„Echt scheee…“ oder „Weiter“?

hb4Am Freitag schien die warme Herbstsonne auf unsere HB4 herunter und so konnte ich es nicht lassen – auch weil Annika vom Team2020 mich darum gebeten hatte – ein herbstliches Sonnenfoto von der HB4 zu machen.

„Echt schee…“ kommentierte Christl postwendend aus HH, als das Bild auf ihrem Laptop aufploppte. Ja, die frisch renovierte Fassade sieht wirklich gut aus. Was waren im Sommer noch für Befürchtungen unterwegs, als wir die Aktion „Wir streichen alles…“ ankündigten, dass wir das Gebäude in Dunkelblau streichen würden… 🙂

„Echt schee…“, sagen wir in unserem Leben immer wieder mal, legen die Beine hoch und ruhen uns aus. Wir geben uns mit dem derzeitigen Zustand zufrieden und denken nicht zukunftsorientiert. SO wollen wir als Gemeinde nicht sein. Wir gestalten alles für den Moment so schön, so ansprechend, so gut wie möglich und vertretbar – und wir scharren mit den Hufen, was wir zukünftig besser, größer und zweckmäßiger machen können.

Unser heutiges Gemeindeforum soll Gelegenheit geben, das wir gemeinsam VORWÄRTS DENKEN, eben WEITER, wie wir in den letzten Wochen immer wieder als Schwerpunkt in verschiedenen Bereichen hatten. Das Team2020 hat mit enormem Einsatz (Danke, euch allen!) in den letzten Monaten gearbeitet und vorwärts gedacht Wie soll das Gemeindezentrum der Zukunft aussehen? Das hängt eng mit der Frage zusammen, wie die Gemeinde der Zukunft aussieht. Auch die Ältesten arbeiten an diesem Thema.

Über die Gemeinde und das Gemeindezentrum der Zukunft machen wir uns im heutigen Gemeindeforum Gedanken, natürlich nicht allumfassend, aber ein kleiner Ausschnitt soll heute aufleuchten. Wer kann an dieser Zukunftsvision mitgestalten? Die Antwort hat zwei Buchstaben:

DU

Gefühlte Selbstverständlichkeit, oder ?

An diesem Wochenende steht wieder der Dank im Mittelpunkt. Danken für Selbstverständlichkeiten?

Am Freitag feiern wir die Deutsche Einheit, der Mauerfall jährt sich zum 25. Mal. Als ich in der Woche zu einem Termin in Magdeburg war, war mein Herz neu von Dankbarkeit erfüllt im Hinblick auf dieses historische Ereignis. Die Mauer ist weg. An manchen Stellen, so fällt mir auf, kann man die „DDR“ noch sehen und fühlen, aber vieles hat sich dramatisch verändert. Neulich besuchten wir Freunde, die wir vor der „Wende“ in Dresden besucht hatten. Gemeinsam haben wir dankbar Rückblick gehalten. Das vereinigte Deutschland ist für uns gefühlte Selbstverständlichkeit, aber immer wieder Grund zur Dankbarkeit. Für mich auf jeden Fall.

Quelle: www.freeimages.com/
Quelle: www.freeimages.com/

Wieder haben wir ein Jahr lang Versorgung und (mehr oder weniger) Wohlstand erlebt. Auch das ist gefühlte Selbstverständlichkeit ERNTEDANK erinnert uns daran, dass es einen Grund für Ernte gibt: Gott lässt nicht aufhören Saat und Ernte. Wir halten einen Moment inne und danken – bewusst. Ich finde es hilfreich, Dank LAUT auszudrücken, durch Worte, Gesang, Gebete. Es gibt viele Varianten.

Welches sind deine gefühlten Selbstverständlichkeiten? Worüber machst du dir wenig Gedanken, sondern nimmst es „einfach“ für dich?

Gesundheit? Beziehungen? Familie? Arbeit? Gelingen? Den zusätzlichen freien Tag in dieser Woche? …

Während ich das schreibe, bin ich gerade dankbar, dass es heute keinen Bahnstreik gibt. Und dass ich den Anschlusszug (trotz Verspätung, die alles durcheinander zu wirbeln drohte) problemlos bekommen habe.

Es gibt immer Anlass zum Danken. Tue es einfach. Es ist nicht besonders schwer, man muss sich nur entscheiden.

Geht WEITER…

rr006Die Aussendung der zwölf Apostel (Luk. 9, 1-6)
1 Eines Tages rief Jesus seine zwölf Apostel zu sich und gab ihnen Vollmacht, Dämonen auszutreiben und Krankheiten zu heilen.
    2 Dann sandte er sie mit dem Auftrag aus, allen Menschen vom Kommen des Reiches Gottes zu erzählen und die Kranken gesund zu machen.
    3 »Nehmt keinen Wanderstab mit«, wies er sie an, »und auch kein Gepäck, keine Verpflegung und kein Geld, ja nicht einmal ein zweites Hemd.
    4 Und in welches Haus ihr eintretet, dort bleibt, und von da geht weiter! .
    5 Wenn die Einwohner eure Botschaft nicht hören wollen, dann schüttelt beim Fortgehen den Staub von euren Füßen als Zeichen, dass ihr diesen Ort dem Gericht überlasst.«
    6 So begannen sie durch die Dörfer in der Umgebung zu ziehen, verkündeten die gute Botschaft und heilten die Kranken.

Jesus sendet seine Jünger aus. Es ist damit ein Auftrag verbunden, der übernatürlich ist. Menschlich gesprochen können sie das nicht tun: Sie können keine Krankheiten heilen, sie können keine Dämonen autreiben. In ihrer Sendung sind sie also völlig auf die Hilfe Gottes angewiesen.

Genauso in der Versorgung: Wer macht eine Reise ohne Tasche, ohne Gepäck, ohne Verpflegung – und letztlich auch ohne Geld? Keiner! Das würde man „schlecht vorbereitet“ nennen, vielleicht sogar unverantwortlich. Wir waren in den letzten Tagen in Israel unterwegs: Dort bei der Hitze Reisen ohne Verpflegung, besonders ohne Wasser zu machen, ist eigentlich keine gute Idee. Und trotzdem macht Jesus es so, er sendet seine Jünger in der Weise aus. Muss man sich da nicht wirklich überfordert fühlen?

Auch wir fühlen uns mit dem, was Gott uns an Auftrag gibt, manchmal überfordert. Und trotzdem ist es Gottes Auftrag für uns. Stellen wir uns dem? Als Gemeinde nehmen wir den Auftrag Gottes wahr, wir leben ihn, wir setzen ihn um. Wir halten ihn nicht für menschlich zu schwierig, sondern wir vertrauen Gott. Und er wird uns alles dafür geben, was nötig ist – davon bin ich überzeugt.

