Zweiter Besuch in Malawi 2025

Im Mai 2025 war ich offiziell im Auftrag der VM-I / VM-International (früher: Velberter Mission) in Malawi, um dort Gemeinden zu besuchen und auf dem National Leaders Forum der AFM (Apostolic Faith Mission) zu sprechen.

Der Besuch war auch ein Ausdruck der Partnerschaft zwischen VM-I und AFM, die vor einigen Jahren vereinbart wurde.

Ich wurde von den Missionaren Siegfried und Monika Bongartz begleitet, die auch das Programm vor Ort erstellt hatten.

Ursprünglich wurde der Bericht als täglicher Reisebericht in einer eigens dafür erstellten WhatsApp-Gruppe gegeben. Der sehr persönliche Stil ist auch hier in diesem Blog beibehalten. Die Namen wurden hier anonymisiert.

Viel Spaß beim Lesen!


Donnerstag, 01.05.25

Es geht los! Wuppertal-Vohwinkel. 16:03. Ein Koffer voller (schwarzer) Anzüge als „Mitbringsel“ dabei. Danke an das Team von Jacke wie Hose für geniale Unterstützung!

Und DANKE für dein Interesse, dass du in dieser Gruppe dabei bist. Willkommen an Bord!

Frankfurt. Boarding on Ethiopian Air to Addis Abeba!

Guten Morgen aus Addis Abeba. Guter Flug. Hatte drei Sitze für mich, obwohl der Flieger sonst total voll war, 😎, dadurch konnte ich mich zum Schlafen sogar ein wenig „hinlegen“. Gleich geht’s nochmal vier Stunden weiter nach Blantyre/Malawi. Dankbar.


Freitag, 02.05.25

Hallo, liebe virtuell „Mitreisende“, schön, dass DU mich auf dieser Reise begleitest, danke für dein Interesse. Ich liebe es, zu schreiben und andere an meinen Erfahrungen teilhaben zu lassen… Los geht’s!

Ich hatte mich ja heute früh vom Flughafen in Addis gemeldet. Der Flieger von Frankfurt war pickepacke voll, so ziemlich die einzigen Plätze, die frei waren, waren die beiden Sitze neben mir, so dass ich eine Dreierreihe zum „Ausstrecken“ hatte. Welch ein Geschenk für einen Nachtflug!

Der Flieger nach Malawi selbst war dann sehr eng und voll, eine etwas unangenehme „Sardinenerfahrung“ mit meinem gut statuierten Sitznachbarn.

Ansonsten klappte alles bestens.

Gegen Mittag war ich nach 20 Stunden Reisezeit in Blantyre und wurde am Flughafen von S.  und den Pastoren M. und Ph. (er ist der nationale Leiter) willkommen geheißen. Ein freudiges Wiedersehen!

Wir fuhren dann gleich zur Bibelschule. Das Gelände ist eine echte Oase! Pastor M.  entwickelt das mit seinem Team beständig weiter.

Er pflanzt auch Papayas an, denn Bibelschularbeit heißt hier auch gleichzeitig, für „bezahlbares“ Essen zu sorgen. Der Segen ist in diesem Jahr besonders stark…

Bei Mo. gab es dann zur Begrüßung Avocados und Papayas satt.

Von Südafrika hat der AFM nette Hemden und Schlipse mit Logos gespendet bekommen, als Konferenzsprecher überreichte mir Pastor Ph.  gleich von beidem eines…

Beim abendlichen Spaziergang gingen wir dann noch auf die Spuren von Missionar und Afrikaforscher David Livingstone (Blantyre ist nach seinem Geburtsort in UK benannt), diese Kirche erinnert u.a. an ihn.

Ich lernte etwas über die alten Bäume in Blantyre,…

.. über die Beerdigungskultur derer, die sich es leisten können (liebe Grüße an R…!) …

… und lernte die Schule kennen, auf der die Kinder und Enkel von den Bs. waren.

Seit 17:30 Uhr ist es hier schon dunkel! Winterzeit halt, mit 29 Grad, morgen soll es regnen. Alles Liebe und Gute, Grüße nach Velbert und eine GUTE NACHT!


Samstag, 03.05.25

Liebe Freunde in Deutschland, wir heißen die neu hinzugestoßenen Mitreisenden auf unserer Missionreise durch Malawi herzlich an Bord willkommen.

Heute gab es zwei Schwerpunkte:

  • Besuch auf der Bibelschule „Berea“
  • Vorbereitungen für die Konferenz

Am Morgen waren wir bei Pastor M. und seiner Familie zum Frühstück eingeladen, wunderbare Früchte, Eier und Chips. „Mama Mo.“ brachte natürlich auch etwas zu essen mit…

Warum? Preise für Lebensmittel gehen extrem in die Höhe, fast täglich. So kosten 500 g Butter fast 21.000 MK (Malawianische Kwacha). Der Mindestlohn für einen Wächter wurde gerade angehoben: 116.000 Kwatscha (nicht am Tag, sondern im Monat).

So ist die Eigenversorgung der Bibelschule unabdingbar. Ein echtes „Bananenparadies“ auf „Berea“.

Und auf die neue, eigene Fischzucht ist Pastor M. besonders stolz.

Die Bibelschule würde auch nach Abgabe durch die VMI super weitergehen, hören wir heute von jemand, der selbst Dozent an einer anderen Einrichtung ist. „An dieser Stelle soll ein neuer großer Unterrichtssaal entstehen“, schwärmt S. und Pastor M. ist schon heiß, mit seinem Team die Steine zu produzieren. Läuft!

Ein paar Meter weiter ein trauriges Relikt des tragischen Autounfalls im Sommer 24: Das Wrack des Autos… ich poste davon kein Bild.

Am Nachmittag zählen wir die hochwertigen (!) Kleidungsstücke, die ich von „Jacke wie Hose“ mitnehmen durfte: 9 Anzüge, 3 Jackets, 3 Hosen, 13 Hemden, sogar Seidensticker ist dabei. Danke, Team JwH! Pastor Ph. (siehe Foto von gestern) ist ganz aus dem Häuschen, als ich ihm davon erzähle… 23 kg Kofferschleppen hat sich gelohnt!

So, Schluss für heute, morgen geht es nach Balaka und ich muss den Koffer wieder packen, denn nach Blantyre komme ich nicht mehr zurück, zumindestens nicht dieses Jahr… 😎


Sonntag, 04.05.25

Guten Abend aus Malawi,

heute bin ich so richtig tief in die afrikanische Kultur eingetaucht. Wir sind etwa 150 km nördlich von Blantyre und allein das Fahren durch das Land ist voll von intensiven Eindrücken. Auf der einen Seite Armut und ein Kampf ums Überleben, auf der anderen Seite reiht sich hier oft Gemeinde an Gemeinde – verschiedenster Denominationen.

In Balaka haben wir heute das Kirchendach eingeweiht, das u.a. mit unserer Hilfe gebaut worden ist. Es ist beeindruckend, welche Wertschätzung und Dankbarkeit S. und Mo. hier entgegengebracht wird, ihre Arbeit macht auch heute noch einen Unterschied!

Der Gottesdienst dauerte vier (!) Stunden, es waren rund 15 Gesangsgruppen beteiligt, tolle Beiträge, fast jeder mit Tanz! Ich habe über die Kraft des Wortes Gottes gepredigt, S. hatte das Weihegebet! Anschließend gab es Maisbrei (hmmh!), Reis und Hühnchen beim Pastor im Wohnzimmer (für uns). Ich fühle mich bei den Afrikanern pudelwohl!

Jetzt sind wir im Gästehaus des Kinderdorfs https://mcherezo.africa/ und zwar hier: https://maps.app.goo.gl/hLV6FNpEBVGJ4NxY8?g_st=ic . Hier wurden wir von den Missionaren G. und E. superherzlich willkommen geheißen und bewirtet. Ich löffele gerne die Maracujas (passion fruit). Ich durfte auch ihr Haustier mal auf den Arm nehmen… 🙂

Hier – kommentarlos – einfach ein paar Bilder von heute. Ein richtig schöner Tag.


Montag, 05.05.25

Abendliche Grüße aus Malawi,

heute hat hier in Ntcheu das *National Leaders Forum* der Apostolic Faith Mission begonnen. Morgen ist mein erster Einsatz als Sprecher.

Heute haben wir den Tag für ausführliche Gespräche mit den Missionaren hier vor Ort, einer Führung durch das Kinderdorf gemeinsam mit der Gästegruppe und für Vorbereitungen genutzt. Dabei bekommt man die alltäglichen „Herausforderungen“ in so einer Einrichtung live und in Farbe mit: Ob es der Sturz eines Kindes mit schweren Zahnschäden (Fahrt zum drei Autostunden entfernten Zahnchirurgen) ist, die nicht erhältlichen oder mega-verteuerten Lebensmittel sind, die in der Kinderdorf-eigenen Farm gestürzte Kuh (sie muss wohl morgen notgeschlachtet werden) ist oder es die sieben einwöchigen Welpen der Schäferhündin unserer Gastgeber sind. In der Gästegruppe von Jugendlichen, mit denen ich unter einem Dach übernachte, grassiert „Magen-Darm“ in „Höchstform“. Beten ist auf jeden Fall gut, Desinfektionsmittel auch…

Wir gehen durch die Kinderhäuser, die Schlafräume, den Kindergarten, die Schule mit einigen Klassentrakten, die Schneiderei, die Bäckerei, die professionell ausgestattete Schreinerei mit Lehrwerkstatt, die Fleischerei, die Farm, das Maislager. Wow! Was hier von den russlanddeutschen Geschwistern aus D aufgebaut worden ist, ist vorbildlich! „Aber auch viel Arbeit für die Missionare“, stellt S. lapidar fest!

Was aber wichtiger ist: Gott legt großen Segen auf diese Arbeit, die in fünf Locations geschieht. Davon hören wir während der Führung etliche Berichte. Klasse. Hier wird Kindern ein geistliches und praktisches Lebensfundament gegeben. Vor einem Kinderhaus liegen mehrere Matratzen zum Trocknen aus. „Viele traumatisierte Kinder sind Bettnässer, oft viele Jahre lang“, erklärt uns G., der Geschäftsführer der Kinderdörfer, der uns herumführt. Das bewegt…

In der Küche ist starke (weibliche) Muskelkraft für den Maisbrei erforderlich, Fitness-Studio pur. 🙂 . Nachmittags muss ich mir beim Vorbereiten im Freien eine weitere Jacke zu meinem Sweater anziehen. Das hätte ich hier in Afrika nun wirklich nicht erwartet. Und dann kommen die Moskitos. Ich will meine Malaria-Prophylaxe nicht unbedingt herausfordern, also rein ins Haus.

