Wenn die Angst regiert

So ziemlich jeder in München kennt das Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) und war dort schon oder ist dort öfter. Terror an einem solchen Ort – das hebt die schrecklichen Ereignisse noch einmal auf ein anderes Niveau, weil jeder weiß: da hätte ich zum Zeitpunkt der Tat auch gerade sein können.

Quelle: Soziales Netzwerk Facebook
Quelle: Soziales Netzwerk Facebook

Als sich die Ereignisse am Freitagabend überschlagen, sind wir im Gemeindezentrum. „Ich kann nicht zum Treffen des Besuchtsteams kommen“, whatsappt eine Schwester, die im Stau wegen der Straßensperrung steht. Im Saal beten gerade unsere iranischen Freunde, die sich am Sonntag taufen lassen wollen. Sie warten, dass die Küche frei wird, dass sie noch gemeinsam kochen können. Im Garten und Untergeschoss bereiten die Royal Rangers ihr Jahresabschlussgrillen vor.

München unter Schock! Dass der Nahverkehr komplett eingestellt wird, gab es bisher fast nie. Viele stranden, kommen nicht weiter, müssen im Büro übernachten, wie mein Sohn. „Wir haben erstmal unsere Familie durchgezählt“, schreibt B.. Über buchstäblich alle Kanäle kommen die Anfragen, aus dem ganzen Land und Europa wird Anteilnahme geäußert. Wie geht es euch? Seid ihr wohlauf? Der Präses der polnischen Pfingstbewegung, Marek Kaminski, mailt seine Anteilnahme, „wir beten für München“. Ähnliche Nachrichten aus Berlin und Norwegen. Danke für alle Anteilnahme!

Als Gemeinde denken wir an den 6.1.16 zurück. Wir hatten einen Besucher aus Polen, der uns folgendes geistliches Wort weitergab:  „In einem Bild sah ich einen Knopf, auf dem ein Name zu lesen war. Das ist quasi ein Notfallknopf, den man sofort drücken muss. Gott sagt euch als Gemeinde, dass ihr jetzt nicht warten dürft, sondern ihr sollt eintreten und beten für die Menschen, die jetzt terroristische Angriffe in diesem  Land planen. Die Gemeinde soll nicht warten, sondern sofort etwas tun. Ich glaube, dass die Aufgabe jetzt darin besteht aufzustehen und zu beten und einzustehen für den Schutz der Gemeinde und den Schutz der Stadt.

Inzwischen haben wir als Gemeinde dieses Wort immer wieder aufgegriffen, daran erinnert, dafür gebetet. Haben wir es genug getan? Wir wollen das neu aufgreifen und für unser Land, für unsere Stadt beten. Selbst die Tagesthemen wussten in ihrer Dauersendung gegen Mitternacht zu berichten, dass der häufigste Hashtag des Abends „PrayforGermany“ war.

„Pray for München“ – für die Stadt, für das Land beten – das ist eine wichtige Aufgabe der Gemeinde. Auch das ging am Abend über Facebook. Danke allen, die sich dabei mit einbringen. Wenn wir uns jetzt von der Angst regieren lassen, sind wir schlecht beraten! Beten, Gott suchen – das ist der Schlüssel. Wir müssen aber mit der Herausforderung leben, dass solche Ereignisse in Zukunft sicher nicht seltener werden. Viele Menschen, so sagte der Sprecher der Münchner Polizei, sind am Abend in Panik durch die Innenstadt gerannt, obwohl dort nicht wirklich etwas los war. Die Angst regiert!

„In der Welt habt ihr Angst“, sagt Jesus, „aber, siehe, ich habe die Welt überwunden“. Anders ausgedrückt:  “Wenn ihr mir vertraut, braucht euch die Angst nicht beherrschen – denn ich bin euer Herr.“
„Alle unsere Jungs sind sicher daheim, der Bus ist wieder am Gemeindezentrum, ich bin auf dem Weg nach Hause“, whatsappt mir A., der Leiter unserer persischen Gruppe, gegen 1:15 Uhr. Vorher wurden die Rangers nach Hause gebracht! Danke, Herr, für Menschen, die anderen in Hingabe dienen.

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Ich muss aufhören zu schreiben, weil ich los muss. Gleich baut unser Hausmeister im Gemeindezentrum den neuen Taufpool auf! Fast 20 Leute haben sich angemeldet, um sich morgen in einem der drei Gottesdienste taufen zu lassen, davon  einige Flüchtlinge.

Ein Zeichen der Hoffnung und Freude in unserer Stadt – TROTZ, oder gerade IN der aktuellen Lage.

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Alle Neune …

Verschlammt war er mal wieder, unser kleiner Vorgartenteich, liebevoll nennen wir ihn auch „Öcklsee“.
Also, Gummistiefel raus, und nicht vergessen, die alte Hose anzuziehen, mahnt die beste Ehefrau von allen.

Schnell war der Teich leergepumpt und unsere neun Fische eingefangen – alle einzeln, mit der Hand gefangen, was bei den noch kühlen Temperaturen kein größeres Problem darstellte. Etliche Eimer Schlamm musste ich beseitigen, die Steine mit dem Hochdruckreiniger abspritzen. Nachdem sich die Fische wieder an die neue Wassertemperatur gewöhnt hatten, setzte ich sie wieder ein – auch mit der Hand, und wieder „alle Neune“.

