„Ist das nicht der Bach, der da am Kreuz hängt?“ Nein, das sei keine Scherzfrage gewesen, erzählt uns Marco Kircher, Gemeindegründer im „Kirchenthür“-Team in Arnstadt in Thüringen. Solche und ähnliche Fragen seien die Regel, das christliche Grundwissen hier eher dürftig.
25.000 Einwohner hat das hübsche Städtchen Arnstadt, gelegen
südwestlich von Erfurt, bekannt als Stadt, wo Johann Sebastian Bach
seine erste Stelle als Organist hatte. Wir sind in Thüringen und
verbinden das mit einem Besuch. Marco und Rebekka gründen hier Gemeinde,
die „ConnectKirche“. Den Gottesdienst nennen sie „Sonntag mit
Freunden“. Wir sitzen auf dem ehem. Schlossturm und blicken über die
Altstadt, Marco erzählt uns eine Geschichte nach der anderen.
Sein Herz sprüht für die Menschen hier, ist voller Leidenschaft, dass
Menschen Jesus kennenlernen. Der Begriff „Gottesdienst“ könne negative
Vorurteile hervorrufen, deswegen mache man den „Sonntag mit Freunden“,
erläutert er uns und zeigt uns in seinem kleinen Büro Bilder und Flyer
von den Events, die sie bereits hatten. 40 bis 50 kommen regelmäßig
sonntags. Respekt! Die Geschichten sind bewegend und spiegeln die Mühe
wider, die in jeden Einzelnen investiert werden muss.
Marco ist promovierter Archäologe und nun Gemeindegründer. Ein
Freundeskreis macht das (finanziell) möglich, hier im Osten Missionar zu
sein. Nach seiner Bibelschulausbildung lernte er James Ros und das
Kirchenthür-Team kennen und hörte gemeinsam mit seiner Frau den Ruf
Gottes hierher.
Erfurt und mehr
Abends treffen wir James Ros, er ist so etwas wie ein apostolischer Vater für die Arbeiten hier. Sein Herz brennt für #ostdeutschlandglaubt.
Und so zeichnet er uns ein weites Bild, was an Vision auf seinem Herzen
liegt. Ja, ich habe seine Ausführungen schon oft im Präsidium gehört,
aber hier vor Ort bekommt es richtig Fleisch für mich, wird greifbar. Er
zeigt uns die Räumlichkeiten, in denen die ConnectKirche Erfurt ihren
Gottesdienst feiert und erläutert uns das Konzept von Kevin und
Katharina Herla, die hier am Start sind.
James ist wie ein Ermöglicher, der strategisch denkt und Leiter
stärkt. Und er denkt nüchtern, dass Finanzen nötig sind, um diese Arbeit
zu tun und wie jeder von den Gemeindegründern hier selbst
mitverantwortlich ist.
Uns berührt die Hingabe der Geschwister sehr. Hier kann man nicht
Gemeinde gründen, ohne ein besonderes Maß an Hingabe. Kein Ton von
Klage, kein Jammern über einen „harten Boden“, sondern Begeisterung und
Liebe zu den Menschen und dem Land – pur!
Oben auf dem Turm beten wir gemeinsam mit Marco für „viele Arbeiter
in Ostdeutschland“. Ich nehme mit, dass das im BFP alle
(Gebets)-Unterstützung würdig ist, die wir irgendwie auf die Beine
stellen können.
Die Bibel sagt uns: „Heilt die Kranken“ (Matthäus 10,8). Ist das keine Anmaßung, wenn wir das heute noch glauben, dass das unser Auftrag ist? Wie soll „ich“ die Kranken heilen? Ich kann das nicht, das kann doch nur Gott tun.
In einer dreiteiligen Predigtreihe beschäftigen wir uns mit dem Thema der Heilung. Diese Predigtteile sind auf Youtube zu finden.
Etwa 350 Teilnehmer, vor allem aus Nordrhein-Westfalen, waren der Einladung nach Bochum gefolgt, um bei strahlendem Sonnenschein in der Ruhrmetropole den verfolgten Christen eine Stimme zu geben. „Etwa 200 Millionen Christen weltweit leiden aktuell unter Verfolgung“, führte Eduard Schmidt, designierter Leiter von „Aktion für verfolgte Christen und Notleidende“ (AVC), dem Initiator der Veranstaltung aus.
