendwie funktioniert dort heute die Beleuchtung nicht, aber was macht das schon. Wir sind ja nicht in Deutschland.

Am nächsten Tag kommt die Sonne erst gegen Mittag durch. Das tut gut. Ich baue für meine Schuhe eine kleine Konstruktion, damit sie oben auf dem Zeltdach im Wind trocknen können. Wir beten im Mittagsgebet für die Neubekehrten. „Lasst uns ein „Gewächshaus des Gebets“ um diese Menschen bauen“, bitte ich das Team. Sofort erheben das Team und die anwesenden Frauen aus der Gemeinde ihre Stimme zum Gebet.

Dieses Anliegen will ich auch nach Deutschland weitergeben.

Vor meinem Zelt grasen drei Jungbullen und schauen bei mir herein, während ich den Blog schreibe. Zeit, B. um das Handy zu bitten, damit ich die eMails nach Deutschland absetzen kann, denn gleich ist wieder die „Generatorzeit“ vorbei. Meine Ohren werden’s mir danken, denn der Generator ist direkt hinter meinem Zelt.

Was Stoßgebete mit Stromadaptern zu tun haben

In Israel hatte ich sie schon beim Baden im Meer verloren (und wiedergefunden, meine Blogleser wissen das), hier hätte ich sie dringend gebraucht: meine geliebte Sonnenbrille, noch aus dem vergangenen Jahrtausend. Aber wer denkt bei minus 8 Grad in München schon daran, dass man eine Sonnebrille brauchen könnte? So weit reicht mein alterndes Hirn dann leider nicht…

Südafrika ist schön, wirklich. Es ist grün, richtig saftig grün. Zuckerrohrplantagen und Eukalyptusbäume so weit das Auge reicht. „Nein, die Löwen sind hier auch nur noch eingesperrt zu finden“, lacht B. Ich hatte mir das Land eher braun und karg vorgestellt, aber die zwei Stunden Autofahrt von Durban in das Kwazulu Natal Gebiet sind ein komprimierter Einstieg. Vorbei geht’s an runden afrikanischen Hütten, Frauen mit Holz auf dem Kopf – so habe ich mir Afrika vorgestellt. „Da unten liegt Kwa Siza Bantu.“ Wir halten an und ich fotografiere die bekannte Missionsstation von Erlo Stegen.

Die Nacht beim Stopover in JoBurg ist kurz. Genau genommen ist sie „null-komma-fünf“, eine halbe Stunde Schlaf im Flieger nach Durban. Das ruckartig zum Stillstand kommende Flugzeug weckt mich auf: Du bist da! 428.000 Kilometer zeigt der Tacho – der Mercedes, mit dem B. mich abholt, dürfte auch bald in Rente gehen wollen. „Unser Pickup streikt gerade“ ist B. in Sorge. Der Allradantrieb schaltet sich immer automatisch ein. Die Mechaniker wissen noch keine Lösung. Alltagsprobleme eines Missionars, die das Leben auf Trab halten.

In JoBurg auf dem Aiport halte ich mich mit eMails wach… Das funktioniert ganz gut. Dummerweise passt der deutsche Schukostecker nicht in die südafrikanischen Steckdosen und die Erfinder meines „Alle-Länder-Reiseadapters“ hatten Südafrika wohl auch nicht auf dem Schirm. Ein kurzes segnendes Stoßgebet für meinen leeren Akku – und ein freundlicher Sicherheitsmensch mit gelber Warnweste, der Nachtdienst hat, besorgt mir aus dem Fundus des Flughafens leihweise einen entsprechenden Adapter. Gebetserhörung. Man muss nur höflich fragen – oben und unten.

1200 Höhenmeter sind überwunden – zwei Autostunden später: Der Feigenbaum im Garten der Familie H. ächzt fast unter der Last. Da fehlt nur die beste Ehefrau von allen, ihr Herz würde bei diesen ihren Lieblingsfrüchten aufgehen. Es ist Mango-Saison. Köstlich! Auch der Begrüßungskuchen von K, den sie mir unter „Gefällt-mir“ meiner Facebook-Freunde angekündigt hatte, ist exzellent.

„Ich freue mich“ – aus der Heimat kommt eine Mail von der „bEva“ mit mehreren gesammelten netten „Freude-Meldungen“. Ich bin entspannt. Der liebe S. ist extra gekommen und hat das Fahrrad repariert. So ist auch das am Tag der Abreise auftretende innerstädtische Transportproblem gelöst. Ich bin erleichtert – und freue mich auch.

21:13 – „mir ist zu kalt“, sagt K: und macht die Tür zur Küche zu. Die Eidechsen sonnen sich auch nicht mehr. Kalt? Ich sitze noch auf der Veranda unter den üppig mit Früchten behangenen Weinranken, die Grillen zirpen schon seit Stunden im zehntausendfachen unermüdlichen Afrika-Chor. Langsam klappen meine Augenlider runter, aber den Blogeintrag will ich noch fertig bekommen.

Inzwischen ist klar, wo wir die Evangelisation machen werden. Etwa sechs Stunden Autofahrt weg, unterhalb der Drakensberge in der Nähe von Lesotho. „Da ist es wirklich richtig afrikanisch“, meint B. Der lokale Pastor freut sich sehr, dass wir kommen, auch wenn der Termin ganz kurzfristig zustande gekommen ist. Im Büro von B. hängen schöne Plakate mit dem ursprünglichen Termin und Ort. „Das ist jetzt Geschichte“, sagt B.. So ist halt Afrika.