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Am nächsten Morgen schaute ich in das klare Wasser und zählte: Nur acht sind da. „Der helle fehlt“, wusste Petra sofort. Irgendwie fühlte ich mich schlecht. An sich sind mir Fische nicht von großer Bedeutung und Rollmöpse esse ich ganz gerne, aber dass bei der Aktion einer „der unsrigen“ verschwunden sein sollte, war mir doch nicht egal. Gegen alle Katzen der Nachbarschaft hatten wir die Fische bist jetzt erfolgreich verteidigt – und jetzt so etwas?

Leben bedeutet manchmal Stress, nicht nur für die Fische. Da passieren so „verrückte“ Dinge, man wird „umgesetzt“ und fühlt sich von einer „übergroßen Hand“ im normalen Leben und Schlamm gestört. Und trotzdem sind solche „Stresserfahrungen“ wichtig, damit ein höheres Ziel erreicht wird: der gewohnte Schlamm muss weg. Ja, ich weiß, dass ich das „Biotop“ zerstört habe, aber dauerhaft geht es nicht anders.

Das, was wir manchmal bedrohlich empfinden, ist nichts anderes, als die liebevolle Hand des himmlischen Papas, der sich um dich sorgt. „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir“, weiß schon der Psalmschreiber zu sagen.. Ihm ist es nicht egal, ob „nur acht“ oder „alle neun“ da sind. Jesus geht dem Schaf nach, das offensichtlich fehlt.

Am Mittag kam die Entwarnung: „Alle Neune“ sind da. Der helle hatte sich zwischen den Steinen versteckt. Scheinbar hatte ihn die ganze Reinigungsaktion zu sehr gestresst. Eigentlich war es nur eine Kleinigkeit, aber ich habe ich mich doch gefreut …

Ich wünsche euch allen einen guten und gesegneten Monat April.

„Ihr Pfingstler habt einen wichtigen Schlüssel von Gott…“

2016_03_reko01„Ich kenne Gemeinde, wo man mit einer Gitarre den Lobpreis leitet, ich kenne aber auch Gemeinde mit fünf Lobpreisteams, Technikern und Beamerteam“. Stefan Striefler, VMeC-Pastor in Nördlingen und Aalen, brennt für die junge Generation. „Die dritte Generation einer Bewegung ist entscheidend“, fordert er die 135 Teilnehmer des Pastoren- und Leitertages der BFP-Region Bayern-Süd heraus. „Diese kennt geistliche Erfahrungen teilweise nur vom Hörensagen, aber bei ihr ist eine große Sehnsucht vorhanden!“

Füssen. Schloss Neuschwanstein liegt an diesem Samstagmorgen im Nebel, Schnee ist noch ausreichend vorhanden. Hier ist eine der „südlichsten“ BFP-Gemeinden zu finden. In den vergangenen 19 Jahren hat sich „von null“, u.a. durch Straßenkirchen-Missionar Even Grün(d)er, ein geistliches Zentrum entwickelt, das heute unter Leitung von Jean-Christof Nadon seine Ausstrahlung in das ganze Allgäu hinein hat. In der ehemaligen Textilweberei befinden sich die Gemeinderäume der Christlichen Glaubensgemeinde. Heute kommt die BFP- Region Bayern-Süd hier zusammen.

Die Teilnehmer des Leitertages sind hochmotiviert. Das spürt man schon im Lobpreis. Regionalleiter Jörg Delekta begrüßt die Pastoren und Leiter. Stefan Striefler spricht über die junge Generation, die  wieder stärker geleitet werden will. „Es ist eine Sehnsucht in der jungen Generation da, mehr im Übernatürlichen mit Gott zu erleben“, ist er überzeugt. „Es braucht apostolische Väter, die junge Leute in eine übernatürliche Dimension des Heiligen Geistes hineinführen. 12 Männer und ein apostolischer Vater bewegen mehr als 120 Männer ohne diesen. Suche in deiner Gemeindearbeit nicht den „gemeinsamen Nenner“ sondern die „maximale Multiplikation“, betont er.

Die Chancen des Gemeindebaus durch den Dienst an Kindern zeigt Febe Olpen in ihrem Beitrag auf. „Wenn du von den guten Taten Gottes in deinem Leben den Kindern erzählst, werden sie begeistert sein – und du brauchst kein Materialheft“, davon ist die Leiterin des BFP-Kinderforums überzeugt.

Segnungszeit, Fürbitte, Impulse zur Gemeindegesundheit und Gemeindeneugründung und eine sehr deutlich positive Probeabstimmung für das BFP-Finanzkonzept der Zukunft. Es geht Schlag auf Schlag.

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Zum Schluss kommt Gerhard Kehl (Vater des „Gipfeltreffens“ Anfang Mai in Füssen) von der Jordan-Stiftung aus Kempten und übergibt Regionalleiter Jörg Delekta einen übergroßen Schlüssel. „Ihr als Pfingstler habt einen Schlüssel von Gott, um ein entscheidender Faktor für Erweckung in Deutschland zu sein. Nutzt ihn entsprechend!“

Was für eine ermutigende Tageskonferenz in Bayern-Süd!