Die etwa zweistündige Veranstaltung war von einer Eröffnungs- und Schlusskundgebung auf dem Bochumer Husemannplatz umrahmt. Dazwischen bewegte sich ein Gebetszug durch die Innenstadt. Johannes Dappen, Referent von AVC führte während des Gebetszuges die Teilnehmer in verschiedene Länder und nannte Anliegen, für die die Teilnehmer des Zuges beteten. Er ermutigte sie, dabei laut zu sein.
Ivan Stukert, Pastor der Gemeinde „Gottes Wort“, Bochum, der die Veranstaltung lokal organisiert hatte, lobte die seit vielen Jahren sehr kooperative Zusammenarbeit mit der Bochumer Polizei, die u.a. mit ihrer Motorradstaffel für einen reibungslosen Ablauf der Zusammenkunft sorgte.
„Wir haben eure Gebete gespürt“
Isaac Liu, selbst in Verfolgung in China geboren, heute Pastor im BFP, gab den Versammelten einen sehr persönlichen Bericht. „Wir haben eure Gebete für uns gespürt.“ Dass er lebt, ist ein Wunder, denn er sollte wegen Regierungsrepressalien zwangs-abgetrieben werden – wurde aber einen Tag vor dem Termin der Abtreibung geboren.
Mutig Botschafter sein
Frank Uphoff, Vizepräses des BFP, hob in seinem Redebeitrag dankbar hervor, dass die Presse und selbst die Bundesregierung sich um dieses Thema kümmern würde, ermutigte aber jeden einzelnen Teilnehmer, selbst ein mutiger Botschafter für Verfolgte zu sein, indem er über das Thema in seinem Umfeld und in den sozialen Medien reden würde.
Dankbar und begeistert über die Veranstaltung äußerten sich viele Teilnehmer am Ende der Kundgebung. „Wir kommen im nächsten Jahr wieder, dann mit mehr Leuten“, meinte ein weiter angereister Teilnehmer, als wir zum Schluss noch in kleinen Gruppen miteinander beten.
„Wen der Sohn befreit, der ist wirklich frei“. – Es ist Karfreitag, aber vom „stillen Feiertag“ ist hier am Rennsteig wenig zu merken. Die Zelthalle bebt förmlich, 2500 Ranger, alle in Kluft – und am Schuh ein besonderes Schnürband, sind in Begeisterung. Natürlich sind sie begeisterte Ranger, aber hier steht vor allem Jesus, die Gemeinde, der Nächste im Mittelpunkt – und das durchgehend!
Rennsteig? Als die Einladung zum Besuch des ersten Bundeshajks vor etwa zwei Jahren bei mir eintrudelt, muss ich erst einmal nachschauen, wo das denn ist. Thüringer Wald, vom Skisportzentrum Oberhof habe ich schon gehört. Ortsbürgermeister Pulver kommt zum Abendessen, das Präses Johannes und ich mit der Hajkleitung und den Bundesleitern haben, persönlich und kann seine Lobesworte kaum bremsen: „Ihr habt hier ein sehr eindrückliches Bild im Ort hinterlassen, ihr habt Müll gesammelt, Bäume gepflanzt und euch vorbildlichst verhalten! Klasse.“
Julian Sandvoß, 24 Jahre (!), aus Düsseldorf hat diesen ersten Bundeshajk drei Jahre lang mit einer jungen Mannschaft konzipiert, Logistik geplant, Mitarbeiter gewonnen, mit der politischen Gemeinde verhandelt, eine Versammlungshalle, mehrere Bürocontainer und haufenweise „Dixi-Klos“, gemeinsam mit dem Betreiber des kurze Zeit später stattfindenden Rennsteig-Laufs, gebucht. Die Bühnentechnik allein füllt zwei LKWs… Respekt!
„Was wir machen, machen wir sehr gut“, lächelt Peter Lehmann, RR-Bundesleiter, und führt uns über den Platz, wo biwakiert wird. „Auf 12 Campussen haben wir übernachtet, manche sind in den Tagen mit ihren „Seilschaften“ über 70 Kilometer gelaufen.“ Dort waren Bergsteigen, Kanu-Fahren, Survival-Training angesagt. In jedem Camp gab es ein Lobpreisteam und einen Camppastor. „Was da geistlich passiert ist, ist enorm“, schwärmt er.
