Allzeithoch – plus zwei

Wir schätzen uns glücklich zum Rekordsommer am Flughafen Ben-Gurion mit beigetragen haben zu dürfen. 🙂

Juli bringt Allzeit-Rekord für Passagierzahlen am Flughafen Ben-Gurion

Der Sommer dieses Jahres scheint ein Rekordsommer zu werden, was die Passagierzahlen des Flughafens Ben-Gurion betrifft: Es werden 2,83 Millionen Passagiere erwartet.

Der Juli hat bereits einen Rekord beschert: Mit 1,365 Millionen Passagieren wurden in diesem Jahr 15% mehr Passagiere abgefertigt als im Juli 2010 und damit mehr als jemals in einem Juli seit Eröffnung des Flughafens. Der Tag mit den meisten Passagieren war der 28. Juli mit 61.091 Passagieren an einem Tag.

Sowohl für die Touristen, die von ihrem Israel-Urlaub nach Hause fliegen, als auch als Urlaubsziele für Israelis sind dabei Griechenland, die USA, Deutschland, Frankreich, Italien und Russland die am meisten angeflogenen Ziele.

Aufgrund des erhöhten Passagieraufkommens hat die Flughafenbehörde Reisende jetzt dazu aufgerufen, bereits drei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein.

(Ynet, 07.08.11) veröffentlicht im Newsletter der Botschaft des Staates Israel, Berlin

Schabbat Schalom oder: 55 Minuten Fußweg zum Gottesdienst

An diesem Schabbat ist es heiß. Wie fast an jedem Tag. Am Vorabend des Schabbats werden in Jerusalem die „Gehsteige hochgeklappt“. Viele Familien nutzen den Freitagabend, um miteinander zu essen und zu singen. Das Leben, so scheint es, steht für einen Tag wirklich still. „Schabbat Schalom“. Ich kann den Heimweg von der abendlichen Essenseinladung mitten auf der sonst so belebten Hauptstraße machen. Freundlich grüßt man auch den Ausländer mit dem Frieden zum Schabbat.

Davon könnten wir Deutschen auch lernen. Nicht, dass ich den Sabbat einführen will, aber die Konsequenz mit der das Leben hier ruht ist beeindruckend! Bei uns ist ja eher eine andere Entwicklung in Gange, den Sonntag immer mehr den anderen Tagen anzugleichen. Vielleicht sollte unsere Politik mal einen kleinen Betriebsausflug nach Jerusalem machen…

Ein Bus am Schabbat? Fehlanzeige. So bleibt uns nichts anderes übrig, als zu Fuß zum Gottesdienst zu gehen. Beim Fußmarsch, so stellen wir immer wieder fest, erschließen sich einem die schönsten Beobachtungen am Wegesrand. Auch hier in Jerusalem. Man staunt, was da so blüht und wächst.

Das Finden der messianischen Gemeinden ist nicht immer ganz einfach. Zwar gibt es Listen, aber die genauen Informationen, wann und ob überhaupt ein Gottesdienst stattfindet, sind eher spärlich, auch im Internet. Ja, normalerweise haben wir hier am Schabbat Gottesdienst, aber am 1. Samstag im Monat nicht… Dieses Erlebnis kennen wir schon aus 2009. Schon mehrfach standen wir vor verschlossener Tür.

55 Minuten sind wir also zu Fuß unterwegs. Meine Frau fühlt sich nach Afrika versetzt, wo die Leute auch so lange unterwegs sind, um in den Gottesdienst zu kommen.

Der Gottesdienst in der „Propheten Straße“ (ja, so heißt sie wirklich) ist gerammelt voll. Schön zu sehen, wie viele Leute hier zusammen kommen. Vier Ventilatoren sorgen für einigermaßen erträgliche Temperaturen, fünf Älteste leiten die Gemeinde gemeinsam. Der Prediger bringt sehr gute Gedanken aus dem Buch Jesaja. Leider ist die englische Übersetzung eher spärlich gut und da ich gleichzeitig ins Deutsche übersetze, ist es auch schwierig im gedanklichen Fluss zu bleiben. Auch für Gilad Schalit wird gebetet, so viel bekomme ich auch ohne Übersetzung der Gebete mit.