Starke Impulse für Kopf, Herz, Seele und Geist

Samstag, 13. Februar, 15:47. ICE 881 von Hannover nach München, einziger freier Sitzplatz: Fußboden, Holzklasse! Nicht der beste, aber auch nicht der schlechteste Platz, um über die letzten Tage zu reflektieren und diesen Artikel zu schreiben …

Foto: © Thorsten Indra/ Willow Creek
Foto: © Thorsten Indra/ Willow Creek

Da sitze ich nun, nicht nur sprichwörtlich, in der ersten Reihe, mit mir 9.500 andere LeiterInnen und Mitarbeiter in der TUI-Arena. Zum ersten Mal auf einem Willow-Creek-Kongress, eingeladen vom Willow-Vorstand, haben wir hier, im Gegensatz zur Bahn, reservierte Plätze, ganz vorne. So bekomme ich alles „hautnah“ mit, Mitarbeiter, die präzise die Aktentasche, die Bill Hybels bei der Predigt braucht, auf die Bühne stellen, das Worship-Team zum Anfassen und eine Christine Caine von Hillsong Australien, die voll quirligem Leben fast von der Bühne springt.

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Foto: © Thorsten Indra/ Willow Creek

Willow-Kongress, das ist eine Mischung von „Futter“ für den Kopf, das Herz, die Seele und den Geist. Exzellent aufbereitete Leiterthemen für den Kopf, die mich in meiner Aufgabe als Leiter richtig voranbringen können (wenn ich sie denn nur umsetze), emotionale Momente, die der Seele gut tun, tiefgehende Impulse, die meinen Geist berühren, Gebet, das von Herzen kommt und zu Herzen geht – und Musik die abholt und mich mitreißt.

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Foto: © Thorsten Indra/ Willow Creek

Einmal fällt auch hier das Funkmikro aus – so, wie in den meisten BFP-Gemeinden, aber das Niveau, die Leitung der Veranstaltungen ist von durchgehend hoher Qualität. Willow – Erfolgsmodell ohne Fehler? „Keineswegs“, lacht Bill Hybels, Pastor der Großgemeinde aus Chicago. Und dann öffnet er sein Herz, spricht offen über sein Versagen, seine Fehler – und seine Ängste. „Ich bin kein Sklave der Furcht mehr“, erzählt er freimütig, wie er mit Hilfe von musikalischem geistlichem Input seine persönlichen Ängste überwinden konnte. Ein „erfolgreicher“ Leiter zum Anfassen. Schlicht und den Teilnehmern zugewandt sitzt er in der ersten Reihe der riesigen Arena, wird nicht als Mega-Star abgeschirmt. Man kann jederzeit zu ihm hingehen, und auch die anderen „Top-Redner“, die bis in höchste Wirtschaftskreise unterwegs sind, persönlich befragen – und das nutze ich reichlich! Immer wieder setzt Hybels Impulse, greift Fäden auf, leitet – ohne zu dominieren. Das tut gut.

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Foto: © Thorsten Indra/ Willow Creek

Willow bringt sie zusammen, sie „drücken“ sich herzlich – die „Gnadauer“ und die Pfingstler, so, als würden sie jeden Tag zusammen Gottesdienst feiern, die Landeskirchler und die Baptisten. Auf der Bühne haben der Sozialwissenschaftler Joseph Grenny und die Unternehmensberaterin Liz Wiseman aus dem Silicon-Valley genauso Raum, wie der katholische Gebetshausleiter Johannes Hartl (Augsburg), der ICF-Pastor Leo Bigger (Zürich) oder der evangelische Theologe Michael Herbst (Greifswald). Der bezeichnet besonders die Bekehrungen vieler Iraner in unserem Land als Riesen-Wunder. Amen. Recht hat er, finde ich.

Foto: © Thorsten Indra/ Willow Creek
Foto: © Thorsten Indra/ Willow Creek

Richtig voll und cool wird es, als 1500 Mitarbeiter vom Kinderplus-Kongress dazukommen und die BFP-Pfingstlerin Febe Olpen die Kongressmoderation übernimmt. Lothar Krauss, vom BFP aus im Willow-D-Vorstand, nimmt uns in die Mitarbeiter-Lounge zum Essen. Hier summt und brummt es, wie im Bienenhaus, fast 500 ehrenamtliche Mitarbeiter zählt man. Das Angebot an Infoständen ist ebenso reichhaltig wie hochwertig!

Und immer wieder steht Jesus im Mittelpunkt, das Kreuz, das Wort Gottes und seine Autorität. Ja, das holt mich wirklich ab! Auch unser BFP-Präses, Johannes Justus, ist, trotz vollem Terminplan, an zwei Tagen da. Wertschätzend begrüßt er an die 150 von den über 300 BFP-Kongressteilnehmern am Freitagabend in der „ELIM“-Hannover. Neben „BFP-Vorstand zum Anfassen“ gibt es Reflexion, „was wir im BFP von Willow lernen“ können. Dazu Talk und Schnittchen. „Bei unseren Konferenzen haben wir auch noch „Luft nach oben““, findet Andy Sommer vom BFP-Vorstand.

17:30 Uhr, Würzburg. Der Zug leert sich – und ich ergattere einen Sitzplatz mit Tisch. So bin ich dreifach dankbar: für die wertvollen Erfahrungen und Impulse der letzten Tage, den Tischplatz – und die Steckdose.

Wenn Angst und Unsicherheit zunehmen …

In der ersten Hälfte des Januar 2016 legt sich so etwas wie ein Schleier von Angst und Unsicherheit über unser Land. Nach den Anschlägen in Paris, Istanbul, Jakarta, Burkina Faso nun auch bei uns die Räumung des Münchner Hauptbahnhofs kurz vor Jahreswechsel. Und dann die Silvesternacht in Köln: Vor dem Hauptbahnhof sexuelle Übergriffe, Gewalt, Diebstahl, ausgehend von jungen Männern, die als Flüchtlinge hier sein sollen, so heißt es.