Gerade kommt G. zurück. Ich sitze bei der Leiterfamilie noch im Wohnzimmer, da im Gästehaus „High-Live in Dosen“ ist, die Jahres-Freiwilligen aus D und die Jugendlichen der Gästegruppe spielen noch. Und G. klappt seinen Computer auf, den ich bald zuklappen will…

Gute Nacht nach Deutschland – und danke für dein Interesse!

Frank


Dienstag, 06.05.25

Ich schreibe diese Zeilen am späten Dienstagabend. Wann sie bei euch ankommen werden, kann ich nicht genau sagen, denn gerade geht das Internet nicht. Wir hatten Stromausfall für mehrere Stunden, so dass selbst die Toilettenspülung nicht geht, denn das Wasser wird auf den Wasserturm hinaufgepumpt. Ohne Strom geht da nichts…

Wie lange der Strom denn normal wegbleibt, will ich von E. beim Abendessen wissen, auch im Hinblick auf meine Lehrunterlagen, die ich fast ausschließlich digital dabei habe. „Unterschiedlich, das kann schon länger dauern, aber meistens ist er schnell wieder da!“

Als der Strom wieder da ist, sind alle anderen im Gästehaus schon ins Bett gegangen und ich habe schon mal etwas „vorgeschlafen“. Als ich aus dem Bad zurückkomme, riecht es im Gemeinschaftsraum so merkwürdig verbrannt. „Ich muss doch mal in der Küche nachschauen…“ Ja, klar, drei Herdplatten sind beim Kochen der Gästegruppe beim Stromausfall ausgefallen (und angeblieben) und glühen nun, mit Pfanne und gut gefülltem Reistopf drauf, munter vor sich hin, während die Gruppe schlafen gegangen ist. Das erzeugt durchaus Duft. Wie gut, dass… Kleiner Schreck am Abend.

Dem gestürzten Kind mit den Zahnschäden geht es übrigens wieder gut, ich treffe es heute spielend mit den anderen Kindern, während die Freiwilligendienstler zusammen mit der Gästegruppe Beton mischen für eine Erweiterung beim Kindergarten! Mischmaschine? 100% Qualitäts-Handarbeit…

Heute habe ich am Vormittag und am Nachmittag jeweils 2,5 Stunden Teachings bei den Pastoren. „National-Leadership-Forum“ nennen sie das Meeting. Über 100 werden insgesamt erwartet, sie kommen so nach und nach an. Unter dem Generalthema „Leiterschaft“ spreche ich heute über „Visionary Leadership“. Ein besonderes Anliegen ist es mir, neben einer klaren biblischen Grundlage auch immer wieder praktische Beispiele aus dem Gemeindealltag einzubringen. Irgendwie kommt das an, sie gehen stark und begeistert mit und geben sehr gutes Feedback. Pastor M. übersetzt für mich. Genial, er wirkt quasi wie ein „Predigtbeschleuniger“, ich kann damit gar nicht umgehen, wenn Übersetzer mich „ausbremsen“, wie schon oft erlebt. Dabei erweist es sich als großer Segen, dass wir uns u.a. durch seinen Aufenthalt bei uns in D schon etwas näher kennen.

Nach Maisbrei und Hühnchen für alle beim Mittagessen ist die Session nach dem Mittagessen nicht ganz so enthusiastisch bei den Zuhörern – aber das ist ja kein typisch afrikanisches Phänomen… 🙂 . Allerdings gibt es beim Essen nur Löffel zum Auffüllen. Also esse auch ich den Maisbrei, die Soße und das Gemüse so wie alle es hier tun: mit den Fingern. Vor Beginn des Essens kniet sich dazu eine liebe Schwester vor dem Gast nieder, hält eine Schüssel und übergießt die Hände mit Wasser. Und die Tasche darf ich nicht selbst in den Versammlungssaal tragen, das wäre zu schwer für den Gast, der dann auch als Erster am Ende den Saal verlässt, erst dann dürfen die anderen. So gibt es manch kulturell gewöhnungsbedürftigen Punkt, wo man sich schnell mal „daneben“ verhalten kann.

Aber dieses „stretching“ liebe ich an solchen Reisen. Man weiß vorher nie genau, was passiert. Und das ist gut so.

Auf der Fahrt zum Quartier machen Mo. und ich noch ein paar schöne Landschaftsfotos, während S. geduldig auf uns wartet. „Immer den Blick auf der Straße“, wiederholt er, wenn das, was wir heute erleben, überhaupt den Begriff „Straße“ verdient hat: „Landschaft von tiefen Wasser-Abflussrinnen“ würde besser passen, denke ich! Und das alte Auto, seit Jahrzehnten im Dienst der Bs., macht es immer noch mit! Das ist Segen!


Mittwoch, 07.05.25

Die Nachricht des Abends ist, dass wir heute KEINEN (!) Stromausfall hatten, so kann ich meine Nachricht in aller Ruhe schreiben. Allerdings gibt es heute nicht so viel Neues zu berichten, denn der Tag verlief sehr ähnlich wie gestern. Ich hatte heute ein anderes Sakko an, aber Mo. hat kein weiteres Foto gemacht… 🙁 und es waren heute wieder fünf Stunden teachings meinerseits, mittags zur Abwechslung Maisbrei (!), der schmeckt mir WIRKLICH gut!

Einige von euch hatten mir im Vorfeld gesagt, dass ich sehr spezifisch hier in die Situation (der AFM) in Malawi hineinsprechen können werde. Genau das geschieht hier gerade, ich staune nur. Das bekomme ich immer wieder in den zahlreichen Feedbacks gespiegelt, die mir vielfach gegeben werden.

Außerdem fordere ich die Pastoren auf, sich immer wieder zu zweit zu Reflexion zusammenzusetzen. Zunächst war das für sie etwas herausfordernd, aber es klappt immer besser. Heute sollten sie „Testamonies“ (Zeugnisse) von dieser Zeit geben, es war höchst interessant, was da öffentlich gesagt wurde. So fühle ich mich hier für diese Woche „genau am richtigen Platz“, „pudelwohl“ wäre vielleicht übertrieben, aber so ungefähr.

Thematisch ging es heute um Empowerment Leadership, oder praktisch darum, wie man als Leiter Freiräume in der Gemeinde schafft, in denen sich Mitarbeiter und Teams entfalten können. Als ich über die „Gemeinde als One-Man-Show“ sprach, „erweiterte“ mein Übersetzer meine Ausführungen, was zu heftigem Gelächter führte. Ich musste also nachfragen, weil seine Rede ungleich länger dauerte. Verschmitzt antwortete er, er hätte hinzugefügt, so etwas würde man in Malawi überhaupt nicht kennen. Soso. Nachmittags starteten wir mit einer Betrachtung über den Dienst der Frau in der Gemeinde. Auch hier befindet sich die Bewegung in einer Entwicklung. Morgen geht es darin nochmal weiter, bevor wir uns dem Bereich „Spiritfilled and prophetic leadership“ zuwenden werden.

Nach meinen Sessions war Pastor M. mit dem Thema „Mindset change“ als Sprecher dran. Ihr habt ihn ja schon auf dem einen oder anderen Foto gesehen, er war ja in Velbert. Er hat hier eine „Hammer-Predigt“ abgeliefert – welch ein großartiges Potential hat er! U.a. hat er auch darüber gesprochen, wie sehr der Aufenthalt in D seinen Horizont erweitert hat!

*Und sonst?* Der eingeklebte Zahn beim gestürzten Kind ist leider wieder herausgebrochen – und so musste man mit ihm wieder nach Blantyre zum Zahnarzt. Zwei dreistündige „Weltreisen“. Den Jugendlichen mit Magen-Darm geht es besser, die „Brand-Bratpfanne“ von gestern eignet sich noch zum Wegwerfen, die Betonfläche ist nicht ganz glatt geworden (war schon zu dunkel), der Kuh geht es nach wie vor schlecht, die Hundebabys entwickeln sich prächtig, die Moskitos sind nicht so aktiv, weil es zu kalt draußen ist, meine Zimmergenossen (Termiten) und ich leben in friedlicher Koexistenz, das Duschwasser war heute morgen einigermaßen warm – und Klopapier war auch wieder da.

Also alles bestens – hier kann man gut leben! 🙂

Gute Nacht, liebe Mitreisende.


Donnerstag, 08.05.25

Guten Abend aus Malawi. Am letzten Donnerstag habe ich einen Brief an einen Pastor in Wuppertal-Varresbeck eingesteckt. Heute kam er schon an. Tatsächlich! Neeein, ich habe ihn nicht in Malawi eingesteckt, sondern in Wuppertal-Vohwinkel am Bahnhof, vor meiner Abreise. Wow! Das ist Deutschland 2025!

Dafür habe ich heute hier „Airtel-Money“ kennengelernt. Was das ist? Ha’m wir bei uns auch nicht, kenne ich jedenfalls nicht, oder noch nicht? Man kann ganz einfach von Handy zu Handy Geld senden – und das im tiefsten Busch… Das ist Afrika 2025!

Anlass ist der kleine Shop, wo man „AFM-Stoff“ zum Herstellen eigener Kleider kaufen kann. Viele der Frauen nehmen das als Wickelrock, sie lieben diese bunten Stoffe. Nein, Petra würde so einen bunten Wickelrock niemals tragen, deswegen entscheide ich mich gegen einen Geschenkkauf, auch wenn ich den Händler gerne unterstützen würde. Natürlich muss ich gleich mit aufs Foto kommen. Und der junge Händler macht gleich geschwind mit meinem Handy ein Selfie, auf dem er auch ist. Das ist globale Welt 2025, auch in Afrika braucht man die Bedienung eines Handys nicht erklären – und gefühlt hat jeder eins.

Und „Mama Mo. “ darf ich gleich mit Mama Ph., der Frau des Präses hier, ablichten – der schöne „Muttertagsrock“ (siehe Aufdruck) darf nicht fehlen. „Our dear spiritual parents B.“ werden in jedem Gottesdienst erwähnt, da geht kein Weg dran vorbei. Und der „Ehrengast Pastor Frank“. Ich habe ihnen erlaubt mich so zu nennen, obwohl auch das eigentlich ein NoGo ist, aber mit meinem Nachnamen tun sie sich schwer – verständlich.

Ich bin heute sehr traurig, dass ich meinen schönen neuen AFM-Schlips beim Essen bekleckere. „Mama Mo. “ hat sich gleich gekümmert, bis zum Abend ist sie noch nicht wirklich erfolgreich, den Fleck rauszubekommen. Ja, der Reis ist ein wenig fettig. Essen für Anfänger.

Jedenfalls habe ich am Nachmittag ohne Schlips gepredigt, was hier eigentlich für einen Prediger ein noch größeres kulturelles NoGo ist. Aber über Veränderungen haben wir in diesen Tagen viel gesprochen. Ich kann die Pastoren richtig herausfordern. Was ist Bibel? Was ist „fromme Kultur“? Oft gibt es viel Gelächter, was bei einer Übersetzung in der Regel nicht so oft passiert. So ist irgendwie ein schönes Verhältnis zu den Leuten entstanden, auch wenn ich viele vor mir sitzen habe. Die Dienste machen sehr viel Freude – und es gibt wieder viel Dankbarkeit und Response.

