Saison der Straßenkirche eröffnet

Das Wetter am Freitag ist genial. Um 14:15 Uhr wird unser kleiner Anhänger gepackt, Christl sortiert die Kisten mit den Schriften, Georg pumpt die Reifen auf. Der Wagen hat über den Winter unter einer Plastikplane im Garten verbracht. Mit dem Fahrrad kann ich ihn locker zum Partnachplatz ziehen.

Auch der Obsthändler ist seit ein paar Tagen wieder am Partnachplatz. Wir haben noch nicht fertig aufgebaut, da ist unser alter Freund Z. schon da. Er hat merklich abgenommen. Wir können gleich für ihn beten. Sandra, Christl, Susanne, Petra, Stefan und Frank sind heute dabei.

R. zweifelt an Gott, ob es ihn gibt. Trotzdem lässt er sich auf ein Gespräch ein. Seine Freunde kommen lautstark vorbei und lassen einen Stapel nicht so erbaulicher Sprüche los. Auf einen Kaffee in der Straßenkirche lassen sie sich doch einladen.

Ich spreche zwei junge Männer an, der eine kommt aus den USA und will hier studieren. Wir kommen in ein tiefes, gutes Gespräch. Ja, warum nicht, sie wollen in den Gottesdienst kommen. Ich bin gespannt, ob sie es wahrmachen.

Ich besuche V. in der Nachbarschaft. Auch ihn kennen wir vom Partnachplatz. Er ist überschwänglich begeistert über meinen Besuch, küsst mich vor Freude. Es geht ihm gesundheitlich nicht gut, wir können miteinander beten. Zum Schluss gibt er mir Bonbons für das ganze Team mit.

Auf dem Rückweg schaue ich noch in der neuen Döner-Bude vorbei, der Abend ist noch lang… Nachher ist noch Besprechung mit den Kindermitarbeitern. Was ich denn da hätte, wollen die Besitzer wissen. Ich gebe ihnen meine „Jesus-Flyer“. Die Botschaft darauf ist sehr klar. Sie zeigen mir großherzig ihre Döner-Küche. Alles picobello. Ich könnte ruhig vorne auf die Fensterbank meine Flyer auslegen. Ich traue meinen Ohren nicht… Natürlich will ich.

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Zurück am Partnachplatz beobachte ich, wie die anderen in intensiven Gesprächen sind. Das freut mich. Auch S. ist inzwischen gekommen, obwohl die U-Bahn „unmögliche“ Verspätung hatte. Zurück in der HB4 sind die Rangers grade beim Abschlussappell. Etliche Eltern stehen erwartungsvoll auf dem Parkplatz. Sie helfen mir, die Plastikgarage wieder über den Hänger zu stülpen. Alle Materialien sind regenfest gelagert und warten auf den nächsten Einsatz in drei Wochen. So geht das sehr einfach und effektiv.

Es ist gut, dass die Saison wieder eröffnet ist….

Ist Jesus der Chef in deinem Lebensboot?

Sonntag, 23.00 Uhr. Wir haben den Abendgottesdienst beendet und noch gemeinsam zu Abend gegessen. Die Luft ist klar und keine Wolke am dunklen südafrikanischen Himmel zu sehen. Aber das Sternbild, das ist „umwerfend“. Natürlich ist es anders, als in der nördlichen Hemisphäre, aber die Fülle der am Himmel zu sehenden Sterne inklusive der sich deutlich abzeichnenden Milchstraße, ist einfach umwerfend. Trotz 15 Sekunden Belichtungszeit und Stativ kann die Digi-Cam diesen Eindruck nur schwach festhalten. Schade. Ich werde an Abraham und die Verheißung der zahlreichen Nachkommen erinnert. Auch hier erleben wir, wie Menschen zu “Nachkommen Abrahams”, dem Vater des Glaubens, werden.