Quelle: http://de.freeimages.com - Dirk Ziegener
Quelle: http://de.freeimages.com – Dirk Ziegener

Fast im Tagestakt kommen Nachrichten über Anschläge und Gewalttaten. Es fällt beinahe schwer, sich alles zu merken. Überall scheint der IS „herumzugeistern“. Auch die bisher so geduldige Bundeskanzlerin reagiert etwas heftiger als sonst. Fast zeitgleich lässt eine andere Meldung aufhorchen: 2015 macht der deutsche Bundeshaushalt „wundersame“ 12 Milliarden (!) Euro Überschuss, trotz Flüchtlingskrise!

Gerechtigkeit und Ordnung
Eines muss klar sein: Die Werte unseres Landes, die uns dazu befähigen, andere willkommen zu heißen, brauchen Achtung und Respekt. Wer hierher kommt und Zuflucht sucht, muss verstehen, wie wir miteinander umgehen. Beispielsweise, dass Frauen keine beliebig zu behandelnden „Objekte“ sind. Wer Unrecht tut, wird dafür entsprechend zur Verantwortung gezogen, egal ob als Deutscher oder als Flüchtling. Hier müssen Politiker und Sicherheitskräfte konsequent und mit Augenmaß vorgehen.

Chancen ergreifen
Aus vielen Orten höre ich von Gemeinden, die sich mit großer Liebe für Flüchtlinge engagieren, ihnen sozial dienen, Gottesdienste mit ihnen halten, Menschen taufen – Wunder Gottes geschehen. Aber auch, dass man keinen Zugang findet, negative Erfahrungen macht, sich völlig hilflos vorkommt.

Meine persönlichen „Kontrast“-Erfahrungen
Ich erlebe im Dezember und Januar, dass ich mit etlichen Menschen beten kann, die mit großer Freude und Leichtigkeit ihr Leben Jesus anvertrauen. Fast alle aus muslimischem Hintergrund, und hier besonders Iraner. Verschiedene Leute, die zu uns in die Gemeinde gekommen sind und Jesus angenommen haben, oder über das Internet die gute Nachricht gehört und angenommen haben. Das erfüllt mich mit großer Freude. Viele wollte ich gerne namentlich nennen, kann es aber nicht tun.

Und nun?
Ich bin fragend, denn Meinungen bedrängen mich. Kann ich wirklich allen Nachrichten glauben? Terror und Angst auf der einen Seite, Bekehrungen und Wunder auf der anderen. Krasser geht es kaum. Ich muss mich selbst „sortieren“, um nicht im aktuellen Meinungsstrudel unterzugehen. Mir gelingt das so:

  • Flüchtlinge, sind keine „Massen“ sondern Individuen, die Gott liebt.
  • Ich nutze Gelegenheiten tatkräftig, so, wie sie sich mir bieten und lamentiere nicht über die „Krise“.
  • Sich finanziell einzusetzen, individuell und auch als Nation, scheint immer noch mit Segen verbunden zu sein.
  • Ich erhebe mich nicht über Politiker, sondern bete für sie. Sie brauchen Mut, Weisheit und Weitblick. Konkrete, tragfähige Lösungen werden gebraucht.
  • Ich „hänge mein Fähnchen“ nicht nach dem Wind der Meinung, biblische Werte bestimmen langfristig meine Position anderen gegenüber.
  • Ich bin bereit, meine Haltung immer wieder zu überdenken, notfalls zu korrigieren.

Gott nimmt sich der Schwachen und Benachteiligten an

pastor_asPastor Arthur Simonyan leitet die „Word-of-Life“-Gemeinde in Eriwan, Armenien. Ihn treffe ich am Freitagabend in Frankfurt, er dient als einer der Sprecher auf der Konferenz der russischsprechenden Pastoren im BFP. Eigentlich ist er aus familiären Gründen in Deutschland, da seine Tochter an Leukämie leidet und in Heidelberg behandelt wird. Wenn ich es mir richtig gemerkt habe, sind etwa 4000 Menschen in der Gemeinde, die er leitet. Außerdem ist auch er für weitere Gemeinden als nationaler Leiter verantwortlich. Meine Kollegen Juri und Vladyslav haben ihn eingeladen.

Am Nachmittag hatte ich zu den russischsprachigen Pastoren gesprochen. Viele von ihnen habe ich schon vorher getroffen, aber hier lerne ich etliche Neue kennen. Ich bin wirklich begeistert darüber, welche Schätze wir in unserem Gemeindebund haben. Das war auch schon an den Tagen vorher deutlich geworden, wo wir uns mit den Leitern des BFP im Bundesrat getroffen haben. Wir wollen GEISTbewegt unterwegs sein, ist das Credo der Tage. An die 20 Beiträge, jeweils 20 Minuten lang, sind wie ein Feuerwerk des geistlichen Reichtums. Die Tage enden damit, dass wir gemeinsam vor Gott knien und ihm uns selbst – und die Menschen in unserem Land – neu weihen. Das bewegt sehr. Die Inhalte der Tagung werden demnächst in einer schriftlichen Veröffentlichung publiziert.

