1415-Gebet: Viermal „Ich will“

(ursprünglich veröffentlicht in den FCG-M-News September 2011)

Paulus geht mit Entschlossenheit die Frage des Gebets an. Er ermutigt uns in der Bibel an verschiedenen Stellen, das Gebet nicht zu vernachlässigen. Paulus tut das nicht ohne Grund, denn Gebet ist angegriffen. „Ich will beten mit dem Geist, aber ich will auch beten mit dem Verstand; ich will lobsingen mit dem Geist, aber ich will auch lobsingen mit dem Verstand.“ (1. Korinther 14,15). Mit diesen Worten teilt er uns seine persönliche Entscheidung mit.  Er hat sich dazu entschlossen beten zu wollen.

Nein, es ist nicht nur seine persönliche Entscheidung sondern dies leitet uns an: Wir sind aufgefordert, uns für das Gebet zu entscheiden. Es gibt viele Dinge, die uns vom Gebet abhalten wollen, da die Aufmerksamkeit in unserem Leben von allen möglichen Bereichen gefordert wird. Das ist wohl auch kaum zu ändern. Umso wichtiger ist, dass wir – wie Paulus – sagen: ich will auch!

Das Gebet hat viele Dimensionen und Facetten. Zwei davon möchte ich heraus greifen. Das eine ist die Ebene des Verstandes, das andere die Ebene des Geistes. Interessant finde ich, dass Paulus hier die Ebene des Geistes zuerst nennt.  Wenn wir beten, müssen wir manchmal die Ebene des Verstandes verlassen und uns auf die Ebene des Geistes begeben. Hier merken wir, dass uns die „sicheren Bretter“ fehlen, weil wir uns im übernatürlichen Bereich bewegen müssen.

Für mich bedeutet „Beten mit dem Geist“ zunächst einmal das Gebet in Zungen oder Sprachen. Das liebe ich und praktiziere es gerne. Da kann ich richtig eintauchen und menschliche Aspekte loslassen. Aber es geht von der Bedeutung her viel weiter. Gebet im Geist bedeutet auch, sich nicht auf seinen Verstand verlassen zu müssen, sondern vom Heiligen Geist Leitung zu erfahren. Der Heilige Geist übernimmt die Führung, wenn wir nicht wissen, wie und was wir bitten sollen (Röm. 8,26). Auch das Singen im Geist und im Verstand hat eine besondere Kraft.

Viermal „Ich will!“ – Mach diesen Tag, diese Woche, diesen Monat zu so einem „1415-Ja“, in dem du für dich persönlich die „Ich-will-Entscheidung“ triffst.

 

Durban III

Die Geschichte eines antisemitischen Hass-Festivals
Von Lisa Schmid
(übernommen mit freundlicher Genehmigung aus dem ICEJ-Newsletter vom 2.9.11)

Das Ziel der Anti-Rassismus-Konferenz der Vereinten Nationen im Jahr 2001 in Durban, Südafrika, war es eigentlich, Sklaverei und Kolonialismus öffentlich als Verbrechen anzuerkennen. Doch statt einer Bewältigung der schmerzhaften kolonialen Vergangenheit passierte etwas ganz anderes – die Veranstaltung mutierte zu einem antisemitischen Schauprozess gegen Israel.

Die  Arabische Liga nutzte gemeinsam mit den blockfreien Staaten und einigen afrikanischen Ländern ihre automatische Mehrheit, um den Judenstaat zum
Sündenbock für alle tatsächlichen und vermeintlichen Verfehlungen des Westens zu machen. Befeuert durch Berichte der gerade ausgebrochenen zweiten palästinensischen Intifada landete von allen 192 Staaten dieser Welt allein Israel auf der Anklagebank.

Zionismus wurde mit Rassismus und Apartheid gleichgesetzt, während aktuelle Menschenrechtsverletzungen wie z.B. im Sudan oder Kongo nicht einmal erwähnt wurden, ganz zu schweigen von der Verfolgung von Minderheiten in der islamischen Welt.

Die stellvertretende Vorsitzende des Außenausschusses des italienischen Parlaments, Fiamma Nierenstein, berichtete damals als Journalistin aus Südafrika über die Konferenz: „Juden, die eine Kippa trugen, mussten sich vor Demonstranten schützen, die Porträts von Bin Laden mit sich herumtrugen und die Juden jagten. Die jüdischen Gemeindezentren in der Stadt wurden gestürmt und geschlossen. Die Pressekonferenz der israelischen Delegation wurde gewaltsam angegriffen und unterbrochen.  Israel wurde mit den Nationalsozialisten gleichgestellt und der Apartheid beschuldigt, um, insbesondere in Südafrika, sein Existenzrecht in Frage zu stellen.“

Die Anschläge vom 11. September, die wenige Tage nach der Konferenz stattfanden, verdrängten Durban I allerdings schnell aus den Schlagzeilen.

Durban II in Genf
Weniger gewalttätig aber ebenso antisemitisch ging es 2009 auf der Folgekonferenz „Durban II“ in Genf weiter. Die Konferenz begann am 20. April, dem Tag, an dem Israel der Opfer des Holocaust gedachte. Hauptredner war der iranische Präsident und Holocaustleugner Mahmoud Ahmadinedschad, der „die zionistischen Besatzer Palästinas“ (Israel) als „rassistisch“, „höchst brutal“, „kriminell“ bezeichnete und den Judenstaat des Völkermordes bezichtigte. Er brandmarkte die „Zionisten“ als Wurzel der Probleme in Irak und Afghanistan.

