Neujahrsgipfel in Salzburg

Zum Neuen Jahr herzliche Grüße vom „internationalen Gipfeltreffen“ in Salzburg. Promis aus USA, Peru, Rumänien und Nord-Germany wurden von Salzburger Gebirgsschützen mit Ehrensalut gegrüßt. Richtig rührig, die Ösies. 🙂

Arzt „total geschockt“…

Begeisterte Aufdemhoff-Blog-Leser sind meine polnisch-bulgarischen Freunde W. und T. aus G. an der polnischen Grenze. Im Jahr 2010 konnte ich sie dort besuchen, uns verbindet eine langjährige Freundschaft, die in Augsburg begann.

Vor wenigen Tagen schrieb T. mir voller Begeisterung eine eMail, die ich hier mit ihrer Genehmigung wiedergebe:

Wir sind inzwischen ganz umgezogen. Vor einer Woche war W. beim Augenarzt zur Kontrolle, weil er Probleme mit dem Sehen hatte. Der Arzt (ein Bruder im Glauben) hat als Diagnose gegeben: „Man muss das Auge operieren und zwar in F, wo ein gutes Klinikum ist „.Da wir kein Auto haben, muss man mit dem Zug fahren, es ist kalt, aber was sein muss, muss sein. Wir haben  aber zu unserem besten Arzt im Himmel gebetet, dass alles gut geht. Gestern  war W. schon wieder zur Kontrolle und um einen Termin in Frankfurt zu bekommen. Der Arzt war total geschockt: die Augen sind in Ordnung, man braucht keine Operation. Danke Herr, Du bist so wunderbar und gnädig!!

Bis dass der TÜV uns scheidet…

Statt eines Nachrufs!

Das Versprechen war wirklich ernst: Wir bleiben zusammen, bis dass der TÜV uns scheidet. Liebevoll nannten wir sie unsere „multiple Kröte“. Italien, Dänemark, Polen – überall sind wir mit ihr gewesen. Nur auf Sardinien gab’s keinen einzigen Schluck Erdgas.

Am Freitag haben wir in aller Stille von ihr Abschied genommen.

Erdgas? Ja wirklich, sie fuhr damit – unsere italienische Kröte. Ungläubige Gesichter gab es immer wieder. Und zwar richtig günstig. Nein, nicht die Gesichter, sondern das Fahren mit Erdgas. Natürlich gibt es Erdgas nicht an jeder Straßenecke, aber dafür gibt es ja ein Navi. 75 cent pro Kilogramm Erdgas, das war damals im Jahr 2004 in der Erdgasauto-Modellstadt Augsburg. Fehler waren durchaus nicht in allen Teilen, aber eben doch in manchen. Trotzdem hatten wir viel Spaß an unserer Kröte. Vor allem, dass vorne drei sitzen konnten – und der Geldbeutel an der Tanksäule. Wir kalkulieren grob: Satte 7000+ Euronen dürfte uns das Auto in den Jahren an der Tanksäule gespart haben… Das ist bei aller Trauer sehr erfreulich. Und die Reparaturen haben sich in all den Jahren auch in Grenzen gehalten.

„Wenn bei Gaddafi eine Bombe hochgeht, fällt das nicht so auf. Du kannst das Auto noch nach Afrika verkaufen. Da kommt’s nicht so drauf an…“ Ich muss schlucken. Das telefonische Urteil der Herren der technologischen Überwachung ist schwungvoll und makaber zugleich. 10 Jahre. Punkt. Dann müssen lt. einschläger Vorschriften in der EU neue Tanks her. Gnadenfrist? Gibt es nicht. Nur wenn in den Tanks die richtigen Nummern eingeprägt sind. Ich wälze mich unter das Auto: sind sie nicht…

Der Anruf bei der italienisch gebundenen Fachwerkstatt schafft Klarheit: Tanks austauschen lohnt sich nicht mehr. Zu meinem Geburtstag hatten sie mir noch freundlich gratuliert und im Frühjahr auch den bald fälligen (teuren) Austausch des Zahnriemens besonders günstig angepriesen (10% Rabatt bei gleichzeitigem Kundendienst…), aber dass wenige Monate später die Tanks fällig würden, das hat der Programmierer in der Kunden-Erinnerungssoftware wohl (bewusst) vergessen…