Das Zelt ist heute wieder gut gefüllt. Manche kommen mittlerweile etwas später, aber zur Predigt strömen sie immer herbei. Es gibt immer noch unbesetzte Stühle, aber viele scheinen regelmäßig zu kommen, einige Gesichter sind mir sogar schon vertraut. Heute kommt mein Anzug zum Einsatz. Zum Predigen muss man hier pikobello sein, auch im afrikanischen Hinterland. Die Schuhe werden mir vorher noch vom Team geputzt, da ich die Schuhcreme (um nicht zu viel Gepäck zu haben) vorher extra ausgepackt habe, welch ein Fehler.

„We welcome the man of God from Germany“. Mit eloquenten Beschreibungen sparen die Afrikaner ungerne. Kräftiger Applaus. Auf der Bühne fühle ich mich wohl, das Predigen geht – trotz Englisch – einfach und leicht. „Ist Jesus der Chef in deinem Lebensboot?“ Markus 6 ist die Grundlage meiner Predigt. Die Botschaft muss einfach zu verstehen sein. „Wir sind ein evangelistischer Dienst“, sagt B. und schwimmt damit voll in seiner Berufung. “Du musst zu Jesus rufen, dass er dich rettet, egal wie groß der Sturm in deinem Leben ist”.

Im Team fühle ich mich absolut nicht als Fremdkörper, bin eingebunden, finde jegliche Unterstützung, die ich brauche. Wir fließen gemeinsam!  S., der sich in den letzten Tagen in den Mittagsteachings zu „meinem“ Übersetzer gemausert hat, macht seine Sache richtig gut. B. ist begeistert, hier ein neues Talent entdeckt zu haben. Das entlastet BnK., der sonst immer übersetzt, enorm.

Obwohl es schon der siebente Tag der Evangelisation ist, reagieren auch heute Menschen auf die Einladung, zum Kreuz Christi zu kommen. Auch heute sind die Ordner und Seelsorger der Gemeinde da, um den Menschen zu dienen. Auch der Pastor der benachbarten Gemeinde ist wieder da und dient mit. Er wird den Menschen bekannt gemacht, damit sie einen Ansprechpartner haben, wenn das Team nicht mehr da ist.

Montag, 7:00 Uhr. Wir sind unterwegs zur Underberg Forge Ralph Hardingham High School, wie ein großes Schild am Eingang verkündigt, Natodraht sichert das Gelände, abgeschlossen und mit einem Wächter bewacht. Unser Team hat eine Einladung, dort zu dienen. Die Sonne brennt bereits vom Himmel herunter. Wir sitzen im Büro der Direktorin. Ich verdrehe ein wenig den Kopf, um lesen zu können, was an der Tafel des Direktoriums steht.  „Devotion“  (Andacht) steht an jedem Tag auf dem Stundenplan. Ich kann es kaum fassen. Über 700 Schüler stehen dichtgedrängt auf dem Innenhof, Schuluniform ist hier genauso Pflicht, wie an anderen südafrikanischen Schulen. Einer unserer Teammitglieder predigt klar das Evangelium und wir haben Gelegenheit in das Zelt einzuladen.

Eine andere Übersicht weckt meine Aufmerksamkeit. Da sind die Ergebnisse der 12. Abgangsklasse verzeichnet. In jedem Jahr, so lese ich in der Statistik über 10 Jahre, schaffen 25 bis 52 % der Schüler die Abschlussprüfung nicht. Die Direktorin ist dankbar, dass wir gekommen sind. „Im März, wenn die Prüfungen beginnen, leiden viele Kinder unter den negativen Einflüssen des Ahnenkults und des Geisterglaubens. Damit haben wir sehr zu kämpfen.“  Sie sind dann paralysiert, dass sie sich schreiend zu Boden werfen und die Abschlussprüfungen nicht schreiben können. Innerlich bin zornig über diese Tatsache. Wir beten für die Kinder. In Afrika gehen die Uhren anders. In jeder Hinsicht. Gern würde ich an dieser Stelle mehr schreiben, kann es und will es aber nicht…