In der Pause darf ich den Kindergarten der Gemeinde besichtigen. Wie viele Kinder sie denn in der Gruppe hätte, will ich von der Erzieherin wissen. Über vierzig, zwischen einem halben Jahr und… (die Grenze nach oben habe ich vergessen). Dieser Kindergarten ist in der ehem. Kirche untergebracht – wesentlich besser als der, den ich im vergangenen Jahr sah: eine unverputzte Garage mit Sandboden, voll mit auf dem Boden sitzenden Kindern.

Afrika ist halt krass. Ob ich auf einem Motorrad-Taxi mitfahren will? Nein, danke. Diese „sausen“ auf den Schlaglochpisten immer an uns vorbei, oft hochbeladen oder mit vier (!) Personen besetzt. Effektives Afrika!

Die Frauen, die schweres Brennholz oder große Wassertonnen auf dem Kopf tragen, die Händler, die versuchen, ein paar Lebensmittel zu verkaufen und Geld machen wollen, die raketenhaft angestiegenen Preise – viele kämpfen einfach ums Überleben.

Und trotzdem lebt Gemeinde, wächst und blüht, kann einen Unterschied machen, sprüht vor Lebensfreude! Es ist in den Versammlungen eine Ausrichtung auf Neues, auf Veränderung zu spüren.

Wenn ich dazu meinen Teil beitragen kann, hat sich der Aufwand der Reise auf alle Fälle gelohnt.


Freitag, 09.05.25

Ein leises krksh-Geräusch, am Morgen, als ich mich auf mein Bett setze, um ein paar Dinge besser im Koffer zu verstauen, verheißt nichts Gutes: In der Tat, es ist meine Brille, auf die ich mich gerade gesetzt habe – ziemlich demoliert sieht sie aus. Schlecht, wenn man ohne Brille nicht mehr lesen kann, Alterstribut, sozusagen.

Intuitiv hatte ich noch mein Ersatzbrillen-Etui wenige Minuten vor der Abreise in Velbert eingepackt, man kann ja nie wissen. Da ich „historisch“ dasselbe Brillengestell mit verschiedenen Stärken gewählt hatte, kann ich am Abend in unserem neuen Quartier mit Zangen und Mikroschraubendrehern die Brille notdürftig mit Schrauben aus einer der anderen Brillen reparieren, etwas schief, aber es funktioniert…

Koffer wieder packen, Quartierwechsel. „Frank, wir wollen noch unbedingt ein Foto mit dir machen“, bestürmen mich die russlanddeutschen Jugendlichen bereits am Vorabend, mit denen ich die Tage zusammen im Gästehaus verbracht habe. Sie fahren heute in die Berge und haben den Geländewagen schon vollgepackt. Sie sollen in einer Zweigstelle des Kinderdorfes einen Arbeitseinsatz machen. Eine wirklich nette Gruppe. Es wird zu einer Last-Minute-Aktion, denn wir wollen rechtzeitig auf der Konferenz sein.

Von meinen Termiten-Zimmergenossen verabschiede ich mich gerne, schnell nach dem Frühstück noch ein Abschiedsfoto mit E., die uns liebevoll in den Tagen bewirtet hat, neben ihrem 4-Kinder-Mutterjob und was noch sonst alles so anfällt. Klasse.

Punkt 8 Uhr soll die Konferenz beginnen, hatte mich Pastor Ph.  am Abend vorher noch erinnert. Nach afrikanischer Lesart heißt das dann in der Praxis ungefähr 9 Uhr. Mo.  schlemmert zum zweiten Frühstück auf der Konferenz also genüsslich noch eine gebackene Süßkartoffel, während ich zuerst bei warmem Wasser mit Milch bleibe – aber dann kommt doch noch Tee.

Bibelschul-Absolvierungsfeier, Pastoren-Ordination, LKW-Übergabe (Spende über die VMI an die Bibelschule), mehrere Predigten, Danksagungen „ohne Ende“, immer und immer wieder – das ist malawianisches „Protokoll“.

Mama Mo.  hat meinen roten Schlips mit großer Mühe noch hinbekommen, so dass ich „fully equipped“ dabei sein kann. Zwölf Studenten von BEREA absolvieren, traditionelle Gewänder sind obligatorisch. „The first fruits of my ministry of leadership in the college“, ist Pastor M. begeistert. „Die Qualität der Arbeit hat nach unserem Ausscheiden sogar noch zugenommen“, freut sich S.. Und mit einer mega Predigt gibt er als „Spiritual Father“, wie er hier immer genannt wird, nochmal einen starken geistlichen Input. Petra sagt immer, ich würde anders predigen, wenn ich in einer internationalen Gemeinde bin. Aber S. predigt auch GANZ anders. Er hat eine „Fahrt“ drauf, die man in Velbert von ihm sonst nicht so oft erlebt – auch er schwimmt in seinem Element. Ich glaube, er wurde mit der „falschen“ Hautfarbe geboren.

Dann Pastorenordination, irgendwas zwischen 20 und 30 Pastoren werden ordiniert. Ganz selbstverständlich sind auch sieben Frauen dabei, was mich besonders freut, weil eines meiner Themen der „Dienst der Frau“ war. Ja, allen ist das Thema noch nicht so klar, aber die Bewegung geht Schritte. Sie gründen neue Gemeinden und bauen Reich Gottes hier im Land.

Dann sollen alle nach draußen gehen. Der kleine Truck für die Bibelschule wird offiziell übergeben. Auch hier wieder reichlich Dankesworte an die ungenannten Spender aus D.  S.  übergibt den Schlüssel an den Präses, dieser an Pastor M.  für die Bibelschule. Dann noch ein Segensgebet von S. . Die blauen Hemden und roten Schlipse sehen open air noch besser aus. Ja, man liebt hier halt Uniformen, von der Schule her gewohnt.

Ein toller, inspirierender, kurzweiliger Vormittag, an dem ich mehr aus dem Hintergrund mitwirke. Er mündet in etliche Gespräche mit Leitern und ein kleines Mittagessen. Toll, zur Abwechslung wieder „Nsima“ (Maisbrei), aber ich liebe ihn wirklich. Das Hühnchen, das scheinbar am Tag vorher zwischen uns beim Essen im Haus rumsprang (inklusiv Hinterlassenschaften) und auch vor dem Gottesdienstraum nicht haltmachte, ist echt „delicious“. Mein Magen und Darm, der zwischenzeitlich gewisse Unruheerscheinungen vermeldete, hat sich inzwischen auch wieder beruhigt und streitet sich nicht mit dem Hühnchen und dem gekochten Kohl. Nicht ganz so prickelnd sind die Unruheerscheinungen, wenn man predigen soll. Aber: Danke, Herr!

Bye, Bye, AFM-Konferenz, am Mittag geht es weiter nach Lilongwe. Ich gebe dem Präses noch respektvoll das blaue Hemd zurück, denn es spannt über meinem Bauch – und in D würde ich es sowieso nicht tragen. Irgendwie ist er froh darüber, denn er kann noch einen anderen Pastor vor Ort damit glücklich machen.

Es geht etwa drei Stunden weiter Richtung Norden. S. hat viel Übung beim teilweise riskanten Überholen und dem sensationellen Schlaglöcher-Slalom. Alle paar Kilometer gibt es eine Polizeikontrolle, ja sie schauen richtig genau hin. S. hat das blaue Hemd und den Schlips anbehalten, richtig, das wirkt in der Reaktion der Polizisten offiziell und irgendwie kleine Wunder.

Über Kilometer fahren wir auf der Grenzstraße, die genau zwischen Malawi und Mosambik verläuft. „Willst du Mosambik besuchen?“, fragt S. Natürlich will ich das. Auch wenn es nur wenige Schritte sind, ich habe ein Land mehr auf meiner persönlichen Länderliste… 🙂 Sogar grenzsteinfototechnisch dokumentiert. Überall am Straßenrand gibt es Verkaufsstände. Berge von Tomaten, Zwiebeln, Süß- und andere Kartoffeln, Kohl, Mais – es war eine gute Ernte. Aber es kann auch schnell wieder anders sein.

Als wir uns der Hauptstadt Lilongwe kurz vor Einbruch der Dunkelheit nähern, wo Mo. und S.  jahrelang gewohnt haben, ist Mo. ganz aus dem Häuschen. „Das gibt es doch nicht, was hier alles gebaut worden ist und was gebaut wird.“  Zwei Jahre waren sie nicht mehr hier.

S. findet unsere neuen Gastgeber ohne Google Maps, gefühlt „in the middle of nowhere (deutsch: Da, wo sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen.) J. begrüßt uns überaus herzlich, der aufmerksame Rottweiler der Gastgeber markiert unversehens den Koffer der Bs. „deutlich“, hier ist mein Gebiet…

Das Abendessen ist köstlich, europäisch, Ma. erzählt spannend von seinen ganzheitlich-missionarischen Landwirtschaftsprojekten. Tolle Aspekte, die er da zu berichten hat. Ja, gerne nehme ich noch einen Kaffee, dann kann ich diesen Bericht noch schreiben – und die köstlichen Passion-Fruits (Portugiesisch: Maracuja), die ich in den letzten Tagen schon zuhauf gelöffelt habe, wachsen hier „ohne Ende“ im Garten. „Bediene dich, fühl dich wie daheim“, motiviert mich J. mit Blick auf den vollen Obstkorb, der in Reichweite steht.

Enjoy Africa! Das lasse ich mir nicht zweimal sagen.

Aber jetzt: Sleep well!

P.S. Ich muss doch nochmal nach den Passion-Fruits schauen gehen, alle anderen schlafen schon.


Samstag, 10.05.25

Heute sind wir unterwegs zum Malawi-See. S. und Mo. wollen mir auch die schönen Seiten des Landes zeigen. Und so fahren wir durch wunderschöne Landschaften. Da wir am Ende der Regenzeit sind, ist vieles richtig schön grün. Malawi ist so unterschiedlich: Über Hochebenen und die Berge bis hinein in Sumpfgebiete – alles ist zu finden. Überall wird Mais geerntet, teilweise steht er noch grün auf den Feldern, teilweise sind die Pflanzen vertrocknet und man fragt sich, was da geerntet werden soll oder worden sein kann.