Victor, der Gemeindegründer, feiert heute seinen 80. Geburtstag. In dieser Gemeinde ist mehr die ältere Generation vertreten. Die Gemeinschaft unter den Leuten ist herzlich, das Geburtstagsbuffet gut ausgestattet, die kleinen Reden am Buffet sind herzlich und tränenreich. Angenehm. Schade aber, dass wir als „Fremde“ hier nicht angesprochen werden. Was immer wieder auch von Deutschland berichtet wird, scheint auch hier üblich zu sein: man kümmert sich mehr um sich selbst. Das macht nachdenklich. Nichtsdestotrotz versuchen wir zu viert unseren Teil und versuchen auf Leute zuzugehen.

Es ist immer wieder interessant, die „Rollen“ zu wechseln und die „andere Seite“ zu sehen, nicht nur in der Rolle des Gastgebers zu sein, sondern auch es Gastes.

55 Minuten durch die Mittagshitze zurück? Leichtes Stöhnen entringt sich der weiblichen Dreiviertelmehrheit unserer Gruppe. Wir entscheiden uns für’s Taxi. Zu viert bleiben nach kurzer Verhandlung zwei Euro pro Person zu zahlen. Inklusiv Schabbataufschlag, versteht sich.

Abends werden wir von unserem Gastgeber durch die Jerusalemer Abendsonne mit dem Auto nach Hause gebracht. Unsere Füße sind nicht undankbar. Daheim wollen wir – wie gewohnt – den Sicherheitscode eingeben, damit sich die Tür zum Hausflur öffnet. Nicht nötig: Es ist Schabbat, da soll man unnötige Arbeit vermeiden. Deswegen sind die Sicherheitscodes an diesem Tag deaktiviert…

Bleibt nur zu hoffen, dass potentielle Diebe auch Schabbat feiern.

Keiner will sie haben

Yad Vashem. Die Konfrontation mit den unrühmlichen Untaten deutscher Vernichtungsakribie kann einem nur die Schamesröte neu ins Gesicht treiben. Sechs Millionen! Die grauenvollen Aktivitäten der sogenannten „Sondereinsatzgruppen“ in den Ostgebieten werden mir historisch neu bewusst.

Das Museum über die Geschichte des Holocausts ist neu gestaltet. Bei unserem ersten Besuch im Jahr 2000 war es noch nicht da. Gut, modern und emotional nahegehend ist es aufgebaut, aber trotzdem dezent und würdevoll.

„Die jungen Leute müssen sich hier selbst ihr Bild machen“. Im „Valley of the communities“ treffen wir einen redseligen Vater aus Sachsen-Anhalt, der mit seinen Kids auf einem selbstorganisierten Trip durch Israel ist. „Nur der Kleeene kann Englisch, aber wir kommen auch mit Deutsch sehr gut durch“. Auch sie haben ihre Reise kurzfristig organisiert. „Bei uns im Osten gibt es viel ungutes rechtes Gedankengut“, ist er besorgt. „Gegen diese „Dummköppe“ muss man etwas tun. Ich leiste für meine Kinder meinen Beitrag.“ Aus der kurzen Begegnung wächst ein längeres Gespräch, das bei dem Denkmal für die Deportierten – ein ehemaliger Waggon der Deutschen Reichsbahn – seine Fortsetzung findet. Petra kann in dieses Gespräch viele gute Aspekte einfließen lassen. Auch keine zufällige Begegnung!

Auf dem Weg zurück nehmen wir den Fußweg, der Yad Vashem mit dem Herzl-Park auf dem Herzl-Berg verbindet. Jugendliche haben diesen Weg mit eigenen Händen gebaut. Die Staatsgründung von Israel ist hier in Kurzform dokumentiert. Wir verweilen an den Gräbern von Golda Meir, Ytzak Rabin und Theodor Hertzl, dem Visionär für einen Staat Israel.

Von überall wurden die Juden deportiert, wegtransportiert. Dass auch Amerika sich geweigert hat, während des Hitler-Regimes Flüchtlinge aufzunehmen, war mir aus der Geschichtskenntnis nicht mehr gegenwärtig. Und selbst in Eretz Israel waren die einwandernden jüdischen Überlebenden unerwünscht. Als „illegal“ sah man ihr Einwandern an. Auf Zypern mussten sie in Camps – eben den Nazi-Camps entronnen – einem neuen ungewissen Schicksal entgegen sehen.