Unser Team tritt gemächlich den Rückweg in der mittlerweile brütend heißen Sonne an. In einiger Entfernung ist unser Zelt gut zu sehen. Ein Foto mit dem Team davor, das muss sein. Das “Schneckentempo” ist mir zu lahm und so gehe ich mit BnK. schneller voran. “Das bin ich von B. gewohnt”, lächelt er. Ob wir wohl mal in eine afrikanische Rundhütte reinschauen können?  BnK. fragt einfach über den Zaun weg und wir können. Ich bestaune das mit Kohlen gefüllte afrikanische Bügeleisen. Außer ein paar Strohmatten gibt es einen kleinen Herd mit Geschirr und ein paar Hühner hüpfen herum. „Dieser afrikanische Mann hat zwei Frauen“, erklärt mir BnK. hinterher. Woran hast du das gemerkt, will ich wissen? Es gab auf dem Gelände zwei Küchen, daran eben. Jede Frau hat ihre eigene… In Gemeinden ist das nicht üblich, aber viele Männer haben hier mehrere Frauen.

„Daheim“ ist wieder Waschtag und Haare schneiden angesagt. Durch den lange dauernden Schuleinsatz zieht sich heute alles sehr in die Länge. Auch die deutschen Haare müssen etwas gekürzt werden, notdürftig.. Die Afrikaner setzen mit ihrer Null-Millimeter-Rasur-Variante auf die einfachere Bearbeitungsweise.

Im Mittagsteaching geht es heute um eine umgehende Reaktion auf den Auftrag Jesu. „Wenn Jesus uns ruft, sollen wir gleich reagieren“, so wie die Jünger es taten. Das Bibelstudium mit der Gruppe macht mir großen Spaß. Auch heute sind etliche Frauen gekommen. Als ich sie abschließend zum Gebet einlade, kommen ausnahmslos alle nach vorne. Wieder sind mehrere Babies in der Decke auf dem Rücken dabei.

Nach dem Studium sitzen wir als Team noch etwas relaxt im Zelt, wg. der Hitze kann man sich nicht viel bewegen. Einer der Afrikaner hat seine Füße auf den Stuhl vor sich gelegt. „Ooh, ihr habt ja helle Fußsohlen“, fällt mir auf. Warum ist das bloß so? Keine Ahnung, vielleicht, weil sie sich sonst auf dem heißen Boden eher die Füße verbrennen würden? Ich verspreche, darüber nachzusinnen, vielleicht kriege ich ja etwas raus….

Im Gebetszelt ist die Lampenverkabelung defekt. Ich erinnere mich an meine rudimentären Elektrikerkenntnisse – und bringe die Lampe wieder zum Laufen. Auf dem Missionsfeld sind praktische Grundkenntnisse in vielen Bereichen von großem Nutzen, konstatiere ich…

Am Nachmittag suche ich für die Bearbeitung meiner älteren Lehrkonzepte – inzwischen ein sehr umfangreicher Schatz, mit dem ich mich im „normalen Alltag“ kaum beschäftigen kann, hier aber zwischendrin dazu immer wieder Zeit finde – den Schatten des großen Zeltes auf. B. fragt mich, ob ich gutes Material für eine weitere Nacharbeit nach der Evangelisation dabei hätte. Er überlegt, das kleine Gebetszelt nicht abzubauen, sondern noch für eine weitere Woche dazulassen, dazu entsprechend Teammitglieder. Spontan nenne ich ihm einige Möglichkeiten, die ich in meiner Sammlung dabei habe. „Kopiere sie mir doch auf mein Handy“, das will ich gerne tun, wenn ich diesen Blog hochlade.

Zwei Jungs kommen nahe zum Zelt. Sie kommen von der Schule, wo wir heute morgen waren. Der eine hält ein Buch hoch, das ich heute morgen im Büro der Direktorin gesehen habe. In gebrochenem Englisch gibt er mir zu verstehen, dass er morgen eine Prüfung hat und morgen gerne vor der Schule zum Gebet vorbeikommen würde. 7:10 Uhr will er da sein – und ich hoffentlich wach….