Einige Staaten hatten aus dem Debakel von 2001 gelernt und waren von vornherein der Konferenz ferngeblieben, darunter Israel, die USA und auch Deutschland. Vertreter weiterer Staaten verließen aus Protest den Saal, als Ahmadinedschad sprach, doch die Mehrheit der Delegierten blieb – und nicht wenige gaben dem iranischen Diktator stehende Ovationen.


Durban III in New York

Eine Mehrheit von 128 Ländern schaffte es bei Durban II erneut, die unleidliche Durban-Erklärung (Zionismus = Rassismus) auf die Agenda der UNO zu setzen. Ziel der Durban III- Konferenz am 23. September in New York ist es nun, den zehnten Jahrestag der Durban-Erklärung zu feiern und  die „Umsetzung der Durban-Erklärung in die etablierten Menschenrechte im UN-System“ einzuarbeiten
(Entwurf der Abschlusserklärung).  Mit anderen Worten – Antisemitismus, Israel- und Judenhass soll in die offizielle UN-„Menschenrechtsstrategie“ aufgenommen werden.

Besonders brisant ist erneut der Zeitpunkt dieser Initiative – die Konferenz findet kurz nach der Abstimmung über einen Palästinenserstaat bei der UNO statt und zeitgleich mit der Eröffnung der Generalversammlung. Diesmal wird die Verteufelung Israels und der Juden also auf höchster Ebene stattfinden – vor den Regierenden dieser Welt. Hauptredner ist erneut der iranische Präsident Ahmadinedschad.

Bisher haben die USA, Kanada, Israel, Italien, die Niederlande, Australien, die Tschechische Republik  und Österreich ihre Teilnahme aus Protest gegen die antisemitische und einseitige Agenda der Konferenz abgesagt.

Deutschland hat trotz zahlreicher Aufforderungen verschiedenster jüdischer und christlicher Gruppen, unter ihnen auch die ICEJ, bisher an seiner Teilnahme festgehalten – eine Haltung, die gerade aufgrund der Freundschaftsbeteuerungen Deutschlands gegenüber Israel und der historischen Verantwortung gegenüber dem Judenstaat auf immer größeres Unverständnis stößt.

Was kann aus diesem Ort noch alles werden…?

Besuch im Gut Dietlhofen bei Weilheim
Ich muss in meinen Erinnerungen kramen. Ist es 20 Jahre her? Nein, nicht ganz. Ich bin in Albanien unterwegs. Mit A. G. und seinem quirligen Team fahren wir auf Mission rund um Pogradec in die albanischen Berge. Ich bin beeindruckt von der Effektivität dieses Dienstes. Wir fahren, durchaus komfortabel, in einem relativ neuen Geländewagen deutscher Bauart mit Stern auf der Haube. Die Mission in den Dörfern macht richtig Freude, die Menschen sind offen für das Evangelium, sie hören die Botschaft und lassen für sich beten.

Auf der Rücktour kommen wir über das Auto ins Gespräch. Könnt ihr euch als Mission das leisten? Das war doch sicher nicht gerade billig. „Der Herr versorgt uns. Das hat ein Sponsor aus Bayern finanziert.“

Szenenwechsel: 2009, ich bin auf Missionsreise in Rumänien. Im Norden des Landes besuche ich mit Markus H. ein Hilfsprojekt für Zigeunerfamilien. „Die haben hier richtige Wohnungen bekommen und jetzt bauen wir ein Gemeinschaftshaus, das auch einmal eine Gemeinde beherbergen soll.“ Auf dem Fensterbrett der Baustelle steht ein kleine bayerische Tischfahne. „Was soll die denn hier und wie bezahlt ihr das alles?“ sind meine nächsten logischen Fragen. Wieder kommt ein Sponsor aus Oberbayern ins Gespräch.

Szenenwechsel: Ob ich schon einmal in Dietlhofen war, will der anrufende Pastorenkollege, den ich an diesem Nachmittag empfange, wissen? Etwas ratlos aber nicht hilflos befrage ich Mr. Google. Der spuckt mir sofort einen Pressebericht des Münchner Merkurs dazu aus, dass man in Dietlhofen große Pläne hätte. Ein Hofgut bei Weilheim wäre das, weiß die allwissende Internetkrake. „Du musst unbedingt mal Dietlhofen besuchen und D und C kennenlernen.“ Der Kontakt ist sehr schnell hergestellt und so fahre ich an einem Dienstagnachmittag im Frühsommer Richtung Weilheim.

Kurz vor Weilheim geht es links ab, über die Bahn, durchs Grüne. Nach kuzer Zeit ist man in Dietlhofen. Auffällig die schöne Kirche, die im Rahmen des Hofguts ungewöhnlich erscheint. D. und C. heißen mich herzlich willkommen. Gemeinsame Wurzeln und Bekannte verbinden uns. Sie sind als Familie aus Nordbayern hierher gekommen, um dieses Hofgut mit (geistlichem) Leben zu erfüllen. „Dieses Zentrum soll im globaleren Sinne der Gemeinde Jesu dienen“, führen die beiden aus. An der genaueren Vision wird noch gearbeitet.

