Wenn Sarah der Hagar die Füße wäscht …

… und sie mit ihren Haaren trocknet, dann kann das schon zu Tränen rühren.

Global Gathering, Jerusalem im November 2016 – das ist eine fünftägige Konferenz der besonderen Art. Die Chinesen bilden mit an die 2000 Personen die eindeutige Majorität der etwa 4000 Teilnehmer aus über 60 Nationen. Und sie prägen die Atmosphäre. Als am Mittwochabend die Tontechnik für eine geraume Zeit komplett ausfällt, sind sie es, die durch ihren spontanen Gesang und ihre Gebete den Konferenzgottesdienst in eine geistliche Intensität hineinführen, auch ohne Technik, ganz wie in China. Und wenn sie gemeinsam mit lauter Stimme und ohne Vorgaben für Israel beten, ist es, als würde die Halle beben.

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Diese Konferenz ist eben nicht gewöhnlich. Sprecherliste? Zeit- und Ablaufplan? Fast komplett Fehlanzeige! Fast alles geschieht aus dem Augenblick heraus. „Wir möchten nicht verpassen, in welche Richtung der Heilige Geist uns führt“, sagt David Demian (Kanada), der Initiator und Leiter dieser Gatherings (das vorletzte fand im Oktober 2015 in der Münchner Olympiahalle statt). Im Hintergrund agiert ein mehrhundertköpfiger internationaler Beirat, mit denen sich Demian vor jeder Veranstaltung austauscht, um Klarheit über die Richtung zu bekommen. Zu diesem Beirat waren auch meine Frau und ich eingeladen.

Starke Gabe in seiner Persönlichkeit

Demian hat eine starke Gabe, die Versammlungen in dieser Art zu leiten – und ist bereit dabei auch Fehler zu machen. Mit einer Seelenruhe liegt er flach auf der Bühne und wartet auf innere Führung oder er spaziert während der jeweils fast vierstündigen Versammlungen durch den Saal, während auf der Bühne vielsprachiger Lobpreis, unterstützt durch eine ausdrucksstarke etwa 20-köpfige Tanzgruppe, läuft. Vor der Bühne ist ein großer Platz freigelassen, wo Hunderte ausgelassen hüpfen oder tanzen.

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Auf der Leinwand erscheinen die Liedtexte in bis zu sechs (!) Sprachen gleichzeitig. Die Einheit der Christen aus verschiedenen Nationen findet besondere Beachtung. Und hier wiederum ist die Beziehung zwischen messianischen Juden und den arabischen Christen „im Land“ ein wichtiges Thema. Unter großer Bewegung wäscht eine messianische Jüdin, die sinnbildlich Sarah genannt wird, einer arabischen Christin, die Hagar genannt wird, die Füße und trocknet diese dann mit ihren Haaren. „Ich bitte dich um Vergebung für alles, was wir dir angetan haben. Ich will dir in Liebe dienen“. Manche müssen sich die Tränen wegdrücken – ich auch.

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David Demian gelingt es immer wieder, durch zeichenhafte Handlungen die Konferenz auf essentielle Themen zu fokussieren. Immer wieder führt das in starke Gebetszeiten, die sich meistens auf nationale oder globale Anliegen beziehen, wie zum Beispiel die Wiedervereinigung von Nord- und Südkorea. Hier werden besonders die Deutschen zum Gebet eingeladen.

Starke deutsche Delegation

Die deutsche Delegation umfasst etwa 250 Personen, die unabhängig voneinander nach Israel gekommen sind. Ich treffe viele mir bekannte Gesichter, aber auch neue, wobei das Spektrum von Landeskirchlern, Katholiken über die Freikirchen bis hin zur charismatischen Bewegung reicht. Über die Konferenzarmbänder kann man sich selbst in der Altstadt von Jerusalem identifizieren – und mit viel Liebe begegnen. Das ist ein weiterer starker Aspekt der Konferenz: eine herzliche Liebe über Nationalgrenzen hinweg.

Eingeborene, jesusgläubige Stammesführer in Tracht aus Samoa (Südpazifik) leisten durch ihre Art der Anbetung und des Feierns einen besonderen, teilweise gewöhnungsbedürftigen Beitrag zur Konferenz. Unter anderem breiten sie Muschelketten, Teppiche und andere Gaben aus, die sie als „Geschenke für Jerusalem“ mitgebracht haben.

Den Gläubigen aus den Nationen vertrauen

Und dann noch ein bewegender Moment: Der messianisch-jüdische Pastor Asher Intrater (reviveisrael.org) wird gebeten, auf der Bühne eine Krone sinnbildlich für Jesus, den Messias, mit den Händen hochzuhalten. Spontan heben die samoanischen Stammesführer ihn auf ihre Schultern. „Ihr als Juden habt uns getragen, jetzt tragen wir euch messianische Gläubige.“ Später kommen Christen aus anderen Nationen, besonders aber Araber und Deutsche, um die Arme des jüdischen Pastors zu stützen, damit diese nicht sinken. Ohne jegliche Hektik zieht sich dieser Teil etwa 45 Minuten hin, im Saal entwickelt sich eine Atmosphäre von Jubel und Feiern, viele knien lange Zeit auf dem Boden, beten, weinen, rufen zu Gott. Asher Intrater berichtet später, wie es für ihn und die messianischen Juden wichtig ist, den Gläubigen aus den Nationen  vertrauen zu können.

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China kommt zurück nach Jerusalem

Diese Botschaft, dieses Anliegen der chinesischen Christen, haben wir verstanden – schon vor der Konferenz. Hier wird es besonders deutlich sichtbar, unterstützt von einer großen Gruppe von Koreanern. Überall treffen wir die Chinesen, reden mit ihnen, beten mit ihnen gemeinsam, auch noch nach der Konferenz in den Straßen von Jerusalem und Tel Aviv. „Uns liegt Israel besonders auf dem Herzen“, bekennen sie. Und ihr Gebet, ihre Hingabe spricht diese Sprache überaus deutlich.