Spieglein, Spieglein an der Wand…

In unserem Holzhäuschen, das für „lange Sitzungen“ nicht so geeignet ist, gibt es keinen Spiegel. In Deutschland blickt man ja jeden Morgen hinein – aber hier? Heute fällt mir auf, dass ich lange in keinen Spiegel mehr geblickt habe. Der LKW des Evangelisationsteams bietet sich als Notlösung an, im Weitwinkelspiegel ist zwar alles ein wenig verzerrt, aber immerhin, Bart stutzen, Wangen ausrasieren. Uups, die Hose rutscht etwas, obwohl das Essen hier so gut ist. B. lacht. „Tja, bei den Einsätzen nehme ich auch immer ab, das ist normal.“ Also, es ist wirklich gut, hier zu sein…

Heute gibt es den „Spinat“, den uns das Mädchen gestern gebracht hat. In der Küche entdecke ich einen Sack Kartoffeln. Wo ist der denn her? Auch ein Geschenk aus der Nachbarschaft. Der „Spinat“ ist wirklich „sehr scharf“, aber die natürliche Schärfe wird noch durch etwas Chili getoppt. Einige im Team klagen über Magenverstimmungen, mir geht es ausgezeichnet. „Vermutlich hat der Regen etwas Schmutz in unser Trinkwasser gespült“, meint B.. Bevor ich das Kaffeepulver in meine Tasse kippe, deutet B. auf ein paar Schmutzteilchen hin, die darin schwimmen. Ich entscheide mich den Kaffee trotzdem zu trinken…

Die Sonne brennt heiß auf unsere kleine Zeltstadt runter. Am Mittwochabend kann ich tolle Bilder vom Zelt in der herrlichen Abendsonne machen. Es ist der erste Abend, wo es zu Versammlungsbeginn nicht regnet. Und die Besucher kommen wieder in Scharen, mehr als am Vorabend.

B. predigt über das Kreuz, eigentlich über die drei Kreuze. Der Schächer am Kreuz fand Jesus, weil er sich gedemütigt hat. Er schwächt die Botschaft nicht ab, sondern predigt radikal. Es gibt keinen Weg an Jesus und am Kreuz vorbei. Auch heute bleibt sein eindringlicher Altarruf nicht ohne Frucht.

Atmosphärisch ist es heute aber schwieriger, als an den anderen Abenden. Die Zuhörer sind unruhiger als sonst. Rein, raus, draußen lauthals krakelen. In der Teambesprechung nach dem Abend ermutigt B. das Team, sich ganz in den Dienst hineinzugeben, auch wenn es unruhig oder atmosphärisch schwierig ist. „Nehmt es nicht leicht, wir brauchen hier wirklich einen Durchbruch“.

Im Teamgebet am nächsten Morgen beten wir mit Kol. 4,2 ff für offene Türen in den Ort hinein. „Wir können ab sofort in die Schulen kommen“, verkündigt BnK. uns zu Mittag die Gebetserhörung für weitere offene Türen in der Nachbarschaft. „Dort können wir für 20 Minuten oder mehr das Evangelium verkündigen“. Klasse. Gleich Montag soll es losgehen.

Im Teaching am Mittag sind wieder etliche Frauen aus der Nachbarschaft da. Ob sie eine Bibel haben? Nein, sie schütteln den Kopf. Ja, lesen können sie, aber Bibeln, nein, haben sie nicht. „Unser Vorrat ist begrenzt, aber wir geben gerne“. B. lässt einige Bibeln holen, die ausgeteilt werden. „Wir freuen uns sehr über gezielte Finanzen z.B. für Bibeln oder für unsere einzelnen Evangelisationen. Die Kosten für alles haben sich hier in Südafrika in den letzten 10 Jahren vervielfacht.