Doch zurück nach Frankfurt. Welche Botschaft bringt uns Pastor Arthur? Auf der einen Seite spricht er über den Eifer, den wir für Gott haben müssen. Hier ermutigt er die Pastoren. Und dann spricht er über das „Schwache“. Er zitiert aus der Geschichte von Rahel, Lea und Jakob. Und Lea hatte matte Augen, Rahel aber hatte eine schöne Gestalt und ein schönes Angesicht (1. Mose 29,17). „Mit wem fühlst du mit?“, spiegelt er in seiner Predigt Gefühle. „Die meisten Bibelleser fühlen mit der ‚betrogenen‘ Rahel mit, Gott aber kümmert sich um Lea“. Als aber der Herr sah, dass Lea verschmäht war, da öffnete er ihren Mutterschoß; Rahel aber war unfruchtbar (1. Mose 29,31).

„Wie gehen wir in unseren Gemeinden mit Menschen um, die Defizite haben, vielleicht körperlich oder geistig? Oder anderweitig benachteiligte Menschen? Wir müssen sie mit besonderer Liebe umgeben.“ Und dann spricht er an diesem Punkt über das pastorale Herz – und wie Gott die Schwachen sieht. Dem Pastor einer großen Gemeinde geht es nicht um „Erfolg“ und Prestige, sondern um das Herz. Das berührt. Er bittet um Gebet für seine Tochter, man merkt, wie ihn das zeichnet.

Später haben wir Gelegenheit, auf Englisch miteinander ins Gespräch zu kommen. Wir beten miteinander. Ich bin dankbar, dass ein Austausch in alle Richtungen stattfindet. Nicht nur der Osten braucht uns – wir brauchen den Dienst der Geschwister aus dem Osten – und nehmen ihn dankbar an. Das macht Mut.

„Wenn Jesus eine Schule gründet…“

Dr. Ingo Resch ist Verleger und Mitbegründer der Lukas-Schule, die in München an drei Standorten mehr als 1000 Schüler hat. Am Freitag hat er die „Weißwurscht“ selbst mitgebracht, von seinem Gräfelfinger Metzger, so erfahren wir, als wir in einer Runde von Pastoren, Mitarbeitern, Interessierten und Eltern das soeben vorangegangene Gebet mit der bayerischen Spezialität abschließen.

Lasst euch die „Weißwurst“ schmecken, sagt der „Zuagroaste“ Martin Wagner, Verwaltungsleiter der Lukas-Schule. „Weißwurscht“ heißt es bitte, wird aufmerksam verbessert. Die drei Schulleiter sind mit in der Runde und geben aktuelle Einblicke in die Arbeit – und die Herausforderungen der Schule. Viele Projekte schwirren den Verantwortlichen derzeit durch die Gedanken – die Schule soll weiter ausgebaut werden. Viel Gutes ist bereits geschehen. Sie ist eine staatlich anerkannte Privatschule.

Dr. Martin Brenner ist Schulleiter der Realschule. Ihn kenne ich noch gut von der ARCHE in Augsburg, wo wir einige Jahre gemeinsam unterwegs waren. Er spricht vor allem über das veränderte Lernverhalten und die damit verbundenen Aufgaben. Martin Wagner ist dankbar für das, was in den Lukas-Schulen gewachsen ist – und für das gute Miteinander mit den Gemeinden in München. „Leben lernen – glauben lernen“ ist das Motto der Schule.

Quelle: lukas-schule.de
Quelle: lukas-schule.de

Am Freitagmorgen treffen wir uns mit den Pastoren der Allianzgemeinden zum Gebet für die Lukas-Schule. Einmal im Monat, am ersten Freitag, beten wir gemeinsam für die Stadt München und die aktuellen Anliegen. Der Schwerpunkt war in den letzten beiden Jahren immer eine Gemeinde, in der wir uns getroffen haben, um für sie und ihre Arbeit zu beten. So ist ein ständiger Austausch vorhanden und ein Wahrnehmen der anderen Leiter und Gemeinden. Das ist uns im Miteinander ganz wichtig. Im kommenden Jahr wird das „Gebet in Gemeinden“ wieder zum „Turmgebet“, hoch oben auf dem Turm der Matthäuskirche.

Dank und die Anliegen der Lukas-Schule werden genannt. Besonders beten wir für die Integration und den Unterricht mit den Flüchtlingskindern. 11 sind derzeit integriert, verteilt über die ganze Schule. Besonders beachtenswert ist für mich die Mitteilung, dass die Lehrer sich jeden Morgen zu einer gemeinsamen Andacht treffen, um so in den (Schul-)Alltag zu starten. Wenn das keine gute Grundlage ist? Zum Schluss beten wir für die Leitung der Schule, zwei Personen stehen stellvertretend in der Mitte.

„Jesus hat die Lukas-Schule gegründet“, so jedenfalls tituliert Dr. Resch in seinem Buch, das an diesem Morgen erhältlich ist und die Geschichte der Schule widerspiegelt. Viel persönliches Engagegement hat zu dem beigetragen, was gewachsen ist. Aber ohne Jesus? Unmöglich. Deswegen ist der Buchtitel mehr als berechtigt. Dankbar gehe ich nach Hause, froh über das gemeinsame Gebet und dass wir so eine Einrichtung in der Stadt haben.

… und für die gute Gräfelfinger Weißwurscht….

Wassertropfen an der Kletterrose

Samstagmorgen, ein Blick aus meinem Bürofenster im ersten Stock. Draußen ist es ungemütlich kalt. An den Zweigen der mittlerweile riesigen Kletterrose vor meinem Fenster, die sich bis zum Dach hochzieht, halten sich standhaft einige Tropfen des gestrigen starken Regens. Es ist ein ungewöhnlicher Anblick, sie kleben förmlich an den Rosenzweigen, so dass ich gleich meine Kamera zücke und aus dem Fenster ein paar Fotos schieße.