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„Judenmission“, der Tempelberg und die UNESCO

Auch diese aktuellen Themen haben auf der Konferenz ihren Platz, nicht politisch, wie Demian betont, aber geistlich. Eindeutig ist das Bekenntnis, dass die Botschaft des Evangeliums von Jeschua Hamaschiach (Jesus Christus) zuerst den Juden gegeben wurde und sich daran nichts geändert hat. Und im Gebet wird die Rolle des Tempelbergs als Ort der Verherrlichung für den wiederkehrenden König Jesus mit eindeutiger und klarer Beziehung zur jüdischen Geschichte betont, anders als die UNESCO es wenige Tage vorher ausgedrückt hatte.

Mein Fazit

Für eine Konferenz mit einer langen Rednerliste, wäre ich vermutlich nicht nach Jerusalem geflogen. Aber diese Art, auf Gott zu hören und zu warten, die teilweise gewöhnungsbedürftig ist, aber Jesus so unzweideutig in den Mittelpunkt stellt, gefällt mir und spricht mich an – und macht mir Mut auch für Deutschland.

Und wir lieben es, immer wieder dort zu sein, wo unser Herr und bester Freund gelebt hat!

Die komplette Konferenz ist auf youtube oder watchmen.org frei verfügbar.

Gott nimmt sich der Schwachen und Benachteiligten an

pastor_asPastor Arthur Simonyan leitet die „Word-of-Life“-Gemeinde in Eriwan, Armenien. Ihn treffe ich am Freitagabend in Frankfurt, er dient als einer der Sprecher auf der Konferenz der russischsprechenden Pastoren im BFP. Eigentlich ist er aus familiären Gründen in Deutschland, da seine Tochter an Leukämie leidet und in Heidelberg behandelt wird. Wenn ich es mir richtig gemerkt habe, sind etwa 4000 Menschen in der Gemeinde, die er leitet. Außerdem ist auch er für weitere Gemeinden als nationaler Leiter verantwortlich. Meine Kollegen Juri und Vladyslav haben ihn eingeladen.

Am Nachmittag hatte ich zu den russischsprachigen Pastoren gesprochen. Viele von ihnen habe ich schon vorher getroffen, aber hier lerne ich etliche Neue kennen. Ich bin wirklich begeistert darüber, welche Schätze wir in unserem Gemeindebund haben. Das war auch schon an den Tagen vorher deutlich geworden, wo wir uns mit den Leitern des BFP im Bundesrat getroffen haben. Wir wollen GEISTbewegt unterwegs sein, ist das Credo der Tage. An die 20 Beiträge, jeweils 20 Minuten lang, sind wie ein Feuerwerk des geistlichen Reichtums. Die Tage enden damit, dass wir gemeinsam vor Gott knien und ihm uns selbst – und die Menschen in unserem Land – neu weihen. Das bewegt sehr. Die Inhalte der Tagung werden demnächst in einer schriftlichen Veröffentlichung publiziert.

Doch zurück nach Frankfurt. Welche Botschaft bringt uns Pastor Arthur? Auf der einen Seite spricht er über den Eifer, den wir für Gott haben müssen. Hier ermutigt er die Pastoren. Und dann spricht er über das „Schwache“. Er zitiert aus der Geschichte von Rahel, Lea und Jakob. Und Lea hatte matte Augen, Rahel aber hatte eine schöne Gestalt und ein schönes Angesicht (1. Mose 29,17). „Mit wem fühlst du mit?“, spiegelt er in seiner Predigt Gefühle. „Die meisten Bibelleser fühlen mit der ‚betrogenen‘ Rahel mit, Gott aber kümmert sich um Lea“. Als aber der Herr sah, dass Lea verschmäht war, da öffnete er ihren Mutterschoß; Rahel aber war unfruchtbar (1. Mose 29,31).

„Wie gehen wir in unseren Gemeinden mit Menschen um, die Defizite haben, vielleicht körperlich oder geistig? Oder anderweitig benachteiligte Menschen? Wir müssen sie mit besonderer Liebe umgeben.“ Und dann spricht er an diesem Punkt über das pastorale Herz – und wie Gott die Schwachen sieht. Dem Pastor einer großen Gemeinde geht es nicht um „Erfolg“ und Prestige, sondern um das Herz. Das berührt. Er bittet um Gebet für seine Tochter, man merkt, wie ihn das zeichnet.

Später haben wir Gelegenheit, auf Englisch miteinander ins Gespräch zu kommen. Wir beten miteinander. Ich bin dankbar, dass ein Austausch in alle Richtungen stattfindet. Nicht nur der Osten braucht uns – wir brauchen den Dienst der Geschwister aus dem Osten – und nehmen ihn dankbar an. Das macht Mut.

„Ich bin nicht dein Schaukelstuhl gewesen“

Velbert-Langenberg ist nur ein eingemeindeter Vorort des legendären „Velbert“ – eine Stadt, die (man staune) keinen eigenen Bahnhof hat. Für mich als bekennenden Bahnfahrer also eine kleine Hürde via S-Bahnhof in Langenberg zur Regiokonferenz BFP-NRW zu kommen, auf der ich an diesem Samstag als Sprecher eingeladen bin.

Vorher bewundere ich aus dem Fenster des Regionalexpress die „Stelzen“ der Wuppertaler Schwebebahn, denke mit einem leicht verschlafenen Morgengebet an meinen Vorstandskollegen Friedhelm und die Wuppertaler CGW. Um 5:45 Uhr aus Erzhausen losfahren, das fällt auch mir nicht ganz leicht, zumal der Abend vorher auch nicht ganz früh zu Ende war: Als Vorstand hatten wir den Mitarbeitern der BFP-Geschäftsstelle in Erzhausen unseren Dank für ihren super Dienst für den Bund im Rahmen eines netten Abendessens zum Ausdruck gebracht: „Keiner geht mir von den Mitarbeitern ohne ein kleines „tee-ologisches Geschenk nach Hause“, flachst unser Bundesschatzmeister gutgelaunt. Wertschätzung ist ihm wichtig.