Heute Abend ist Heilungsgottesdienst. „Wir werden den Kranken dienen“. Und die gibt es nicht wenige hier im ländlichen Bereich, wo die medizinische Versorgung eher schwach ist.

Der Generator geht wieder etwas „in die Knie“. Aah, das Team bügelt wieder. Nur noch wenig Zeit, gleich ist wieder Gebetstreffen, danach muss alles vorbereitet sein. Geistlich und praktisch.

Wie kommt Dunkelheit in eine Pappkiste?

„Damit Dunkelheit in deinem Leben ist, musst du gar nichts tun“. Der Evangelist hält eine kleine Pappbox hoch, die er vor der Versammlung noch schnell aus dem Wohnwagen gekramt hat.

Es ist der dritte Abend der „Underberg-Crusade“. Underberg selbst ist zwar zwei Autostunden weg, aber Afrika ist eben weitläufig. So auch dieses Gebiet hier. Auch heute ist das Zelt kurz vor Versammlungsbeginn in eine Wolke getaucht, leichter Regen macht alles feucht und klamm. Wir liegen hier immerhin auf 1600 Meter unterhalb eines Berggipfels. Auch an diesem Abend lassen sich die Menschen nicht vom Wetter abhalten, in die Evangelisation zu kommen. Als Evangelist B. die Bühne betritt, ist das Zelt wieder sehr gut gefüllt, zwar etwas weniger als am Abend vorher, aber die Resonanz ist gut.

Teammutti M. ist heute der „MC“, Master of Ceremony, dessen Aufgabe es jeden Abend ist, die Brücke zwischen dem Musikprogramm und der Verkündigung zu bilden, damit die Menschen für die Botschaft vorbereitet sind. Sie hat wirklich eine Gabe dafür.

„Damit Licht in dein Leben kommt, musst du etwas unternehmen“. B. erklärt das Evangelium in einfacher Weise. Er ist adrett gekleidet. Schwarzes, gestreiftes Hemd, ein reinweißer Schlips dazu. Die Afrikaner lieben die Kontraste. Auf der Bühne muss der Prediger adrett gekleidet sein, selbst in der hintersten Pampa. „Es hat uns viel Aufwand gekostet, das Zelt hier aufzubauen und hierin Licht zu haben“. Erklärt er anschaulich. Die Afrikaner nicken und verstehen. „Wir mussten Kabel verlegen, damit das Licht hier brennt“.

Ich versuche den Evangelisten mit der Digi-Kamera, die meine großzügige Tochter mir ausgeliehen hat, gut auf das Bild zu kriegen. Gar nicht so leicht, beim Blitzen sieht’s nicht so doll aus, ohne Blitz einen Prediger zu fotografieren – gar nicht so leicht, besonders wenn dieser nicht still an einem Platz steht, und dann noch einen überaus engagiert mitgehenden Übersetzer hat. „Deswegen fordern wir die Menschen auch jeden Abend auf, dass sie einen Schritt tun können.“

B. ist wirklich ein Evangelist mit Herzblut und Berufung, hier in Südafrika genau am richtigen Platz, ist mein Eindruck. Seine Botschaft und die Art und Weise der Präsentation berühren mich tief. „Du musst Schritte gehen, damit Licht in dein Leben kommt“. Er fordert die aufmerksam lauschenden Afrikaner heraus, ihr Leben Jesus zu geben. „Wenn du Jesus dein Leben gibst, dann kommt Licht in dein Leben“.

Kein steifer Prediger auf der Bühne. Er hebt die Arme, schwenkt mit der Bibel, läuft nach links, geht nach rechts. Der Keyboard-Spieler sitzt in Hab-Acht-Position, um musikalisch unterstützend einzugreifen. So lieben es die Afrikaner. Die Botschaft kommt glasklar und scharf, trotzdem liebevoll und warmherzig. Es ist wichtig, dass Menschen gemäß ihrer Berufung dienen können. Hier erlebe ich, wie jemand in seiner Berufung fließt. Der Abend berührt mich sehr.