„In den nächsten Tagen wird hier ein Royal Ranger – Camp stattfinden“. Während wir das Gelände besichtigen entfaltet das Ehepaar Tremel verschiedene Gedanken, was in Dietlhofen möglich sein könnte. Wir besichtigen die Kirche und ihre Nebenräume. Alles ist sehr schlicht gehalten, aber funktional durchdacht und von hoher Qualität. Im oberen Stockwerk befindet sich ein Seminarbereich. „Heilig, heilig, heilig“, klingt es leise im Hintergrund aus den Lüftungsschächten. Dem Stifter der Kirche war es wichtig, dass hier fortwährend die Heiligkeit Gottes proklamiert wird und seine Heiligkeit im Mittelpunkt steht, werde ich aufgeklärt.

Dem Stifter? Albanien, Rumänien, Weilheim? An diesem Nachmittag laufen bei mir gedanklich verschiedene Fäden zusammen: Der Geländewagen- und Zigeunerdorf-Stifter lebte hier in Dietlhofen und hat dieses Hofgut, nachdem er zum Glauben an Jesus gefunden hatte, mit einer besonderen Berufung versehen. Dann starb er und vermachte das Anwesen der „GKM“ mit dem Auftrag, es für das Reich Gottes nutzbar zu machen.

Im Untergeschoss der Kirche befindet sich ein imposantes Taufbecken: „Gemeinden können hierher kommen, einen Gottesdienst halten, Taufen durchführen, einen Gemeindeausflug machen.“ D. kommt bei seinen Ausführungen fast ins Schwärmen: Hier ist vieles möglich. „Wir arbeiten daran, dass wir ausreichend Platz für Gäste schaffen können.“ Im Moment gibt es nur einige wenige Möglichkeiten, um Gäste unterzubringen, geplant ist mehr.$

Wenige Wochen später ist D. auf unserer Regionalklausur in Magnetsried und stellt uns Dietlhofen ausführlich vor. Er selbst möchte sich in den BFP in der Region Bayern-Süd einbinden und auch die Geschwister über die Möglichkeiten in Dietlhofen informieren. Mir ist klar: Dies ist ein Ort, der sich zum Segen auswirken kann, wenn wir ihn richtig nutzen.

Nähere Infos gerne bei mir.

Tiefergelegt…

Die Baustelle am Mittleren Ring hat es in sich. Bis 2016 sind wir damit noch gesegnet, direkt vor unserer Haustür. Über 400 Millionen Steuer-Euronen kostet dieses gigantische Bauwerk. Mehrere Kilometer ist es lang.

Wir kommen aus dem Urlaub zurück. Nanu, wo ist die Straße jetzt? Ende Juli hatte es sich schon angedeutet, dass der nächste Schritt die direkte Verlegung der Heckenstaller Straße bis 2 Meter an unseren heimatlichen Weg heran wäre. Und so ist es dann auch. „Da hat man ja fast Angst längs zu gehen“, konstatiert unsere Nachbarin. Sie hat nicht Unrecht. Ein kleines nettes Holzzäunchen, eher kosmetischer Natur, trennt die Spaziergänger von ungefähr 40.000  Autos täglich. Ungefähr. Eines würde spielend reichen, um den Zaun zu durchbrechen.

Ein paar Tage später dann der nächste Schritt. Diesmal wird die gegenüberliegende Fahrspur verlegt. Wo ist sie geblieben? Aaah, tiefergelegt! Auf einmal sieht man die PKWs der gegenüberliegenden Spur von unserem Weg nicht mehr, nur die hoch herausragenden LKW-Dächer.

Ich staune. Die Tieferlegung bewirkt doch schon eine enorme Lärmreduzierung. Freuen wir uns darauf, wenn die Straße ganz „verbuddelt“ ist.  Aber das wird noch dauern.

Gegenüber rückt der Schweizerische Teerfresser an. Wie dieses Maschinchen die bisherige Straße in Windeseile in Brösel zerlegt, grenzt schon an Wundersames. Das „Wikingerschiff“ fährt des Abends schon wieder mit Polizeibegleitung an den neuen Arbeitsplatz. So nennen wir familienintern die riesigen Pfahlbohrgeräte, die dino-haft die Landschaft um uns herum zieren. Die Straße ist dazu gesperrt.

Ich glaube, ich muss mich mal wieder zu einer Fototour entlang der Baustelle aufmachen und „neugierig“ sein.

iQuit & iGo und der iJesus

Lieber Steve,

lass mich dir ein paar persönliche Zeilen schreiben. iQuit and iGo habe ich gestern über dich in der deutschen Presse gelesen. Schade, dass du gehst. Es muss wohl sein, habe ich verstanden. Dass du es nicht irgendwann, sondern „jetzt“ machst, zeigt den Ernst der Lage. Du bist wirklich ein Phänomen. Aus einem Pleiteladen hast du einen supererfolgreiches Technologieunternehmen gemacht, das die Maßstäbe setzt.

Ehrlich gesagt, mit deinen „iKisten“ konnte ich anfangs nicht viel anfangen. Milde habe ich meine Kumpels belächelt, die mit einem deiner Geräte ankamen. Predigen mit der Schreibtafel? Ja, es geht, aber Papier ist doch auch geduldig.