Tretet in ein Haus ein und bleibt dort: Das Haus ist ein Bild für das, was wir bereits erreicht und erlebt haben. Das wertschätzen wir, dort bleiben wir, das verleugnen wir nicht. So sind wir als Gemeinde dankbar für das, was Gott uns bisher schon gegeben hat.

Und von da geht WEITER: Das ist der entscheidende Punkt: WEITER gehen.

Wo gilt das für dich persönlich, wo für uns als Gemeinde? Wir haben jetzt nach diesen Sommerwochen einen „Neustart“ in den Herbstteil des Jahres. Gehen wir WEITER?

Ich lade uns zu diesem WEITER ein. Gehen wir den nächsten Schritt, gehen wir in das nächste „Haus“. Die Jünger taten das, was Jesus ihnen gesagt hatte. Sie gingen von Dorf zu Dorf, von Haus zu Haus. Und sie machten das, was Jesus ihnen gesagt hatte – und waren darin erfolgreich.

Ich wünsche uns gemeinsam einen starken Herbst, in dem wir WEITER gehen.

Bist du dabei?

Das Tor ist – offen!

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Mittwoch, 4:00 Uhr. Erbarmungslos klingelt der Wecker. Gefühlt ist die Nacht noch lange nicht zu Ende. Glücklicherweise ist die beste Ehefrau von allen bereit, den morgendlichen Chauffeur zum Flughafen zu stellen.

5:15 Uhr – 50 Cent kostet sie, die verschließbare Plastiktüte. Erbarmungslos landet mein Shampoo in der Mülltonne. Diesmal reise ich nur mit Handgepäck und habe nicht an die Kulturtasche gedacht. Vaseline zählt bei der Flugsicherheit auch zu den Flüssigkeiten – und was nicht in das Tütchen passt, muss in die offene Tonne…

5:48 Uhr – Was machst denn du so früh hier? Jutta, ehemals aus Augsburg, begrüßt mich stürmisch, während ich mich zum Gate begeben will. Wir tauschen kurz ein paar Gedanken aus und sind erfreut, uns hier unerwartet wieder zu treffen.

6:32 Uhr – Der Morgenkaffee im Flieger mit den „roten Herzen“ tut richtig gut. Auch ich gehöre zu denjenigen, die die Statistik bereichern, dass über den Wolken mehr Tomatensaft getrunken wird, als auf dem Boden. Irgendwie komisch, aber immer komme ich auf die Idee, den zu bestellen…

Frank-Selfie7:38 Uhr – „Sie können das Ticket auch bei mir kaufen“. Die freundliche Mitarbeiterin der Berliner Verkehrsbetriebe hilft mir, die offene Tür des namensvoluminösen Jet-Express-Bus TLX mit dem richtigen Ticket zu besteigen. Genau 29 Minuten später stehe ich vor dem Brandenburger Tor. Schnell noch ein „Selfi“ mit dem Mobiltelefon gemacht. Dann muss ich unbedingt DURCH das Tor gehen. Es ist offen. Wirklich.

IMG_4287a8:14 Uhr – Pariser Platz 6a, direkt neben dem Brandenburger Tor. Marc Brenner, Präses der Gemeinde Gottes, kommt mir im dritten Stock entgegen. Dass die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) hier zu einem eher symbolischen Beitrag ein Büro, direkt gegenüber dem Reichstag, haben kann, um die freikirchlichen Interessen bei der Bundesregierung vertreten zu können, ist ein echtes Wunder, ein offenes Tor. Aus dem Fenster kann man das Brandenburger Tor fast berühren, gleich rechts glänzt das Reichstagsgebäude in der Morgensonne.

8:32 Uhr – VEF-Präsident Ansgar Hörsting beginnt unser Vorstandstreffen mit einer Andacht über Psalm 139. Von allen Seiten umgibst du mich, Herr. Welch ein gutes Wort für diesen Tag. Die Sitzung ist vollgepackt mit Themen und Entscheidungen, die die Belange der VEF in Deutschland betreffen. Es ist ein herzliches und gutes Miteinander, das sich in den knapp vier Monaten seit unserer Wahl entwickelt hat.

IMG_430212:27 Uhr – Schnell noch ein Vorstandsfoto vor der imposanten Kulisse des geschichtsträchtigen Tors gemacht, dann müssen wir uns auch schon auf den Weg machen – natürlich durch das Tor hindurch.

12:38 Uhr – „Hier müssen wir abbiegen“. Gemeinsam gehen wir durch den Berliner Tiergarten, um zu unserem Tagungshotel zu kommen. Mission.Respekt. heißt der Kongress, bei dem ich den BFP gemeinsam mit zwei anderen Pastoren aus unserem Bund vertrete. Herzliche Begrüßung beim Empfang, gleich lerne ich auch ein paar neue Leute kennen. Das ist immer ein wichtiger Nebeneffekt auf Tagungen.

14:02 Uhr – Präses Michael Diener, Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz, heißt den Kongress willkommen. Die Zusammensetzung der Teilnehmer ist höchst interessant. Sie kommen aus den unterschiedlichsten kirchlichen Hintergründen. Wie können wir in einer sich verändernden, mulitreligiösen Welt unser christliches Zeugnis heute glaubwürdig vermitteln? Die Fragestellung ist zentral. Ist das Tor noch offen? Ein Referent kommt aus Rotterdam. Er arbeitet in einer Gemeinde, in deren unmittelbarem Umfeld etwa 85% der Bewohner „nicht-niederländisch geboren“ sind. Das Umfeld sei völlig multireligiös, führt er aus. Er plädiert dafür, ein klares christliches Profil zu zeigen, aber auch offen für das Gespräch zu sein.

15:38 Uhr – In unserer Kleingruppe sitzt ein baptistischer Professor. Gemeinsam tauschen wir uns über das Gehörte aus. Wir sind uns einig, dass wir als Christen furchtlos unser Zeugnis weitergeben sollen. Aber auch andere Töne sind hörbar, die Mission weniger und Respekt mehr betonen. Eine von vier „Lauschern“ kommt in unsere Gruppe. Ihre Aufgabe ist es, später aus dem, was sie in den Kleingruppen gehört haben, im Plenum zu berichten.

IMG_4305a19:05 Uhr – Ich komme etwas zu spät zum abendlichen Gottesdienst. Neben Marianne ist in der vorletzten Reihe noch ein Platz frei. Sie ist eine couragierte evangelische Pfarrerin, am Nachmittag hatten wir uns schon in einer weiteren Gesprächsgruppe getroffen. Die Begegnung mit den unterschiedlichsten Menschen ist für mich sehr bereichernd. Immer wieder wird in den Pausen über das Gehörte diskutiert, zustimmend – oder auch nicht. In Reihe eins der Kirche hat auch Bundestagspräsident Lammert Platz genommen, in der zweiten Reihe rechts sitzt Bundesgesundheitsminister Gröhe. Die Personenschützer mit dem Knopf im Ohr, die die beiden Politiker auf Schritt und Tritt begleiten, halten sich dezent im Hintergrund, beobachten die Szenerie aber genau.