Der Ausflug wird zeitweilig eher zu einer Schlaglochvermeidungsfahrt. Besonders am Nachmittag, als uns die Sonne entgegensteht, kann man die Straße (und vor allem die Schlaglöcher) kaum übersehen. Rumms, leider wieder eines getroffen, obwohl S. sich alle Mühe gibt. Das arme Auto, Mo. auf der Rückbank leidet besonders mit…

Autos gibt es in Malawi mehr als genug, besonders hier in der Großstadt Lilongwe. So sind die Straßen belastet – repariert wird scheinbar kaum. Das Benzin ist billig, es kostet zwar nur umgerechnet etwa 60 Cent, je nachdem, zu welchem Kurs man das Geld tauschen kann. Aber aktuell gibt es kaum Benzin, so dass wir fast überall laaaaange Schlangen von Autos vor den Tankstellen sehen. Wie gut, dass wir gestern noch getankt haben, aber Diesel ist sowieso etwas entspannter, falls man denn überhaupt an die Tankstelle rankommt. Am Abend sind die Schlangen besonders schlimm.

Tagsüber können wir die Schönheit des Malawi-Sees ein wenig genießen. Allerdings ist der Wasserstand wesentlich höher als sonst – und so ist der Strand fast verschwunden und die Mauer des neuen Hotels direkt am Wasser schon wieder zerstört. „Hier können bis zu zwei Meter hohe Wellen sein“, erzählt Mo. .Trotzdem: toll und schön zum Genießen. Natürlich machen wir in der schönen Sonne ein paar Erinnerungsfotos.

Unterwegs erstehen wir noch typisch malawianische Körbe, zwei große Körbe zusammen für 2,25 EUR. Man kann es kaum fassen – und trotzdem freuen sich die Verkäufer wie Schneekönige, wenn sie ein Geschäft machen. Ich will daraus daheim eine „Korbampel“ mit Körben übereinander bauen, die ich schon aus dem letzten Jahr mitgebracht hatte. Mein Koffer wird zwar wieder „leicht ausgebeult“ sein, aber es geht. So jedenfalls meine Idee, mal sehen, ob es was wird.

Wenn man durchs Land fährt, ist man in einem Wechselbad der Gefühle. Entweder berührt einen die Armut, die man hier sieht, total und man überlegt, was man tun könnte – oder man stumpft ab. Gerne würde ich eine Foto-Tour durchs Land mit einer guten Kamera und einem guten Objektiv machen, um die Eindrücke festzuhalten. Geht leider nicht.

Und Gemeinden? In manchen Orten findest man viele Gemeinden, manchal nicht weit voneinander weg – manchmal auch lange Zeit kein! Eine unübersehbare Vielzahl von Gruppen, meistens größere Bewegungen, aber auch viele kleine, unabhängige Gemeinden. Konfessionskunde zum Anfassen, finde ich. Braucht es da Mission? Vielleicht nicht zur Evangelisation und Gemeindegründung, das kriegt man hier schon gut hin, aber eine Partnerschaft, wie es die aktuelle Vision der VMI für Malawi ist, die unterstützend in beide Richtungen wirkt, ist richtig gut. Ein Teil des Auftrags meiner Reise ist, diese Vision mit Leben zu füllen.

Aber man muss natürlich alle Eindrücke „verarbeiten“ – und allein das schlaucht. Ich habe einfach mal während der Autofahrt die Kamera mitlaufen lassen, so dass du einen kleinen Eindruck haben kannst, wie es ist, wenn man durch eine Stadt fährt. Und dann überlege ich, ob ich mein eBike wohl auch so beladen könnte, wie man es hier tut. Bergrauf muss man schieben, bergab mit Vollgas, aber aufpassen, dass nicht sonst was passiert. Und possieren für den weißen Fotografen tun fast alle gerne, besonders die Kinder – mit offener Hand: „How much?“ sind die einzigen englischen Worte, mit denen ein kleiner Kuhhirtenjunge uns bedrängt.

Abends besuchen wir R., die – aus der Schweiz kommend – hier mit traumatisierten Menschen geistlich arbeitet. Ein toller Dienst, den sie macht. Das Auto, das wir tagtäglich (durch die Schlaglöcher) fahren, gehörte ihr und ihrem Mann, der in der Entwicklungshilfe tätig war. Als dieser auf tragische Weise in Afghanistan ums Leben kam, wurde das Auto nicht mehr gebraucht – und R. überließ es den Bs.! Die Klimaanlage geht zwar nur noch mit „Fenster auf, Fenster zu“, aber sonst ist der Geländewagen top, obwohl schon ein echter Senior…

Vor dem Besuch bei R. zeigen die Bs. mir noch das Grundstück, wo sie „damals“ gewohnt und alles selbst gebaut und angebaut haben, da wird es ein wenig nostalgisch. Leider können wir nur die Mauer von außen anschauen, denn es hat inzwischen schon einen weiteren Nachfolgebesitzer, zu dem keine Beziehung mehr besteht. Aber ich spüre, am liebsten würden sie reingehen und gucken.

Durch die Dunkelheit tasten wir uns zu unserem Quartier zurück. Orientierung ist bei Dunkelheit hier echt schwierig. Zusätzlich kreuzen Menschen, Fahrräder und Ziegen immer wieder die Straße, was bei Dunkelheit besondere Schreckmomente erzeugt. Eine Adresse, wo wir wohnen, haben wir leider nicht, bei Tageslicht kein Problem, abends eine Herausforderung – selbst für S.  So setzte ich vor dem Schlafengehen noch einen Google-Position-Code in mein Handy.

Und bin gespannt, was am Sonntag auf mich und uns wartet!


Sonntag, 11.05.25

Heute sind wir zu Gast in einer der vielen Gemeinden der Apostolic Faith Mission in Lilongwe, der Hauptstadt von Malawi, für S. sozusagen ein „Heimspiel“, denn er selbst hat diese Kirche vor vielen Jahren gebaut. Solide Arbeit, lieber S. ! Lilongwe ist mittlerweile eine Millionenstadt, eigentlich eine Flächenstadt mit entsprechenden Fahrzeiten, Wohnblocks gibt es hier so gut wie nicht. Die Stadt ist in „areas“ aufgeteilt, google ist gerade nicht erreichbar, so kann ich nicht prüfen, ob es unter 50 oder mehr sind – aber so etwa.

Das Willkommen durch Pastor M ist warm und herzlich, auch der Präses Ph. ist mit seiner Frau nach der Konferenz nach Lilongwe gekommen, etwa 330 km von Blantyre entfernt, um mit uns im Gottesdienst zu sein und am Montag mit uns gemeinsam noch eine weitere Gemeinde zu besuchen.

10 Minuten nach Beginn des Gottesdienstes fällt mitten im Lobpreis komplett der Strom aus, was die Gemeinde und das Team nicht im Singen stört, es geht nahtlos a cappella weiter. Das halbe Team singt, die anderen sorgen ratzfatz für Stromersatz. Der Generator wird rausgetragen, das Kabel mit dem Stromnetz verbunden, etliche Knöpfchen werden gedrückt – und sobald der Generator läuft, geht es wieder Vollgas mit elektronischer Unterstützung weiter. Darin haben die Übung, merke ich, aber es scheint niemanden wirklich zu stören.

Ich predige darüber, dass es wichtig ist, die Vision Gottes und den Auftrag Gottes für unser Leben nicht durch eigene Ausreden zu schwächen. Es ist einfach gut, hier zu sein und die verschiedenen Dienste tun zu können. Ich füge ein paar Bildeindrücke vom Gottesdienst bei. Mittags gibt es beim Pastor für die Gäste – na, rate mal: Maisbrei und Hühnchen! Das Hühnchen ist wieder delicious. Der Maisbrei sowieso.

An ihrer Umzäunungsmauer hat die AFM-Gemeinde von außen neben der Werbung für den Gottesdienst und die „Primary School“, die hier zu finden ist, eine Karte von Malawi. Auf den Fotos zeige ich euch, wo Lilongwe liegt – und einige andere Stationen unserer Reise.

Auf unserer Rücktour fahren wir durchs Regierungsviertel, schauen das Parlament, die Ministerien und das monumentale Grabmal des ersten Präsidenten MWs an, so nehme ich auch ein wenig Allgemeinbildung mit, indem ich die vier staatstragenden Werte Malawis lerne: Einheit, Loyalität, Disziplin und Gehorsam.

Da wir ganz in der Nähe des ehemaliven Missionshauses sind, was die Bs. damals gebaut und 21 Jahre darin gewohnt hatten, halten wir da nochmal zu einem Erinnerungsfoto! Die Mall, die wir noch kurz aufsuchen, um Geburtstagsgeschenke (Plural) für einen 80-jährigen Pastor zu kaufen (Mo. ist da echt fürsorglich), hat auch am Sonntag auf. Von zwei großen Supermärkten in der Mall ist einer „pleite“, wie viele andere Geschäfte auch. Der andere hat auch am Sonntag auf. Weißen Zucker gibt es überhaupt nicht, braunen nur ganz wenig. Ich studiere ein wenig die Preise: 2 kg Maismehl 20.000 MK, eine Palette Eier: 14.000, 350 g glutenfreie Nudeln: 11.000 – wie gesagt, bei einem Mindestlohn von etwas über 100.000 MK im Monat.

An ganz wenigen Tankstellen (von unzähligen) gibt es Benzin und die Schlangen dort sind noch länger als gestern. Wir sind „gesegnet“, denn Diesel gibt es überall – einmal volltanken bitte, aber schön langsam, dass auch alle Luft rausgeht und der Tank schön voll wird, betont S. gegenüber dem Tankwart. (Ach, die jüngeren unter meinen Lesern wissen nicht mehr, was das ist? Das gab es auch mal in D!)

Pluto, der zweite Hund des Hauses, begrüßt uns bei unserer Rückkehr freudig, er kennt uns schon. Auf dem Weg ins Haus sammele ich noch einige Passionfruits vom Boden auf, die hier im Garten gefühlt wie Unkraut wachsen. Petra hat mir ein Foto geschickt aus der CGV mit dem wertschätzenden Blumenstrauß und der Karte, die sie heute zum „MothersDay“ von den CGV-Frauen bekommen hat. Wow. Das berührt mich sehr. Danke euch, ihr seid spitze!

Die Zeit vergeht wie im Flug, aaah, ich muss noch für den Rückflug am Dienstag einchecken. Abends sitzen wir noch mit unseren Gastgebern zusammen und tauschen sehr intensiv über den Umgang mit der Not in diesem Land (und überhaupt) aus. Und welche Rolle der Glaube dabei spielt. Das inspiriert und macht nachdenklich zugleich. „Du willst doch bestimmt noch deinen Bericht schreiben“, sagt unsere Gastgeberin.

Ja, das will ich. Und nicht zu spät zu Bett gehen, denn draußen ist es jetzt schon seit mehr als drei Stunden dunkel – und morgen sind wir wieder ganz früh unterwegs, um eine Gemeinde im Dreieck Mosambik / Zambia / Malawi zu besuchen.

Aber davon morgen mehr. Gute Nacht!


Montag, 12.05.25

Der vorletzte Tag in MW war nochmal so richtig spannend und erlebnisreich. Heute Nachmittag bin ich hier so richtig „beschis…“ worden, nicht gerade angenehm! Aber alles hübsch der Reihe nach.

