Offene Tore in der temporären „BFP-Hauptstadt“

Navigationsgeräte kennen sich gut aus.

Meistens!

Auch die namhaften Marken sind nicht immer fehlerfrei. Aber dafür haben sie ja Melder für Staßensperren und Umleitungen eingebaut, haben wir am Samstag bei einer enormen Stauvermeidung dankbar erfahren. Man braucht also keine Karte mehr! Denkt man! Frauen kennen sich auch gut aus. Manchmal besser, als die Navis. Die beste Ehefrau von allen schlägt aufgrund des Kartenstudiums vor, eine andere Route nach Willingen zu wählen, als das Navi sie vorschlägt. Ich sitze am Steuer – und folge dem Navi. Am Samstag hat uns das Gerät ja sehr geholfen.

Das Hochsauerland ist wirklich schön. Wir genießen die Herbstsonne, die die Bäume auf der Fahrt durch die Wälder in ein fast goldenes Licht taucht.  Aber gibt es hier keine breiteren Straßen? Da wir letztes Jahr auf anderem Wege anreisten, sind wir nicht beunruhigt. Willingen liegt wirklich „mitten in der Pampa“, so scheint es. 10 Kilometer später: Straßensperre. Umleitung. Ich hätte wohl doch dem Rat der Ehefrau und nicht dem Navi folgen sollen…

Die Verzögerung hält sich trotzdem in Grenzen. Willingen, wir kommen! Die Ferienwohnung, die unser „sweet home“ für die Konferenz ist, kennen wir schon vom vergangenen Jahr. Wegen der Trauerfeier in Erzhausen reisen wir schon einen Tag eher an, das war kurzfristig möglich. Das Frühstück auf dem sonnendurchfluteten Balkon können wir am Montag richtig genießen. Leider ist in der Zuckerdose der Ferienwohnung Salz und so kann ich den Tee wegschütten…

Den Vorabend nutzen wir zum Gebet für die Konferenz und für einen kleinen Spaziergang durch den malerischen Ferienort, der bis Donnerstag zur temporären Hauptstadt für den BFP wird. Die Kamera ist, wie immer, dabei.

Die Tore sind offen. Imposant und kühn erhebt sich am Willinger Ortseingang eine alte Eisenbahnbrücke mit mehreren offenen großen Bögen. Selbst am Tag ist dies ein echtes Willkommens- und Wahrzeichen für den Ort.

An diesem Sonntagabend sind die Bögen malerisch beleuchtet. Welch ein Anblick. Wow! Das ist für mich mehr als nur eine Symbolik. Willingen heißt den BFP willkommen. „Heiliger Geist – Erbe und Auftrag!“ lautet das Konferenzthema während dieser Tage. Der BFP besinnt sich auf Erbe und Auftrag. Wir sind gespannt, was die Konferenz bringen wird.

Willkommen! Offene Türen und Tore für den Heiligen Geist, das braucht es in unserem Bund, das braucht es in unserer Zeit, die bei immer größer werdenden globalen Fragen und Krisen nach Antworten sucht.

Die Tore in Willingen sind offen. Und die Herzenstore für den Heiligen Geist.

Katastrophen müssen KEINE Feuerlöscher sein…

Rendsburg in Schleswig-Holstein. Man schreibt das Jahr 1962. Ich selbst bin noch im zarten Windelalter. Auf dem „Viehmarkthallenplatz“ meiner Heimatstadt fährt ein VW-Käfer vor. Heraus steigt ein (damals noch blutjunger) Evangelist, der von einer Rendsburgerin – unwissend, wer es ist – herzlich begrüßt wird. Auf dem zentralen Platz der Stadt ist ein Evangelisationszelt mit 250 Stühlen aufgebaut, sie schiebt Wache. „Unser Pastor hat sich gegen die Ältesten durchgesetzt und einen jungen Evangelisten eingeladen, der noch nicht ganz grün hinter den Ohren ist. Hoffentlich müssen wir nicht eher mit der Evangelisation aufhören…“.