20:42 Uhr – Mittlerweile habe ich in der kurzen Pause einen Platz links in Reihe zwei gefunden. Ich will ein paar Fotos schießen. Die sich anschließende Podiumsdiskussion plätschert zunächst etwas dahin, weil sich die Diskutanten weitgehend einig sind. Bundestagspräsident Lammert setzt sich vehement dafür ein, dass die Religionsfreiheit in unserem Land „mit Klauen und Zähnen verteidigt“ werden muss. „Das ist ein hohes Gut, das wir in unserer Demokratie haben.“ Applaus brandet auf. Mich beeindruckt wie er den Anwesenden Mut macht, christliche Positionen klar zu formulieren. Ja, das Tor ist offen, auch für die christliche Botschaft.

22:10 Uhr – Die Dame vom Catering-Service ist freundlich aber bestimmt. „Herr Minister, Sie müssen etwas essen. Und Sie auch, bitte.“ Wir sollen das Gehörte durch gezielte persönliche Kontakte vertiefen. Minister Gröhe nickt mir aus der gegenüberliegenden Reihe freundlich zu, als ob wir uns lange kennen würden. So nutze ich die Gelegenheit zu einem sehr persönlich gehaltenen Austausch mit ihm und kann auch über unsere Anliegen als Gemeindebewegung sprechen. Geistliches ist ihm nicht fremd. Als er noch CDU-Generalsekretär war, hatte der jetzige Bundesgesundheitsminister unserem Präses Justus zu seiner Wahl gratuliert.

IMG_4391a23:15 Uhr – Obwohl ich schon mehr als 19 Stunden auf den Beinen bin, reizt mich die laue Berliner Luft noch zu einem abendlichen Spaziergang. Vorbei an der Philharmonie schlendere ich unter dem imposanten Dach des Sony Centers zum Potsdamer Platz. Hier stehen ein paar Elemente der ehemaligen Berliner Mauer, auf dem Boden ist der genaue Verlauf markiert. Weiter geht es, vorbei am monumentalen Denkmal für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus und an der amerikanischen Botschaft.

IMG_4386a23:55 Uhr – Die amerikanische Botschaft direkt am Tor erinnert an die Worte, die Ronald Reagan am 12. Juni 1987 wenige Meter weiter ausgerufen hatte: „Mr. Gorbachev, open this gate! Mr. Gorbachev, tear down this wall!“. „Die Mauer (…) wird auch noch in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen bleiben“, hatte Erich Honecker im Januar 1989 gesagt. Als knapp ein Jahr später die Mauerteile mit dem Kran weggehoben werden, sitze ich am Fernseher und habe Tränen in den Augen. Das Tor ist – offen!

00:05 Uhr – Das Brandenburger Tor ist hell beleuchtet. Und es ist – offen! Wieder gehe ich bewegt hindurch. Ein paar Leute, die offensichtlich aus China kommen, haben irgendeinen Grund hier zu feiern. Sicher nicht das, was wir 2014 feiern: 25 Jahre ist es her, da ist dieses Tor um diese Zeit noch geschlossen. Wenige Wochen später ist es offen. Ja, es war so ungefähr im August 1989, da hatten wir in der Nähe von Frankfurt Übernachtungsgäste, die auf einer Gebetskonferenz für Deutschland waren. „Wir haben im Gebet gestern die Regierung der DDR abgesetzt und gebetet, dass die Mauer fällt“, erzählten uns unsere damaligen Gäste beim Frühstück. So viel Glauben hatte ich damals nicht und bedächtig den Kopf geschüttelt. Und heute, 25 Jahre später: Es berührt mein Herz, hier konkret zu sehen, was in unserem Land geschehen ist. Dafür bin ich Gott dankbar. Auch an diesem Abend.

IMG_4444a00:55 Uhr – Ob ich liege oder gehe – die Worte des Psalmschreibers, die Ansgar Hörsting am Morgen gelesen hatte, sind wieder da. Müde öffne ich die Tür zu meinem Zimmer und falle fast ins Bett. Klick! Es reicht, die Schlüsselkarte ans Schloss zu halten – und schon ist die Tür offen, für mich.

01:05 Uhr – Ich bin dankbar für alle Impulse, für alle Begegnungen, für alle Bewahrung, die dieser Tag mit sich gebracht hat. Und ich bin dankbar für alle offenen Türen und Tore in meinem Leben.

Dein Tor ist – offen! Und? Gehst du hindurch?

Aufbruch 2014 in Thüringen

rr004Camp der Superlative – 15.000 Royal Rangers beim Bundescamp – Segen und gute Impulse

„DIXI“ steht auf den kleinen blauen Häuschen. Es ist etwa drei Uhr morgens, wegen eines sehr dringenden Bedürfnisses habe ich mich auf den Weg hierher machen müssen. Gleich beim Münchner Nachbarstamm fließt eine „kleine Isar“ leicht plätschernd in der Dunkelheit vorbei. Gestern war die noch nicht da.

Meine Stirnlampe leuchtet auf meine Schlafanzughose, die beim Gang aus Versehen in den frischen Matsch getaucht wird – so kann ich nicht zurück in meinen Daunenschlafsack, der inmitten einer Pfütze auf einer Isomatte in meiner Kote, dem Pfadfinderzelt, liegt. Dank einer Plastikfolie bleibt mein Schlafsack trocken, nur mein Kostüm für die Abendveranstaltungen bekommt etwas Feuchtigkeit ab, anderen Stämmen ergeht es schlimmer.

Aufstehen gegen Antisemitismus und für gesunde Familien
Neufrankenroda, Hofgut Siloah, am Mittwochabend: Während das Programm in der riesigen Burg-Arena auf seinen Höhepunkt zusteuert, geht ein Starkregen auf die 15.000 Royal Rangers nieder. Gerade hat der israelische Botschaftsrat Rogel Rachman aus Berlin ein Grußwort gebracht und die Royal Rangers haben eine Erklärung gegeben, mit der sie bewusst gegen Antisemitismus in Deutschland aufstehen, da kommen auch schon die Wagengespanne in die Arena. Fast schon traditionell ist dieses Wagenrennen mit jungen Männern aus allen Bundesländern. Wagemutig werfen sie sich in den extra ausgehobenen Wassergraben. Wegen der Witterungsverhältnisse kann allerdings nur eine Schaurunde gelaufen werden.

Am nächsten Morgen strahlt die Sonne zum morgendlichen Stammleitergebet um 7:00 Uhr schon wieder mit aller Kraft auf das Campgelände. Vorher noch schnell einen Platz im Duschcontainer ergattert, kalt geht es sowieso schneller. „Warmduscher“ hätten besser daheim bleiben sollen.