Es ist Karfreitag 18 Uhr und die Ranger kochen gerade, alles bestens geordnet. Von überall kommen sie gestürmt und begrüßen Petra und mich, ebenfalls in Kluft, sehr herzlich: „So schön, dass ihr gekommen seid.“ Vier Staus hatten wir unterwegs….
„Ranger und Gemeinde, das gehört untrennbar zusammen“, betont der Bundesleiter. Und Präses Johannes ist gerührt: „Ich bin nicht nah am Wasser gebaut, aber wenn ich euch sehe, habe ich Tränen in den Augen.“ Seine Predigt „sitzt“, es geht um „Charakter“, und als er zu Bekehrung, Taufe im Heiligen Geist und Empfang von Geistesgaben aufruft, ist die Reaktion enorm. Noch lange stehen die Pfadfinder in Trauben zum Gebet an, so dass wir kaum dazu kommen mit unserem Sohn zu reden, der selbst Stammleiter ist und mit 20 aus seinem Stamm mit „gehajkt“ ist.
Ach, das Schnürband will ich natürlich auch als Andenken mitnehmen. „Ein symbolisches Zeichen und ein Versprechen, dass wir mit Jesus unterwegs sind“, erläutert mir Daniel Berner, RR-Bundeswart. „Das bringe ich dir am Mittwoch, wenn wir uns in Erzhausen mit den BFP-Bundeswerksleitern treffen“, schmunzelt er.
Erwartungsvoll sitzen sie vor mir und ich schaue in 50
gespannte Gesichter: Kandidatenschulung auf BERÖA. Der große Seminarraum ist
bis auf den letzten Platz gefüllt, wenn von hinten die Fragen gestellt werden,
kann ich die Studenten nur schwerlich verstehen…
Seitdem ich Vizepräses bin, gebe ich diesen Unterricht zum
Thema „BFP-Selbstverständnis“. „Was erzählst du den Teilnehmern in sieben
Stunden denn über den BFP, geht dir da nicht der Stoff aus“, fragt meine Frau
mich abends am Telefon, als wir gemeinsam über den Tag reflektieren. Nein,
keineswegs – im Gegenteil. Identität des BFP ist jeweils mein erster
Schwerpunkt, wobei ich auch ein wenig historisch beleuchte, wer und was die
Identität unseres Bundes geprägt hat – und wie sie sich entwickelt hat.
JESUSbewegt ist unser Bund, GEISTbewegt, GEMEINDE- und
MISSIONSbewegt – und PERSÖNLICHKEITSbewegt. Wir gehen tief in die Themen rein,
sprechen dabei viele Punkt aus dem Gemeindealltag an, oft entspannt sich eine
rege Diskussion. „Man spürt dir ab, dass dein Herz für den BFP brennt, du BFP
bist…“, spiegelt mir eine Teilnehmerin später, die ihre geistlichen Wurzeln in
der Landeskirche hat und jetzt in einer BFP-Gemeinde dient. Ja, das ist mein
Herzensanliegen, dies zu vermitteln. Weiter geht es mit dem Thema
„Zwischenkirchliche Beziehungen“.
Die Mischung der Teilnehmer gefällt mir: Kandidaten der
modularen Ausbildung, BERÖA-Absolventen im Vikariat und Integrationspastoren.
Als Leiter des Bundes haben wir die Möglichkeit eine nachwachsende Generation
mit den Visionspunkten zu prägen, über die vor allem der Präses spricht. Peter
Bregy spricht über die strukturellen Fragen und den Pastorendienst im
Allgemeinen, Daniel Dallmann über Finanzen, Missionsleiter Thomas Halstenberg
über das Anliegen von Mission und Regionalleiter Andy Kopp aus der Sicht seiner
Aufgabenstellung und Erfahrung, der Personalbeauftragte Daniel Aderhold
thematisiert Datenschutz und Dienstwechsel. Studienleiter Horst Werner hat
alles bestens organisiert und nimmt die Fäden während des Kurses immer wieder
in die Hand.
Horst Werner, Markus Schmutz
Im Rahmen des Kurses BFP-Selbstverständnis wird Markus Schmutz
der BFP-Dienstausweis von Studienleiter Horst Werner im Auftrag des
Generalsekretärs überreicht. Markus hat alle erforderlichen Kurse als
Integrationspastor erfolgreich absolviert. Er ist als Pastor in einer
Gemeindegründung in Peiting / Allgäu tätig. Seine Gemeinde ist angedockt an das
Netzwerk, das durch Jean-Christof Nadon von Füssen aus gebildet wird.