Keiner wollte und will sie haben. Das Einwandern der Juden führt mit zum Ende des Mandats der Briten über Palästina. Den neuen Konflikten wollten sie ausweichen. Deutschland wollte sie per „Endlösung“ völlig ausmerzen. Andere Länder weigerten sich zur Aufnahme der Juden. Auch heute sind sie angegriffen, umhergeworfen, unerwünscht, angefeindet. Ob es ein Herr Ahmadinedschad ist, der Israel ins Mittelmeer versenken möchte, die sog. Gaza-Flottille oder andere. Das macht nachdenklich. Israel ist immer für eine Aufregung gut, scheinbar egal was hier geschieht!

„Und ich will segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde!“ – Die Verheißung für Abraham gilt für das Volk Israel auch noch heute.

Segnen fängt im Denken an, prägt unser Reden und wirkt sich in unserem Handeln aus. Dazu tut das Hiersein gut. Man überdenkt, reflektiert, orientiert sich neu. Welch ein Segen, diese Zeit hier in diesem Land zu haben.

Gilad is alive oder: Ein freier Stuhl für Gilad Schalit

In Jerusalem wird demonstriert. Viel. Überall. Ebenso an anderen Orten im Land. Nein, Demos im herkömmlichen Sinne eigentlich weniger. Wohnungsnotstand, Ärztestreik wegen niedriger Löhne – das sind Themen, die die Menschen bewegen.

Im Vorbeigehen lasse ich das Wohnungsnotstand – Zeltlager im Independance-Park auf mich wirken, Volksküche inklusive. Es ist ein Lager von vielen. Der Rasensprenger eignet sich hervorragend, um die Karotten für das Mittagessen zu waschen. Das Planschbecken hält als „Volksbadewanne“ her, mit Sonnenschutz.

300 Meter oberhalb haben die Aktivisten für Gilad Schalit ihr Domizil am Straßenrand aufgeschlagen. Auch hier wird demonstriert, aber anders. 1864 plus x Tage ist Gilad mittlerweile in den Händen der Hamas, so heißt es. Ob er noch lebt, fragen wir einen der Volontäre am Stand? „Ja, wir glauben es“. Er drückt uns einen Aufkleber zum Mitnehmen in die Hand. „Gilad is alive“ – in Israel-Blau gedruckt. Dazu ein paar gelbe Bänder. Was wir damit tun sollen? Irgendwo anbinden, ans Auto, an einen Baum und sich dadurch bekennen.

Ob Gilad dadurch freikommt? „Wir tun für ihn, was wir können“. Der Volontär ist zuversichtlich. „Wir unterstützen die Familie, stehen hinter ihnen, helfen ihnen.“ Ob er Gilad persönlich kennt? Nein. Aber der Einzelne ist in diesem Land wichtig. Die letzte Lebensnachricht von Gilad stammt aus dem Jahr 2009.

Gilad ist zum nationalen Symbol geworden. Man will sich dem Druck und der Erpressung nicht beugen, aber auch ihn nicht vergessen. Dafür setzen sich die Menschen ein. Der Stand ist, obwohl fast in einer eher unbedeutenden Straße, immer umlagert. Später erfahre ich, warum der Stand gerade hier aufgebaut ist: Das Domizil des Ministerpräsdidenten befindet sich gleich um die Ecke. Er soll immer wieder mit diesem Problem konfrontiert werden. Auf der Pinnwand werden Bekundungen des Mitgefühls geschrieben.

Im Pavillon der Aktivisten kann man sich auf Stühlen niederlassen und reden. Nein, aber bitte nicht auf diesem. Der ist für Gilad reserviert. Der bleibt immer frei. Welche eine Symbolik, welch ein Ausdruck von Hoffnung.

Ein Fernsehteam dreht einen Beitrag über Gilad und die Gerüchte der letzten Tage um einen möglichen Gefangenenaustausch. Ob ich mich dazu äußern möchte? Ich halte es für weiser mich an dieser Stelle bedeckt zu halten und keine Aussage vor der Kamera zu machen…

In der messianischen Gemeinde, die wir besuchen, wird auch für Gilad gebetet. Mögen die Gebete erhört werden.