„Wir schauen nicht zurück, sondern vorwärts und wir werden einen gesegneten Tag haben“. RR-Bundesleiter Peter Lehmann motiviert die Stammleiter und Dank der kräftig scheinenden Sonne ist das meiste schnell getrocknet und der Abend schnell vergessen. „Wir als Rangers können mit und ohne Regen“, sagt der Bundesleiter. „Gestern war es halt mal mit…“.

Logistische Meisterleistung
Dieses ist das weltgrößte Royal Rangers Camp, das jemals stattgefunden hat. 30.000 Semmeln werden jeden Morgen frisch angeliefert, die Versorgung ist eine logistische Meisterleistung. Die Regionalküchen, beliefert von 30 Versorgungsfahrzeugen, verteilen das Essen auf die Stämme, diese auf die Teams, in der jeder Teilnehmer seine „Familie“ hat. So geht der Einzelne in der Masse nicht unter.

Exif_JPEG_PICTUREIm Campheft gibt es für jeden Tag eine Andacht, die in den Teams durchgesprochen wird. Die Stämme treffen sich intern, auch gibt es Zusammenkünfte in den Regionen. Dazu dann die Plenumsveranstaltungen in der Burg-Arena, die eigens mit viel Liebe fürs Detail für die Abende aufgebaut worden ist. Mir gefällt diese effektive Struktur sehr.

La-Ola in der Burg-Arena
Die Burgtreffen sind eindeutig der Höhepunkt des Camps. Der Einmarsch ist peinlich genau geplant, damit jeder Stamm an jedem Abend an einem anderen Platz sitzt. Das Vorprogramm allein schon sehenswert. Hunderte von Helfern sind eingebunden, damit die Abende klappen. Ein klassisches Orchester von Rangern mit Cello, Geige und Trompete bildet den musikalischen Rahmen. Dieses muss wegen der Witterungsverhältnisse in ein Zelt hinter der Bühne umziehen, spielt aber weiter life und ist per Videoscreen eingeblendet. Das klappt (fast) perfekt und mischt sich mit der Lobpreisband auf der Bühne, die fetten Sound in die 140.000 Watt Musikanlage powert. Hinter der Burg schnurren mehrere riesige Dieselgeneratoren für die nötige Campenergie.

„Geht’s euch gut, Rangers?“ Begeistertes Gebrüll brandet aus dem weiten Rund der Arena auf. Campleiter Martin Seiler aus Stuttgart weiß die Rangers im Hauptprogramm zu packen. „Woh-oh-oh-ohohohoh, wir singen für dich, unseren Gott, denn du bist schnell, schneller als die Feuerwehr….“.  Das Stadion rockt. „Ich sag JA zu dem Geschenk, dass du für mich am Kreuz starbst“. Das Camplied ist ein richtiger Ohrwurm und begleitet einen auch tagsüber. Links am Tribünenende startet eine La-Ola-Welle und kreuzt sich mit der, die rechts gestartet ist.

Schade, dass man auf der Tribüne baupolizeilicherseits nicht tanzen darf. Dafür tun das die Ranger auf der Bühne in jeder Art und Weise. Apropos Bauaufsicht: Erst fünf Stunden vor der Eröffnungsfeier war der letzte Stempel unter die nötigen Genehmigungen für Bauten und Sicherheitskonzept gesetzt worden – großes Aufatmen bei den Verantwortlichen. Den Verantwortlichen der Feuerwehr schlottern bei zehn Lagerfeuern in der Arena jeden Abend die Knie und so bewachen sie mit mehreren einsatzbereiten Autos und Argusaugen die lodernden Flammen…

Von Wertheim nach Wittenberg und zurück
rr006Aufbruch Anno 1514 – Auch die Stadt Wertheim hat Berührung mit dem „neuen Glauben“ von Martin Luther bekommen. In einem hochklassigen Theaterstück werden die Rangers mit atemberaubender Spannung in die Historie hineingenommen. Ein Theaterstück mit mehreren parallel laufenden Handlungssträngen zieht sich in Fortsetzung durch alle vier Burgabende durch. Zwischendrin auf den großen Videoscreens immer wieder Einspieler aus dem Luther-Film. Verpackt in eine fast dramatische Handlung immer wieder die Botschaft von Jesus, dass Errettung nur durch Gnade geschieht. Das berührt die Rangers – und mich auch. Weitere Werte, die den Royal Rangers wichtig sind, werden mit in das Theaterstück eingepackt.

Die Geschichte hat ein melodramatisches Happy End, als die unfreiwillig ins Kloster geratene Lene von dort befreit wird und ihren Buchdrucker Hans heiraten kann, der selbst das Neue Testament drucken darf. Beide kommen im Verlauf des Theaters zu einer Entscheidung für den „Glauben an Jesus aus Gnade“. Sein Fürst öffnet sich dem evangelischen Glauben und empfängt dann das Neue Testament in der Übersetzung Martin Luthers. Das Theaterstück ist hochklassig und mit vielen Schauspielern und Statisten besetzt. Auf der etwa vierzig Meter breiten Bühne, die perfekt dekoriert ist, läuft es in mehreren Bühnenbildern ab, die auf den großen Video-Screens übertragen werden.
Aufbruch Anno 2014. Die Botschaft, die das Camp durchzieht, ist einfach aber nachhaltig: Wir müssen in allen Bereichen unseres Lebens aufbrechen – und das fängt in unserer Beziehung zu Gott an.

Eine Bibel für jeden Teilnehmer
Passend zum Thema hat die Bundesleitung der Rangers eine Bibel drucken lassen, extra für das Camp. Es ist keine „Billig-Ausgabe“, sondern eine komplette Bibel mit Ranger-Einband, die jeder Teilnehmer am Eröffnungsabend geschenkt bekommt. „Ja, für jeden ist eine da, bitte nicht rennen“.

Am Montag ist Entscheidungsabend. Die geistliche Botschaft ist herausfordernd und klar. Viele Rangers treffen eine Entscheidung für Jesus Christus. Am Ende des Abends ist Möglichkeit zum Gebet. Auch hier bewährt sich die Teamstruktur des ganzen Camps. Die Teamleiter beten gemeinsam mit den Seelsorgern für die jungen Leute.

„Pastor, ich möchte mich taufen lassen“. Eine Pfadfinderin aus dem Team der Glühwürmchen kommt am nächsten Tag zu mir. „Ich habe Jesus mein Leben anvertraut, nun will ich das festmachen“. Das finde ich richtig stark.

Mit der Seilbahn in den Swimming-Pool
Tagsüber laufen Workshops und Marktstände. Das schier unübersehbare Angebot umfasst im Campheft achte eng bedruckte Seiten mit Stichworten wie Papier-Frisbee bauen, Swimming Pool mit Seilbahn, Turmklettern, Ringen auf geseifter Plastikplane,  Kerzen ziehen, am Spinnrad Wollgarn spinnen. In der Arena findet ein Kochwettbewerb mit einem Dreigänge-Menü, gekocht nach Ranger-Art, statt, „Con-Spirito“ nennt sich der Lobpreiswettbewerb. Auch die besten Bauwerke werden bewertet und die Sieger geehrt.