Schon früh am Morgen treffen wir uns mit Präses Ph., um uns auf den Weg in den Busch zu machen, etwa zwei Stunden Fahrt, davon 12 km über Buschpiste mit allertiefsten Furchen und Schlaglöchern. Auf der Hauptstraße legt der liebe S. wieder etliche Schlagloch-Slalom-Aktionen in Meisterleistung hin.

Es geht mitten in den Busch, leider kann ich mir den Namen des Dorfes nicht merken. Was uns dort wohl erwarten würde? Wir jedenfalls würden dort erwartet werden, sagt der Präses.

Unterwegs an der Hauptstraße über 80 km (!) etwa alle 500 Meter ein bis drei Polizisten. Keineswegs, um unsere Reise zu eskortieren. Nein, der Präsident hat sich angesagt, um auf den nationalen Krankenschwesterntag zu kommen und dort auf einer Kundgebung zu sprechen. Damit er mit einem Konvoi von gewöhnlich etwa 40 Autos „freie Fahrt“ hat, wird dann – wenn er kommt – der komplette Verkehr für geraume Zeit angehalten. Uns trifft es nicht, aber unseren Gastgeber.

Unterwegs nehmen wir noch den Pastor Regionalleiter mit an Bord, ebenso werden unabgesprochen schwere Säcke „an Bord geladen“, die noch „mitreisen“ sollen. S. ist „not amused“, weil er weiß, welche Straßen auf uns warten. Sechs Personen sind wir schon.

„Das ist unsere Taufstelle“, sagt der Regionalleiter und weist auf einen kleinen See, eher ein Schlammloch. Die Spuren der Kuhhufen sind unübersehbar. Kräftig durchgeschüttelt kommen wir endlich am Zielort, irgendwo mitten im Busch, an. Am Montagmorgen treffen wir eine ziemlich große Gemeinde an, die schon singt und auf uns wartet. Wie versprochen.

Predigt, Grußworte, Gebet für die Gemeinde – und die riesengroße Kinderschar. S. ist angefragt, ob er Gelder für Zement für den Fußboden zur Verfügung stellen könne. Sein Herz ist berührt von dem, was er sieht – und er ist vorbereitet, der Gemeinde zu helfen. „Man muss sich wirklich leiten lassen, wir können nicht auf jede Bitte eingehen“, erklärt er. Aber das, was die Gemeinde hier selbst geleistet und investiert hat (ein Dach gibt es hier schon…), bewegt ihn zu helfen. Mich spontan auch.

Zum Ende des Gottesdienstes wird eine Decke ausgebreitet und die Gemeinde hat ein paar „Naturalien“ als Gaben für die Besucher, also uns, mitgebracht. Erdnüsse, Zuckerrohr, Süßkartoffeln, Mais – und zwei lebendige Hühner. Geben ist immer ein Segen, egal wie viel man hat oder nicht hat.

Dann besuche ich noch die „Nursery School“, so was wie ein „Ein-Raum-Kindergarten“. Viele Gemeinden haben so etwas, die 61 Kinder sind über meinen Besuch begeistert..

Ohne Mittagessen dürfen wir nicht gehen, „lehnt das bitte nicht ab“, sagt der Regionalleiter. Machen wir auch nicht. Und so gibt es bereits um 11:15 Uhr – na, du weißt schon, wenn du meine Berichte aufmerksam gelesen hast. Richtig: Nsima und Chicken.

Mit großem Tralalala werden wir etwas später verabschiedet, inzwischen hat es aber mehrere wolkenbruchartige Regenfälle gegeben, die die Straße leicht „vermatscht“ haben. Alle Geschenke werden in unser Auto geladen. Und die Hühner? Die dürfen natürlich auch mitreisen. Ihre Beine sind zusammengebunden, damit sie nicht durchs ganze Auto springen können. Das erzeugt hier kein großes Aufsehen.

Dann etliche Kilometer zurück Richtung Lilongwe. Der Präsident ist immer noch bei seiner Kundgebung, die Polizisten schieben immer noch Wache.

Unsere nächste Station: Waliranji, ein kleiner Marktort auf dem Weg Richtung Lilongwe. Hier wohnt Bishop H.  Er ist ein echter Vater im Glauben und S. hatte ihn vor über 40 Jahren nach Ntcheu, gebracht, wo wir die Konferenz hatten. Wesentliche Teile dieser Gemeinde (auch des Hauses) sind ihm zu verdanken. Mo. erzählt von dessen persönlichen Gebetswochen, die er immer auf dem Berg hinter dem Ort gemacht hat. Das hat viel an geistlichem Fundament gelegt. Wir gratulieren zu seinem 80. Geburtstag, überbringen kleine Geschenke, Segensworte und Gebete. „Kannst du bitte eine Botschaft für die Christen in Deutschland auf Video aufnehmen?“, fragt er mich. Na klar. Da diese etwas länger (und die Datei damit größer ist), poste ich sie hier nicht. Ich leite sie dir gerne auf Anfrage weiter. Schreib mir einfach.

Auch hier kommen wir natürlich nicht ohne Essen weg, es ist so gegen 14 Uhr, als es an diesem Tag zum zweiten Mal Mittagessen gibt, du darfst wieder raten… Richtig geraten. Diesmal ist noch ein wenig Salat dabei, alles liebevoll gemacht. „Wir sind bei Familie H., wenn wir früher bei ihnen vorbeikamen, nie ohne Essen weggekommen“, kommentiert Mo. die Gastfreundschaft. Auch das ist Afrika.

Bis wir die Rückreise antreten können, haben wir noch für die älteste Tochter der Hs. gebetet, die an verschiedenen Erkrankungen leidet und infolge dessen nicht gehen kann, sondern sich über den Boden robbend und schiebend im Raum bewegt. Das lässt einen mitleiden. Wir sehen noch ein Video von He., dem drittältesten Sohn, der als Evangelist auf den Dörfern unterwegs ist und dort Tausende erreicht. Mutig. Sein jüngster Bruder (das siebente Kind der Hs.) stellt uns sein Buch (die Biografie seiner Eltern) vor, das er gerade aufgelegt hat – und macht noch haufenweise Fotos zur Erinnerung. Er ist der Kreative.

Weiter geht es zurück nach Lilongwe. Die Polizisten sind immer noch da, die staatliche Personalplanung nimmt hier scheinbar keine Rücksicht, wie effektiv deren Einsatz ist. Den Präses setzen wir kurz vor unserem Haus an einem Treffpunkt ab. Er wird von einem anderen Pastor mit dem Auto der AFM abgeholt. Also müssen wir alle Säcke und Geschenke in das andere AFM-Auto umladen, damit sie mit nach Blantyre kommen. „We will share it with you“, erklärt Mo. weitsichtig, denn sie sind nach meiner Abreise auch nicht mehr so lange da, um alles aufessen zu können.

Ich will noch ein Video von den Hühnern für meine Enkel machen. Solche transkulturelle Erfahrung hat man ja in der Tat nicht jeden Tag. Nein, die Hühner sind wirklich die ganze Fahrt über artig und haben aus Respekt unser Auto nicht beka..t. Als ich das Huhn aus dem Auto und dann „liebevoll“ auf den Arm nehme, ist es wohl doch etwas schockiert, vermutlich hat es noch keinen Weißen gesehen. Meine Mitreisenden schreien auf, aber da ist es schon passiert. Volltreffer auf Sweat-Shirt und Hose. Der Präses selbst legt Hand an, um das zu beseitigen, was das Huhn angerichtet hat. Ich hätte es mir ja auch denken können…

„How I would have loved you to stay back“, schreibt mir Pastor M., der Bibelschulleiter, während ich diesen Bericht schreibe. Ja, es war wirklich eine außergewöhnliche Zeit, die ich hier hatte. Und berichtet habe ich auch gerne.

Morgen ist der Rückflug angesagt – Check-in ist schon per Internet erledigt – und es gibt nochmal einen letzten Bericht. „Was soll ich nächste Woche abends bloß lesen“, schreibt mir gestern C. aus Augsburg. Ich bin mir sicher, dass ihr als vielfache Oma nicht langweilig werden wird.

Gute Nacht.
Frank


Dienstag / Mittwoch, 13./14.05.25* (Epilog)

Mittwochmorgen: Welch eine tolle Reise geht zu Ende. Ich sitze im ICE von Frankfurt nach Köln, 289 km/h erreicht er in Spitze, und so werde ich es nicht schaffen, diese Zeilen bis Köln fertigzustellen. Zu schnell ist die Bahn.

Der Dienstag ist noch einmal ein spannender Tag. Mt. schreibt mir am Morgen, dass ich „gesegnete Begegnungen“ haben werde, eigentlich ist nicht mehr viel geplant, aber man weiß ja nie.

Der Abschied bei J. und Ma. ist sehr herzlich, sehr liebe Leute, bei denen wir sein konnten. J. lässt noch extra für mich Ingwer und Kurkuma im Garten ausbuddeln, damit ich sehen könnte, wie die Wurzeln und die dazugehörige Pflanze aussehen. Nein, nicht mitnehmen, nur anschauen. Und Sandwiches müsste ich unbedingt mitnehmen, bis ich auf dem Flieger wieder was zu essen bekommen würde…

Auf dem Weg zum Flughafen möchte S. noch ein Meeting bei den „Assemblies of God“ wahrnehmen, da die Bibelschule eine Kooperation in Sachen BA-Programm bräuchte. Das Gelände der Assemblies of God ist beeindruckend. Als wir vor (ebenfalls) J’s Büro warten, die das Thema betreut, kommt Jm. aus der Tür heraus, an der „Deputy President“ steht. Er kommt freundlich auf uns zu und wir kommen miteinander ins Gespräch. Er hat in Malawi quasi die Rolle, die ich einige Jahre im BFP hatte. Die Begegnung ist gegenseitig äußerst inspirierend. Ich berichte von unserer Entwicklung in Deutschland, er von den AoG in Malawi, die von 50.000 Mitgliedern und etwa 150 Gemeinden in den 1980er Jahren auf derzeit 3000 Gemeinden mit über 750.000 Mitgliedern gewachsen ist. Er erzählt mir von ihrem 1:1:1:1 – Programm, aber darüber werde ich an anderer Stelle berichten.

Mit einer kleinen Gebetszeit verabschiede ich mich von den Bs. am Flughafen in Lilongwe. In der Warteschlange und im Bus zum Flugzeug komme ich mit mehreren Kanadiern ins Gespräch, die in Malawi evangelisiert und Bibel verteilt haben, sie sind zu zwölft unterwegs. Ge., ein junger Mann, leitet das Team und obwohl wir nur wenig Zeit haben, ist das Gespräch höchst intensiv. Ob sie nicht He., dem Evangelisten, den ich getroffen habe, Bibeln zur Verfügung stellen können, will ich wissen, denn das ist die Stärke ihrer Organisation. Ich hoffe, dass ich den Kontakt irgendwie herstellen kann. In Addis treffen wir uns vor der Security nochmal und können uns noch Segen zusprechen. Wiedersehen werden wir uns vermutlich nie, aber welche Ermutigung liegt in der kurzen Begegnung.