Gott hat verschiedene Gaben gegeben. Mit Epheser 4,11 ermutige ich am nächsten Morgen das Team, die Berufung von B. als Dienstgabe wertzuschätzen und zu unterstützen, denn auch er kann ohne die überaus wichtige Unterstützung des Teams wenig bewegen. Ohne Musiker, die die Afrikaner abholen können? Ohne Übersetzer? Ohne Helfer? Ohne Unterstützer aus Deutschland? Und so fließen hier die verschiedenen Dienstgaben zusammen. Es ist wie bei einer Hand. Ein Finger allein kann nicht greifen.

„Damit Dunkelheit in diesem Leben ist, musst du nichts tun, wie bei der Pappkiste. Aber Gott möchte, dass es Licht wird. Wer möchte, dass Licht in sein Leben kommt?“ Hände gehen hoch. Co-Evangelist und Übersetzer BnK. dienen gemeinsam. Während des Altarrufs übernimmt der Einheimische, sie fließen fast übergangslos gemeinsam. Wieder kommen viele zum Gebet nach vorne. Es scheint so leicht, so einfach zu gehen, nicht schwerfällig. Warum bloß ist das in Afrika anders als bei uns – und so leicht? Die Frage bohrt irgendwie in mir…

Aus der Menge kommen auch ein paar Menschen, die ein Schild „Counselor“ tragen. Sie sind aus der benachbarten Gemeinde und dienen den Menschen im Gebet. Die Menschen, die nach vorne kommen, werden im Anschluss gebeten, in ein Nebenzelt zu gehen und entschwinden mit dem Seelsorgeleiter in das Dunkel des Gebetszelts. Irgendwie funktioniert dort heute die Beleuchtung nicht, aber was macht das schon. Wir sind ja nicht in Deutschland.

Am nächsten Tag kommt die Sonne erst gegen Mittag durch. Das tut gut. Ich baue für meine Schuhe eine kleine Konstruktion, damit sie oben auf dem Zeltdach im Wind trocknen können. Wir beten im Mittagsgebet für die Neubekehrten. „Lasst uns ein „Gewächshaus des Gebets“ um diese Menschen bauen“, bitte ich das Team. Sofort erheben das Team und die anwesenden Frauen aus der Gemeinde ihre Stimme zum Gebet.

Dieses Anliegen will ich auch nach Deutschland weitergeben.

Vor meinem Zelt grasen drei Jungbullen und schauen bei mir herein, während ich den Blog schreibe. Zeit, B. um das Handy zu bitten, damit ich die eMails nach Deutschland absetzen kann, denn gleich ist wieder die „Generatorzeit“ vorbei. Meine Ohren werden’s mir danken, denn der Generator ist direkt hinter meinem Zelt.

Auch afrikanische Ziegen lieben Evangelisationen…

Heute ist wieder mein persönlicher „Badetag“. Selbst die Royal Rangers bauen sich auf ihren Camps ja Waschplätze, aber so etwas gibt es hier nicht. Der erfahrene Missionar B. lässt mich in seinen praktischen Erfahrungsschatz Einblick nehmen. Die rote Babybadewanne eignet sich den Umständen entsprechend dafür hervorragend. In der Küche wird mir etwas warmes Wasser gekocht und so werden auch meine deutschen Haare schnell wieder frisch.

B. hat mich gebeten, mittags jeweils das Teaching für das Team zu machen. Ich sage gerne zu.  Da auch einige aus der Gemeinde im Nachbarort dazukommen, wird auch diese Einheit übersetzt. Es macht Freude, gemeinsam mit den Afrikanern das Wort Gottes zu studieren. In  meinem Telefon habe ich mir die Namen des Teams aufgeschrieben, so langsam kann ich fast alle, auch die eher außergewöhnlichen Namen, auswendig. Das hilft zur Kommunikation im Team. Ich bin dankbar für die Gebetseindrücke, die ich per eMail von den Betern aus München bekommen habe. Ich gebe sie hier in Auszügen an das Team weiter.