Am Mittwochabend predige ich im Rahmen des Gottesdienstes. Die Atmosphäre ist dicht, der Hunger nach Gebet groß.
Wie gut, dass wir diese begleitende Kandidatenausbildung im BFP haben. (up)
„Akzeptiere, dass das Treffen von Entscheidungen eine
Voraussetzung für Leiterschaft ist.“ Präses Johannes Justus ist ehrlich und bekennt,
dass es ihm manchmal nicht leichtfällt, Entscheidungen zu treffen. Er spricht
weniger von seinen „Siegen“, mehr von seinen „Niederlagen“, seine Seminare und
Predigten sind mit ganz vielen authentischen Beispielen gespickt.
Große Resonanz
Präses Johannes Justus dient in der CGV
Gemeindekonferenz in der CGV unter dem Generalthema „Unser Gott kann“. Eine große Zahl an Mitarbeitern der Christus Gemeinde Velbert sind zum Mitarbeiterseminar am Samstagmorgen gekommen und hängen förmlich an den Lippen des Präses. Er nimmt die Mitarbeiter mit in die Fragen von Mitarbeiter- und Leiterschaft. „Es ist wichtig, dass du reflektierte Entscheidungen triffst.“
Es ist ein Genuss ihm zuzuhören und der Morgen geht sehr
schnell vorbei. „Ich möchte, dass ihr die Gedanken, die ich euch gebe, in euren
Gruppen reflektiert und darüber sprecht“, empfiehlt er und stellt seine Präsentation
zur Verfügung.
„Bindet Menschen nicht an euch, sondern an Christus“. Für
unser Ego sei es gut, wenn wir Menschen an uns binden, führt er aus. Und er
empfiehlt, Rat bei Fachleuten zu suchen.
Starke geistliche Kraft
Die Konferenz beginnt am Freitagabend mit einem Gottesdienst,
der von der CHANGE-Jugend der CGV gestaltet wird. Er wird gleich zu einem
echten Highlight. Die Jugendband, die auch auf der regionalen Jugendfreizeit „Die
Burg“ dienen wird, gestaltet den Abend laut und mit Nebel – und mit großer
geistlicher Kraft.
Der Präses ist unkompliziert und direkt. Während der Predigt
ruft er Menschen heraus und dient ihnen mit einer großen prophetischen Dichte.
Am Ende des Abends ruft er zur Entscheidung für Jesus auf. Diesem Aufruf folgen
etliche Menschen. In der nachfolgenden Gebetszeit geht es sehr intensiv zu.
Reisebericht einer eindrücklichen Woche mit Konferenzbesuch
„Ich könnte nichts anderes tun, als 24 Stunden lang
Gemeinden gründen.“ Die Begegnung mit Pastor E. und seiner Frau in der Nähe von
Tel Aviv ist beeindruckend. Wir finden ihre Gemeinde, auch ohne GPS, am
Schabbat im Untergeschoss einer großen Shoppingmall. Hier beginnt unser
einwöchiger Israelaufenthalt.
Eingemietet ist die Gemeinde in einem Tanzstudio. Die Reihen sind gut gefüllt mit Menschen aus allen Altersschichten. Ob sie Probleme mit der Regierung haben bezüglich der Gemeindearbeit, will ich wissen? „Nein überhaupt nicht, wir können hier in völliger Freiheit arbeiten“, konstatiert der sympathische Pastor, der in der Ukraine geboren ist.
Pastor E. mit Frau sowie Petra und Frank Uphoff
Jüdische Wurzeln
„Meine Frau hat jüdische Wurzeln und deswegen kamen wir vor
mehr als zehn Jahren hierher“. Schon in der Ukraine diente er als Pastor. Was kann
er da anderes in Israel tun als Gemeindegründung? Und er hat ein starkes Herz
für Evangelisation. „Als Johannes unlängst da war, haben wir etwa 150 Menschen
zusammengebracht, die keine Beziehung zu Jesus haben. Und sie haben das klare
Evangelium gehört.“ Mit Johannes meint er natürlich „unseren Johannes Justus“.