Die Böllerschützen geben drei Schuss Salut. Nein, es sind nicht die Gasflaschen unter dem Multipla, die explodieren, davon gibt es vier. Auf dem nahegelegenen Friedhof des malerischen fränkischen Dörfchens Pyrbaum (das gibt es bei Nürnberg wirklich…) findet gerade eine Trauerfeier statt. Die Dorfschützen kommen zu Ehren des Verstorbenen.  Unsere Abschiedsfeier ist einsam.

Der Pyrbaumsche Himmel weint an diesem Tag mächtig mit uns. Der Sturm peitscht gegen die Beulen des Multiplas. Sie erinnern seit einigen Monaten leise daran, dass Beulen besser zu ertragen sind als Streit über Unfallschuld beim unerwarteteten „Küssen“ auf dem Aldi-Parkplatz, sagt die beste Ehefrau von allen. Recht hat sie.

Wir laden um: Die Fussmatten, den Verbandskasten, das Warndreieck. Ein letztes Foto mit dem Handy hält die fast ehrwürdig wirkende Zeremonie fest. Dankbarkeit überwiegt. Auf der Autobahn hatten wir auf dem Hinweg schon den himmlischen Dank formuliert. Es war wirklich gut, die „Kröte“ zu haben. Himmlische Versorgung – wirklich.

Im Hintergrund strahlt der silbergraue tschechische Krötennachfolger – mit deutschen Innereien, so wissen scheinbar selbst Auto-Laiinnen. Und Portugal-erfahren ist er! Trotz Portugal geht die Anmeldung bei der LH München am Donnerstag fast unheimlich komplikationslos. In 20 Minuten ist alles erledigt.

Wir brausen davon. Ob der Tscheche neidisch auf unsere verhaltene italienisch gefärbte Trauer ist?

Darüber werde ich wohl später mal bloggen…

Die Badehose und der ZehnMeterTurm

Was passiert, wenn du vom ZehnMeterTurm springst und die Badehose…

Die Alpha-Clips auf Youtube: Ernstes, Humorvolles, Freches, Nachdenkliches –

Unser Alphateam hat drei kleine Clips gedreht,  in denen es rund um die Fragen des Lebens geht.

  • Gibt es einen Sinn, warum mir das gerade passiert?
  • Ist mein Leben nur eine Abfolge glücklicher und unglücklicher Ereignisse?
  • Warum ich?

Prädikat: Sehenswert!



Schweiß auf der Stirn und sehr warme Herzen!

Etwas verschlafen gucke ich an diesem Samstagmorgen durch das halbzugezogene Rollo in unseren kleinen Vorgarten. Dicht verhangen ist der Himmel, Wolken lassen wenig Sonne durch. Schade, mein Handy-Wetterbericht hat Recht gehabt: es wird wohl doch ein regnerischer Tag.

Im Gemeindehaus ist der Putzdienst aktiv. Im Foyer sitzen zwei Brüder der afrikanischen Gemeinde, der wir gerade geholfen haben, sich rechtlich zu konstituieren. Sie sind heute da, um die letzten Formalitäten mit mir durchzugehen. Das KVR braucht ihre Anmeldung, da es sich um einen Ausländerverein handelt, noch in 5-facher Ausfertigung, man höre und staune. Der Kopierer in der HB4 hat ganz schön zu tun, um alle Papiere vorzubereiten, zum Schluss haben wir einen dicken Packen zusammen… Während wir kopieren und alle Blätter sammeln, steigt draußen die Sonne immer höher und der Himmel wird blauer. Fantastisch.