„Devine appointments“ (Himmlische Verabredungen) – wie oft habe ich das auf Reisen schon erlebt. Im Flieger sitze ich zuerst neben einem Mann aus Indien, dann neben einer Frau aus Berlin. Bei solchen Gelegenheiten versuche ich in der Regel, über Jesus ins Gespräch zu kommen. Der Inder ist überhaupt nicht offen für Kommunikation, mit der Frau aus Berlin komme ich über eine gewisse Tiefe nicht hinaus. Und „zudröhnen“ will ich auch niemand. Schade, oft geht es so einfach.

Beim Security-Durchwühlen des Handgepäcks werde ich unfreundlich gefragt, was ich denn in Malawi gemacht hätte, der Mann vor mir wird gefragt, warum er denn so viel Geld im Handgepäck bräuchte: „For lunch“, ist seine lapidare Antwort – und er kann weitergehen. Insgesamt wird man aber hier sehr freundlich behandelt, aber doppelt und dreifach kontrolliert. Immer wieder den Pass vorzeigen, bei der Einreise war das noch schlimmer.

Bei der Zwischenlandung in Addis bin ich ein wenig eingeschlafen. Der Flieger setzt sehr hart und rumpelnd auf, so dass ich hochschrecke. Im ersten Moment denke ich, S. hätte mit dem Auto ein Schlagloch übersehen – aber in Malawi bin ja wirklich nicht mehr, nur noch in den Träumen.

Dann beginnt auf dem Flughafen die Suche nach Strom, Computer und Handy aufladen, denn im Flieger kann man gut am Computer arbeiten – solange der Vordermann seinen Sitz nicht nach hinten neigt… Die meisten Steckdosen gehen nicht, das nächste Mal muss ich mir einen Adapter für britische Steckdosen zulegen, dann halten die deutschen Stecker mindestens.

Das Essen bei „Ethiopian Air“ ist eigentlich immer gut – und reichlich. Auf dem Flug von Addis nach Frankfurt gibt es sogar Abendessen und Frühstück. Nur die Ansagen des Kapitäns kann man dank des schweren Akzents kaum verstehen. Und die Koffer kommen meistens zuverlässig mit, so auch diesmal. Thanks. Der Missionsdirektor hat das schon ganz anders erlebt.

Um 7:23 Uhr bin ich am Gleis 7 des Flughafenbahnhofs in Frankfurt, die weiten Wege dort tun meinem Schrittzähler gut. Zwei Minuten später fährt der ICE nach Essen ein, der um 8:14 Uhr in Köln sein soll, zwischenzeitlich geht die Prognose auf 8:11 hoch, am Schluss wird es dann doch 8:23 Uhr, so dass der Anschluss wieder mal knapp wird. Ich muss mich etwas beeilen, zweimal wird mir angeboten, dass man mir einen meiner beiden Koffer tragen will. Sehr gut. Ich bin beruhigt, die DB ist doch immer noch zuverlässig verspätet – und der Anschlusszug auch. Alles beim Alten in good old Germany, ich hatte mir schon Sorgen gemacht… Dafür ist es hier heute wärmer als in Afrika. Unfassbar.

9:01 Uhr: Gleich bin ich in Wuppertal. Zeit, um ein kurzes Fazit der Reise zu ziehen. Spontan, noch nicht tiefer reflektiert, nenne ich:

  • Wie gut geht es uns in Deutschland! Ich sollte dankbarer sein!
  • Die Qualität von geistlichem Leben und innerer Zufriedenheit ist nicht von unseren (positiven oder nicht so positiven) Lebensumständen abhängig.
  • Mission ist in Veränderung. Wir brauchen Partnerschaft in beide Richtungen. Ich habe selbst viele Impulse während der Reise aufnehmen können. Ich bin in jeder Hinsicht reich beschenkt worden, nicht nur mit lebendigen Hühnern.
  • Die Investition, Ps. M. im vergangenen Jahr hier nach D zu holen, hat sich auf jeden Fall gelohnt. Er kann die Bibelschule dort jetzt mit einer weiteren Sicht ausbauen, die in MW unbedingt erforderlich ist. (Sorry, nicht alle Mitreisenden wissen, was ich damit meine, es ist nur für die Reisenden aus Velbert.)
  • Mit wenig Aufwand können wir viel Gutes tun, aber es geht um viel mehr als äußere Hilfe.
  • Gottes (geistliche) Versorgung und Impulse, um diese weiterzugeben, war voll und in großer Leichtigkeit da, dafür bin ich voll dankbar. Genau, wie ich es vor Reisebeginn geträumt hatte.
  • Wie gut ist es, Beter im Hintergrund zu haben.

Auch wenn es etwas Zeit gekostet hat, diese Berichte für euch zu schreiben, haben mir eure zahlreichen Feedbacks gezeigt, dass es schöner ist, eine „Gruppenreise“ zu machen – und nicht allein zu reisen.

Ich sage „Danke“ für dein „Mitreisen“, für dein Interesse, deine Ermutigung und deine Gebete.

Gottes Segen
Frank

P.S. Nein, ich habe nicht vor, als Missionar nach Malawi zu gehen…

Doku: Transport in Malawi… 🙂

Während der Reise habe ich ein paar Fotos gemacht, wie „Transport“ in Malawi geschieht. Eine kleine Auswahl.

Ohne Worte.

Mein kleines ICE-Handy-Wunder

Neulich, Montag, im ICE von München nach Fulda: Eine richtig coole Story, würde ich im Nachhinein sagen.

Der Zug ist voll, aber ich erwische noch einen guten Platz. Eigentlich, so fällt mir dann in Nürnberg auf, habe ich ja einen reservierten Platz. Ganz unüblich, mache ich sonst nicht. Bei so vielen Tickets kommt man schon mal durcheinander. Aber um den Platz zu nehmen, müsste ich jetzt vier Wagen weiter vorlaufen, das ist mir doch zu umständlich. Also bleibe ich „unreserviert“ sitzen.

Schwerbewaffnet

In Nürnberg steigt ein Polizist zu, schwer bewaffnet, schusssichere Weste. Wir grüßen uns nett. Ja, der Platz mir gegenüber ist selbstverständlich frei. Später bittet er mich, seinen Laptop zu „bewachen“, als er das WC benutzt. Im Gegenzug bewacht er meinen, als mein Kaffee aus München „durch“ ist…  „Ich bin ja für Ihre Sicherheit unterwegs“, lächelt er.

16:50 Uhr: Kurz vor Fulda kommt Andrea aus Augsburg an meinen Platz, sie ist auch bei der CCD-Tagung in der Nähe von Fulda dabei, wir hatten uns per WhatsApp verabredet. Wir reden intensiv miteinander, ich packe meinen Laptop ein, meine Flasche – und ….

17:02 Uhr: Aussteigen und zum ZOB, der Bus geht in wenigen Minuten. An der Bushaltestelle in Fulda will ich nochmal den Fahrplan checken, den ich mir vorher geladen habe. Wo ist mein Handy? Das muss ich im Zug gelassen haben? „Willst du zum Zug zurückgehen oder bei der Bahn fragen?“, schlägt Andrea vor. Nein, das macht nicht viel Sinn, der Zug ist längst weg.  

Stoßgebet aus dem Bus

Ich schicke ein Stoßgebet zum Himmel. Der nette Polizist möge doch auf mein Iphone schauen. Ich versuche dieses von Andreas Handy anzurufen. Es tut sich nichts. Nochmal gebetet. Nochmal angerufen. Dann eine SMS mit der Nummer meiner Frau und der von Andrea an mein Handy geschickt. Im Sperrmodus ist eine SMS bei mir trotzdem sichtbar…

18:00 Uhr: Im Tagungshaus angekommen, nette Begrüßung. Mitempfinden bei den Kollegen, als sie von meinem Missgeschick hören. „Ich habe in so einem Fall bei der Bahn angerufen und das Handy nach etlicher Zeit wiederbekommen, hat mich aber eine nette Bearbeitungsgebührt gekostet“, meint einer der Kollegen.

18:15 Uhr: Andreas Handy, das sie mir geliehen hat, klingelt. Der Polizist aus dem ICE meldet sich, er hat die SMS gesehen. Herr R. ist megafreundlich. Ja, dumm gelaufen. Er habe im Zug rumgefragt, wem das Handy gehöre. Und dann die SMS gesehen. Ob er denn das Handy bei der Bahn abgeben solle? Oder ob er es mit sich nach Hamburg nehmen solle? Er würde am Mittwoch wieder Richtung Süden fahren, vielleicht könnten wir uns ja treffen.

„Himmlische Zeitplanung“

Es ist nicht zu fassen: Am Mittwoch würde er um 10:41 in Fulda aussteigen können und dann mit dem nächsten Zug weiterfahren. Wie cool ist das denn? Genau 1:20 h später geht mein gebuchter Zug von Fulda nach Hannover. Dann, so besprechen wir, könne er mir das Handy persönlich übergeben. Krass.

Ja, und ob er das Handy noch an ein Ladekabel hängen könne, gebe ich noch eins drauf. Dann könnte ich weiter vom Laptop aus WhatsAppen… Ein Kabel hatte er schließlich nicht, aber den Stromsparmodus könne er aktivieren und alle Apps schließen. Ich bin einverstanden.

Am Mittwoch treffen wir uns in Fulda: Und da habe ich es wieder, mein geliebtes Handy. Unversehrt, noch mit Akku-Restlaufzeit, ohne Kosten, die Dankesschokolade dürfe er in Uniform nicht annehmen, das sei doch selbstverständlich, betont er mehrfach. Dann noch ein Selfie, allerdings nicht in Uniform.

Danke

Welch ein geniales Erlebnis. Danke, lieber Herr R. Das war echt klasse!  Und ein Dank nach oben für diese Gebetserhörung!

Wenn Sarah der Hagar die Füße wäscht …

… und sie mit ihren Haaren trocknet, dann kann das schon zu Tränen rühren.

Global Gathering, Jerusalem im November 2016 – das ist eine fünftägige Konferenz der besonderen Art. Die Chinesen bilden mit an die 2000 Personen die eindeutige Majorität der etwa 4000 Teilnehmer aus über 60 Nationen. Und sie prägen die Atmosphäre. Als am Mittwochabend die Tontechnik für eine geraume Zeit komplett ausfällt, sind sie es, die durch ihren spontanen Gesang und ihre Gebete den Konferenzgottesdienst in eine geistliche Intensität hineinführen, auch ohne Technik, ganz wie in China. Und wenn sie gemeinsam mit lauter Stimme und ohne Vorgaben für Israel beten, ist es, als würde die Halle beben.