Der blaue Ronald

Fish & Chips auf dem Yehuda-Markt in der Yafo-Street. Natürlich Kosher. Unser Tag ist gerettet! Egal, was es kostet, das essen wir! Die beste Ehefrau von allen hat entschieden, ich folge nicht unwillig!

Gleich neben der Theke prangt das Kosher-Zertifikat. Das Oberrabbinat hat es auch hier erteilt. Was das genau bedeutet, weiß ich auch nicht. Die Fritten und der Fisch sind nicht wesentlich anders, als bei uns. Egal. Hauptsache es schmeckt.

Eingelegte Oliven, Feigen, Schafskäse, Schwarma, Fallaffel, getrocknete Aprikosen – der ostpreußisch geprägten Küche meiner Mutter waren all diese Köstlichkeiten so fern wie der Südpol. Beim Gang durch den Schuk steigen einem die Düfte der Gewürze nur so in die Nase. Die künstlerischen Bauwerke der Gewürzverkäufer mit ihren Waren sind echt kreativ. Petra kommt daran nicht vorbei. OK, das Gewürz für die Tomaten erhält in der ehelichen Einkaufsabstimmung eindeutig zwei Stimmen, aber beim Kardamon hört die Freundschaft wirklich auf. Das kommt bei mir gleich nach Knoblauch… :-). Der Kauf geht auch mit einer Stimme über die Bühne…

Überall auf der Welt sind die Schilder der amerikanischen Botschaft rot – mit gelbem Doppel-Torbogen. Die roten gibt’s hier natürlich auch. Wie überall auf der Welt ist der Kaffee hier einigermaßen bezahlbar – und das Eis auch. Germany lässt grüßen. Vorher wird auch hier der Rucksack durchsucht, wie in fast allen größeren Geschäften und Einrichtungen.

Aber daneben gibt es noch die koshere Variante der amerikanischen Freunde junger Familien. Am zentralen Busbahnhof habe ich nur Zeit, ein Foto zu machen. Die sportliche Aufgabe der nächsten Tage wird sein, herauszufinden, was genau der Unterschied zwischen dem roten und dem blauen Ronald ist.

Beckstein und die versunkene Sonnenbrille

Das Mittelmeer ist wirklich anders als der Starnberger See – oder die Nordsee. Das fängt schon mal bei den Temperaturen an. „Ich nehme es mit zu uns“, meint Petra badelustig. Sonst gehört sie nicht so zu den Badenixen, aber bei diesen Temperaturen ist auch sie nicht zu halten.

Meine Sonnenbrille. Ach, da war doch was. Das Mittelmeer ist eben anders. Die Bademeister hier am Strand von Tel Aviv scheinen in ihrer einstigen Karriere Stadionsprecher bei Bayern München gewesen zu sein. Alle Minute haben sie eine Durchsage und weisen die Badegäste lautstark, tlw. brüllend und pfeifend über Lautsprecher zurecht. Müssen sie wohl auch, denn die Wellen sind echt umwerfend.

Beim zweiten Badegang erwischt es mich auch. Rums – ich liege auf dem Boden. Meine Sonnenbrille? Ja, beim Baden hat man doch eine auf – ich meine, ich habe eine auf. Wo ist sie? Das trübe Wasser lässt keinen eindeutigen Blick auf den Boden zu. So taste ich um mich, suche – und finde. Meine Familie hätte sich sicher gefreut, wenn diese modische Errungenschaft aus längst vergangenen Zeiten es dem maltesischen Schiffbruch des Paulus gleichgetan hätte und im Mittelmeer für immer versunken wäre. Aber nein, sie sollte bei mir bleiben. Ganz im Gegensatz zum Mantel.

Am Strand lese ich Günter Beckstein. „Die 10 Gebote – Auftrag und Verantwortung“. Druckfrisch war mir das Buch beim Offenen Himmel in die Hände gedrückt worden, als Belegexemplar, weil es ein Foto von mir enthält: Der ehem. Bayer. Ministerpräsident in seiner Zeit als Innenminister mit der „kleinsten Kirche der Welt“, den ProChrist-Mobilen auf dem Münchner Odeonsplatz.