In Velbert angekommen komme ich kaum zum Örtchen durch, um meinen Morgenkaffee vom Essener Bahnhof wegzubringen. Überall werde ich mit „Hallo“ und „Schön, dass du da bist“ begrüßt. Mein Jacket ist anschließend gut ausgestaubt …

Uwe Liermann, der Noch-Regionalsekretär sitzt mit seinem „Läppi“ am Eingang. Am Nachmittag leitet er souverän weite Teile der Geschäftssitzung. Seine Art zu führen und zu strukturieren begeistert mich. „Das habe ich in der Logistikbranche gelernt.“ Richtig gut hat er das gelernt, finde ich. Später wird er zum stellvertretenden Regionalleiter gewählt und Marc Strunk zum Regionalsekretär. „Damit kann ich mich mehr meiner Berufung der Beratung und Unterstützung widmen“, meint Uwe nach seiner Wahl.

„Du hast an mir nicht geklebt und mich auch nicht als Schaukelstuhl benutzt“. Egbert Warzecha „interviewt“ in seiner Laudatio für den scheidenden Regionalleiter, Carsten Buck, den „Stuhl“, auf dem dieser als Regionalleiter saß. Herzliches Gelächter. Die Versammlung erhebt sich, dankt mit „Standing Ovations“ dem scheidenden Regionalleiter und beruft mit „bayerischen Ergebnissen“ Egbert als Regionalleiter und sein Team in dieNachfolge.

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Es geht Schlag auf Schlag: Der frisch gebackene Regionalleiter entfaltet mit motivierenden Worten seine nächsten Schritte, die Regionalfinanzen werden etwas angepasst, neue Gemeinden vorgestellt und GROWEB gibt seinen Bericht. Ich bin begeistert, wie sich diese Initiative des „Alt-Regionalleiters“ zu einem sprießenden Pflänzchen entwickelt hat. Meine Erinnerung verlässt mich etwas, waren es 26 Initiativen, die mit GROWEB unterwegs sind oder schon zu einer Gemeindegründung geworden sind?

Um 16 Uhr hält mich ein weiterer Kaffee gerade noch wach. „Das war eine klasse Tagung – die Region ist sehr gut aufgestellt, eine Hammer-Tagung“, sage ich zu Missionsleiter Thomas Halstenberg, der mich zum Gästezimmer der Velberter Mission begleitet. Die Laudatio von Egbert will ich mir gleich per Email zusenden lassen. Trotzdem muss ich jetzt erstmal eine halbe Stunde pennen, bevor wir mit Thomas bis Mitternacht weiter über (Velberter) Mission und das Ziel, die Unerreichten zu erreichen, brüten …

Wenn jeder Dritte ein Chinese ist

Wenn etwa jeder Dritte, den du siehst, ein Chinese ist oder asiatisch aussieht, bist du entweder in Asien, oder Ende Oktober 2015 in München – beim „Global Gathering“ in der Olympiahalle. Da es gut in meinen Zeitplan hineinpasst, folge ich der Einladung des ägyptisch-kanadischen Arztes David Demian, bei dieser „Nicht-Konferenz“, wie er im Juli beim Pastorentreff ausdrücklich erklärt, in unserer Stadt teilzunehmen.

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Ich treffe viele bekannte Gesichter, meine Pastorenkollegen sind sehr gut vertreten. „Wir wissen, wann wir anfangen“, bekennt David Demian schon im Vorfeld, „aber wir wissen nicht, wann wir aufhören – und wo wir landen.“  So bin ich richtig gespannt, wie er und sein Team das umsetzen werden.

Ungeplant, doch nicht chaotisch…
Was ich hier erlebe, haut mich buchstäblich um. Die Leitung der Versammlungen geschieht wirklich so, wie im Vorfeld angekündigt. Obwohl in etwa 5000 Besucher in der Olympiahalle sind, ist sehr wenig geplant. Lobpreis wird ganz groß geschrieben, Predigten gibt es eigentlich nicht. Man nimmt sich Zeit zur Anbetung und zum Warten auf Gott, meistens nicht unter zwei Stunden. Ja, natürlich hat das Team einige Lieder vorbereitet, aber dann wird großer Freiraum gegeben, so dass sich der Lobpreis zu einem Fluss entwickeln kann, der sich erst während des Fließens formt. Die Lobpreisleiter wechseln „on the fly“, mal die Araber, mal die Deutschen, mal die Chinesen. Liedtexte entstehen während des Lobpreises, das Beamerteam schreibt eifrig mit – in bis zu fünf Sprachen gleichzeitig, Chinesisch und Arabisch inklusive. Und laut ist es – ich schenke voll Mitleid meiner Nachbarin meine Oropax, für die sie sehr dankbar ist …

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Fahnenschwenker verteilen sich über die ehrwürdige Olympia-Arena, das Sicherheitspersonal der Münchner Feuerwehr und der Sicherheitsfirmen schaut verdattert, während Hunderte extrovertiert vor der Bühne tanzen und die Polonaise sich durch die ganze Arena zieht. „Nein, es dürfen aus Sicherheitsgründen nicht mehr Leute in den Innenraum der Arena“, bremst Martin Egli vom Wächterruf, der von deutscher Seite mitleitet. Besonders inspiriert mich das Tanzteam. Bei jedem Auftritt in anderer Kleidung und mit Accessoires in der kreativsten Form, gibt es jeder Session eine besondere, manchmal richtig ehrfurchtserweckende Note, besonders als mit Tüchern symbolisch der Thron Gottes nachgezeichnet wird.

Jubel, Proklamation, Gebet – es reißt auch mich immer wieder förmlich vom Sitz, Tanzen ist oben im Rang etwas schwierig. Am prophetischen Tisch kann man seine Eindrücke aufschreiben. Ich finde es total spannend in diesen Tagen dabei zu sein, weil man kaum weiß, was als nächstes kommt.