Man spürt ihm die Wertschätzung für und die Beziehung zu unserem Präses total
ab. „Die Menschen haben gefragt, wann Johannes denn wiederkommen wird. Wir
laden sie erst zu einer Evangelisation ein, verknüpft mit einem touristischen
Programm.“ Jüdisch schlau wäre das, so meint er und lächelt.
„In Petah Tiqua suchen wir gerade nach geeigneten Räumlichkeiten, weil wir da schon so viele Gläubige haben“, berichtet er begeistert. Und samstags haben wir immer einen Gebetsdienst auf dem höchsten Gebäude Jerusalems. „Nebenbei“ geht er noch einer Teilzeittätigkeit im Bereich der öffentlichen Sicherheit nach. „Dadurch kenne ich viele Menschen und kann ihnen dienen.“
Wir sind BFP
„Im September sehen wir uns wieder auf der BFP-Konferenz in
Willingen“, ist er entschlossen. „Na klar, wir sind BFP und wollen das auch
leben“, fügt er hinzu, denn seit einem Jahr gehören sie zum BFP International
Network. In-israel.bfp.de ist die
Internetadresse für die Arbeit des BFP in Israel. Etliche Gemeinden aus
Deutschland unterstützen sie.
Ob er denn noch mehr Pastoren aus Russland oder der Ukraine kennen würde, die hier im Land leben, will ich wissen. Sicher, es gibt etliche, die auch Gemeinden gründen, weiß Pastor E. zu berichten. Sein Englisch, das er erst hier gelernt hat, ist exzellent, so dass Kommunikation leichtfällt. Gerade die Tage vorher war mir wichtig geworden, welch ein Segen für Deutschland (und den BFP) Geschwister aus russischsprachigem Hintergrund sind. Das erlebe ich auch hier.
Der Platz auf dem Karmel, wo Altar des Elia gestanden haben soll.
Feuerstätte mit gutem Ausblick
Weiter geht es gen Norden. „Ich bringe euch zu dem Platz, wo Elia gebetet hat und Feuer vom Himmel fiel“, sagt Pastor M., unser Gastgeber, ein arabischsprechender Israeli. „Wir sind in wenigen Minuten da.“ Dass er damit arabische Minuten gemeint hat, merken wir etwa eine Dreiviertelstunde später. Der Berg Karmel ist groß und die Stadt Haifa erstreckt sich über eine weite Distanz. Aber auf googleMaps sieht manches anders aus, als es in Wirklichkeit eben ist.
Es ist der zweite Tag unseres Besuchs in Israel, wir sind in den Norden gefahren, um Pastor M. zu treffen, der uns in Velbert schon besucht hat. Seine Gemeinde trifft sich in einem selbst errichteten Gebetshaus gleich außerhalb von Haifa.
Vom Berg Karmel aus ist die Ebene Meggido, das „Tal Israel“, gut überschaubar, leider ist es etwas diesig und verhangen. Hier wird Geschichte total lebendig, aber auch prophetische Worte der Bibel über diesen Ort, an dem sich laut Bibel einmal alle Völker gegen Israel versammeln werden, kommt zum Greifen nahe.
Abends sind wir in einer anderen arabischsprechenden
Gemeinde in Haifa, der dortige Pastor Y. lädt mich – ohne mich zu kennen – am Morgen
per Telefon zum Predigtdienst ein. Es entsteht eine herzliche Verbindung, die
Gemeinde tut einen europaweiten Dienst unter Flüchtlingen.
Auch die befestigte Stadt Akko, nördlich von Haifa, lassen
wir nicht aus. Pastor H. heißt uns in seinem baptistischen Bibelladen in der
Altstadt von Akko willkommen. Das Angebot an christlicher Literatur und Bibeln
ist breit. Jesus steht hier eindeutig im Mittelpunkt. An diesem Tag schüttet es
wie aus Eimern, gut für das Land, für unsere Schuhe leider nicht.
100 Leiter aus 20 Nationen
ENVISION heißt die Leiterkonferenz der Internationalen Christlichen Botschaft (ICEJ) zu der wir zum Wochenbeginn reisen. 100 Leiter aus 20 Nationen sind da und werden von Dr. Jürgen Bühler, dem Präsidenten der ICEJ willkommen geheißen. „Die deutsche Delegation ist mit 25 Leuten die stärkste“, freut sich Gottfried Bühler, Bruder von Jürgen und Leiter des deutschen Zweiges der ICEJ. Jürgen ist ein BFP-Pastor. Ihr verstorbener Vater Albert war es auch und „der hat die Liebe zu Israel in unser Herz gepflanzt“, bestätigen beide. Mit der ICEJ ist der BFP in Partnerschaft.