Für mich ist die Vielfalt fast frustrierend, weil ich gerne alles sehen würde, aber weil ich selbst „eingespannt“ bin, ich dafür keine Zeit habe. So bleibt uns nur der spätabendliche Rundgang zur „Schwabenmühle“, die mit schwäbischen Gaumen-Spezialitäten als der „Geheimtipp“ gehandelt wird.

Unser letzter Punkt an fast jedem Abend ist unsere Münchner Frauenkirche, die die Ranger unserer Region gemeinsam in einem enormen Kraftakt gebaut haben. Es ist Freitagmorgen, 1:00 Uhr, die „Sperrstunde“ ist vom Bundesleiter extra aufgehoben worden. Die Frauenkirche ist noch gut gefüllt. Auch heute gibt es noch alkoholfreie Cocktails und in Öl gebackenes Gebäck. In Gruppen stehen und sitzen die Jugendlichen. Chill-Out, so lieben sie es. Viele wertvolle Gespräche werden geführt und Beziehungen geknüpft.

 „Meine besten Mitarbeiter kommen von den Royal Rangers“,
rr001bekennt Jean-Christoph Nadon, Gemeindegründer aus Füssen, während des Pastorencamps. Seit vielen Jahren ist er mit den Rangers verbunden. An die 100 Pastoren sind in jeder Plenumsveranstaltung von Sonntag bis Dienstag in der Bundesjurte versammelt und bekommen Impulse für die Ranger-Arbeit in der lokalen Gemeinde. Ein reger Austausch schließt sich an. Gemeinsam mit RR-Bundesleiter Peter Lehmann leite ich dieses Camp, das auf großes Interesse stößt.

Zwischendrin sind die Pastoren ermutigt, ihre Stämme in den Claims zu besuchen – oder auch bei ihnen zu übernachten. „Ein beeindruckendes Camp“, bestätigen viele Pastoren. Unser Präses Johannes Justus, der das Camp am Eröffnungsabend besucht und ein Grußwort gibt, schreibt auf seiner Facebookseite: „Was die Royal Rangers derzeit auf dem Bundescamp in Neufrankenroda veranstalten, ist gigantisch! Ich durfte vor Ort sein und war einfach nur überwältigt.“

Soli Deo Gloria
Rund um die Uhr an allen sieben Camptagen gibt es Lobpreis, Gebet und Bibellese im „Soli-Deo-Gloria-Dom“. Eine kleine Jurtenburg ist extra für diesen Zweck errichtet worden. Ein Ort der Besinnung, der Proklamation und des Gebets. Rechts vom Eingang hängt eine „Dank- und Klagemauer“, an der unzählige Gebetszettel angepinnt sind, links hinten gibt es einen separaten Gebetsraum. Während ich hier eine Gebetszeit leite, kommt eine Rangerleiterin und sucht Ruhe. „Ich brauche einfach einen Ort zum Gebet.“

Die Krypta im Hofgut Siloah ist während des Camps ein Ort des Segnens. Meine Frau und ich beten zusammen mit einigen Mitarbeitern für Leiter, die sich auf dem Camp befinden. Segnung, Fürbitte und prophetisches Gebet sind unsere Schwerpunkte.  Das Angebot wird sehr rege und dankbar angenommen. Nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Mitarbeiter ist auf diesem Camp gesorgt.

Was bleibt sind Beziehungen
„Die Bauwerke werden wieder abgebaut, sie sind nicht so wichtig. Was aber bleibt, sind die Beziehungen, zu Gott und Menschen.“ RR-Bundeswart Manfred Knecht, erfolgreicher Unternehmer aus Ravensburg, fokussiert für die Stammleiter noch einmal das Wichtigste. Mir gefällt diese Haltung der RR-Bundesleitung, die immer wieder durchkommt. Manfred ist dieser Bereich ein besonderes Anliegen – und das sagt der Mann, der sich mit großer Energie für die Planung der Bauwerke und Camp-Infrastruktur mit eigenem Straßenbau, mobilen Toiletten, Duschcontainern und allen Bauwerken eingesetzt hat.

In seiner Berufung leben
rr005„Mach deine Berufung fest und lebe in ihr“. Der Abschlussabend bringt es auf den Punkt, dass Royal Rangers nicht nur für sich leben, sondern dienen sollen. „Rechne damit, dass Gott dich sendet“, lautet die Botschaft und das segnende Gebet schließt sich genau in diese Richtung an.

Die Scheinwerfer werden dunkel gemacht und Teelichter werden in kleinen Gläsern quer durch das Stadion gereicht. „Gib das Licht, das Gott dir gegeben hat, weiter.“ Zum Schluss brennen 15.000 Kerzen im weiten Rund und die „Ranger-Hymne“ wird gesungen. Es ist ein bewegender Moment. Ein dickes Dankeschön an alle Mitarbeiter und auch die RR-Bundesleitung, die den Mut hatte, so ein Mega-Event auf die Beine zu stellen.
Während die „Kleinen“ die Burg verlassen dürfen, darf die Musikanlage noch einmal zeigen, was sie kann. Und so geht der Lobpreis noch kraftvoll weiter, während ich nebenan im Bürozelt sitze und noch ein paar Bilder auf Facebook poste.

Die jugendlichen Wachen, die hier heute im „Rathaus“ Nachtdienst haben, steppen mit ihren geschätzten 12 Jahren begeistert auf dem Holzfußboden, die Stimmung schwappt aus der Burg herüber.

Während in der Burg der Lobpreis mittlerweile auf stilvolle Pfadfindersongs umgeschwenkt hat und man dort an den zehn Pagodenfeuern noch bist tief in die Nacht sitzt, singt und chillt, sind die beiden streitbaren Wachen auf ihren Isomatten eingeschlafen. David, einer der offiziellen Camp-Fotografen, lädt noch ein paar Fotos auf den Bürocomputer. Er muss später die Wächter zur Nachtschicht wieder wecken, denn die geht immerhin noch bis sieben Uhr…

Trocken nach Hause
Am Freitagmorgen schauen die Mitarbeiter unseres Stammes besorgt zu den dicken Wolken auf. „Wir brauchen unbedingt trockenes Wetter zum Abbau, sonst ist der Kraftaufwand viel größer“, erklären sie mir. Sehr verständlich. „Bete bitte intensiv.“ Wir stellen uns in einem kleinen Kreis zusammen und beten noch einmal gemeinsam. Was wenig später geschieht, ist wie ein besonderes Zeichen zum Campabschluss: Ein leichter Wind kommt auf, die Sonne bricht durch und der größte Teil der Zelte und Bauten kann trocken eingepackt werden – trotz anderslautender Vorhersagen. Letztlich liegt auf dem ganzen Camp, trotz mancher Widrigkeiten, ein großer Segen.