Messianische Juden und Araber
Etwa 150 arabischsprechende Teilnehmer sind dabei. Und eine israelische Delegation messianischer Juden. Sie werden zum gemeinsamen Gebet der Annahme und der Segnung eingeladen. „Wir lieben euch als arabischsprechende Geschwister durch die Liebe, mit der Jesus uns geliebt hat. Und wir wollen das zuerst und besonders tun.“ Es ist ein starker Moment, als sich Juden und Araber in den Armen liegen. Sie wollen gemeinsam für Frieden und Versöhnung eintreten und so ein Zeichen setzen. Souverän und mit viel geistlichem Feingefühl und Autorität leitet David Demian die Anwesenden in ein Segensgebet für die beiden Gruppen. So wie er die messianischen Juden während der ganzen Konferenz immer wieder zentral einbindet. Das Abendmahl teilen Juden und Araber gemeinsam aus – es gibt als Brot bayerische Brez’n. Die Halle lacht. „Typisch deutsches Brot, eben“, sind die Ausländer ganz unverkrampft.

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Besonders seitens der messianischen Juden wird ein Segensgebet für die Deutschen formuliert. „Ihr habt von Gottes Berufung her eine Leitungsrolle unter den Nationen – und ihr müsst euch wegen eurer Vergangenheit dafür nicht schämen.“ Zuspruch geschieht zur deutschen Delegation. Applaus brandet durch das weite Rund der Olympiahalle. Ja, man will sich wirklich der Berufung stellen.

Viel mehr Chinesen wollten kommen
Doch zurück zu den Chinesen. Wie viele genau da sind, weiß ich nicht, es heißt 1500. Aber ich weiß, dass ich mit vielen persönlich gesprochen und sie „gedrückt“ habe. Herzliche Umarmung ist hier sowieso wie selbstverständlich, Küsschen rechts und links. Wir heißen die Chinesen in München herzlich willkommen, sie drücken ihre Liebe und ihre Last für Deutschland aus. „Wir beten intensiv für euch“, heißt es immer wieder. „Wir sind euch so dankbar, dass ihr als Europäer vor 150 Jahren Missionare nach China geschickt habt.“ „Mission reverse“, ich ahne, was an Potential darin liegt! Welch eine enorme Kraft hat das Gebet dieser Geschwister. Das müssen wir uns als Deutsche zu Nutzen machen, es darf nicht brach liegenbleiben. Viel mehr Chinesen wollten nach München kommen, sind aber am Visum gescheitert.

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Dann kommen mehrere Hundert von ihnen auf die Bühne, knien nieder, beten für Deutschland,  schreien zu Gott für geistliches Leben in unserem Land. Das geht tief. Die Halle geht mit. Eine 17-Jährige Chinesin kommt und gibt ihre Vision weiter, sieht eine starke Verbindung zwischen Deutschland und China. „China unterstützt Deutschland geistlich, dass ihr in eurer Berufung leben könnt.“ Später habe ich Gelegenheit, mit Papa L. persönlich zu sprechen. Er ist einer der Leiter der größten Hauskirchenbewegung in China. Auch er bestätigt das Gesagte, aber die Sprachbarriere macht die Kommunikation nicht so einfach. Einen Tag nach der Konferenz gibt mir die Übersetzerin, die in der Halle spontan hilfreich einsprang, per eMail eine Einladung weiter, ob ich bereit wäre in China zu dienen, Papa L. würde mich einladen …

Die Brücke nach China ist für mich in diesen Tagen besonders deutlich sichtbar. Wir stehen in der Halle in kleinen Kreisen und beten füreinander, Deutsche und Chinesen. Dabei steht im Vordergrund, sich gegenseitig zu unterstützen. „Wir brauchen einander“. Segnend, fürbittend treten die Nationen füreinander ein, während vor der Bühne etliche sich unter einer großen chinesischen Flagge sammeln. Dann wird erwähnt, dass Kanzlerin Merkel gerade heute in China wäre, was zu einer Extra-Segensgebetsrunde für sie und ihre Arbeit leitet.

Auch diese Grenze muss fallen
Am letzten Tag wendet sich die Versammlung den Koreanern zu. Dankbar wird ihrerseits erwähnt, dass Deutschland als Nation den Koreanern damals in einer wirtschaftlich schwierigen Situation großzügige Finanzhilfen gab. „Ihr Deutschen habt uns nicht verwaist gelassen, als wir es nötig hatten.“ Aber geistlich wäre man, trotz großer Gemeinden, manchmal „vaterlos und verwaist“. „Ihr als Deutsche habt die Erfahrung des Mauerfalls gemacht, betet auch für unsere Nation, dass Nord- und Südkorea wiedervereint werden – und dass echte Vaterschaft gelebt wird.“ Auf der Bühne treten Trompeter auf, die Schofarbläser im Saal stimmen mit ein und die Fürbitte für Korea und dessen Wiedervereinigung entwickelt sich zu einem fast ohrenbetäubenden Gebet – ohne dass „gepuscht“ wird.  „Beten haben Tausende von Deutschen bei euch gelernt“, betont Ortwin Schweitzer vom Wächterruf. „Dafür sind wir euch Koreanern überaus dankbar – und für die Beter, die ihr zu uns geschickt habt.

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Ein weiterer Fokus ist das ehrende Miteinander der Generationen. Am Dienstagmorgen kommt die junge Generation auf die Bühne. Man geht aufeinander zu, betont die Notwendigkeit des Miteinanders, sowohl von den „Alten“ als auch den „Jungen“ – und gibt der jungen Generation Raum. Unabhängig von Alter, Status, Nationalität und Geschlecht geschieht hier ein Miteinander, das beispielhaft ist.

Am Mittwoch muss ich etwas früher gehen, da wir noch Termine haben. Schade, dass ich die Aussendung und die Schlussworte nicht mehr mitbekomme. Es war wirklich eine „sehr außergewöhnliche Nicht-Konferenz“. Für mich persönlich – und überhaupt.

Hinweis: Gott24.TV überträgt die Aufnahmen von Global Gathering am Samstag (7.11.) ab 14:00 und jede Nacht ab 23:30 diverse Wiederholungen davon.  