Morgen wird das Team kommen, das sich in den vergangenen Tagen bereits zum Fasten und Gebet getroffen hat, um die Evangelisation und sich selbst vorzubereiten. Das Team wird für jede Arbeit neu zusammengestellt und ergänzt. „Zum Zeltaufbau musst du nicht mitkommen, das wird stressig“, sagt B.. Doch, ich will aber mitkommen. Darum bin ich ja hier, um von A bis Z, oder mindestens Y, mit dabei zu sein.

Ma., die lokale Mitarbeiterin, geht extra zum Frisör, um für die Evangelisation „hübsch“ zu sein. Mit der veränderten Frisur kenne ich sie im ersten Moment gar nicht wieder. „Ihr Weißen habt es mit euren Haaren viel einfacher, ihr müsst sie nur waschen.“  Das ist auch eine Sicht der Dinge. Sie hat im Sommer geheiratet. Interessiert fragt mich ihr Mann, ob wir in Deutschland denn auch Zeltevangelisation machen würden… Er dient im Team als Übersetzer.

K. findet eine passende Arbeitshose für mich. „Die kann ruhig schmutzig werden“. So bin ich gut für die nächsten Tage gerüstet. Den Anzug zum Predigen habe ich sowieso dabei.

München „hinter Gittern“

Anfang September 2011.

Wie an jedem ersten Freitag im Monat treffen wir uns vor dem Eingang der Matthäuskirche. Urlaubsbedingt ist die Truppe heute etwas kleiner. Es ist immer ein herzliches Begrüßen und Miteinander, wenn wir als Leiter und Pastoren zum Gebet zusammenkommen.

Fast keiner von uns hat „Zeit im Überfluss“. Trotzdem ist es uns wichtig, gemeinsam zu beten – regelmäßig. Vor dem Gebet steht aber erst der Aufstieg auf den Kirchturm – für manchen eine echt frühsportliche Übung. Japps. Schnapp.

Dann haben wir es direkt vor uns: „München hinter Gittern“ –  damit die Tauben den Turm nicht verdrecken. Verständlich. Die Sonne scheint warm auf die Dächer herab. Die Alpen sind leicht im Hintergrund zu sehen.

Wir beten füreinander, für die Gemeinden, für die Stadt München und für die Region. Dabei blicken wir auf das Stadtzentrum, das Rathaus, nach Norden, Süden, Osten, Westen. Immer gibt es aktuelle Anliegen. Heute beten wir besonders auch für Israel.

Gebet ist eine Macht. Setzen wir sie ein. Zu unserem Wohl, aber auch zum Wohl unserer Stadt.

1415-Gebet: Viermal „Ich will“

(ursprünglich veröffentlicht in den FCG-M-News September 2011)

Paulus geht mit Entschlossenheit die Frage des Gebets an. Er ermutigt uns in der Bibel an verschiedenen Stellen, das Gebet nicht zu vernachlässigen. Paulus tut das nicht ohne Grund, denn Gebet ist angegriffen. „Ich will beten mit dem Geist, aber ich will auch beten mit dem Verstand; ich will lobsingen mit dem Geist, aber ich will auch lobsingen mit dem Verstand.“ (1. Korinther 14,15). Mit diesen Worten teilt er uns seine persönliche Entscheidung mit.  Er hat sich dazu entschlossen beten zu wollen.

Nein, es ist nicht nur seine persönliche Entscheidung sondern dies leitet uns an: Wir sind aufgefordert, uns für das Gebet zu entscheiden. Es gibt viele Dinge, die uns vom Gebet abhalten wollen, da die Aufmerksamkeit in unserem Leben von allen möglichen Bereichen gefordert wird. Das ist wohl auch kaum zu ändern. Umso wichtiger ist, dass wir – wie Paulus – sagen: ich will auch!

Das Gebet hat viele Dimensionen und Facetten. Zwei davon möchte ich heraus greifen. Das eine ist die Ebene des Verstandes, das andere die Ebene des Geistes. Interessant finde ich, dass Paulus hier die Ebene des Geistes zuerst nennt.  Wenn wir beten, müssen wir manchmal die Ebene des Verstandes verlassen und uns auf die Ebene des Geistes begeben. Hier merken wir, dass uns die „sicheren Bretter“ fehlen, weil wir uns im übernatürlichen Bereich bewegen müssen.

Für mich bedeutet „Beten mit dem Geist“ zunächst einmal das Gebet in Zungen oder Sprachen. Das liebe ich und praktiziere es gerne. Da kann ich richtig eintauchen und menschliche Aspekte loslassen. Aber es geht von der Bedeutung her viel weiter. Gebet im Geist bedeutet auch, sich nicht auf seinen Verstand verlassen zu müssen, sondern vom Heiligen Geist Leitung zu erfahren. Der Heilige Geist übernimmt die Führung, wenn wir nicht wissen, wie und was wir bitten sollen (Röm. 8,26). Auch das Singen im Geist und im Verstand hat eine besondere Kraft.

Viermal „Ich will!“ – Mach diesen Tag, diese Woche, diesen Monat zu so einem „1415-Ja“, in dem du für dich persönlich die „Ich-will-Entscheidung“ triffst.