Rumms. Reinhard Bonnkes Zuversicht wird zu Brei. Trotzdem: Drei Wochen evangelisiert er in Rendsburg. Dass ich selbst unter den „Zuhörern“ bin und unter den Zeltstühlen herumkrabbele, weiß ich nur aus den Erzählungen meiner Eltern. Die Lokalpresse kommt und berichtet über den Evangelisten, der sich nach eigenen Worten bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht rasiert hatte – und es setzt ein „Run“ auf die Evangelisation ein. Franz Wegner, damals Pastor der Rendsburger Pfingstgemeinde, hatte die Vision für den Dienst von Reinhard. Rendsburg ist, gerade von der Bibelschule kommend, Bonnkes erste Zeltevangelisation. Viele kommen zum Glauben. Was noch viel wichtiger ist: Sie wird zu einem wichtigen Schlüssel für seinen weiteren Dienst.

Dass dieser Evangelist ab 1978 in einem Zelt mit 10.000 Sitzplätzen predigen würde, ist damals nicht denkbar. 1984 wächst es mit der 34.000- er Ausgabe in eine neue Dimension hinein: Ein Zelt dieser Größenordnung gibt es damals weltweit kein zweites.

Kurz darauf: Die „Katastrophe von Kapstadt“, die keine Katastrophe ist. Orkanwinde zerstören das neue Zelt bei seinem ersten offiziellen Einsatz, noch bevor dieser überhaupt richtig begonnen hat. Doch diese Katastrophe wird kein Feuerlöscher, sondern wirkt als „Brandbeschleuniger“.

Nigeria. 2002. Jahrelang aus diesem Land ausgesperrt, predigt der deutsche Evangelist vor Millionen von Zuhörern. Es geht ihm nicht um Zahlen, sondern darum, dass Menschen durch die Kraft des Evangeliums Lebensveränderung erfahren.

Willingen. 2011. Erwartungsvoll kommen 1200 Pastoren und Gemeindeleiter zur 116.BFP-Konferenz ins Hochsauerland. Diesmal ist nicht nur Reinhard da, sondern auch sein Nachfolger Daniel Kolenda. Gemeinsam dienen sie der Bewegung, die einst den Evangelisten nach Afrika ausgesandt hat. Mit dem Akkordeon an der Straßenecke begannen die Evangelisationen in Lesotho. Daraus wurde mehr. Viel mehr. 58 Millionen ausgefüllte Entscheidungkarten seit 2000, so lese ich am Vorabend der Konferenz in der neuesten Publikation von CFAN. Welch eine Ernte für den Himmel!

Dazwischen liegen 700 Seiten „Feuer-Biografie“. Spannend zu lesen, von der ersten Seite bis zur letzten. Das Feuer Gottes ist nicht nur im Sieg in der Stärke da, sondern auch in den Niederlagen und Enttäuschungen. Reinhard schreibt in seiner Autobiografie offen und ehrlich über alle Seiten seines Dienstes. Und das inspiriert, das macht Mut, selbst neue Schritte zu gehen. Und auch bei Niederlagen nicht stehen zu bleiben. Sie können zum Katalysator für Größeres werden!

Bonnkes eigene Beschreibungen sind manchmal schwindelerregend und spannend zugleich. Dies aber ist kein erdachter Roman, sondern eine Geschichte, die das Leben geschrieben hat. Oder besser, die Gott geschrieben hat. Vielleicht manchmal auch nur zugelassen. Sie ist kein Lehrbuch für Evangelisten, aber ein echtes „Lernbuch“.

Ich lese selten so dicke Bücher, aber dieses habe ich mit großem Gewinn fast „aufgefressen“, sogar bis in die späten Nachstunden hinein. Ich konnte es kaum zur Seite legen. Eine Woche Familienbesuch in dem oben beschriebenen Rendsburg, dann war es durch.

Reinhard Bonnke, heiß geliebt – und leider oft „verrissen“, besonders in seinem Heimatland, während man ihm andererorts größte Wertschätzung entgegenbringt. Außer dem Papst kommt kein Deutscher an Zuhörerzahlen, vor denen er gepredigt hat. Seine Autobiografie ist ein ehrliches Zeugnis vom Werk Gottes in seinem Leben – und in Afrika.

„Heiliger Geist – Erbe und Auftrag“. Das Konferenzthema in Willingen ist der Pulsschlag Bonnkes. Die Taufe im Heiligen Geist ist eine seiner wichtigen Botschaften bei den Evangelisationen. Und es ist ein Thema für unser Land, das immer wieder neu Betonung braucht.

Stellen wir uns dem Auftrag.