Am Nachmittag bin ich froh, selbst in die Loisach zu dürfen. In unserem kleinen Gottesdienst am Ufer der Loisach stehen wir mit etwa 70 (!) Personen, die zur Taufe gekommen sind, in der prallen warmen Septembersonne. Welch ein Samstagnachmittag. Der Schweiß fließt nicht nur mir von der Stirn. Wir entscheiden uns, den Gottesdienst für einige Momente in etwas schattigeres Gebiet zu verlegen – und das im September. Genial! Oliver gibt einen klaren, richtungsweisenden Impuls in einer Kurzpredigt zur Taufe: „Der Kompass zeigt dir den Weg. Gehe einen klaren Weg mit Jesus!“ Dann gibt jeder der 5 Täuflinge ein kurzes Statement von sich persönlich ab. Lebensgeschichte mit Jesus in Kurzform – und das klare Bekenntnis zu Jesus!

Leider ist der Wasserstand der Loisach um etwa 20 Zentimeter tiefer, als am letzten Samstag. Wir müssen etwas weiter hinausgehen. Es ist ein malerisches Taufplätzchen. Dann geht es runter ins kalte Wasser. Es ist richtig erfrischend die Täuflinge untertauchen zu können – äußerlich und innerlich.

Als wir nach der Taufe zur Jacobshütte kommen, brutzelt der Grill schon und der Duft steigt verführerisch in die Nase. Eine nette Feier schließt sich an. Dann die ersten Regentropfen…

Während ich am Samstagabend diesen Blogeintrag tippe, prasselt der Regen vor dem Bürofenster runter. Tiefe Dankbarkeit für diesen Tag erfüllt mein Herz…

MMM & nine nine eleven

Zum  neunten neunten elf!

Lieber Wolfgang, lieber MiniMutMacher (a.D. und i.D.),

als „BFP-XC-Gemeinde“ wollen wir dir zu deinem heutigen 80.Geburtstag herzlich gratulieren. 80 Jahre – und kein bisschen „leise“. Du bist ein wirklicher Ermutiger, Vorbild, Pionier im Reich Gottes – und ein Geschenk an unsere Bundesgemeinschaft. Wenige Tage nach unserem geschätzten Altpräses gehst nun auch du in den „Kreis der ehrwürdigen Achtziger“ ein.

In den Mitsiebzigern, wenn andere nur noch Briefmarken sammeln und Blumen gießen, hast du angefangen MMMs zu sammeln. Auf stolze 365 hast du es Ende August 2011 gebracht, die Zahl scheint „rein zufällig“. Du hast sie nicht nur gesammelt, sondern erbetet, gesucht, nachgedacht, geschrieben und uns alle – und viele über unser Forum hinaus – damit gesegnet. An dieser Stelle möchten wir als BFP-XC-Moderatorenteam dir ganz herzlich stellvertretend für alle Leser danken.

Du hast uns unlängst gesagt, dass jetzt mit den MMMs „Schluss“ ist, du quasi „MMM a.D.“ bist. Wir aber sehen dich weiter „MMM i.D.“ als mutmachender Bruder und Beispiel für uns alle, wie man das Alter kreativ und innovativ gestalten kann. Deine mutmachende Art ist eben nicht einfach „außer Dienst“ zu setzen.

Unser Gebet und Wunsch ist, dass du uns noch lange erhalten bleibst. Auch wenn du nun keine MMMs mehr schreiben wirst, auf Facebook, so haben wir gesehen, machst du weiter mit kleinen Impulsen.

Ich erinnere mich an unsere Gemeindefreizeit, die wir vor vielen Jahren auf der Naumburg gemeinsam mit dir hatten. Schon damals hast du uns sehr ermutigt. Liebe war immer wieder ein wichtiges Thema von dir. Das hast du mit dem MMM nahtlos fortgesetzt.

Du hast dich – das sagte ich an dieser Stelle schon einmal – auch im Alter an die „neuen Kanzeln“ herangewagt, auch wenn du technisch nicht alles durchblickt hast. Aber dir war es wichtig, die Botschaft von Jesus unter die Leute zu bringen. Deine Biografie ist Zeugnis davon. Ich habe sie mit viel Gewinn gelesen!