Unser Mittagessen fällt heute teilweise aus. Während wir im Zelt zum Teamtreff sind, kommen die herumstreunenden Ziegen in das Vorzelt des Caravans – der Teamküche – und fressen genüsslich den fertig gekochten Reis.

In der Nachbarschaft treffe ich ein paar kleine Kinder. Kommunizieren ist schwierig, aber sie lassen sich mit Begeisterung fotografieren. Wenn sie dann ihre Bilder auf dem Monitor der Kamera anschauen können, brechen sie in der Regel in lautes Lachen aus. Lachen in die Kamera ist aber nicht ihre Stärke.

Wieder ist das Team zu einer Open-Air-Evangelisation unterwegs. Der reparierte Verstärker tut an diesem Tag seinen Dienst etwas länger – um auch dann wieder schlapp zu machen. Die äußeren Widrigkeiten sind doch immer wieder eine Herausforderung. Trotzdem kann die Botschaft der Evangelisation in Teilen des Dorfes bekannt gemacht werden, wo wir bisher noch nicht gewesen sind. „Da gibt es noch ganz viele Häuser und wir konnten einen großen Teil erreichen“, berichtet B..

Am Nachmittag setzt wieder leichter Regen ein. Die Wolken hängen unterhalb der Berge und hüllen das Zelt in Nebel, der sich später mit Regen vermischt, um dann in einen stärkeren Regen überzugehen. Dieser hält den ganzen Abend an. Wir sind etwas unsicher und befürchten, dass sich das Wetter auf den Besuch auswirken wird. „An anderen Plätzen kommt dann keiner“, sagt M., die „Teammutti“.

Doch wir werden auch an diesem zweiten Abend nicht enttäuscht: Afrika ist eben anders als Deutschland. Ich sortiere für mich selbst an diesem Evangelisationsabend mehrere Beobachtungen:

Menschen wollen Informationen haben
Anders als im überfütterten Deutschland wollen die Menschen hier informiert werden. Begierig nehmen sie die Zettel, die ihnen ausgeteilt werden. Während des Open Air kommen sie sogar zum fahrenden Lastwagen gelaufen, um die Informationen zu bekommen.

Menschen kommen zu Hunderten
Auch diesmal ist das Bild ähnlich wie am ersten Abend. Zur Eröffnung des Abends um 18:30 Uhr sind zwar ein paar Leute mehr da, als gestern – ich zähle vielleicht 20, aber eben nicht wesentlich mehr. Bis zum Beginn der Predigt gegen 20 Uhr (und vereinzelt auch noch danach) strömen sie fast ununterbrochen ins Zelt herein, so dass das Zelt später mehr als zur Hälfte gefüllt ist. Es dürften bis zu 400 sein, die an diesem Abend das Zelt füllen, davon viele junge Leute. Ich blicke in den Nebel und Regen, der das Zelt umgibt, hinein. Fast gespenstisch tauchen sie plötzlich in kleinen oder größeren Gruppen aus der hereinbrechenden Dunkelheit auf. Viel haben Decken umgehängt, um vor dem Regen geschützt zu sein, viele kommen mit den Babys im „afrikanischen Kinderwagen“ – Kinder in einer Decke auf dem Rücken tragend – zur Versammlung.

Meine Gedanken gehen genau eine Woche zurück. Am vergangenen Dienstag, als ich unterwegs hierher war, ist aus verschiedenen Gründen erst die Entscheidung gefallen, dass die Evangelisation hier stattfinden wird. Umso erstaunlicher ist es fast, dass die Menschen in Scharen kommen. Natürlich – das Lebenstempo und die Einbindung ist in Afrika anders, man ist wesentlich spontaner und flexibler, man muss es auch sein.