NTC – Sein letztes, mein erstes

IMG_20150611_180151536_HDR„NTC Buchsee“ steht auf der großen Holztafel, die in das überdimensionale Camptor (aus Holzstangen, Schwarzware und Seilen gebaut) – gehängt ist. Etwas verspätet komme ich von der BFP-Vorstandsklausur hier in der Nähe von Ravensburg an, um mein Versprechen vom Pastorencamp während des RR-Bundescamps 2014 einzulösen: Ich nehme an einem National-Trainings-Camp der Royal Rangers teil. Mein erstes!

Meine Frau ist auch schon da und begrüßt mich herzlich, sie ist beim Team der „Erdbeerbohrer“ eingeteilt, ich bin bei den „Nasenbären“, wirklich nette Namen! Nein, keine Sonderbehandlung, sondern auf der Isomatte schlafen, Kochen, Feuer machen – alles, wie es sich bei den Royal Rangers gehört, auch für mich!

Während mir die Bibelversprüfung keine Schwierigkeiten bereitet, ist die Seilprüfung oder die Feuerprüfung schon eher eine Herausforderung. Besonders der Palstek (ein spezieller Pfadfinderkoten) will nicht immer so, wie ich es will.

ntc_buchsee_2015_06__frank_uphoff_IMG_0048Manfred Knecht, der Bundeswart der Royal Rangers, führt mich in mein Team ein. Aus „nasser“ Erfahrung des Bundescamps habe ich ausreichend Folie mitgebracht, die ich unter meine Isomatte platziere.

Manfred ist eigentlich eine echte Royal-Ranger-Legende. Ich lerne, dass es sein letztes Camp als Ausbildungsleiter sein wird. Welch eine Ehre, mit dabei sein zu können!

46x war er Ausbilder auf einer Royal-Ranger-Maßnahme, 47 und 48 sind geplant, 24 NTCs hat er geleitet, auf einem war er der „Camppastor“. 1986 bei der Stammgründung von Stamm 25 in Ravensburg war er Stammhelfer, auf seinen dokumentierten NTCs waren 930 Nachwuchsmitarbeiter dabei, vorsichtig geschätzt dürften es 1200 gewesen sein, die von Manfred Prägung und den „Geist der Royal Rangers“ mitbekommen haben.

ntc_buchsee_2015_06__frank_uphoff_IMG_0311Das ist auch für mich das Wichtigste auf diesem Camp: zu erleben, zu spüren, zu fühlen, wie die Royal Rangers ticken, wie sie sind und was das Miteinander ausmacht. Schnell ist unser Team, obwohl nicht nur altersmäßig sehr unterschiedlich (zwischen 17 und 55), zu einer echten Mannschaft zusammengewachsen. Als die „Erdbeerbohrer“ bei uns zum „Gastessen“ sind, rücken wir alle überaus eng zusammen, so dass unsere Bänke am Teamtisch, gebaut aus Holzstangen und Schnüren, fast zusammenbrechen.

Das „Ratslagerfeuer“ mit dem Schweigemarsch dorthin ist eine besondere Erfahrung – aber halt, darüber darf ich ja gar nicht berichten, wurde uns gesagt…

Die anderen Ausbilder verabschieden Manfred bei seinem „letzten“ NTC mit gebührender Wertschätzung und „Reiskörnern“, die die Multiplikation seines Dienstes symbolisieren sollen – „LKWweise“.

Ziemlich fertig, aber tief berührt fahren wir am Sonntag nach Hause. Royal Rangers sind klasse!

Ob es wirklich Manfreds letztes NTC war? Ich bin mir da nicht so sicher…

Im Western-Saloon in Baden-Baden …

oder: Was geschieht, wenn wir JESUS Priorität geben

11044964_811209975635075_370523568861684651_nSonntagmittag: Cool ist der Saloon. Auf Strohballen sitzen wir und genießen die Atmosphäre. „Das ist für unsere Ranger“, sagt Pastor M.. Petra und ich sind in Baden-Baden. Der zweite Gottesdienst ist gerade vorbei und wir machen einen kleinen Rundgang über das Gemeindegelände. Im Gebäude nebenan gibt es gerade Mittagessen. 7500 Quadratmeter groß ist das Grundstück, Platz ohne Ende. Die Gemeinde plant gerade ein Zentrum für 1000 Leute. „Mein Herz brennt für sein Haus“ ist das Motto, das die Gemeinde verfolgt. Die Dienste sind stark, aber auch die Impulse, die wir an diesem Wochenende für uns mitnehmen, sind sehr wichtig. Es ist immer eine Bereicherung, andere Gemeinden zu besuchen.

Montagvormittag: Für den Rückweg von Baden-Baden beten wir um die richtige Führung. Nicht über die Autobahn, sondern über den Schwarzwald fahren, ist in unserem Herzen. Altensteig liegt auf dem Weg, da halten wir einfach mal an. Der LIDL ist wenig frequentiert. Direkt gegenüber liegt das Gemeindezentrum von JMS. Hier, mitten in der „Pampa“ des Schwarzwalds, gibt es eine starke Gemeindearbeit. Wir melden uns an der Rezeption, weil wir nicht angekündigt sind. Pastor K. ist da und nimmt sich spontan Zeit für uns. Was sich anschließt, ist eine Zeit des intensiven Autausches und der starken Ermutigung. Das ist nicht einseitig, sondern gegenseitig. Stark.

11037777_812305402192199_5947725713708115747_nMontagnachmittag: Wir reisen weiter nach Tübingen. Die Stadt ist malerisch und wirklich eine Reise wert. Aber deswegen sind wir nicht hier. Ganz klar hatten wir bereits am Freitag den Impuls, ein älteres Ehepaar – Pastoren im Ruhestand – zu besuchen. Auch hier fallen wir einfach ohne Anmeldung ein, richtig undeutsch. T. und E. sind ganz schlichte Leute, die für Jesus brennen. T. hat zwei Fußprothesen und hatte gesundheitlich starke Probleme. Er konnte in den letzten Jahren nicht auf unseren BFP-Konferenzen sein. „Wenn Gottes Reich an der ersten Stelle steht, sind wir einfach gesegnet.“ E. ist entschlossen und dient auch im Alter Jesus von ganzem Herzen. In ihrem Haus ist ein riesiges Kleiderlager, wo sie Kleider für Nehemia/AVC sammeln. Mit gemeinsamem Gebet verabschieden wir uns nach knapp zwei Stunden. Eine sehr tiefgehende Zeit.