Letztes Jahr im Winter habe ich mich dann entschlossen, dir und deinem Laden etwas Gutes zu tun und eure Kasse ein weinig aufzufrischen, sozusagen für einen „guten Zweck“. Die Preise deiner iKisten gehören ja bekanntlich nicht zur unteren Preisklasse. Trotzdem habe ich es gewagt.

Deswegen gehöre ich heute auch zu deinen „Jüngern“.  Also Guru haben dich manche schon bezeichnet. Alle laufen dir hinterher. Du sagst, was man braucht und dann braucht man es.

Und deine iKisten sind wirklich gut. Erstaunlich. Den Telefonhörer und die Schreibtafel habe ich. Beide gefallen mir gut und ich nutze sie gerne. Sie sind nicht nur eine Hilfe, vieles im Leben verändert sich dadurch. Das ändert alles. Wieder einmal. So hast du es uns gesagt.

Schade, dass du jetzt deinen Laden verlässt, aber es scheint dir ja nicht gut zu gehen. Ich wünsche dir jedenfalls alles Gute.

Weißt du, ich hätte da noch eine andere Sache, die ich mit dir besprechen wollte. Da wäre das mit dem iJesus. Mir ist das Thema sehr wichtig. Deine iKisten sind wirklich hilfreich. Aber es gibt Momente im Leben, da helfen sie eben auch nicht mehr. Wenn es z.B. um Gott geht. Da brauchen wir den iJesus. Er sagt von sich selbst, dass er der Weg zu Gott ist. Vor vielen Jahren habe ich mein Leben ihm anvertraut. Das  ändert nicht alles. Auch nicht wieder einmal. Aber vieles, sehr vieles.

Lieber Steve, ich weiß nicht, wie du zum iJesus stehst? Auf jeden Fall: Du brauchst ihn. Gerade jetzt, wenn es dir nicht gut geht und du an deinen Grenzen bist.

In deinen Umfeld sind ganz sicher Leute, die ihn „haben“. Lass dir von ihnen berichten, welche Apps „er“ in dein Leben installieren möchte.

Das ändert vieles, sehr vieles.

Hintergrund zu diesem Blogeintrag

Engel in Aktion in R.

„Kommst du wieder nach R. um hier zu preXXXdiXXXgeXXXn?“ Die Einladung kommt wirklich von Herzen. Wir sagen fröhlich zu. Ja, diese Gemeinde haben wir von unserem ersten Besuch her wirklich ins Herz geschlossen.

Nachdem wir bereits eine Stunde mit Bus und zu Fuß unterwegs sind, nehmen wir vom Damaskus Gate aus den Bus Nummer 18 durch Ostjerusalem nach R. Wir sind etwas verunsichert, da er nicht so voll ist, wie wir es kennen, aber die Anzahl der Mitfahrer erhöht sich an den ersten zwei Haltstellen schlagartig. „Ihr könnt in R. ein Taxi nehmen und nach dem Hospital fragen“, heißt es am Telefon, als wir über die Einladung sprechen. „Da in der Nähe ist die Gemeinde.“ „Wo genau ist die Gemeinde, sage mir den Straßennamen“, will ich wissen. „Das mit dem Straßennamen bringt hier sowieso nichts. Der Taxifahrer findet das schon, wenn du nach dem Hospital fragst.“ Ich gebe mich geschlagen. Warum nicht ein weiteres Abenteuer…

Ich will eigentlich nicht Taxi fahren, sondern möchte diese Stadt ein wenig mit eigener Haut spüren. Im Bus frage ich zwei Jungs, vielleicht 10 Jahre alt, ob sie das Hospital kennen würden. Keine Ahnung. Sie seien nicht von hier.

Ein anderer Mann im Studentenalter schaltet sich in unser Gespräch ein. Ja, er wisse wo das ist, er müsse jetzt sowieso in die Richtung gehen, er würde uns führen. Er studiert in Zusammenhang mit einer deutschen Hochschule hier im Ort Schauspielkunst.

Wir gehen für etwa einen Kilometer miteinander. Die Zeit nutzen wir für ein intensives Gespräch nach bekannter Bauart (Blog: Begegnungen).  „Hier ist meine Schule, ihr müsst jetzt so und so weitergehen.“ Ein gemeinsames Foto? Natürlich! „Willkommen bei uns in Deutschland.“ Wir verabschieden uns.

„I can bring you to this church.“ Der kleine Junge mit dem roten T-Shirt, den ich im Bus gefragt hatte, steht unvermittelt neben uns. Hat er uns begleitet und belauscht? Scheinbar ja. Ich weiß es nicht, kann es nur vermuten. Wir haben nichts davon mitbekommen.

Bei Spontanangeboten auf der Straße bin ich eher skeptisch. Aber dies hier passt irgendwie. Ja, er würde diese Gemeinde besuchen. Wir vertrauen den Jungs und gehen gemeinsam mit ihnen noch ein paar Straßen gefühlt kreuz und quer, dann erkenne ich die Baugrube gegenüber dem Gemeindehaus.