Vor wenigen Wochen traf ich dich in Erzhausen. Du hattest auch dort einige Studenten in einem Kurs vor deiner „Kanzel“. Deine frische und spätjugendliche (mutmachende) Ausstrahlung hat mir wieder neu gefallen: Wolfgang hat sich kaum verändert!

Für deine „alten Tage“ wünschen wir dir weiterhin viel Frische und Gelegenheit, deine guten Impulse an nachfolgende Generationen weiterzugeben. Grüße auch bitte deine Lieselotte von uns. Habt gemeinsam einen wunderschönen Tag an deinem Ehrentag.

Ich finde, „nine (nine) eleven“ bekommt da noch mal eine ganz andere Bedeutung… :

Herzliche Grüße
Dein BFP-XC-Moderatorenteam

Frank Aufdemhoff mit Jens S. und Christian H.

Hintergrund: Wolfgang, der MMM, hat im eMail-Forum BFP-XC in den letzten Jahren 365 MiniMutMacher veröffentlicht. Eine Sammlung davon ist bei ihm als PDF kostenlos zu erhalten. Näheres unter www.MiniMutMacher.de.

Hänsel und Gretel in Bethlehem

„Möchtest du in Bethlehem preXXdiXXgeXXn?“ Ich brauche nicht lange, um diese Frage mit einem fröhlich-eindeutigen „JA“ zu beantworten. In Bethlehem preXXdiXXgeXXn zu können, passiert nicht jeden Tag.

Über die Straße nach Hebron kommen wir nach Bethlehem. Schade, dass es nicht anders geht als mit einer hohen Mauer. Die an Jerusalem grenzenden Gebiete unter palästinensischer Verwaltung sind aufgrund der Vorkommnisse der letzten beiden Jahrzehnte durch die Mauer abgetrennt. Seitdem ist es aber wesentlich ruhiger geworden. Ein Vorteil für beide Seiten. Eindeutig. Wir fühlen uns zu keinem Zeitpunkt unsicher, diesseits und auch jenseits der Mauer.

Israel konnte im Jerusalemer Stadtteil Gilo inzwischen auch Mauerteile wieder entfernen, die eine Art „zweiten“ Ring gegen Beschuss bedeutet hatten. Es ist kein erhebendes Gefühl an dieser Mauer zu stehen, das stimmt.  Alle Welt regt sich an diesem Punkt über Israel auf. Dabei wird leider vergessen, dass es an anderen Stellen ähnliche Einrichtungen gibt, wie der über 1000 km lange Zaun zwischen den USA und Mexico. Keine Mauer, aber effektiv – und „tödlicher“.  Dass ein Land seine eigenen Interessen und seine Leute schützt und schützen muss, sollte nicht vergessen werden. Das sage ich offen, auch wenn mir die Mauer an sich nicht gefällt.

Wir fahren weiter. Bethlehem ist nicht so „beschaulich“, wie es in fast jedem Krippenspiel wirkt. Das Leben pulsiert in dieser Stadt mit knapp 30.000 Einwohnern.

„Ich preXXdiXXgeXX hier immer 35 Minuten, sonst schlafen die Araber ein“, sagt unser Begleiter. Das ist bei den hohen Temperaturen – trotz Klimaanlage – ein guter Tipp. „Du kannst die Stimme Gottes hören“! Anhand von Psalm 29 spreche ich über die Möglichkeit, die Stimme Gottes zu hören, was sie in unserem Leben bewirkt und wie wir reagieren können.

Nach dem Gottesdienst gibt es Kuchen und kalte Cola. Wir sind hier im „Haus des Friedens“, wie uns das Türschild aufklärt. Die Besucher sind eher älteren Jahrgangs, aber auch einige jüngere Gesichter sind dabei. Die Gemeinschaft ist sehr herzlich. Wenn Christen sich treffen, spielt nicht in erster Linie die Frage eine Rolle, woher wir kommen, sondern ob wir Jesus lieben. Das verbindet.

Schnell müssen wir nach Kuchen und kalter Cola zurück nach Jerusalem. Zwei Fotos, drei Bussis, „erzähle in Deutschland von unserem Hostel, das wir hier haben…“. Arabisch heftig geht’s auf den ersten Kilometern vorwärts.