Noch schnell ein Gruppen-Erinnerungsfoto vor der Frauenkirche, dann fahren über 300 Busse vor, große Trucks, kleine LKWs und Transportanhänger sind überall auf dem Gelände. Es wuselt noch einmal so richtig. Im Hintergrund heulen die Motorsägen und bringen 200.000 Meter Restholz auf Länge, denn es soll alles wieder verkauft werden. Als wir um 17 Uhr unser Auto starten, sind die meisten Bauten und Zelte schon weg.

Bye, bye, Neufrankenroda. Es war für mich eine große Ehre und Freude, die ganze Zeit dabei gewesen sein zu dürfen. Wenn das Bundescamp 2022 wieder kommt, habe ich auch bestimmt schon mein NTC-Abzeichen auf meiner Kluft. Vorausgesetzt, die Rangers wollen einen so alten Opa dann noch…

„Raus aus der Komfortzone“

IMG_3265a„Du als Pastor bist ein entscheidender Schlüssel, wie sich das Verhältnis von Royal Rangers, Gemeinde und Jugend gestaltet“.  Basim Al Safau, Jugendpastor und Leiter der Royal Rangers aus Baden-Baden spricht aus der Praxis. Er zeigt vier Säulen auf, mit denen er den jungen Leuten dient. Dabei spielen die Jugend und die Royal Rangers eine wichtige Rolle. „Wir sind dankbar, dass es bei uns keine Wand zwischen diesen beiden Arbeitsbereichen gibt.“

Die Bundesjurte ist sehr gut gefüllt. Über 100 Pastoren sind zum Pastorencamp nach Neufrankenroda gekommen. Matthias Frank, Jugendpastor in der BGG Stuttgart, inspiriert dazu, nicht halbherzig in Royal Rangers und Jugend zu investieren sondern hingegeben zu sein. Während seines Vortrags fängt es auf dem Campgelände an zu regnen, ein Gewitter, das sich „gewaschen“ hat, geht nieder. Matthias lässt sich nicht irritieren und referiert weiter. Nach seinem Vortrag hat das Unwetter seinen Höhepunkt erreicht und die Pastoren gehen in eine intensive Gebetszeit um Schutz für das ganze Camp. Der Regen prasselt auf die Jurte und die Pastoren erleben live, wie Rangerarbeit in der Praxis sein kann. „Raus aus der Komfortzone“ ist hier das Motto. „Keine nennenswerten Schäden, ein wenig nass zu werden, ist nicht schlimm“, kann Peter Lehmann, Bundesleiter der Royal Rangers, am nächsten Morgen vermelden, während das Gewitter anderorts nicht unerhebliche Schäden verursacht hat.

IMG_3263a„In der Evangelisation ist das Vertrauensverhältnis total wichtig. Du benötigst eine authentische Beziehung zu den Kindern, damit die Botschaft ankommt. Die Möglichkeit, die biblische Botschaft weiterzugeben, ist im Leben eines Stammes begrenzt, aber wenn eine Beziehung da ist, dann ist eine Offenheit da. Und das wirkt!“ Martin Seiler, Stammleiter der BGG, ist überzeugt davon, dass die Royal Rangers eine ausgezeichnete Möglichkeit zur Evangelisation sind. „Du musst junge Leute früh für Jesus begeistern und sie dafür auch herausfordern, ihre ‚Premiumtermine’ zu geben“, ist er überzeugt. Er zeigt auf, wie ‚Gemeindefremde’ effektiv erreicht werden können.

„Meine besten Mitarbeiter kommen von den Royal Rangers“, bekennt Jean-Christoph Nadon, Gemeindegründer aus Füssen. Seit vielen Jahren ist er mit den Rangers verbunden. Die Gemeindegründungsarbeit in Füssen ist ca. 15 Jahre alt und hat schon einige weitere Gemeinden im Allgäu ins Leben gerufen. Er berichtet von der Gemeindegründungsarbeit in Peiting, wo über die Royal Rangers auch die Eltern erreicht worden sind. Er motiviert dazu, gemeinsam mit den Rangers evangelistisch tätig zu sein.

Während seines Vortrags wird in der Bundesjurte im Feuerkorb ein Feuer entzündet, auf dem „ganz nebenbei“ Crêpes gebacken werden. Alles „flutscht“ ohne große Anweisungen und Kommentare. Auch der obligatorische Kaffee fehlt nicht, so ist für alles bestens gesorgt.

IMG_3223aDie beste Werbung für den Stamm ist der Stammtreff selbst. Dieser muss attraktiv sein, so dass die Kinder überzeugt sind und wiederkommen wollen. Dabei spielen die Teamleiter eine ganz wichtige Rolle. Sie haben oft einen Einfluss auf die Kinder, den manchmal die Eltern selbst nicht haben, so betonen mehrere der Referenten einmütig.

Manfred Knecht, Bundeswart der Royal Rangers und Unternehmer aus Ravensburg, spricht kompetent und weitherzig über Mitarbeiterentwicklung. Er hat Rebekka mitgebracht, die unter seiner Leitung „herangewachsen“ ist. Beide reflektieren gemeinsam ehrlich über durchlaufene Entwicklungen. Den Pastoren werden viele praktische Ansätze vermittelt. Fragen und Kommentare aus dem Plenum ergänzen die Vorträge. Dabei werden auch schwierige Themen nicht ausgeklammert.

„Danke, dass ihr das organisiert habt“, kommt es aus vieler Munde. Das Pastorencamp ist echt klasse.

Am Dienstagmorgen geht es mit Vorträgen von Frank Uphoff und Peter Lehmann, sowie einer Segnungszeit, in die Abschlussrunde.

Die Schlange vor dem Kaufhaus

IMG_3076abWir sind hier in Thüringen auf dem Boden der ehemaligen DDR. Meine Gedanken gehen 25 Jahre zurück, damals in Dresden, die Schlange vor dem Kaufhaus. Heute gibt es hier wieder eine Schlange – vor dem Kaufhaus des Bundescamps. Etwa 80 Ranger stehen an, um etwas von den Köstlichkeiten zu erwerben, sich Ranger-T-Shirts, usw. zu kaufen.

Schlangen gibt es auch vor den Dusch-Containern, „Dixi-Toiletten“ stehen überall in Reih und Glied – und sind meistens besetzt… Neufrankenroda, das christliche Hofgut Siloah. Ein idyllisches und gleichzeitig ideales Fleckchen Erde für das Ranger Bundescamp. Extra Wege wurden gebaut, der logistische Aufwand ist enorm.