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Kaum bricht die Sonne durch und kann ihre Kraft entfalten, werden die Tropfen immer weniger. Trotzdem ist unverkennbar: Nach den ungewöhnlich sonnigen Herbsttagen der letzten Wochen bricht der Winter ein und hinterlässt seine Spuren – an diesem Samstagmorgen in ungewöhnlicher Form: Nur durch die Kälte können sich die Tropfen in dieser Art und Weise an den Ästen festhalten.

Starkregen…
Am Freitag in dieser Woche schüttet es wie aus Eimern. Nasse Füße, nasse Jacke, nasse Haare, die Scheiben des Autos beschlagen sehr – das ist meine Erfahrung des Tages. Einfacher ist es, wenn die Sonne scheint, aber so ist es im Leben – wir müssen mit unterschiedlichen Momenten klarkommen.

Die Anschläge von Paris vor mehr als etwa einer Woche sind auch wieder so etwas wie ein schwerer „Regenguss“ gewesen. Wie gehen wir damit um, wie fühlst du dich dabei? Da mag einen Angst beschleichen. Da legt sich ein Schleier auf uns, etwas, was an uns kleben bleiben will. Für manche Menschen wird daraus eine richtige Hysterie. Ohne Zweifel: Die Ereignisse waren schrecklich. Paris liegt in Europa, deswegen trifft es uns stärker. Fast im Nebensatz erwähnen die Nachrichten am Freitag, dass an dem Tag des Anschlages in Paris etwa 50 Menschen in Nigeria bei zwei Anschlägen umgekommen sind. Das hatte ich nicht wirklich registriert…

Eigentlich trifft das Bild nur sehr bedingt, aber ich will es trotzdem so benutzen: An manch einem bleiben vom „Regen des Lebens“ etliche „Tropfen“ hängen, so wie an meiner Rose, nur mit dem Unterschied, dass es nicht immer ganz so „malerisch“ ist, sondern durchaus tiefe Spuren hinterlässt.

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Während ich den Artikel weiterschreibe, tut draußen die Sonne ihr Werk. Ich bin mit den Zeilen noch nicht ganz fertig, da ist das Bild schon völlig anders, die Tropfen sind fast komplett weg, die Sonne hat ganze Arbeit geleistet. Das fasziniert mich richtig.

Ich lese Johannes 16,33 in einer modernen Übersetzung: „Ich habe euch das alles gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. Hier auf der Erde werdet ihr viel Schweres erleben. Aber habt Mut, denn ich habe die Welt überwunden.“ In der Welt habt ihr Angst, klingt es in meinen Ohren. Welche Kraft haben doch die Worte der Bibel.

Wie die Sonne, die die Rosen-Regentropfen beseitigt hat.

„Ich bin nicht dein Schaukelstuhl gewesen“

Velbert-Langenberg ist nur ein eingemeindeter Vorort des legendären „Velbert“ – eine Stadt, die (man staune) keinen eigenen Bahnhof hat. Für mich als bekennenden Bahnfahrer also eine kleine Hürde via S-Bahnhof in Langenberg zur Regiokonferenz BFP-NRW zu kommen, auf der ich an diesem Samstag als Sprecher eingeladen bin.

Vorher bewundere ich aus dem Fenster des Regionalexpress die „Stelzen“ der Wuppertaler Schwebebahn, denke mit einem leicht verschlafenen Morgengebet an meinen Vorstandskollegen Friedhelm und die Wuppertaler CGW. Um 5:45 Uhr aus Erzhausen losfahren, das fällt auch mir nicht ganz leicht, zumal der Abend vorher auch nicht ganz früh zu Ende war: Als Vorstand hatten wir den Mitarbeitern der BFP-Geschäftsstelle in Erzhausen unseren Dank für ihren super Dienst für den Bund im Rahmen eines netten Abendessens zum Ausdruck gebracht: „Keiner geht mir von den Mitarbeitern ohne ein kleines „tee-ologisches Geschenk nach Hause“, flachst unser Bundesschatzmeister gutgelaunt. Wertschätzung ist ihm wichtig.

In Velbert angekommen komme ich kaum zum Örtchen durch, um meinen Morgenkaffee vom Essener Bahnhof wegzubringen. Überall werde ich mit „Hallo“ und „Schön, dass du da bist“ begrüßt. Mein Jacket ist anschließend gut ausgestaubt …

Uwe Liermann, der Noch-Regionalsekretär sitzt mit seinem „Läppi“ am Eingang. Am Nachmittag leitet er souverän weite Teile der Geschäftssitzung. Seine Art zu führen und zu strukturieren begeistert mich. „Das habe ich in der Logistikbranche gelernt.“ Richtig gut hat er das gelernt, finde ich. Später wird er zum stellvertretenden Regionalleiter gewählt und Marc Strunk zum Regionalsekretär. „Damit kann ich mich mehr meiner Berufung der Beratung und Unterstützung widmen“, meint Uwe nach seiner Wahl.

„Du hast an mir nicht geklebt und mich auch nicht als Schaukelstuhl benutzt“. Egbert Warzecha „interviewt“ in seiner Laudatio für den scheidenden Regionalleiter, Carsten Buck, den „Stuhl“, auf dem dieser als Regionalleiter saß. Herzliches Gelächter. Die Versammlung erhebt sich, dankt mit „Standing Ovations“ dem scheidenden Regionalleiter und beruft mit „bayerischen Ergebnissen“ Egbert als Regionalleiter und sein Team in dieNachfolge.