Dienstagabend: Der „Runde Tisch“ trifft sich wieder. Wie können wir Jugendliche für Jesus erreichen? Eine tolle Runde ist hier zusammen, um zu ringen und zu suchen, wie wir als FCG-M junge Leute besser erreichen können. Ein „Jugendcafe“ steht auf der Agenda, viele Gedanken werden ausgetauscht. „Was du heute kannst besorgen…“, schreibt I. bereits um 23:45 Uhr und sendet mir das Protokoll des Abends. „Ich bin schon fertig“, schreibt I.. Auf geht’s! Klasse.

Mittwochabend: Unser Bibelkreis ist wieder oben oben im Saal, damit auch Karin dabei sein kann. Schon zwei Abende sprechen wir intensiv und tief über den Gedanken, dass wir „Kinder des Gehorsams“ sind und nicht „Kinder der Finsternis“. Wow, das geht wieder sehr tief. Dieser Bibelkreis ist echt die Wucht. Ich hoffe, dass wir heute Abend mit dem Vers fertig werden. Leider werde ich enttäuscht.

Donnerstagmorgen: K., die gerade bei uns unter der Woche ein freiwilliges Praktikum macht, druckt heute die bulgarische Ausgabe von „Sündenbekenntnis befreit“. Auch eine französische Übersetzung liegt inzwischen fertig gedruckt vor. Ich bin sehr dankbar für alle, die sich hier engagieren, in der Übersetzung der Hefte, aber auch in der Umsetzung.

Donnerstagmittag: PARS heißt das persische Restaurant in der Nähe des Hauptbahnhofs. R. hat uns hier einen Tisch reserviert. Aus Dänemark ist K. J. nach München gekommen. Er vertritt SAT-7, einen christlichen Fernsehsender, der Programme in die arabisch-, farsi- und türkischsprechende Welt sendet – rund um die Uhr. „Wir senden ein lebensveränderndes Programm, das von einer halben Milliarde arabisch sprechenden Menschen – und vielen weiteren via Satelit gesehen werden kann.“ Auch R. brennt dafür, seine Landsleute mit dem Evangelium zu erreichen. Eine Begegnung mit dem Prädikat „himmlisch“.

Donnerstagabend: „Wir sind 25 und jeder kann ein Ticket für eine Kleingruppe ziehen“. M. gestaltet den Rahmen. Der Workshop „soziale Dienste“ des Team2020 ist bestens vorbereitet. A. H. hält einen motivierenden und fundierten Vortrag über die soziale Verantwortung der Gemeinde und über die konkrete Situation in München. Was ist unsere Berufung als Gemeinde in diesem Bereich? Fast vier Stunden ist die Truppe zusammen und am Ende sind viele Gedanken zusammengetragen, die nun vom Team2020 weiterentwickelt werden. Klasse, wie unsere Gemeinde sich hier aufgestellt hat und mit einem visionären Blick in die Zukunft schaut.

Freitag-Mitternacht: „Das Evangelium wird allen Menschen gepredigt werden.“ Stjepan gibt einen Impuls zu Beginn des zweiten Gebets um Mitternacht. Vom ersten Moment an ist eine starke Gebetsatmosphäre da. Wie im Flug vergeht die Zeit und um viertel vor eins stapfe ich dankbar durch die nächtliche Kälte nach Hause. R. hat mir noch die Farsi-Übersetzung des „Sündenbekenntnis befreit“ mitgebracht. „Unter Tränen habe ich die Übersetzung gemacht“, hatte er mir gemailt. Jetzt habe ich sie in der Hand. „Falsch gedruckt“ sind sie, denke ich. Nein, nicht falsch, denn Farsi liest man „von hinten“.

10985871_814390671983672_2167548967370880210_nSamstagvormittag: D. holt uns um acht Uhr ab, weil wir gemeinsam nach Augsburg fahren. Regionaler BFP-Pastoren und Leitertag ist heute im neuen Gemeindezentrum der Gemeinde „Neues Leben“ angesagt. Diese Gemeinde kenne ich seit vielen Jahren. Wenige Meter weiter hat diese Gemeinde vor 20 Jahren ein „kleines Räumchen“ von 35 qm, damals hatte ich sie dort besucht. Heute haben sie ihre „Zelte weit gemacht“ und ein großes Gemeindezentrum im Süden von Augsburg, fast 1800 qm sagt Pastor I.. Um den Platz beneide ich sie, um die Arbeit, die noch nötig ist, ihn nutzbar zu machen, nicht. Das Thema des Leitertages ist genau hier angesetzt: „Mache deine Zelte weit.“ Jörg Delekta, unser Regionalleiter, inspiriert die Teilnehmer, sich mutig nach Neuem auszustrecken. Die Sonne scheint verheißungsvoll warm, als wir nach Hause fahren. Was für eine intensive und gute Woche…

… und nun steht der Sonntag vor der Tür: Wir beten für unsere Elmshorner Freunde, die den ZDF-Gottesdienst bei sich haben (siehe unten). J. predigt bei uns am Vormittag, dazu kommen extra seine Eltern, :-), danach hat unsere bulgarische Gruppe eine Taufe mit sechs Leuten, die Jesus in ihrem Leben Priorität geben wollen. Genau! Das machen sie richtig! Das bewirkt und „ferändert“ etwas in unserem Leben.

Und abends haben wir dann noch unseren Abendgottesdienst… „Friede. Freude. Feränderung.“

Friede_Freude_Feraenderung_v2_SLIDERIch freue mich, euch an diesem Sonntag in der FCG-M zu sehen.