Nebenan im Campbüro zeigt Regina auf einen zwanzig Zentimeter hohen Stapel Papier. Die Anmeldungen muss sie nachbearbeiten. Die Handys liegen in Reih und Glied – tja, sonst gibt es keine Möglichkeit zur Aufladung. „Willst du einen Kaffee“? Natürlich will ich. Nils vom RR-Büro bereitet gerade Presseausweise vor. Und Lisa weiß, wo sich mein Ausweis befindet. Mein Camp-T-Shirt habe ich schon. Es ist heiß im „Rathaus“, wie sich das Campbüro nennt.

IMG_3047aAUFBRUCH. Deutschland im Jahr 1514. Auch die Campbauten sind von diesem Thema geprägt. Noch habe ich nicht geschafft, mir auch nur einen kleinen Teil anzuschauen, aber schon jetzt steht fest: dieses Camp ist MEGA. Es verschlägt einem schon den Atem, wenn man all die Bauten sieht. Gleich neben der Münchner Frauenkirche steht das Ulmer Münster. „Du wirst bestimmt mal ein Pastor werden“, sagt jemand zum Bauleiter der Frauenkirche. „Du kommst hierher, da ist nur grüne Wiese, drei Tage später steht hier eine Kirche und du predigst“. Auf Camps hat schon manch ein Ranger eine Berufung erhalten, so weiß ich. JESUS, heißt es mit dicken Lettern vorne im „Altarraum“. Alles ist mit Seilen, Planen und Holzbalken gebaut, nach Rangerart, keine einzige Schraube.

IMG_3042aUm JESUS geht es wirklich. 7:00 Uhr, Samstag. Ich bin in der Morgenandacht für die Stammleiter und Verantwortlichen. Manfred Knecht, RR-Bundeswart skizziert das Bild, was ihm auf dem Herzen liegt. „Wir wollen, dass sich in der Lebensgeschichte vieler Anwesender der 8. bis 15. August als ein signifikantes Datum mit (Neu)-Entscheidungen für Jesus wiederfindet. Dazu braucht es unseren ganzen Einsatz“. Er vergleicht den Einsatz der Leiter beim Camp mit einem Marathon-Lauf. „Bei Kilometer 36 liegen die Leute im Graben und kotzen – aber du läufst weiter. Du willst das Ziel erreichen!“. Die Morgensonne leuchtet auf die fast 500 Anwesenden, nur Leiter. Sie wirken in der großen Burg fast etwas verloren. Applaus brandet auf. Dazu sind sie hier – und jeder hat noch sein „Startgeld“ für diesen Lauf bezahlt.

„Wir haben Toilettenpapier an einem Tag verbraucht, das wir für drei Tage kalkuliert hatten. Nein, wir rationieren es trotzdem nicht“. Der Schöller-Eisfahrer sucht verzweifelt den Ansprechpartner, bei dem er das Eis abgeben soll. „Wo finde ich Stamm 222?“, fragt mich ein Mädchen mit leicht östlichem Akzent. Auch da kann ich leider nicht helfen.

Ich bin froh, dass ich mein Fahrrad aus München mitgebracht habe. So bin ich einigermaßen beweglich. 15.000 Ranger brauchen halt Platz – da sind die Wege weit. Und dann die „Burg“, das Amphitheater – gigantisch. Hier wird heute Abend die Eröffnungsfeier stattfinden. Alles ist bis ins Detail geplant. Welcher Stamm  kommt durch welches Auge in die Burg. „Wir geben nicht auf“, tönt es von Manfred Knecht – um 11:00 Uhr sollen die letzten Genehmigungen durch das Bauamt kommen.

IMG_3083aAm Vormittag kommt eine Starkwindwarnung. Betet mit dafür, macht es per Mund-zu-Mund-Propaganda die Runde. Gegen Mittag fallen für ein paar Sekunden ein paar Tropfen, aber wie durch Wunderhand ist die Wolkenwand weggefegt.

Der Probensound dringt aus der Burg herüber (nein, gucken darf man nicht), während mir gegenüber Ranger mit Putzgeräten ausgerüstet ans Werk gehen.

Alles ist bestens vorbereitet. Das Bundescamp 2014 kann mit der Eröffnungsfeier beginnen.

Das große Finale: Der zweite Platz ist nicht genug!

Vize-Fußball-Weltmeister 2014 ist Deutschland schon, aber ein zweiter Platz reicht nicht, finden die Fußballbegeisterten übereinstimmend. Deswegen fiebert an diesem Wochenende (fast) eine ganze Nation, werden die Straßen leegefegt sein, die Couchen besetzt und der Tränen viele sein, sollte das Ergebnis anders ausfallen, als erwartet. Das gilt für Germania aber auch in Südamerika.

Sieben zu eins hieß es am Dienstagabend. Das Treffen unserer Erweiterten Gemeindeleitung musste rechtzeitig beendet werden, weil einige unbedingt nach Hause wollten… Verständlich. Und es hat sich ja auch gelohnt. Und nun „das große Finale“, natürlich nach unserem Abendgottesdienst…

Ich gehöre nicht zu den wirklich Fußball-Begeisterten. OK, das Endspiel an diesem Sonntag schaue ich mir vielleicht teilweise auch an, da bin ich dann doch zu deutsch. Was ich verstanden habe, ist, dass man beim Fußball in der Regel nicht den ersten Platz bekommt, wenn man nicht alles einsetzt. Das gefällt mir, wenn Menschen diese Lebensgrundhaltung haben, sich zu investieren. Das gilt im Alltag genauso, wie im Leben in der Gemeinde. „Alles für den Sieg“, heißt eine Broschüre, die wir bei den Einsätzen der Straßenkirche gerne verteilt haben. Was bin ich bereit zu investieren? Und auch, wenn ich scheinbar alles investiert habe, bleibt manchmal nur die Enttäuschung.

Hier und da resignieren wir vorzeitig, geben uns mit dem „zweiten Platz“ zufrieden. Ich sprach in dieser Woche mit jemandem, der mir sagte, er wolle sich ja an den notwendigen Punkten (es ging um Beziehungen) in seinem Leben einbringen. „Aber dann gibt es immer wieder Momente, wo ich mich zurückziehe und das nicht umsetze, was ich eigentlich will.“ Was wäre, wenn am Sonntagnachmittag Bundestrainer Löw eine Pressekonferenz einberufen würde und bekannt machen würde, der zweite Platz würde ihm reichen, die Mannschaft spielt heute nicht, sie wollten lieber Trübsal blasen. Die Chancen stehen ja sowieso nur fifty-fifty…

Undenkbar wäre das. Ein Aufschrei würde durch die Nation gehen. Frau Merkel würde aus ihrem Regierungsflieger aussteigen und die Mannschaft persönlich besuchen: „Ihr müsst spielen Jungs, das geht einfach nicht… Ich bin extra gekommen, um zu zeigen, wie wichtig mir das ist, dass ihr nicht nur spielt sondern auch gewinnt.“

Und wie machen wir es in unserem Alltag? Ob es in der Ehe, der Familie, in Beziehungen, im Beruf oder in der Gemeinde ist: Zieh dich nicht zurück, sondern setze alles dafür ein, das zu erreichen, was gut und vollkommen, das, was Gott für dein Leben vorbereitet hat. Und noch besser ist: Gott hilft dir dabei, er ist dafür nur ein Gebet von dir entfernt.