Eine größere Delegation kommt aus Liberia/Afrika, unter ihnen eine Parlamentarierin, die das Grußwort ihrer Regierung weitergibt. Nach vielen Jahren Bürgerkrieg formiert sich hier ein neues Bewusstsein innerhalb der Gemeinden, zu Israel zu stehen, zu segnen und sich segnen zu lassen. „Watch out for Liberia, wir werden mit einer größeren Delegation zum Laubhüttenfest kommen“, ist die charmante Parlamentarierin selbstbewusst.
Hochkarätige Sprecher
Die Rednerliste der Konferenz ist lang, wobei sich intensive
Bibellehre und gemeindliche / gesellschaftliche Analyse, gewürzt mit politischen
Aspekten ergänzen. In mehreren Diskussionsrunden kommen lokale Pastoren, sowohl
messianische als auch arabische zu Wort. Durch die Vorstellung verschiedener
lokaler Projekte und Gemeinden bekommt man ein umfassendes Bild, was sich im
Land tut und wie die geistliche Entwicklung ist.
Auch der politische Chefanalyst der Jerusalem Post, Gil
Hoffmann, ist als Sprecher eingeladen. Humorvoll und eloquent führt er den
Pastoren die aktuelle politische Lage in Israel vor Augen. „Betet für uns“,
schließt er seinen Vortrag. Als Jude weiß er die Sichtweisen evangelikaler
Christen gut einzuschätzen – und pointiert zu kommentieren.
Gottes Berufung: Gemeinde
hat Israel nicht ersetzt
Schwerpunkt der Bibellehre ist Gottes Sicht von Israel,
seine Berufung für das Volk – und welche Bedeutung das für die Gemeinde hat.
Dass Gott einen Plan für sein Volk hat und dieser Plan nicht durch die Gemeinde
ersetzt wird, zieht sich wie ein roter Faden durch die Predigten der meist
lokal ansässigen Pastoren und Mitarbeiter der ICEJ.
Eine Ebene des
Vertrauens
Kranzniederlegung in der Gedenkstätte Yad Vashem
ICEJ genießt in Jerusalem einen überaus guten Ruf. Durch
ihre sozialen und karitativen Projekte haben sie eine Ebene des Vertrauens
geschaffen. „Wenn wir euch gebraucht haben, wart ihr SOFORT da“, sagt ein
leitender Kibbutzvertreter und führt uns stolz die mobile
Brandbekämpfungseinheit vor, von denen die ICEJ insgesamt 17 gespendet hat. Sie
helfen zum schnellen Eingreifen bei Feuern, die durch Feuerdrachen von Gaza aus
in Israel entzündet werden. Ein lokaler Bürgermeister kommt extra zu unserer
Gruppe, als wir an die Grenze von Gaza gefahren sind und spricht über die
lokale Lage. „Dass ihr uns besuchen kommt, ist für uns ein hoher Beweis dafür,
dass ihr zu uns steht! Hier kommt sonst keine Reiseorganisation mit ihren Gästen
hin.“ Kein Wunder, die Grenze zu Gaza ist in Sichtweite. „Vor einigen Wochen
hatten wir 500 Raketeneinschläge innerhalb von 24 Stunden“, erzählt der
Bürgermeister weiter. „Aber wir weichen nicht von hier. Hier ist unsere Heimat,
hier ist unsere Berufung.“
Kranzniederlegung
Auch in der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat sich die ICEJ hohes Vertrauen erworben. Aus Anlass des Holocaust-Gedenktages legen wir als Konferenzdelegation in einer kurzen Zeremonie mit Psalmlesung und Gebeten zwei Kränze nieder. Es folgen Momente der Stille und des Gedenkens.