Welcome to Jerusalem. Von innen an der Mauer prangt ein großes Schild. Auf dem Rückweg nehmen wir einen anderen Weg. „Die Bethlehemer haben mir den empfohlen“. Am Checkpoint ist Warten angesagt. Während von Jerusalemer Seite die Autos eins nach dem anderen herüberbrausen, geht bei uns „nichts“ voran. Doch, ab und zu. Vielleicht sind 5 bis 10 Autos vor uns. Für uns heißt es warten. Unser christlich-arabischer Autofahrer tippt etwas ungeduldig auf das Lenkrad, schaut zum Fenster raus. Da vorne tut sich wenig.

Nach einer gefühlt guten halben Stunde haben wir den Checkpoint erreicht. Heckklappe bitte auf. Der Pass der besten Ehefrau wird nicht benötigt. „Ach, aus Deutschland seid ihr“. „MP“ prangt deutlich lesbar auf der Schulterklappe, das MG hängt lässig herunter.

Eine wichtige Frage hätte er noch, was denn auf Deutsch „Henzel“ wäre. Das würde er noch unbedingt wissen. Ich verstehe nicht gut und frage nach. Der „MP“ versucht in gebrochenem Englisch zu erklären. „… und Greitellll“. Der Groschen fällt. Bereitwillig erkläre ich es ihm, wer Hänsel denn ist. Nicht nur bei Fragen an der Grenze bemühe ich mich immer sehr wahrheitsgetreu zu sein…  Die Schlange hinter uns ist wohl nicht kürzer geworden. Mir fällt das englische Wort für Märchen nicht gleich ein.

Vielleicht hätten wir ihm doch die ganze Geschichte noch ausführlicher erzählen sollen. Ach, fairytale war’s, richtig.

„Welcome to Jerusalem“. Von Bethlehem aus kommend hört sich das eher „fairytale-like“ an, zumindest in bestimmten Situationen.

Wirklich ein Schmelztiegel

Jerusalem ist wirklich ein Schmelztiegel. Hier prallt alles so stark und eng aufeinander.

Heute haben wir uns vorgenommen den Tempelberg zu besuchen. Es ist Ramadan und deswegen ist der Tempelberg nur von 7.30 Uhr bis 11 Uhr für Besucher geöffnet. Da wir wegen unseres Mietwagens sowieso früh unterwegs sein müssen, nutzen wir die Gelegenheit. Die Moscheen auf diesem Gelände sind seit der zweiten Intifada sowieso nicht mehr zugänglich.

Meine Dreiviertelhose ist akzeptiert, wir müssen uns kein „Röckchen“ kaufen, wie wir bei anderen sehen. Die Dimensionen dieser Anlage sind beeindruckend. Die Ausmaße stammen noch aus den Zeiten des Königs Herodes.

Auf dem Platz vor der Al Aksa Moschee gibt es einen Treppenniedergang. Zugang leider auch gesperrt. Was dort ist, wollen wir wissen. „Eine Moschee unterhalb des ganzen Platzes“, klärt man uns auf. Wahnsinn!

Überall sitzen kleine Gruppen. Die Frauen hier, die Männer dort. Gemeinsam werden Koranverse zitiert. So etwas hatte ich bisher nicht gesehen.  Was mich schon auf jüdischer Seite etwas irritiert hatte, finde ich auch hier: Der Mund ist bei der Sache, die Augen wandern sehr häufig über den ganzen Platz und zeugen von einem gewissen „Multitasking“. Und das vor allem bei den Männern, aber nicht nur.

Wenn Glaube sich nur auf den Mund beschränkt, ist es zu wenig.

Die goldene Kuppel strahlt an diesem Morgen leider nur begrenzt im Sonnenlicht. Unüblich für Jerusalem die vielen Wolken, die sich gesammelt haben. Vor dem goldenen Dach kicken einige muslimische Jungs mit dem Ball. Dass nicht gleich ein Wächter auf dem Tablett steht, wundert mich…

Wir versuchen uns zu orientieren. Wo ist die Klagemauer? Wir setzen uns auf die Steintreppe gegenüber hin und haben zeitnah den gleichen Gedanken: Wir beten hier für die Muslime. Das tun wir für einige Zeit.