Für die deutsche Mannschaft beten werde ich allerdings nicht, denn der Bessere soll gewinnen. Und an einen „Fußballgott“ glaube ich auch nicht, höchstens, dass es einen „Fußballgötzen“ gibt.

Ich kenne nämlich etliche argentinische Christen, die ziemlich gut beten können. Darauf will ich es nicht ankommen lassen.

fussball2P.S. Was mir aber noch viel besser gefällt ist, was einige WM-Fußballer über ihre Beziehung zu Jesus und Gott sagen. Das fand ich die Woche in proKOMPAKT und bei www.facebook.com/glaubensimpulse. Um die einzelnen Aussagen der Fußballer besser lesen zu können, bitte auf das Bild klicken.

Leicht verlängerte Bauzeit…

Dienstagmorgen, 9:18 Uhr. Ich sitze in der Morgensonne auf den breiten Stufen vor dem Kölner Dom. In 15 Minuten soll mein Gesprächspartner hier sein, wir haben uns an diesem markanten Ort verabredet. Die Morgensonne ist angenehm, es gibt hier sogar kostenloses WLAN, das macht den Aufenthalt für mich immer etwas wertvoller…

kdSchräg vor mir sitzen vier ausländische Studentinnen. Sie haben keine Scheu, mich um Hilfe zu bitten, denn sie haben wichtige Fragen auf ihrem Zettel vor sich. „Wie lange wurde denn am Dom gebaut, wissen Sie das?“ Schwach habe ich in Erinnerung, dass es „sehr lang“ war. „Nein, leider weiß ich es nicht“, erwidere ich. Da habe ich eine Bildungslücke in deutscher und Architekturgeschichte. Aber das monumentale Gebäude hinter mir wirkt wirklich bombastisch. Schön, dass sie nicht aufgegeben haben, daran zu bauen, denke ich, egal wie lange es war.

Aber wozu gibt es Google. Später in der Woche wurmt mich die Frage, auf die ich keine Antwort hatte, doch. Drei Sekunden später ist das Ergebnis da: 632 (!) Jahre hat man daran gebaut, 1880 ist er erst fertig geworden. 1248 wurde mit dem Bau begonnen. Hammer! Da wirkt die Baustelle Flughafen BER richtig lächerlich.

Manche „Baustellen“ in unserem Leben dauern etwas länger. Nicht aufgeben! Dranbleiben. Auch wenn es etwas länger dauert, Umwege erfordert. Gott baut an unserem Leben, Gott baut an seiner Gemeinde. Und es lohnt sich, dranzubleiben – und in seinem Willen zu leben.

Diese Woche ist richtig vollgestopft: Predigtdienste in Velbert und Grevenbroich (die Gemeinden lassen übrigens grüßen!), umfangreiche Sitzung mit dem Vorstand der Velberter Mission, Gespräch in Köln, verschiedene persönliche Treffen, BFP-Vorstandssitzung in Erzhausen, erstes Treffen mit dem Vorstand der Vereinigung Evangelischer Freikirchen in Hannover am Freitag, … Die Woche ist voll, aber erfüllt und sehr gut.

bus1Freitagabend, 19:04. Deutschland liegt 1:0 in Führung. Die Straßen in Hannover sind leergefegt. Ich fahre von meiner letzten Besprechung zum Hauptbahnhof Hannover in einem „Taxi“ mit 40 Sitzplätzen: Der Linienbus hat mich für mehrere Stationen als einzigen Fahrgast! „Alle Männer gucken Fussball“, lacht die Busfahrerin. Ich wechsle mit ihr einige Worte, während sie den Bus souverän durch die Straßen Hannovers steuert. An einer Haltestelle hat sie so viel Puffer eingefahren, dass ich aussteigen und den Bus fotografieren kann. Sie kommt aus Rumänien, erzählt sie mir und ein Bekannter von ihr sei in einer Freikirche in München, die Schuhkartons nach Rumänien transportiert hätten. Wir können in der Fahrpause nicht wirklich viel reden, da sie das ja eigentlich auch nicht soll und dann auch die Fahrgastzahl um 200% steigt. „Gute Reise“ wünscht sie mir und hält direkt vor dem Eingang zum Hauptbahnhof, wo eigentlich keine Bushaltestelle ist.

Das Eis am Hauptbahnhof Hannover ist supergut – und billiger als in München. Entspannt habe ich im ICE einen Tisch für mich – und das ohne Platzreservierung am Freitagabend. Ich freue mich auf München. Auf meine Frau, meine Familie – und meine Gemeinde.

Von der Vision zum GEISTbewegten Handeln

titel_gb_2014_06Der Duft des Essens, das gerade zubereitet wird, zieht verführerisch in seine Nase. Seine Augen bleiben jedoch geschlossen. Oben auf der Dachterrasse des Hauses sitzt einer, dem man ansieht, dass er viel im Freien arbeitet. Aber jetzt betet er. Schon eine geraume Zeit.

Ein Klippdachsfell hängt an der Leine und wirkt richtig edel. Der Hausbesitzer wird damit gutes Geld verdienen können. Hungergefühle machen sich beim Sonnengebräunten auf dem Dach breit.

Wer hat da gerufen? Leicht „verzückt“ und doch erschrocken, schaut sich der Beter um! Niemand ist zu sehen, keiner rührt sich. Die Köchin kann es nicht gewesen sein, sie ist emsig mit der Mahlzeit beschäftigt. Auch auf den Nachbardächern ist niemand zu sehen.

Da ist die Stimme wieder. Eindeutig, diese Aufforderung. Und was ist das? Realität oder etwas jenseits der Wirklichkeit? Der Beter sieht ein großes leinenes Tuch, das sich vom Himmel her nähert, jeweils an den vier Zipfeln gehalten. Schützend hält er den Arm vor sein Gesicht.

Doch was ist da in dem Tuch? Dem Dachbeter wird übel. Es krabbelt und wuselt darin nur so. Eindeutig! Alles unrein. Nichts für einen Juden, selbst mit noch so knurrendem Magen.

„Steh auf, schlachte und iss!“ Da ist sie wieder, diese Stimme, die sagt, was er nicht hören will und darf. Das passt nicht. Er kneift sich in seinen Arm. Nein, er träumt nicht, er ist hellwach! Aber diese Aufforderung – wie sollte er? Unreines essen? Nein, entschieden, niemals! Dieses Tuch mit dem Krabbelzeug – dreimal sichtbar – und gleich wieder weg. „Was Gott gereinigt hat, das erkläre du nicht für unrein!“

Ganzen Artikel weiterlesen. Dieser Artikel erschien in GEISTbewegt Juni 2014 als Leitartikel.