Jeder hat seinen Platz im Reich Gottes

IMG_8643aEs ist Samstagnachmittag. Draußen scheint die Sonne, es ist etwas Schnee gefallen. Diese Zeilen schreibe ich euch aus unserem Hostel in Kosice in der Slowakei. Mit den slowakischen Geschwistern haben wir hier einige intensive Tage zum Thema „Wie Gott es sich gedacht hat – Die Botschaft der Wiederherstellung in den kleinen Propheten.“ verbringen können. Über dieses Thema hatten Petra und ich schon im vergangenen Jahr in Rumänien gesprochen, inzwischen haben wir es weiter ausgebaut und die Botschaft ist hier auf sehr offene Herzen gestoßen. „Und wenn ihr nur für mich gekommen seid…“, meint F., der Pastor der Gemeinde. Er ist familiär durch eine schwierige Zeit gegangen, seine Frau war an Krebs erkrankt, ihr geht es aber nach Operation und Therapie schon wesentlich besser. F. hat seit einiger Zeit die Leitung der Arbeit von S. H. übernommen, der für uns übersetzt.  Er sieht neue Weichenstellungen für seinen Dienst und seine Berufung.

IMG_8663Immer wieder ist es ein Phänomen, mit Geschwistern im Ausland gemeinsam zu beten und im Lobpreis zu sein. Auch hier ist die Erfahrung wieder sehr stark. Obwohl die sprachlichen Hindernisse da sind, scheinen sie im Gebet und Lobpreis völlig in den Hintergrund zu treten. Auch hier in Kosice fühle ich mich diesbezüglich wie zu Hause.

IMG_8704Dass unsere Reise nicht ganz einfach werden würde, hatten wir schon im Vorfeld „gespürt“. So kommt es dann auch. Das beginnt schon, als wir auf dem Weg zum Bahnhof sind. Obwohl wir mit ausreichend Vorlauf losgefahren sind, endet die Reise schon hier fast im morgendlichen Münchner Verkehrschaos. Aber eben nur fast. Vor Ort äußert sich das dann in einer geringeren Teilnehmerzahl, als die Organisatoren erwartet haben. Aber wir sollten uns durch nichts irritieren lassen – das war ebenfalls in unseren Herzen. Und das haben wir auch nicht. So ist die Zeit hier (bisher) stark, intensiv und gut, in manchem aber anders als geplant und erwartet.

IMG_8617Besonders beeindruckt sind wir von D., die seit vier Jahren wegen MS im Rollstuhl sitzt. Sie ist morgens schon da, bevor wir zum Frühstück kommen (um 9 Uhr beginnen die Lehreinheiten) und ist rund um die Uhr bis abends um 22:00 Uhr bei jedem Seminar dabei. Eine starke Ausstrahlung geht von ihr aus. „Ich habe keinen Dienst in der Gemeinde“, meinte sie, als wir alle danach fragen. Heftig widerspricht der Pastor. „D. bringt Menschen zusammen, die sonst nicht von Gott hören würden“, konstatiert er. Ja, so ist es. JEDER hat seinen Platz im Reich Gottes.

Am Sonntag haben wir noch mehrere Gottesdienste, bevor wir dann am Montagmorgen um 6:00 Uhr wieder nach München aufbrechen, um uns um 9:30 Uhr dann im Bahnhof Budapest Keleti mit C. K. zum Frühstück zu treffen …

Gebet hilft Unruhe zu überwinden

Freitag, gegen 12 Uhr: Ich stehe auf dem „Guten Land“ vor einer historischen Schul-Schiefertafel. In fein säuberlichen Buchstaben lese ich die Notizen einer Lektion über das Gebet. „Es hilft mir Unruhe zu überwinden“ steht dort als einer von mehreren Punkten. Wann habt ihr darüber gesprochen, will ich von D. wissen? „Das war gestern morgen in unserem Bibelstudium, das wir jeden Tag von 9 bis 10 Uhr haben.“

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Das gute Land ist eine Reha-Einrichtung von Teen Challenge. Dirk und Meike sind das Leiterehepaar. Zunächst einmal gibt es bei ihnen einen Kaffee und wir beten miteinander. Dirk schreibt gerade an seiner Biografie, wie Jesus ihn aus einem kaputten Leben herausgeholt hat und etwas Neues in seinem Leben gemacht hat. Sie freuen sich über den Austausch und dass ich gekommen bin, um D. zu besuchen.

Ich habe ein kleines „Gastgeschenk“ mitgebracht. Unsere alte FCG-M-Schneefräse hatte ich am vergangenen Wochenende den Gemeinden in Bayern-Süd per Rund-eMail angeboten, ruckzuck gab es vier Bewerber. Am Dienstag morgen bat ich den Gebetskreis dafür zu beten, dass der richtige Bewerber die Schneefräse bekommt. Dann war es klar: die nehme ich am Freitag mit nach Schnedenhaarbach bei Vilsbiburg zum Guten Land. So kann die alte Dame hier noch einen guten Dienst ableisten. Die Freude ist groß.

glZurück zur Schul-Schiefertafel. Wir sprechen mit D. über sein letztes Jahr hier im Guten Land. Es war wirklich „Gutes Land“ für ihn, wenn auch nicht immer einfach. Ich freue mich ihn zu sehen – und er auch, dass ich gekommen bin. Riesig. „Grüße die ganze Gemeinde von mir. Danke an alle, die mir schreiben.“ Sein Bart steht ihm gut. Nein, wir haben D. nicht vergessen. Wir beten gemeinsam. Im Gebet merke ich, wie D. wirklich Schritte gemacht hat. Das Gebet hilft uns wirklich Unruhe zu überwinden.

Auf dem Weg nach München mache ich noch einige andere Besuche. Überall wo ich hinkomme, gibt es konkrete Gebetsanliegen. Wie gut, dass wir beten können. Gebet hat Kraft und hilft uns in unseren verschiedenen Lebenslagen.

Am Samstagmorgen kommt eine Schwester in mein Büro, die an diesem Morgen mit im Putzteam ist. In ihrer weiteren Familie gibt es eine schwierige Situation. „Komm, lass uns beten“, ermutige ich sie. „Es ist so gut in das Gemeindehaus kommen zu können und gemeinsam mit Geschwistern zu beten.“ Sagt’s und drückt auf den Einschaltknopf des Staubsaugers.