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Es geht Schlag auf Schlag: Der frisch gebackene Regionalleiter entfaltet mit motivierenden Worten seine nächsten Schritte, die Regionalfinanzen werden etwas angepasst, neue Gemeinden vorgestellt und GROWEB gibt seinen Bericht. Ich bin begeistert, wie sich diese Initiative des „Alt-Regionalleiters“ zu einem sprießenden Pflänzchen entwickelt hat. Meine Erinnerung verlässt mich etwas, waren es 26 Initiativen, die mit GROWEB unterwegs sind oder schon zu einer Gemeindegründung geworden sind?

Um 16 Uhr hält mich ein weiterer Kaffee gerade noch wach. „Das war eine klasse Tagung – die Region ist sehr gut aufgestellt, eine Hammer-Tagung“, sage ich zu Missionsleiter Thomas Halstenberg, der mich zum Gästezimmer der Velberter Mission begleitet. Die Laudatio von Egbert will ich mir gleich per Email zusenden lassen. Trotzdem muss ich jetzt erstmal eine halbe Stunde pennen, bevor wir mit Thomas bis Mitternacht weiter über (Velberter) Mission und das Ziel, die Unerreichten zu erreichen, brüten …

Wenn jeder Dritte ein Chinese ist

Wenn etwa jeder Dritte, den du siehst, ein Chinese ist oder asiatisch aussieht, bist du entweder in Asien, oder Ende Oktober 2015 in München – beim „Global Gathering“ in der Olympiahalle. Da es gut in meinen Zeitplan hineinpasst, folge ich der Einladung des ägyptisch-kanadischen Arztes David Demian, bei dieser „Nicht-Konferenz“, wie er im Juli beim Pastorentreff ausdrücklich erklärt, in unserer Stadt teilzunehmen.

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Ich treffe viele bekannte Gesichter, meine Pastorenkollegen sind sehr gut vertreten. „Wir wissen, wann wir anfangen“, bekennt David Demian schon im Vorfeld, „aber wir wissen nicht, wann wir aufhören – und wo wir landen.“  So bin ich richtig gespannt, wie er und sein Team das umsetzen werden.

Ungeplant, doch nicht chaotisch…
Was ich hier erlebe, haut mich buchstäblich um. Die Leitung der Versammlungen geschieht wirklich so, wie im Vorfeld angekündigt. Obwohl in etwa 5000 Besucher in der Olympiahalle sind, ist sehr wenig geplant. Lobpreis wird ganz groß geschrieben, Predigten gibt es eigentlich nicht. Man nimmt sich Zeit zur Anbetung und zum Warten auf Gott, meistens nicht unter zwei Stunden. Ja, natürlich hat das Team einige Lieder vorbereitet, aber dann wird großer Freiraum gegeben, so dass sich der Lobpreis zu einem Fluss entwickeln kann, der sich erst während des Fließens formt. Die Lobpreisleiter wechseln „on the fly“, mal die Araber, mal die Deutschen, mal die Chinesen. Liedtexte entstehen während des Lobpreises, das Beamerteam schreibt eifrig mit – in bis zu fünf Sprachen gleichzeitig, Chinesisch und Arabisch inklusive. Und laut ist es – ich schenke voll Mitleid meiner Nachbarin meine Oropax, für die sie sehr dankbar ist …

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Fahnenschwenker verteilen sich über die ehrwürdige Olympia-Arena, das Sicherheitspersonal der Münchner Feuerwehr und der Sicherheitsfirmen schaut verdattert, während Hunderte extrovertiert vor der Bühne tanzen und die Polonaise sich durch die ganze Arena zieht. „Nein, es dürfen aus Sicherheitsgründen nicht mehr Leute in den Innenraum der Arena“, bremst Martin Egli vom Wächterruf, der von deutscher Seite mitleitet. Besonders inspiriert mich das Tanzteam. Bei jedem Auftritt in anderer Kleidung und mit Accessoires in der kreativsten Form, gibt es jeder Session eine besondere, manchmal richtig ehrfurchtserweckende Note, besonders als mit Tüchern symbolisch der Thron Gottes nachgezeichnet wird.

Jubel, Proklamation, Gebet – es reißt auch mich immer wieder förmlich vom Sitz, Tanzen ist oben im Rang etwas schwierig. Am prophetischen Tisch kann man seine Eindrücke aufschreiben. Ich finde es total spannend in diesen Tagen dabei zu sein, weil man kaum weiß, was als nächstes kommt.

Messianische Juden und Araber
Etwa 150 arabischsprechende Teilnehmer sind dabei. Und eine israelische Delegation messianischer Juden. Sie werden zum gemeinsamen Gebet der Annahme und der Segnung eingeladen. „Wir lieben euch als arabischsprechende Geschwister durch die Liebe, mit der Jesus uns geliebt hat. Und wir wollen das zuerst und besonders tun.“ Es ist ein starker Moment, als sich Juden und Araber in den Armen liegen. Sie wollen gemeinsam für Frieden und Versöhnung eintreten und so ein Zeichen setzen. Souverän und mit viel geistlichem Feingefühl und Autorität leitet David Demian die Anwesenden in ein Segensgebet für die beiden Gruppen. So wie er die messianischen Juden während der ganzen Konferenz immer wieder zentral einbindet. Das Abendmahl teilen Juden und Araber gemeinsam aus – es gibt als Brot bayerische Brez’n. Die Halle lacht. „Typisch deutsches Brot, eben“, sind die Ausländer ganz unverkrampft.