Ich fühle mich wie von Engeln geleitet. Mehr als pünktlich sind wir da. Wir werden schon von der fleißigen Diakonin erwartet. Kaffee? Wasser? Bei den Temperaturen, gerne! Fast überschwänglich werden wir willkommen geheißen. Nachdem wir vor 14 Tagen gemeinsam mit Bruder M. da waren, empfängt man uns mehr als herzlich wieder.

Der Gottesdienst ist nicht so stark besucht. Nach dem Tod der Gemeindeleiterin, die hier lange Jahre eine exzellente Arbeit geleistet zu haben scheint, ist ein Einbruch geschehen. Es fehlt an einem Leiter, der motivieren und führen kann. Bruder M. kommt zur Zeit einmal im Monat her und hilft aus. Sie würden ihn gerne als ihren Pastor gewinnen, was er aber nicht als seinen Weg sieht. „Bitte betet für uns“, wird uns mitgegeben.

Trotzdem: mit offenem Herzen nimmt die Gemeinde das Wort auf. Die Reaktion am Ende ist sehr klar und eindeutig, die Rückmeldungen auch. „Bitte komm wieder nach R., wir wollen eine längere Evangelisation machen“. Die Einladung ist deutlich.

Nach dem Gottesdienst ist die Einladung zum arabischen Mittagessen nahezu obligatorisch. Gerne nehmen wir es an. Auch die Koreaner sind wieder dabei. Opulent ist es, wie beim letzen Mal.

Tief berührt machen wir uns auf den Heimweg, vergessen im Auto noch unseren Fotoapparat, haben Gelegenheit zu einer „Probefahrt“ in der neu eröffneten Jerusalemer Straßenbahn. Unterwegs treffen wir noch C. und R. im „Saftladen“, wo sie, wie öfter in der Woche, einen „Frischgepressten“ genießen. Schnell noch die Gutscheine für Fußpflege im Fischbecken („Guten Appetit, liebe Fischlein“) eingelöst, dann heißt es Kofferpacken. Pünktlich um 1:45 Uhr kommt das Sherut und holt uns zum Flughafen ab. Alles klappt wie am Schnürchen.

Auf Wiedersehen, Jerusalem! München hat uns wieder – mit Jerusalemer Temperaturen. Wie wohltuend nach dem herbstlichen Abschied Anfang August.

 

Stehplatz für die Probefahrt

Seitdem wir in Jerusalem sind, fährt sie mit Plastiktüten – zum Schutz für die noch unbenutzten Sitzkissen. Leer. Gemächlich. Laut klingelnd, aber ohne Fahrgäste. Testbetrieb, so munkelt man. Techniker aus Deutschland würden noch benötigt, um die nötigen Feinheiten einzustellen.

Dreisprachig sind die Schilder vorne drauf: Hebräisch, Arabisch und Englisch – elektronisch im Wechsel. Silberfarben ist sie. 14 km lang sind ihre Gleise. Seit mehr als 8 Jahren wurde sie gebaut, viel länger wurde sie geplant. Sie ist Teil eines umfassenden Nahverkehrskonzeptes für Jerusalem. Die „Geisterzüge“ muten etwas seltsam an.

Per eMail bekommen wir aus Deutschland die Anfrage, ob wir denn schon mal mit der neuen Straßenbahn gefahren sind. Sind wir noch nicht!

Dann ist es endlich soweit. Unfeierliche Eröffnung. Keine Zeremonie, kein Nichts. Wir haben jedenfalls nur über einen „Informanten“ davon Kenntnis, dass es los gehen soll. „Heute um 5:30 Uhr fuhr die erste Bahn mit Fahrgästen“, heißt es lapidar. Die ersten Wochen sind die Fahrten kostenlos, damit sich alle an die neue Bahn gewöhnen können.

Wir dürfen uns diese Premiere natürlich nicht entgehen lassen und müssen auch ‚mal mit der neuen Straßenbahn fahren.  Die Gelegenheit ist günstig. Ein Freund setzt uns am Mount Scopus an einer Haltestelle ab. Wir haben die Wahl: Unsere bekannte Buslinie 19 oder die neue Tram. Die Entscheidung ist einfach.

Während wir am Bahnsteig warten, kommt ein Polizeibus quer über die Kreuzung dahergefahren. Die Sirenen heulen laut auf, Bremsen quietschen, Bewaffnete springen heraus, untersuchen den Bahnsteig, die Papierkörbe werden abgesucht. Wem gehört diese herrenlose Tasche?

Es gab eine Bombendrohung, bekommen wir später mit. Die Anschläge in Südisrael machen sich auch hier indirekt bemerkbar. Nervosität ist im Lande.

Sollen wir wirklich mit der Bahn fahren? Wir diskutieren noch einmal. Es bleibt aber fast keine andere Entscheidung, wenn wir nicht weit laufen wollen. Also: wir fahren Tram….

Wir hätten uns das eventuell doch besser überlegen sollen…

In zehn Minuten kommt eine Bahn, sagt die Anzeige. Mit der Wirklichkeit hat das nicht so viel zu tun. Aber immerhin, die Bahn kommt.