Das Buch liest sich gut. Vor allem, die Werte, die er hier in klarer Weise vertritt, gefallen mir. Wie kann ich als Christ in der Spannung zwischen christlicher und politischer Verantwortung leben? Zunächst fängt er bei der geistlichen Bedeutung der Gebote an, mit einem enorm klaren Christusbekenntnis, um dann jeweils sehr schnell politisch zu werden. Beckstein zeigt anhand von Beispielen seiner eigenen politischen Laufbahn auf, wie man diesen Spannungsbogen meistern kann – und ist dabei auch glaubwürdig selbstkritisch. Halb schaffe ich das Buch in Tel Aviv, dann ruft wieder das lauwarme Mittelmeer – und unser Egged – Bus zurück nach Jerusalem.

Egged meets Jerubus

Lautstark verhandeln die Fahrgäste mit dem Busfahrer, bzw er mit ihnen. Worum es geht, bleibt uns verschlossen, da unsere Hebräischkenntnisse ungefähr auf dem Höhenniveau des Toten Meeres liegen. Schließlich wandert ein 200 Schekel-Schein von hinten durch den Kleinbus zum Fahrer.  Diese Busfahrer sind ein echtes Phänomen. Während er rasant durch die Stadt braust, verkauft er die Fahrkarte, wechselt und das Wechselgeld, bei einem Fahrpreis von 6 Schekel nicht gerade wenig, wandert durch den Bus nach hinten zurück. Das hat hier System, denn während der Fahrt in Tel Aviv passiert das mehrfach.

Egged-Busse, so heißen die hier. Busfahren ist hier wirklich viel (!) interessanter, als in München. Zum einen gibt es keinen Fahrplan. Wozu auch. Gehalten werden kann der sowieso nicht. Der Verkehr ist an manchen Stellen einfach zu chaotisch. Also wartet man einfach. Wenn man Glück hat, kommt ein Bus, oder man wartet weiter.

Die Fahrer, so scheint es, haben alle Nachhilfeunterricht bei Schumacher und Vettel erhalten. Fast dauernd drückt der Fahrer auf die Hupe. Am Yehuda-Markt versucht ein Händler mit einem hoch bepackten Handwagen mit Obst die Straße zu überqueren. Das kann nur schief gehen. Trööööt. Der Busfahrer schimpft wie ein Rohrspatz, um dem verdutzten Händler dann gleich verständlich zu machen, dass er gerne zwei von den Früchten hätte. Der Händler versteht, reicht die Früchte durch das Fenster zum Fahrer herein. Bezahlen? Wo denn! In aller Ruhe darf er aber nun mit seinem Handwägelchen vor dem Bus die Straße queren…

Fahrer ansprechen während der Fahrt verboten? Wieso, nebenbei lässt sich doch schon lautstark diskutieren, telefonieren, oder was auch immer…

„Jerubus“ heißt die App, die ich mir für mein Iphone geladen habe. Das Teil ist genial und hilft etwas, das System zu durchschauen. Hier sind sogar die Zielorte aller Buslininen verzeichnet, was man an der Haltestelle vergeblich sucht – und am Bus einfach nicht lesen kann!

Busfahren mit  Iphone-Jerubus macht Spaß. Der kleine rote Kreis wandert immer auf dem Buslinienfahrplan mit, der sehr an den Münchner MVG-Plan erinnert. „So etwas habe ich schon lange gesucht“, meint Christine. Kannst du mir das mailen? Leider lässt Apple einen Ausdruck nicht zu.

Auf der Rücktour von Tel Aviv findet mein Handy das WiFi, mit dem der Egged-Bus ausgerüstet ist. Mei, die sind hier fortschrittlich!  Leider scheitere ich am hebräischen Portal, das mich zu irgendeiner Eingabe auffordert… So „eierig“ sind die Busse hier doch nicht.

Ramadan

Gegen 20:00 Uhr. Es ist Ramadan. Fast unheimlich ausgestorben ist der Markt rund um das „Damascus Gate“. Gestern gegen 22:00 Uhr wurden wir hier fast umgerannt. Waren hier vor wenigen Minuten noch Tausende unterwegs, ist jetzt die Sonne untergegangen. Man ist daheim und isst. An wenigen Ständen sitzen einige Händler und Kinder beieinander. Auch sie essen. Das Programm der kleinen Essenslokale im arabischen Teil ist anders. So gute Shwarma gab es hier vor zwei Jahren, wir wollen sie wieder genießen. Heute? Fehlanzeige. Eine runde Mehlspeise, wie ein Pfannkuchen, findet überall reißenden Absatz.