Gebet hilft wirklich die Unruhe zu überwinden.

Knallwarm oder eiskalt…

frank_spDas Russland, das ich vor 18 Jahren das erste Mal hautnah kennengelernt habe, hat mittlerweile nur noch wenig mit dem zu tun, wie es sich heute darstellt. Während ich damals aus dem fernen Sibirien nur mit Mühe, Not und großen Umständen mal telefonieren konnte, skype ich heute mit meiner Frau in bester Qualität. WLAN überall? Kein Problem, und zwar kostenlos. Schnell habe ich kapiert, wo man auf die russischen Buttons „drücken“ muss, damit man online ist. Gleich am Flughafen verschicke ich meine E-Mails, die ich im Flugzeug geschrieben habe. Und in den Geschäften? Alles zu haben! Die Preise? Teilweise höher als bei uns… Leider.

sp02Aber die äußeren Punkte sind nicht die entscheidenden. „Ich bin fest davon überzeugt, dass Gott mir eine Tür in die Mission öffnen wird“, sagt mir E.. Sie ist an diesem Freitag eine perfekte Übersetzerin aus dem Englischen für mich. I., der junge Mann, der mich am Freitagabend im Gottesdienst bei der Predigt übersetzt, studiert an der St. Petersburg Christian University“, die für mich in diesen Tagen ein Zuhause ist. Gerade mal 21 ist er. Er repräsentiert eine junge Generation von Menschen, die in diesem Land etwas bewegen will. Die Sicht für Mission und Hingabe dazu, lasse ich als eine Randbemerkung hier auch fallen. Ich habe ganz stark auf dem Herzen, dass diese Nation einen Auftrag für andere Länder hat.

I. und seine Frau N. bauen Gemeinde in einem Dorf in der Nähe von St. Petersburg. Beim Mittagessen erzählen sie mir ihre Geschichte. Wir kommen sehr tief miteinander ins Gespräch, obwohl die Sprachbarriere da ist. Wenn Menschen, die mit dem Heiligen Geist leben, sich treffen und ihr Herz füreinander öffnen, sind kulturelle und andere Unterschiede sekundär. Starke Zeit!

sp05Am Abend geht es um das Thema Heiliger Geist. Schon im Lobpreis ist eine starke Offenheit da, und so fällt mir nicht nur das Predigen in Englisch sehr leicht, sondern auch der individuelle Dienst. „Du wirst sein wie ein Fisch im Wasser“, hatte vorher noch jemand ein Bild für mich. Das stimmt wirklich. Ich fühle mich in dieser Nation irgendwie zu Hause, obwohl ich die Sprache nicht kann und früher mal gesagt hatte, dass ich mir nicht vorstellen könnte, mal in Russland zu sein… Und jetzt habe ich sogar ein Jahresvisum.

sp06Heute Mittag geht es weiter mit einem Seminar. Wie ich dem vierfarbigen Flyer entnehmen kann, ist für jeden Tag etwas geplant. Konferenz, Gemeindebesuche, Pastorentreffen, alles ist sehr gut vorbereitet. Das ist nach meiner bisherigen Erfahrung auch eher untypisch. Und die Stadt soll ich auch ein wenig sehen, ist den Gastgebern wichtig. Ich bin gespannt.

Ich mache das Fenster neben meinem Schreibitsch auf. Eiskalte Luft strömt herein. Eins ist gleichgeblieben, wie damals in Sibirien: Die ‚digitale‘ Heizung. Null oder eins, an oder aus. Einen Regler am Heizkörper gibt es nicht. So ist meine Nase am Morgen ‚zu‘ von der warmen Luft. Brrr, gleich muss ich das Fenster wieder zumachen.

Russland ist eben ein Land der krassen Gegensätze…

„Voll der Hammer“ – Besuch in Hannover

Anfang September hatten Petra und ich die Gelegenheit, das neue Gemeindezentrum der ELIM-Gemeinde in Hannover, damals noch sehr im Bau, zu besuchen. Der Gottesdienstraum war damals schon fertig. Am Freitag war ich wieder für einen Tag in Hannover.

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Am letzten Sonntag ist das neue Gemeindezentrum eingeweiht worden, über 850 Besucher waren dort. Mit über 60 Räumen und mehr als 3500 qm Nutzfläche ist es ein echtes Prachtstück geworden. Schlicht und dezent in der Innengestaltung, aber sehr ansprechend und schön. Nicht protzig, aber zweckmäßig.

Der Besuch hat erneut einen starken Eindruck bei mir hinterlassen und mich neu darin bestärkt, dass auch bei uns in München „mehr“ möglich ist, als wir bisher haben. Wir sind dankbar für das, was wir an Räumlichkeiten haben. Aber wir dürfen Gott vertrauen, dass er weitere Wege mit uns als Gemeinde gehen kann und wird. München ist teuer, aber Gott ist größer.

Präses Johannes sprach in seiner Andacht über Gnade, die wir von Gott bekommen, und Glauben, den wir haben sollen. Dieses Paar wirkt zusammen. Eine gute Einleitung für den Tag.

Morgens im Zug bekam ich zwei automatische E-Mails, dass ich einen Anruf in der HB4 und einen daheim von derselben Nummer, die mir unbekannt war, erhalten hätte. Ich rief zurück. Ein Bruder aus dem norddeutschen Raum, den ich seit längerer Zeit treffen wollte, war am Telefon. Er hätte, so sagte er, des nachts den starken Impuls gehabt, mich heute morgen (in einer anderen Sache) anzurufen. „Wollen wir uns heute Abend noch treffen?“, fragte ich ihn spontan. Da er nicht so weit von Hannover weg wohnt, kam er nach Abschluss meines Termins und wir hatten ein sehr gutes Treffen miteinander, bevor ich mich am frühen Abend wieder in den ICE nach München gesetzt habe.

Gott führt im Hintergrund eine „höhere Regie“, die wir manchmal nicht sehen – aber auch nicht immer verstehen. Gut das zu wissen!