Es ist kaum vorstellbar, dass auf der anderen Seite dieser Mauer, etliche Meter tiefer, die heiligste Gebetsstätte der Juden ist. Irgendwann wurden hier mal Steine auf die betenden Juden runtergeworfen, erinnern wir uns. Das geschah auch nicht „rein zufällig“. Das Gitter oben auf der Mauer gibt uns Orientierungshilfe, wo genau die „Western Wall“ ist. Eine halbe Stunde später schauen wir uns das noch einmal von der anderen Seite an.

Jerusalem ist wirklich ein Schmelztiegel, in dem alles zusammen kommt. Die christlichen Kirchen leisten hier auch ihren Beitrag, leider auch nicht immer nur positiv. Der Markt der (religiösen) Möglichkeiten hat in Jerusalem Hochkonjunktur.

Ob der dritte Tempel wohl gebaut wird?  Natürlich bewegt uns an diesem Ort diese Thematik. Wieder und wieder diskutieren wir verschiedene Aspekte dieser Frage. Hat Gott es „bewusst“ zugelassen, dass hier das drittheiligste Erbe für die Muslime gebaut wurde? Was wäre gewesen, wenn die Christen hier eine Kirche gebaut hätten?

Im Internet lese ich später, dass das Mitbringen von „andersreligiösen“ Büchern und andere als muslimische Gebete auf dem Tempelberg nicht erlaubt sind.

Zum Glück lassen sich Gebete in der Regel nicht kontrollieren. Auch nicht das Gideon-Testament meiner Frau und die Bibel in meinem Telefon…

Die „loser“ von Nazareth

Bist du auch ein „loser“? Ich verstehe, ich bin wohl einer, wenn ich der Botschaft direkt vor der „Verkündigungskirche“  in Nazareth Glauben schenken darf.

Nazareth liegt eigentlich malerisch. Unser Mietwagen hat die PS nicht sehr üppig unter der Haube, so „schnauft“ er ganz schön, um in die Heimatstadt von Jesus auf den Berg zu kommen. Wie gut, wer damals einen Esel gehabt hat. Etliche Orte liegen in diesem Land oben auf einem Berg. Das gilt für Jerusalem – und auch Nazareth. Von Nazareth ins Land hinein ist es ein einfacher Weg, da es „bergab“ geht. Auf der einen Seite in die Jesreel-Ebene, auf der anderen Seite nach Kana. Natürlich wird hier das erste Wunder Jesu ausreichend mit Hinweisschildern bedacht – und mit Souvenirläden.  Wer zu Jesu Zeiten nach Nazareth ging, der musste recht gut zu Fuß unterwegs sein…

„Was kann aus Nazareth schon Gutes kommen“, hat man ja über Jesus gesagt. Und heute?

Nazareth ist überwiegend arabisch geprägt. An den Ladenschildern ist das eindeutig zu erkennen. Dass es in der Verkündigungskirche, der „christlichen Hauptattraktion“ von Nazareth, mehr um Maria, als um Jesus geht, stört mich auch. Die Glocken klingen trotzdem gut und eignen sich für ein kleines Video. Den Muslimen aber ist die christliche Präsenz in der Stadt grundsätzlich ein Dorn im Auge. Unterhalb der Verkündigungskirche sollte eine zentrale Moschee gebaut werden. Dort gibt es heute ein übergroßes Schild (Foto bitte durch Klick vergrößern!), das neben einer kleinen (eher symbolischen) Mini-Moschee aufgestellt ist.

Verlierer – wer nicht dem Islam anhängt. „Depp“ ist auch eine mögliche Übersetzung für „loser“. Provokant. Direkt vor einer „christlichen Gedenkstätte“. Man stelle sich vor, selbiges würde vor einer muslimischen Gedenkstätte geschehen… Das Chaos wäre perfekt.