Nicht nur wir Reisegermanen, sondern auch viele andere Jerusalemer wollen (verständlicherweise) die Straßenbahn kennenlernen – und kostenlos fahren. Am zweiten Betriebstag ist sie dementsprechend voll. Gemütlich tuckert sie von Haltestelle zu Haltestelle. Überall ausreichend (!) Zeit zum Ein- und Aussteigen. Dann Warten. „Bitte nicht auf den Gleisen stehen bleiben. Wir sind hier nicht in Europa.“ Ein Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe ermahnt mich. Das Bild im Zug ist bunt: Familie, Kinder, die einen Riesenspaß an der neuen Einrichtung haben, Ultraorthodoxe, Araber,…. – Jerusalem live.

An jeder Ampelkreuzung und Haltestelle wird ausreichend Pause eingelegt. Es scheint, als müsse man erst überlegen, ob überhaupt und wann man weiterfahren dürfe. Die Ampelphasen sind in Jerusalem an jeder Ampel  sowieso ungewöhnlich lang.

Zwei Haltstellen später steigen vier ultraorthodoxe Mountainbiker ein. Jeder mit Fahrrad, versteht sich. Geschickt verbauen sie mit ihren Fahrrädern die Eingangstür, stehen quer, bauen immer wieder um, heben die Fahrräder hin und her. Vier Fahrräder in einem Straßenbahneingang sind in der Tat auch „gut“ bemessen. Natürlich kann das nicht gut gehen.

Die Mutter will mit ihrem Kinderwagen aussteigen. Ungeschickt wird der Wagen über die Mountainbikes gehoben. Die Pedale des einen verhaken sich in den Speichen des anderen. Die Bahn fährt an, die Biker schwanken, nur mühsam halten sie sich aneinander fest. Wir haben sowieso nur einen Stehplatz bekommen.

Endlich. Jaffa-Street. Hier kriegen wir, wenn wir die Ben Yehuda hochgehen, unseren Bus. Beim Aussteigen erkläre ich den Bikern, dass ihre Fahrt mit Drahteseln wohl nicht die beste aller möglichen Ideen gewesen sei. Und in München ist das sowieso nicht erlaubt. Ein verständnisloser Blick begleitet mich.

Jerusalem hat seine Straßenbahn. Herzlichen Glückwunsch! Und: Viel Spaß beim weiteren „Üben“. Mal sehen, wie sich das beim nächsten Besuch in Jerusalem anfühlen wird.

Bestimmt besser.

Begegnungen – so ganz „nebenbei“

Wir erleben es in Jerusalem als wohltuend, wie einfach man mit Menschen in Kontakt kommen und mit ihnen reden kann. In diesem Blogbeitrag ein paar Impressionen unserer „rein zufälligen Begegnungen“.

In Israel wachsen die Haare besonders schnell, findet die beste Ehefrau. Sie meint damit ihre eigenen. Für meine befinde ich das auch als zutreffend. Der Frisör unweit des New Gates hatte einen vertrauenserweckenden Eindruck gemacht, als wir vor ein paar Tagen dort nachfragen. „Welcome. This is your shop. I remember you“. Die üblichen arabischen Freundlichkeiten. Bereitwillig wird uns ein Platz zugewiesen. Ein Kunde auf dem Stuhl. Ein „Kahlkopf“ sitzt daneben und „will“ auch. Das kann ja nicht so lange dauern. Fehlanzeige. Dass man so lange einen „Ohnhaarigen“ frisörmäßig bearbeiten kann, war mir bisher auch unbekannt…

Das Warten lohnt sich. Geschickt schneidet er meine Haare, ohne Maschine versteht sich. Neben dem Spiegel hängt eine „Segensurkunde“.  Papst Benedikt hat diesem Laden während seines Holy-Land-Besuches seinen Segen vermacht. Namentlich. Die ganzen katholischen Würdenträger kommen zu ihm zum Haare schneiden, sagt er mit leicht geschwellter Brust. Und die amerikanischen Diplomaten auch. So, so, wir sind also in bester Gesellschaft.

Ob er denn Christ wäre, will ich wissen. So etwas würde sich ja nicht jeder in seinen Laden hängen, schon gar nicht im muslimischen Viertel. „Nein, er würde das Gute vom muslimischen Glauben und vom christlichen Glauben nehmen“. Mal so, mal so, Mama war christlich, Papa (das Frisieren hat er von ihm geerbt) muslimisch. Ich liebe Mama und Papa. Da muss ich es beiden Recht machen.  Sehr pragmatisch.

Abschiedsfoto. Ich werde von deinen Frisierkünsten berichten. Toilette? Kein Problem. Im ersten Stock. Meine Frau hat selten so eine „sehenswerte“ Toilette besucht. Nun, nur gut, dass das nicht der Anlass unseres Besuches war.


Szenenwechsel. Wir sitzen in einem netten Restaurant, um eine Kleinigkeit zu essen. Ein paar Leute sitzen mit uns im Raum. Auf dem Flat-Screen in der Ecke läuft ein TV-Programm mit arabischen Untertiteln. Irgendwie macht das Programm einen christlichen Eindruck auf mich. Wir diskutieren über das Programm, zwischendrin tunken wir die Pommes in die Super-Spicy-Soße. Dann wird umgeschaltet. Diesmal ist es eindeutiger. Ein Lobpreisleiter und diverse Gottesdienstbesucher, die die Hände heben.