So auch hier. Ramadan prägt den arabischen Teil der Stadt. Der Felsendom ist für uns nicht zugänglich, zweimal werden wir zurückgewiesen. „Nur von 7:30 bis 11:00 Uhr dürft ihr während des Ramadans kommen“, erklärt uns der israelische Soldat energisch. Seine Hautfarbe ist mit „schwarz“ eigentlich gar nicht so jüdisch, wie von uns erwartet. So blicken wir nur durch das Tor auf den Felsendom.

Ja, ein Foto darf ich aber machen – selbstverständlich.

Wirklich unangenehm

Die Grabeskirche hatten wir vor zwei Jahren ausgelassen. Diesmal sind wir wieder da. Ein Ort, an dem ich mich nicht sonderlich wohlfühle, obwohl er zum Standarprogramm fast aller „Pilger“-Gruppen gehört. Der religiöse Jahrmarkt ist hier unübersehbar. An jeder Ecke eine andere „christliche Tradition“. Hier haben die Russisch-Orthodoxen ihre Ikonen, die von den Besuchern liebevoll geküsst werden, dort haben die Griechisch-Orthodoxen ihre vermeintliche Grabeskammer. Weihrauchfäßchen reihenweise, Kerzen und Relikte hier und dort.

„The tomb of Jesus“, flüstert jemand einer fragenden Besucherin ins Ohr, auf die Frage, was man denn hier besichtigen könnte. Wirklich? Die einzelnen „Gräber“ sind dem Stil der hier vertretenen Kirche angepasst. Hier, so scheint es, hat sich jeder seine eigene religiöse Welt gebaut.

Menschen kommen, knien nieder, drücken ihre Ehrfurcht mit Küssen, Ergebenheit, Kerzen und Niederknien auf alle möglich Weise aus. Erschreckend ist die Ähnlichkeit, die in meine Erinnerung kommt. Nicht viel anders hatten wir es in China erlebt, als wir Menschen beim Besuch des Shinto-Tempels beobachteten…

Hat Jesus das wirklich gewollt? Religion? Verehrung von Äußerlichkeiten?  Er ist gekommen, um Menschen in Freiheit hineinzuführen und nicht in äußerliche religiöse Traktionen zu verwickeln.

Es reicht uns. Schnell hat das Getriebe des Shuks in der Altstadt von Jerusalem uns wieder.

Abraham und das Schaf vom Himmel

Die biblische Kunstausstellung – open air – unterhalb des Jaffa Gates ist besonders reizvoll. Mamilla Mall nennt sich dieser wirklich geschmackvoll angelegte Teil von Jerusalem. Licht, Kunst, Musik geben besonders abends zwischen den Geschäften ein tolles Ambiente. „For sale“ prangt an jedem Kunstwerk. Halb Jerusalem, so scheint es, flaniert hier an lauen Abenden.

Delilah schneidet Simson die Haare ab, Mose hält die Gesetzestafeln hoch, Jakob schläft an der Himmelsleiter, die Bundeslade in Originalgröße mit den vergoldeten Cherubinen. Besonders angetan hat es mir das Kunstwerk über Abrahams angesetzter Opferung von Isaak. Wenn Abraham es hier mit über 100 Jahren raufgeschafft hat, warum wir nicht, meint meine Frau. Recht hat sie. In Jerusalem geht es halt auf und ab, daran muss man sich gewöhnen. Nicht auf dem Berg Morija, sondern in der Mamilla Mall steht dieses bemerkenswerte Kunstwerk.

Der Künstler hat ausdrucksstark getroffen, was die Abraham-Familie bewegt haben mag. Das Messer am Hals von Issak, angstvoll sein Gesicht, ein Engel fliegt vom Himmel herab und bringt ein Schaf  vom Himmel herunter. Nein, ganz so steht es nicht in der Bibel, aber getroffen hat er die Situation wirklich gut, wie „himmlisches Eingreifen“ Veränderung gebracht hat.

Dieses himmlische Eingreifen brauchen wir auch heute.