Man muss den Hintergrund des Konfliktes wissen: Hier stand einstmals eine staatliche Schule, die von einer kommunistischen Mehrheit im Stadtrat vor der Jahrtausendwende zum Abriss freigegeben wurde. Unter dem Druck der Muslime genehmigte die israelische Regierung zunächst den Bau einer Moschee an dieser Stelle.

Jetzt steht an dieser Stelle eine „Mini-Moschee – und das Schild. Überall im Land wird einem bewusst, wie sensibel das „Gleichgewicht“ der Religionen ist. Dieses Land gut zu regieren, ist ein Meisterstück, unabhängig von der Frage der palästinensischen Autonomiegebiete.  Beten wir für Weisheit für die Regierung von Israel!

Mein Gebet für die Moslems gerade jetzt während des Ramadans ist, dass sie eine Offenbarung über Jesus bekommen und erkennen, wann man wirklich ein „loser“ ist…

Pay half – get double: Pizzavermeeeeeehrung in Netanya

Kauf drei und bekomme eins frei! Das Werbemotto findet man in Israel in größeren Geschäften nicht selten.

Samstagabend, der Schabbat ist zu Ende. Das Leben erwacht wieder. Wir sind auf dem Weg von Tiberias über Nazareth nach Jerusalem zurück. Na klar, wir wollen noch mal ans Mittelmeer. Baden um 21 Uhr in Netanya. Das Wasser ist badewannenwarm, die Brandung mahnt zur Vorsicht. Trotzdem – wir trauen uns. Super.

Anschließend haben wir Hunger. Während auf dem zentralen Platz in Netanya eine Demo in Verbindung mit den landesweiten Protesten gegen Wohnungsnot und hohe Lebenshaltungskosten ihren Lauf nimmt, bestellen wir Pizza. Beim Pizza-Service mit kleiner Bar dabei. Der Laden scheint gut zu laufen. Hochbetrieb, alle Momente fährt ein Motorroller mit Pizza-Lieferung los.

Zehn Minuten würde es dauern, der Preis mit einem großen eisgekühlten Getränk nach Wahl für drei ist akzeptabel, ich bezahle mit Kreditkarte. Als nach einer halben Stunde immer noch keine Pizza in Sicht ist, aber haufenweise Motorroller abgefahren sind, frage ich vorsichtig mal nach. Man will ja nicht ungeduldig wirken, aber die Nachbarn neben uns haben auch schon bekommen, obwohl sie wesentlich später kommen.

X  hinter der Theke fragt Y, Y fragt Z, Z wendet sich per Zuruf an X.  Man zuckt mit den Schultern. Keine Ahnung. Vergessen? Weiß nicht. Man windet sich. Ich werde energischer, das ist für mich nicht akzeptabel. Man meint hier einfach, das aussitzen zu können. Ich werde etwas deutlicher, immer noch betont höflich.

Schließlich merkt man, dass der deutsche Tourist sich nicht „abspeisen“ lässt. Ok, ok, wir geben uns Mühe. In fünf Minuten ist es soweit. Man drückt mir die Hälfte des Pizza-Preises als „Entschädigung“ in bar in die Hand.

Einverstanden! Ich frage noch nach einem weiteren kleinen Getränk. Kostenlos. Auch einverstanden.

In fünf Minuten ist die Pizza tätsächlich auf unserem Tisch. Der Belag entspricht zwar nicht wirklich dem, was wir bestellt haben, aber sie schmeckt ausgezeichnet. Wir sind zufrieden.

Als die Pizza halb in unserem Magen versenkt ist, kommt der „Verursacher“ und fragt mach, ob alles ok wäre. Ja, alles bestens. Pizza gut, Cola kalt…

Er hätte da noch eine Pizza, ob wir dafür Verwendung hätten. Free!

Ich fackele nicht lange. Ja, haben wir.

Die Reste der Pizza schmecken am kommenden Abend noch gut – aufgewärmt.

Pizzavermeeeeeehrung in Netanya: Pay half – get double. Warum nicht auch mal so…