In einem arabischen Restaurant in der Jerusalemer Altstadt im muslimischen Viertel…

„Was ist das für ein Programm?“, will ich vom freundlichen Besitzer wissen. „Ist das christlich?“ Aus Ägypten, heißt es. Baptisten würden dahinter stehen. Ob er Baptist wäre? Nein, aber er würde eine freie Gemeinde gleich hier in der Altstadt besuchen. Wir freuen uns. Da waren wir vor zwei Jahren auch! Ob er xyz kennen würde? Ich nenne den Namen eines arabischen Freundes. „Na klar, schöne Grüße“.  Der Fototermin zum Abschluss des Restaurantbesuches ist fast obligatorisch. Wie klein die Welt doch ist. Auch in Jerusalem.


Szenenwechsel. „Fährt dieser Bus in die xyz-Straße?“ Ja, müsste er, soweit es meine kargen Jerusalem-Kenntnisse zulassen, versuche ich die Frage wahrheitsgemäß zu beantworten. „Kommt er pünktlich?  Seid ihr schon mit ihm gefahren?“ Keine Ahnung, von dieser Haltestelle aus jedenfalls nicht, mit der Linie schon. Der freundliche Jude meint, seine Frau hätte vorgeschlagen zu laufen. „Aber, wenn du jetzt losläufst, kommt der Bus gleich. Murphy schlägt doch immer zu…“, meint er lächelnd.

Murphy hat sich geirrt. Der Bus kommt. Wir sitzen einander gegenüber. Schulmanager in Tel Aviv ist er, 800 Schüler. „Wir hatten schon Austausch mit Deutschland. Bist du eigentlich jüdisch?  Warum trägst du eine Kippa?“ Erst jetzt fällt mir auf, dass die Kippa vom Westmauerbesuch noch auf meinem Kopf ist. „Nein, aber wir lieben euer Land, wir lieben euer Volk, deswegen kommen wir hierher.“ Warum liebt ihr unser Volk? Solche Fragen höre ich gerne. „Weil unser bester Freund aus eurem Volk stammt.“ Der Austausch wird noch etwas konkreter, bevor wir uns an der vorletzten Bushaltestelle verabschieden müssen.


Szenenwechsel. Es ist relativ spät abends. Auf dem Yehuda-Markt haben wir noch einige Lebensmittel nach unserer Tour von Ein Gedi eingekauft. Im Bus sitzt uns ein „mitteljunger“ Mann schräg gegenüber. Er begutachtet seinen neuen Computerrucksack, den er scheinbar soeben gekauft hat. Ob er gut ist, will ich wissen. Das Gespräch findet keinen richtigen Ansatz und stockt.

Ob wir aus Deutschland sind, will er zwei Bushaltestellen später unvermittelt von uns wissen. Ja. Ping, pong, der Austausch von ein paar Belanglosigkeiten folgt. Er müsse jetzt aussteigen. Wir auch. Er an der vorderen Tür, wir wählen die hintere. An der Haltestelle dreht er sich zu uns um. „Warum besucht ihr unser Land immer wieder?“ Die Frage und auch eine prägnante Antwort ist uns nicht unbekannt. „Mit 28 Jahren bin ich religiös geworden. Vorher hat mich das alles nicht interessiert,“ erzählt er von sich.

Nein, religiös wären wir nicht, aber wir würden den Messias von Herzen lieben. Den Messias? Ob wir wissen würden, wer der Messias wäre? Inzwischen sind wir einige Meter weiter gegangen, an der Ampel würden sich unsere Wege trennen. Gerne und bereitwillig geben wir unsere Überzeugung preis. Schweigen. Ein höfliches Wort des Abschieds, „ich muss jetzt hier lang“. Unsere Gedanken gehen ihm segnend hinterher, während er in der Jerusalemer Nacht verschwindet.


Szenenwechsel. Busfahrt nach Tel Aviv. „We are going to the beach. In Jerusalem haben wir so etwas nicht.“ Wir wollen auch zum beach! Eine Gruppe junger Leute sitzt während der Busfahrt um uns herum. Der Lockenkopf ist besonders aufgeschlossen. Bayern München? Klar, kennt er. Schweinsteiger spielt da. Zum Glück habe ich auf meinem Ipad ein paar Fotos des einzigen Besuchs meiner Münchener Jahre in der „Arroganz-Arena“ dabei. Wow, ist die aber gigantisch. Ja, das ist sie. Und ein paar Schneebilder. Den Iglu, den unsere Royal Ranger gebaut haben. „Soviel Schnee gibt’s in Germany?“

Ich zeige die letzten Ausgaben meiner Blogthemen. Oooh, in Yardenit wären sie letzte Woche auch gewesen – und den Biber, na klar, den habe er auch gesehen. Was das denn mit der Taufe auf sich hätte. Zum Glück kann mein Ipad auch hier aushelfen.

Nicht zu sehr aber doch gut können wir uns auch über „tiefere Dinge“ des Lebens austauschen. Die Busfahrt nach Tel Aviv hätte noch viel längern dauern können. Ein Foto zum Schluss? Na klar doch. „Nice to meet you“.


Szenenwechsel. Woher wir denn kommen? Wir sitzen mit unserem Kaffee auf einer kleinen Mauer in der Sonne.  Uns fragt ein arabisch aussehender Mann, der vor einem Laden in der Nähe des Jaffa-Gates steht. Gegenfrage: Was hat das Getränk gekostet? 6 Schekel. Das will ich auch kaufen, dann können wir uns weiter unterhalten.