Baumpflanzung
Baumplanzung in Kfar Azar. Frank Uphoff, Dr. Jürgen Bühler, Präsident ICEJ und dem Vertreter des Kibbutz Kfar Azar, Shai Hermesh, einem früheren Knesset-Mitglied
Während des Besuches im Kibbutz Kfar Azar pflanzen wir als Konferenzdelegation einen Feigenbaum, der ein Zeichen der Hoffnung in diesem Kibbutz sein soll, der in „Schussweite“ der Gaza-Grenze liegt. Die Bushaltestelle mit Bomben-Shelter trägt ein Schild: Gespendet von der ICEJ. „Wir stehen zu euch“, betont Dr. Jürgen Bühler und gießt Wasser an den frischgepflanzten Baum. Die Konferenzgruppe segnet die Bewohner des Kibbutz!
Keinen „Israel-Extremismus“
„Es gab während der ganzen Konferenz keine Fahnenschwenker oder Schofarhornbläser“, resümiert Edwin Jung, Leiter der österreichischen Pfingstgemeinden. Recht hat er, denn selbst Jürgen Bühler warnt vor den „Israel-Extremisten“, die sich hier und da sammeln. ICEJ will hier einen gesunden Gegenpol mit Liebe zu Israel setzen, die aber auch die Fehlentwicklungen und falschen Haltungen klar benennt, sowohl auf israelischer als auch auf (internationaler) Gemeindeseite.
Ich denke, das gelingt ICEJ in hervorragender Weise.
Ein sehr einschneidendes Erlebnis war meine gesundheitliche Krise 2017. Das Team von feel-god.de hat meinen Erfahrungsbericht in einem Video präsentiert.
So ziemlich jeder in München kennt das Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) und war dort schon oder ist dort öfter. Amok an einem solchen Ort – das hebt die schrecklichen Ereignisse noch einmal auf ein anderes Niveau, weil jeder weiß: da hätte ich zum Zeitpunkt der Tat auch gerade sein können.
Quelle: Soziales Netzwerk Facebook
Als sich die Ereignisse am Freitagabend überschlagen, sind wir im Gemeindezentrum. „Ich kann nicht zum Treffen des Besuchtsteams kommen“, whatsappt eine Schwester, die im Stau wegen der Straßensperrung steht. Im Saal beten gerade unsere iranischen Freunde, die sich am Sonntag taufen lassen wollen. Sie warten, dass die Küche frei wird, dass sie noch gemeinsam kochen können. Im Garten und Untergeschoss bereiten die Royal Rangers ihr Jahresabschlussgrillen vor.
München unter Schock! Dass der Nahverkehr komplett eingestellt wird, gab es bisher fast nie. Viele stranden, kommen nicht weiter, müssen im Büro übernachten, wie mein Sohn. „Wir haben erstmal unsere Familie durchgezählt“, schreibt B.. Über buchstäblich alle Kanäle kommen die Anfragen, aus dem ganzen Land und Europa wird Anteilnahme geäußert. Wie geht es euch? Seid ihr wohlauf? Der Präses der polnischen Pfingstbewegung, Marek Kaminski, mailt seine Anteilnahme, „wir beten für München“. Ähnliche Nachrichten aus Berlin und Norwegen. Danke für alle Anteilnahme!
Als Gemeinde denken wir an den 6.1.16 zurück. Wir hatten einen Besucher aus Polen, der uns folgendes geistliches Wort weitergab: „In einem Bild sah ich einen Knopf, auf dem ein Name zu lesen war. Das ist quasi ein Notfallknopf, den man sofort drücken muss. Gott sagt euch als Gemeinde, dass ihr jetzt nicht warten dürft, sondern ihr sollt eintreten und beten für die Menschen, die jetzt terroristische Angriffe in diesem Land planen. Die Gemeinde soll nicht warten, sondern sofort etwas tun. Ich glaube, dass die Aufgabe jetzt darin besteht aufzustehen und zu beten und einzustehen für den Schutz der Gemeinde und den Schutz der Stadt.“
Inzwischen haben wir als Gemeinde dieses Wort immer wieder aufgegriffen, daran erinnert, dafür gebetet. Haben wir es genug getan? Wir wollen das neu aufgreifen und für unser Land, für unsere Stadt beten. Selbst die Tagesthemen wussten in ihrer Dauersendung gegen Mitternacht zu berichten, dass der häufigste Hashtag des Abends „PrayforGermany“ war.