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Besonders seitens der messianischen Juden wird ein Segensgebet für die Deutschen formuliert. „Ihr habt von Gottes Berufung her eine Leitungsrolle unter den Nationen – und ihr müsst euch wegen eurer Vergangenheit dafür nicht schämen.“ Zuspruch geschieht zur deutschen Delegation. Applaus brandet durch das weite Rund der Olympiahalle. Ja, man will sich wirklich der Berufung stellen.

Viel mehr Chinesen wollten kommen
Doch zurück zu den Chinesen. Wie viele genau da sind, weiß ich nicht, es heißt 1500. Aber ich weiß, dass ich mit vielen persönlich gesprochen und sie „gedrückt“ habe. Herzliche Umarmung ist hier sowieso wie selbstverständlich, Küsschen rechts und links. Wir heißen die Chinesen in München herzlich willkommen, sie drücken ihre Liebe und ihre Last für Deutschland aus. „Wir beten intensiv für euch“, heißt es immer wieder. „Wir sind euch so dankbar, dass ihr als Europäer vor 150 Jahren Missionare nach China geschickt habt.“ „Mission reverse“, ich ahne, was an Potential darin liegt! Welch eine enorme Kraft hat das Gebet dieser Geschwister. Das müssen wir uns als Deutsche zu Nutzen machen, es darf nicht brach liegenbleiben. Viel mehr Chinesen wollten nach München kommen, sind aber am Visum gescheitert.

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Dann kommen mehrere Hundert von ihnen auf die Bühne, knien nieder, beten für Deutschland,  schreien zu Gott für geistliches Leben in unserem Land. Das geht tief. Die Halle geht mit. Eine 17-Jährige Chinesin kommt und gibt ihre Vision weiter, sieht eine starke Verbindung zwischen Deutschland und China. „China unterstützt Deutschland geistlich, dass ihr in eurer Berufung leben könnt.“ Später habe ich Gelegenheit, mit Papa L. persönlich zu sprechen. Er ist einer der Leiter der größten Hauskirchenbewegung in China. Auch er bestätigt das Gesagte, aber die Sprachbarriere macht die Kommunikation nicht so einfach. Einen Tag nach der Konferenz gibt mir die Übersetzerin, die in der Halle spontan hilfreich einsprang, per eMail eine Einladung weiter, ob ich bereit wäre in China zu dienen, Papa L. würde mich einladen …

Die Brücke nach China ist für mich in diesen Tagen besonders deutlich sichtbar. Wir stehen in der Halle in kleinen Kreisen und beten füreinander, Deutsche und Chinesen. Dabei steht im Vordergrund, sich gegenseitig zu unterstützen. „Wir brauchen einander“. Segnend, fürbittend treten die Nationen füreinander ein, während vor der Bühne etliche sich unter einer großen chinesischen Flagge sammeln. Dann wird erwähnt, dass Kanzlerin Merkel gerade heute in China wäre, was zu einer Extra-Segensgebetsrunde für sie und ihre Arbeit leitet.

Auch diese Grenze muss fallen
Am letzten Tag wendet sich die Versammlung den Koreanern zu. Dankbar wird ihrerseits erwähnt, dass Deutschland als Nation den Koreanern damals in einer wirtschaftlich schwierigen Situation großzügige Finanzhilfen gab. „Ihr Deutschen habt uns nicht verwaist gelassen, als wir es nötig hatten.“ Aber geistlich wäre man, trotz großer Gemeinden, manchmal „vaterlos und verwaist“. „Ihr als Deutsche habt die Erfahrung des Mauerfalls gemacht, betet auch für unsere Nation, dass Nord- und Südkorea wiedervereint werden – und dass echte Vaterschaft gelebt wird.“ Auf der Bühne treten Trompeter auf, die Schofarbläser im Saal stimmen mit ein und die Fürbitte für Korea und dessen Wiedervereinigung entwickelt sich zu einem fast ohrenbetäubenden Gebet – ohne dass „gepuscht“ wird.  „Beten haben Tausende von Deutschen bei euch gelernt“, betont Ortwin Schweitzer vom Wächterruf. „Dafür sind wir euch Koreanern überaus dankbar – und für die Beter, die ihr zu uns geschickt habt.

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Ein weiterer Fokus ist das ehrende Miteinander der Generationen. Am Dienstagmorgen kommt die junge Generation auf die Bühne. Man geht aufeinander zu, betont die Notwendigkeit des Miteinanders, sowohl von den „Alten“ als auch den „Jungen“ – und gibt der jungen Generation Raum. Unabhängig von Alter, Status, Nationalität und Geschlecht geschieht hier ein Miteinander, das beispielhaft ist.

Am Mittwoch muss ich etwas früher gehen, da wir noch Termine haben. Schade, dass ich die Aussendung und die Schlussworte nicht mehr mitbekomme. Es war wirklich eine „sehr außergewöhnliche Nicht-Konferenz“. Für mich persönlich – und überhaupt.

Hinweis: Gott24.TV überträgt die Aufnahmen von Global Gathering am Samstag (7.11.) ab 14:00 und jede Nacht ab 23:30 diverse Wiederholungen davon.  

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