8 Schekel soll ich zahlen, kein Verhandeln möglich… Einheimischenpreis vs. Touristenpreis. So ist das halt. „Soll ich für dich reingehen und es umtauschen?“ Ich kriege es für 6 Schekel. Der vermeintliche Araber will sich einsetzen. Die umgerechnet vierzig Cent sind mir den Stress dann doch nicht wert.

Nein, arabisch ist er nicht, italienischer Herkunft sei er, gibt er uns bereitwillig zu verstehen.

(to be continued)


Wirklich! – Einfach klasse, was sich hier so „ganz nebenbei“ ergibt.

In der ersten Reihe…

Der Platz hinter dem Kleinbusfahrer ist gut. 10 Leute fassen diese kleinen Minibusse. In Tel Aviv operieren diese privaten Busse in Konkurrenz zu den öffentlichen Buslinien – und haben die gleichen Nummern wie sie. Vorteil: Man kann fast überall unkompliziert ein- und aussteigen. In Jerusalem nennt man sie „Sherut“.

Ich ergattere heute wieder den ersten Platz hinter dem Busfahrer. Die Aussicht ist prima, der Verkehr auch hier sehr dicht, nicht ganz so wie in Jerusalem, aber gleich dahinter.

Das Spielchen mit dem Geld kenne ich ja schon. Fahrgeld durch den Bus nach vorne geben, Wechselgeld zurück. Hier in der „ersten Reihe“ ist man besonders gefordert. Man ist quasi der direkte Draht zum Busfahrer. Dieser hält, während er fährt, bedeutsam nach hinten die Hand auf. Das klappt wie am Schnürchen.

Ehrlichkeit ist hier groß geschrieben. Wer würde denn bei uns einfach so einen 50 EUR – Schein durch den Bus nach vorne reichen und dann hoffen, dass bei ungefähr einem EUR Fahrpreis der richtige Wechselbetrag wieder bei ihm ankommt…?

Hier funktioniert das.

Am Strand liegen wir heute auch in der „ersten Reihe“, gleich vor den sich aneinanderreihenden Hotels der „ersten Reihe“. Hilton, Holiday Inn, Isrotel – alle sind brav nebeneinander vertreten.  Obwohl ich normalerweise kein Freund von sardinendosenförmig angeordneten Liegestuhlbatterien bin, „gönnen“ wir uns heute zwei dieser Bauart, mit Schirm versteht sich.

Sechs Euro alles zusammen, das ist richtig günstig. Blau der Liegestuhl, blau der Sonnenschirm, inklusive Werbeaufdruck, kristallklar-blau das Wasser. 14 Tage Urlaub in der „Machart“ wäre aber nichts für uns. Wie gut, dass unser Bus am Abend nach Jerusalem zurückgeht.

Trotzdem: Das Badewasser ist super, die Wellen nicht zu stark, man kann sogar richtig schwimmen. So kann man das Leben richtig genießen. Baden, Lesen, Faulenzen, Blog schreiben… Oh ja, das mache ich liebend gerne. Während wir am Strand liegen, passieren in Eilat Anschläge. Nein, wir bekommen direkt nichts davon mit, das Tagesschau-Telegramm auf dem Ipad informiert uns zeitnah, dank immer und überall in diesem Land gegenwärtiger offener WiFi-Zugänge…

Was die Herausforderungen angeht,  ist Israel auch immer „in der ersten Reihe“….

Leider.

Anschläge in Südisrael (2)

Wir erfahren es aus den Medien bzw. per eMail: Israel ist heute von Anschlägen auf öffentliche Buslinien und auf Grenztruppen getroffen worden. Man spricht von über 10 Toten und 40 Verletzten. Wir empfinden Mitgefühl mit den Opfern und vor allem den Angehörigen.

Während der Anschlag geschieht, sind wir am Strand in Tel Aviv. Mehrere Mails treffen ein, ob es uns gut geht? Ja, sehr gut. Eilat steht in diesem Jahr nicht auf unserem Programm. Allerdings: mit den Bussen, die als Fernlinien über Land fahren, sind wir in diesen Tagen sehr häufig unterwegs. Ein funktionierendes Bahnsystem gibt es in Israel de facto nicht.

Sicherheitskontrollen bei vielen Gelegenheiten: Im Busbahnhof, im Einkaufszentrum, an der Westmauer, in der einen oder anderen Synagoge. Alles aus dem Taschen raus, durch den Scanner durch. Der Rucksack wird oft durchwühlt. Wir haben allerdings zu keinem Zeitpunkt ein Gefühl der Unsicherheit hier im Land. Dass es „unruhig“ sein soll, wie uns jemand schreibt, verspüren wir auch nicht.

Israel treibt einen großen Aufwand, um die Sicherheit zu gewährleisten. Mehr oder weniger geduldig nimmt man das hier in Kauf. Eine vollständige Sicherheit kann es aber nicht geben. Wenn jeder Zustieg in einen Bus kontrolliert werden würde, würde das öffentliche Leben und die Infrastruktur völlig zusammenbrechen.

So bleibt es das Wichtigste sich der fürsorgenden Bewahrung und dem Schutz Gottes anzubefehlen und sich nicht zu „sorgen“.