„Pray for München“ – für die Stadt, für das Land beten – das ist eine wichtige Aufgabe der Gemeinde. Auch das ging am Abend über Facebook. Danke allen, die sich dabei mit einbringen. Wenn wir uns jetzt von der Angst regieren lassen, sind wir schlecht beraten! Beten, Gott suchen – das ist der Schlüssel. Wir müssen aber mit der Herausforderung leben, dass solche Ereignisse in Zukunft sicher nicht seltener werden. Viele Menschen, so sagte der Sprecher der Münchner Polizei, sind am Abend in Panik durch die Innenstadt gerannt, obwohl dort nicht wirklich etwas los war. Die Angst regiert!
„In der Welt habt ihr Angst“, sagt Jesus, „aber, siehe, ich habe die Welt überwunden“. Anders ausgedrückt: “Wenn ihr mir vertraut, braucht euch die Angst nicht beherrschen – denn ich bin euer Herr.“
„Alle unsere Jungs sind sicher daheim, der Bus ist wieder am Gemeindezentrum, ich bin auf dem Weg nach Hause“, whatsappt mir A., der Leiter unserer persischen Gruppe, gegen 1:15 Uhr. Vorher wurden die Rangers nach Hause gebracht! Danke, Herr, für Menschen, die anderen in Hingabe dienen.
Ich muss aufhören zu schreiben, weil ich los muss. Gleich baut unser Hausmeister im Gemeindezentrum den neuen Taufpool auf! Fast 20 Leute haben sich angemeldet, um sich morgen in einem der drei Gottesdienste taufen zu lassen, davon einige Flüchtlinge.
Ein Zeichen der Hoffnung und Freude in unserer Stadt – TROTZ, oder gerade IN der aktuellen Lage.
Der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden KdöR (BFP) wächst kontinuierlich weiter. Der Generalsekretär Peter Bregy (Erzhausen) gab im Juni bei der Vorstandsklausur die zahlenmäßige Entwicklung der zweitgrößten Freikirche in Deutschland bekannt.
Der BFP ist in den Jahren 2013 und 2014 um knapp 3.000 Personen gewachsen. 51.896 Mitglieder in 778 Gemeinden verzeichnet der BFP per 1.1.2015 gegenüber 48.988 Mitglieder in 783 Gemeinden zum letzten Berichtzeitraum am 1.1.2013. Der Generalsekretär erläutert dazu: „Hatten wir schon beim letzten Bericht im Jahr 2013 ein Mitgliederwachstum von 6%, so setzt sich diese Entwicklung mit 5,9% annähernd ungebrochen fort. Wesentlich daran ist, dass diese Steigerung durch gemeindeinternes Wachstum geschehen ist“. Als Mitglieder im BFP werden nur auf eigenen Wunsch getaufte Personen (Glaubenstaufe) gezählt.
Für das Kalenderjahr 2014 wurden 2.559 Glaubenstaufen gemeldet, was verglichen mit der Zahl vor zwei Jahren ein fast identischer Wert ist. „Die Taufzahlen erheben wir jeweils nur für das letzte Kalenderjahr“, erklärt Bregy.
Bei der Zahl der Gemeinden verzeichnet der BFP einen leichten Rückgang um fünf Gemeinden gegenüber dem Berichtszeitpunkt vor zwei Jahren. „Das ist immer eine Momentaufnahme“, erörtert der Generalsekretär. „Manche Gemeindeneugründungen entwickeln sich nicht so wie erwartet. Dadurch geschieht hier eine Korrektur, wenn gesundes Wachstum ausbleibt. Etliche Gemeinden und Gemeindegründungen stehen aber zur Aufnahme in den Bund an.“ Das Ziel, „1000 Gemeinden sind nicht genug“ ist nach wie vor fest im Visier der BFP-Bundesleitung und des Gemeindegründungswerkes (GGW).
291 Gemeinden des BFP haben einen anderssprachigen Hintergrund, was 37,4% der BFP-Gemeinden ausmacht. Zu diesen Gemeinden gehören ca. 14.000 Mitglieder (27% der Gesamtmitgliederzahl). Zahlenmäßig am stärksten ist der BFP weiter in Baden-Württemberg vertreten. Den stärksten Zuwachs verzeichnet die Region Nordrhein-Westfalen.
Der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden KdöR (BFP) ist die zweitgrößte Freikirche innerhalb der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) in Deutschland. Vom 21. bis 24. September findet die nächste BFP-Bundeskonferenz in Willingen/Upland mit dem Thema „Gottes Kraft und unser Bestes“ statt. Weitere Infos unter www.bfp.de.