Menschen gehen mit und hören wirklich zu
Das Vorprogramm ist ähnlich des Vorabends. SEHR laute Musik, mein Messgerät in meinem Telefon zeigt 100 dB an, einfache Lieder und sehr VIEL Bewegung. Ob jung, ob alt, ob Kind – alle gehen mit. Das Team legt sehr viel Wert auf eine Kommunikation mit den Besuchern. Aufstehen, hinsetzen, Arme winken, Tanzen – alles gehört dazu, ganz intensiv.

Und die Leute gehen engagiert mit. Sie sitzen keineswegs teilnahmslos da, sondern lassen sich inspirieren. Manche kommen schon tanzend in das Zelt. Was mir am meisten die Sprache verschlägt ist, dass sie wirklich der Predigt folgen und dabei sind. Bei so einem Haufen von jungen Leuten würde ich potentielle Störungen, eine hohe Geräuschkulisse, Unaufmerksamkeiten und andere Aktionen erwarten – absolut nichts dergleichen. Alle hören aufmerksam der Predigt zu. Es ist für mich kaum zu fassen. Heute geht es um das Gleichnis über die Einladung zum Hochzeitsmahl. BnK. predigt heute. Ich betätige mich derweil als Teamfotograf, sehr zur Freude des ganzen Teams, denen ich die Fotos gleich am Abend unbedingt auf’s Handy überspielen muss… Die lebendige Versammlung bietet auch ausreichend Motive – und hier stört es niemanden, wenn man fotografiert (wird). Auch das ist bei uns anders.

Menschen folgen dem Aufruf
Auch heute endet die Predigt mit einem Aufruf, Jesus anzunehmen. Wieder folgen viele diesem Aufruf, vielleicht sind es 40 oder mehr, die nach vorne kommen. Nachdem für sie gebetet worden ist, gibt M. ihnen im hinteren Bereich des Zeltes noch einige Hinweise wieder folgen alle willig den Anweisungen.

Nach Ende der Versammlung kommen viele Menschen nach vorne und wünschen Gebet. Das Team, unterstützt vom lokalen Pastor, dient den Menschen gerne.

Ich bitte einen Übersetzer, mir für den Pastor zu übersetzen. Ich übermittele ihm die Grüße unserer Gemeinde aus Deutschland und danke ihm, dass er das Team willkommen geheißen hat und die Arbeit unterstützt. Sehr spontan.

Der Generator schnurrt sonor vor sich hin. Ich habe wieder Strom und sitze am nächsten Morgen in meinem kleinen Zelt. Meine nassen Hosen und Schuhe habe ich vor das Zelt deponiert, damit sie trocknen. Die afrikanische Sonne heizt wieder gut ein. Ich bin dankbar, denn Dauerregen würde doch alles noch schwieriger machen.

Welch ein Geschenk, hier sein zu können und mit zu dienen – und Zeit zu haben über Dinge zu reflektieren, die einfach anders sind als bei uns. Im Morgengebet bitte ich das Team für die Gemeinde in München zu beten, was sie auch ganz engagiert und dankbar tun. Wie gut, dass Gebet nicht vom Handynetz und Generatorstrom abhängt.

B. bringt mir seinen Blackberry und so kann ich diesen Blogeintrag ins Internet absetzen…

SMS: Erster Abend der Evangelisation super!

Der erste Abend der Evangelisation war super.  Das Zelt war bereits fast zur Hälfte gefüllt und die Leute gingen sehr gut mit. Dem Aufruf zur Entscheidung folgten eine gute Anzahl Menschen. Das Wetter ist ein echtes Gebetsanliegen. Die Versammlung ist gerade beendet. Gerade geht hier ein Gewitter mit starken Regenfall und äußerst heftigem Sturm nieder.  Trotzdem lassen sich die Leute nicht abhalten zu kommen. Außerdem gibt es diverse technische Widrigkeiten!