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Diese Konferenz ist eben nicht gewöhnlich. Sprecherliste? Zeit- und Ablaufplan? Fast komplett Fehlanzeige! Fast alles geschieht aus dem Augenblick heraus. „Wir möchten nicht verpassen, in welche Richtung der Heilige Geist uns führt“, sagt David Demian (Kanada), der Initiator und Leiter dieser Gatherings (das vorletzte fand im Oktober 2015 in der Münchner Olympiahalle statt). Im Hintergrund agiert ein mehrhundertköpfiger internationaler Beirat, mit denen sich Demian vor jeder Veranstaltung austauscht, um Klarheit über die Richtung zu bekommen. Zu diesem Beirat waren auch meine Frau und ich eingeladen.

Starke Gabe in seiner Persönlichkeit

Demian hat eine starke Gabe, die Versammlungen in dieser Art zu leiten – und ist bereit dabei auch Fehler zu machen. Mit einer Seelenruhe liegt er flach auf der Bühne und wartet auf innere Führung oder er spaziert während der jeweils fast vierstündigen Versammlungen durch den Saal, während auf der Bühne vielsprachiger Lobpreis, unterstützt durch eine ausdrucksstarke etwa 20-köpfige Tanzgruppe, läuft. Vor der Bühne ist ein großer Platz freigelassen, wo Hunderte ausgelassen hüpfen oder tanzen.

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Auf der Leinwand erscheinen die Liedtexte in bis zu sechs (!) Sprachen gleichzeitig. Die Einheit der Christen aus verschiedenen Nationen findet besondere Beachtung. Und hier wiederum ist die Beziehung zwischen messianischen Juden und den arabischen Christen „im Land“ ein wichtiges Thema. Unter großer Bewegung wäscht eine messianische Jüdin, die sinnbildlich Sarah genannt wird, einer arabischen Christin, die Hagar genannt wird, die Füße und trocknet diese dann mit ihren Haaren. „Ich bitte dich um Vergebung für alles, was wir dir angetan haben. Ich will dir in Liebe dienen“. Manche müssen sich die Tränen wegdrücken – ich auch.

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David Demian gelingt es immer wieder, durch zeichenhafte Handlungen die Konferenz auf essentielle Themen zu fokussieren. Immer wieder führt das in starke Gebetszeiten, die sich meistens auf nationale oder globale Anliegen beziehen, wie zum Beispiel die Wiedervereinigung von Nord- und Südkorea. Hier werden besonders die Deutschen zum Gebet eingeladen.

Starke deutsche Delegation

Die deutsche Delegation umfasst etwa 250 Personen, die unabhängig voneinander nach Israel gekommen sind. Ich treffe viele mir bekannte Gesichter, aber auch neue, wobei das Spektrum von Landeskirchlern, Katholiken über die Freikirchen bis hin zur charismatischen Bewegung reicht. Über die Konferenzarmbänder kann man sich selbst in der Altstadt von Jerusalem identifizieren – und mit viel Liebe begegnen. Das ist ein weiterer starker Aspekt der Konferenz: eine herzliche Liebe über Nationalgrenzen hinweg.

Eingeborene, jesusgläubige Stammesführer in Tracht aus Samoa (Südpazifik) leisten durch ihre Art der Anbetung und des Feierns einen besonderen, teilweise gewöhnungsbedürftigen Beitrag zur Konferenz. Unter anderem breiten sie Muschelketten, Teppiche und andere Gaben aus, die sie als „Geschenke für Jerusalem“ mitgebracht haben.

Den Gläubigen aus den Nationen vertrauen

Und dann noch ein bewegender Moment: Der messianisch-jüdische Pastor Asher Intrater (reviveisrael.org) wird gebeten, auf der Bühne eine Krone sinnbildlich für Jesus, den Messias, mit den Händen hochzuhalten. Spontan heben die samoanischen Stammesführer ihn auf ihre Schultern. „Ihr als Juden habt uns getragen, jetzt tragen wir euch messianische Gläubige.“ Später kommen Christen aus anderen Nationen, besonders aber Araber und Deutsche, um die Arme des jüdischen Pastors zu stützen, damit diese nicht sinken. Ohne jegliche Hektik zieht sich dieser Teil etwa 45 Minuten hin, im Saal entwickelt sich eine Atmosphäre von Jubel und Feiern, viele knien lange Zeit auf dem Boden, beten, weinen, rufen zu Gott. Asher Intrater berichtet später, wie es für ihn und die messianischen Juden wichtig ist, den Gläubigen aus den Nationen  vertrauen zu können.

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China kommt zurück nach Jerusalem

Diese Botschaft, dieses Anliegen der chinesischen Christen, haben wir verstanden – schon vor der Konferenz. Hier wird es besonders deutlich sichtbar, unterstützt von einer großen Gruppe von Koreanern. Überall treffen wir die Chinesen, reden mit ihnen, beten mit ihnen gemeinsam, auch noch nach der Konferenz in den Straßen von Jerusalem und Tel Aviv. „Uns liegt Israel besonders auf dem Herzen“, bekennen sie. Und ihr Gebet, ihre Hingabe spricht diese Sprache überaus deutlich.

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„Judenmission“, der Tempelberg und die UNESCO

Auch diese aktuellen Themen haben auf der Konferenz ihren Platz, nicht politisch, wie Demian betont, aber geistlich. Eindeutig ist das Bekenntnis, dass die Botschaft des Evangeliums von Jeschua Hamaschiach (Jesus Christus) zuerst den Juden gegeben wurde und sich daran nichts geändert hat. Und im Gebet wird die Rolle des Tempelbergs als Ort der Verherrlichung für den wiederkehrenden König Jesus mit eindeutiger und klarer Beziehung zur jüdischen Geschichte betont, anders als die UNESCO es wenige Tage vorher ausgedrückt hatte.

Mein Fazit

Für eine Konferenz mit einer langen Rednerliste, wäre ich vermutlich nicht nach Jerusalem geflogen. Aber diese Art, auf Gott zu hören und zu warten, die teilweise gewöhnungsbedürftig ist, aber Jesus so unzweideutig in den Mittelpunkt stellt, gefällt mir und spricht mich an – und macht mir Mut auch für Deutschland.

Und wir lieben es, immer wieder dort zu sein, wo unser Herr und bester Freund gelebt hat!

Die komplette Konferenz ist auf youtube oder watchmen.org frei verfügbar.

Gott nimmt sich der Schwachen und Benachteiligten an

pastor_asPastor Arthur Simonyan leitet die „Word-of-Life“-Gemeinde in Eriwan, Armenien. Ihn treffe ich am Freitagabend in Frankfurt, er dient als einer der Sprecher auf der Konferenz der russischsprechenden Pastoren im BFP. Eigentlich ist er aus familiären Gründen in Deutschland, da seine Tochter an Leukämie leidet und in Heidelberg behandelt wird. Wenn ich es mir richtig gemerkt habe, sind etwa 4000 Menschen in der Gemeinde, die er leitet. Außerdem ist auch er für weitere Gemeinden als nationaler Leiter verantwortlich. Meine Kollegen Juri und Vladyslav haben ihn eingeladen.

Am Nachmittag hatte ich zu den russischsprachigen Pastoren gesprochen. Viele von ihnen habe ich schon vorher getroffen, aber hier lerne ich etliche Neue kennen. Ich bin wirklich begeistert darüber, welche Schätze wir in unserem Gemeindebund haben. Das war auch schon an den Tagen vorher deutlich geworden, wo wir uns mit den Leitern des BFP im Bundesrat getroffen haben. Wir wollen GEISTbewegt unterwegs sein, ist das Credo der Tage. An die 20 Beiträge, jeweils 20 Minuten lang, sind wie ein Feuerwerk des geistlichen Reichtums. Die Tage enden damit, dass wir gemeinsam vor Gott knien und ihm uns selbst – und die Menschen in unserem Land – neu weihen. Das bewegt sehr. Die Inhalte der Tagung werden demnächst in einer schriftlichen Veröffentlichung publiziert.

Doch zurück nach Frankfurt. Welche Botschaft bringt uns Pastor Arthur? Auf der einen Seite spricht er über den Eifer, den wir für Gott haben müssen. Hier ermutigt er die Pastoren. Und dann spricht er über das „Schwache“. Er zitiert aus der Geschichte von Rahel, Lea und Jakob. Und Lea hatte matte Augen, Rahel aber hatte eine schöne Gestalt und ein schönes Angesicht (1. Mose 29,17). „Mit wem fühlst du mit?“, spiegelt er in seiner Predigt Gefühle. „Die meisten Bibelleser fühlen mit der ‚betrogenen‘ Rahel mit, Gott aber kümmert sich um Lea“. Als aber der Herr sah, dass Lea verschmäht war, da öffnete er ihren Mutterschoß; Rahel aber war unfruchtbar (1. Mose 29,31).

„Wie gehen wir in unseren Gemeinden mit Menschen um, die Defizite haben, vielleicht körperlich oder geistig? Oder anderweitig benachteiligte Menschen? Wir müssen sie mit besonderer Liebe umgeben.“ Und dann spricht er an diesem Punkt über das pastorale Herz – und wie Gott die Schwachen sieht. Dem Pastor einer großen Gemeinde geht es nicht um „Erfolg“ und Prestige, sondern um das Herz. Das berührt. Er bittet um Gebet für seine Tochter, man merkt, wie ihn das zeichnet.

Später haben wir Gelegenheit, auf Englisch miteinander ins Gespräch zu kommen. Wir beten miteinander. Ich bin dankbar, dass ein Austausch in alle Richtungen stattfindet. Nicht nur der Osten braucht uns – wir brauchen den Dienst der Geschwister aus dem Osten – und nehmen ihn dankbar an. Das macht Mut.

„Ich bin nicht dein Schaukelstuhl gewesen“

Velbert-Langenberg ist nur ein eingemeindeter Vorort des legendären „Velbert“ – eine Stadt, die (man staune) keinen eigenen Bahnhof hat. Für mich als bekennenden Bahnfahrer also eine kleine Hürde via S-Bahnhof in Langenberg zur Regiokonferenz BFP-NRW zu kommen, auf der ich an diesem Samstag als Sprecher eingeladen bin.

Vorher bewundere ich aus dem Fenster des Regionalexpress die „Stelzen“ der Wuppertaler Schwebebahn, denke mit einem leicht verschlafenen Morgengebet an meinen Vorstandskollegen Friedhelm und die Wuppertaler CGW. Um 5:45 Uhr aus Erzhausen losfahren, das fällt auch mir nicht ganz leicht, zumal der Abend vorher auch nicht ganz früh zu Ende war: Als Vorstand hatten wir den Mitarbeitern der BFP-Geschäftsstelle in Erzhausen unseren Dank für ihren super Dienst für den Bund im Rahmen eines netten Abendessens zum Ausdruck gebracht: „Keiner geht mir von den Mitarbeitern ohne ein kleines „tee-ologisches Geschenk nach Hause“, flachst unser Bundesschatzmeister gutgelaunt. Wertschätzung ist ihm wichtig.

In Velbert angekommen komme ich kaum zum Örtchen durch, um meinen Morgenkaffee vom Essener Bahnhof wegzubringen. Überall werde ich mit „Hallo“ und „Schön, dass du da bist“ begrüßt. Mein Jacket ist anschließend gut ausgestaubt …

Uwe Liermann, der Noch-Regionalsekretär sitzt mit seinem „Läppi“ am Eingang. Am Nachmittag leitet er souverän weite Teile der Geschäftssitzung. Seine Art zu führen und zu strukturieren begeistert mich. „Das habe ich in der Logistikbranche gelernt.“ Richtig gut hat er das gelernt, finde ich. Später wird er zum stellvertretenden Regionalleiter gewählt und Marc Strunk zum Regionalsekretär. „Damit kann ich mich mehr meiner Berufung der Beratung und Unterstützung widmen“, meint Uwe nach seiner Wahl.

„Du hast an mir nicht geklebt und mich auch nicht als Schaukelstuhl benutzt“. Egbert Warzecha „interviewt“ in seiner Laudatio für den scheidenden Regionalleiter, Carsten Buck, den „Stuhl“, auf dem dieser als Regionalleiter saß. Herzliches Gelächter. Die Versammlung erhebt sich, dankt mit „Standing Ovations“ dem scheidenden Regionalleiter und beruft mit „bayerischen Ergebnissen“ Egbert als Regionalleiter und sein Team in dieNachfolge.

RT_NRW

Es geht Schlag auf Schlag: Der frisch gebackene Regionalleiter entfaltet mit motivierenden Worten seine nächsten Schritte, die Regionalfinanzen werden etwas angepasst, neue Gemeinden vorgestellt und GROWEB gibt seinen Bericht. Ich bin begeistert, wie sich diese Initiative des „Alt-Regionalleiters“ zu einem sprießenden Pflänzchen entwickelt hat. Meine Erinnerung verlässt mich etwas, waren es 26 Initiativen, die mit GROWEB unterwegs sind oder schon zu einer Gemeindegründung geworden sind?

Um 16 Uhr hält mich ein weiterer Kaffee gerade noch wach. „Das war eine klasse Tagung – die Region ist sehr gut aufgestellt, eine Hammer-Tagung“, sage ich zu Missionsleiter Thomas Halstenberg, der mich zum Gästezimmer der Velberter Mission begleitet. Die Laudatio von Egbert will ich mir gleich per Email zusenden lassen. Trotzdem muss ich jetzt erstmal eine halbe Stunde pennen, bevor wir mit Thomas bis Mitternacht weiter über (Velberter) Mission und das Ziel, die Unerreichten zu erreichen, brüten …

Wenn jeder Dritte ein Chinese ist

Wenn etwa jeder Dritte, den du siehst, ein Chinese ist oder asiatisch aussieht, bist du entweder in Asien, oder Ende Oktober 2015 in München – beim „Global Gathering“ in der Olympiahalle. Da es gut in meinen Zeitplan hineinpasst, folge ich der Einladung des ägyptisch-kanadischen Arztes David Demian, bei dieser „Nicht-Konferenz“, wie er im Juli beim Pastorentreff ausdrücklich erklärt, in unserer Stadt teilzunehmen.

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Ich treffe viele bekannte Gesichter, meine Pastorenkollegen sind sehr gut vertreten. „Wir wissen, wann wir anfangen“, bekennt David Demian schon im Vorfeld, „aber wir wissen nicht, wann wir aufhören – und wo wir landen.“  So bin ich richtig gespannt, wie er und sein Team das umsetzen werden.

Ungeplant, doch nicht chaotisch…
Was ich hier erlebe, haut mich buchstäblich um. Die Leitung der Versammlungen geschieht wirklich so, wie im Vorfeld angekündigt. Obwohl in etwa 5000 Besucher in der Olympiahalle sind, ist sehr wenig geplant. Lobpreis wird ganz groß geschrieben, Predigten gibt es eigentlich nicht. Man nimmt sich Zeit zur Anbetung und zum Warten auf Gott, meistens nicht unter zwei Stunden. Ja, natürlich hat das Team einige Lieder vorbereitet, aber dann wird großer Freiraum gegeben, so dass sich der Lobpreis zu einem Fluss entwickeln kann, der sich erst während des Fließens formt. Die Lobpreisleiter wechseln „on the fly“, mal die Araber, mal die Deutschen, mal die Chinesen. Liedtexte entstehen während des Lobpreises, das Beamerteam schreibt eifrig mit – in bis zu fünf Sprachen gleichzeitig, Chinesisch und Arabisch inklusive. Und laut ist es – ich schenke voll Mitleid meiner Nachbarin meine Oropax, für die sie sehr dankbar ist …

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Fahnenschwenker verteilen sich über die ehrwürdige Olympia-Arena, das Sicherheitspersonal der Münchner Feuerwehr und der Sicherheitsfirmen schaut verdattert, während Hunderte extrovertiert vor der Bühne tanzen und die Polonaise sich durch die ganze Arena zieht. „Nein, es dürfen aus Sicherheitsgründen nicht mehr Leute in den Innenraum der Arena“, bremst Martin Egli vom Wächterruf, der von deutscher Seite mitleitet. Besonders inspiriert mich das Tanzteam. Bei jedem Auftritt in anderer Kleidung und mit Accessoires in der kreativsten Form, gibt es jeder Session eine besondere, manchmal richtig ehrfurchtserweckende Note, besonders als mit Tüchern symbolisch der Thron Gottes nachgezeichnet wird.

Jubel, Proklamation, Gebet – es reißt auch mich immer wieder förmlich vom Sitz, Tanzen ist oben im Rang etwas schwierig. Am prophetischen Tisch kann man seine Eindrücke aufschreiben. Ich finde es total spannend in diesen Tagen dabei zu sein, weil man kaum weiß, was als nächstes kommt.

Messianische Juden und Araber
Etwa 150 arabischsprechende Teilnehmer sind dabei. Und eine israelische Delegation messianischer Juden. Sie werden zum gemeinsamen Gebet der Annahme und der Segnung eingeladen. „Wir lieben euch als arabischsprechende Geschwister durch die Liebe, mit der Jesus uns geliebt hat. Und wir wollen das zuerst und besonders tun.“ Es ist ein starker Moment, als sich Juden und Araber in den Armen liegen. Sie wollen gemeinsam für Frieden und Versöhnung eintreten und so ein Zeichen setzen. Souverän und mit viel geistlichem Feingefühl und Autorität leitet David Demian die Anwesenden in ein Segensgebet für die beiden Gruppen. So wie er die messianischen Juden während der ganzen Konferenz immer wieder zentral einbindet. Das Abendmahl teilen Juden und Araber gemeinsam aus – es gibt als Brot bayerische Brez’n. Die Halle lacht. „Typisch deutsches Brot, eben“, sind die Ausländer ganz unverkrampft.

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Besonders seitens der messianischen Juden wird ein Segensgebet für die Deutschen formuliert. „Ihr habt von Gottes Berufung her eine Leitungsrolle unter den Nationen – und ihr müsst euch wegen eurer Vergangenheit dafür nicht schämen.“ Zuspruch geschieht zur deutschen Delegation. Applaus brandet durch das weite Rund der Olympiahalle. Ja, man will sich wirklich der Berufung stellen.

Viel mehr Chinesen wollten kommen
Doch zurück zu den Chinesen. Wie viele genau da sind, weiß ich nicht, es heißt 1500. Aber ich weiß, dass ich mit vielen persönlich gesprochen und sie „gedrückt“ habe. Herzliche Umarmung ist hier sowieso wie selbstverständlich, Küsschen rechts und links. Wir heißen die Chinesen in München herzlich willkommen, sie drücken ihre Liebe und ihre Last für Deutschland aus. „Wir beten intensiv für euch“, heißt es immer wieder. „Wir sind euch so dankbar, dass ihr als Europäer vor 150 Jahren Missionare nach China geschickt habt.“ „Mission reverse“, ich ahne, was an Potential darin liegt! Welch eine enorme Kraft hat das Gebet dieser Geschwister. Das müssen wir uns als Deutsche zu Nutzen machen, es darf nicht brach liegenbleiben. Viel mehr Chinesen wollten nach München kommen, sind aber am Visum gescheitert.

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Dann kommen mehrere Hundert von ihnen auf die Bühne, knien nieder, beten für Deutschland,  schreien zu Gott für geistliches Leben in unserem Land. Das geht tief. Die Halle geht mit. Eine 17-Jährige Chinesin kommt und gibt ihre Vision weiter, sieht eine starke Verbindung zwischen Deutschland und China. „China unterstützt Deutschland geistlich, dass ihr in eurer Berufung leben könnt.“ Später habe ich Gelegenheit, mit Papa L. persönlich zu sprechen. Er ist einer der Leiter der größten Hauskirchenbewegung in China. Auch er bestätigt das Gesagte, aber die Sprachbarriere macht die Kommunikation nicht so einfach. Einen Tag nach der Konferenz gibt mir die Übersetzerin, die in der Halle spontan hilfreich einsprang, per eMail eine Einladung weiter, ob ich bereit wäre in China zu dienen, Papa L. würde mich einladen …

Die Brücke nach China ist für mich in diesen Tagen besonders deutlich sichtbar. Wir stehen in der Halle in kleinen Kreisen und beten füreinander, Deutsche und Chinesen. Dabei steht im Vordergrund, sich gegenseitig zu unterstützen. „Wir brauchen einander“. Segnend, fürbittend treten die Nationen füreinander ein, während vor der Bühne etliche sich unter einer großen chinesischen Flagge sammeln. Dann wird erwähnt, dass Kanzlerin Merkel gerade heute in China wäre, was zu einer Extra-Segensgebetsrunde für sie und ihre Arbeit leitet.

Auch diese Grenze muss fallen
Am letzten Tag wendet sich die Versammlung den Koreanern zu. Dankbar wird ihrerseits erwähnt, dass Deutschland als Nation den Koreanern damals in einer wirtschaftlich schwierigen Situation großzügige Finanzhilfen gab. „Ihr Deutschen habt uns nicht verwaist gelassen, als wir es nötig hatten.“ Aber geistlich wäre man, trotz großer Gemeinden, manchmal „vaterlos und verwaist“. „Ihr als Deutsche habt die Erfahrung des Mauerfalls gemacht, betet auch für unsere Nation, dass Nord- und Südkorea wiedervereint werden – und dass echte Vaterschaft gelebt wird.“ Auf der Bühne treten Trompeter auf, die Schofarbläser im Saal stimmen mit ein und die Fürbitte für Korea und dessen Wiedervereinigung entwickelt sich zu einem fast ohrenbetäubenden Gebet – ohne dass „gepuscht“ wird.  „Beten haben Tausende von Deutschen bei euch gelernt“, betont Ortwin Schweitzer vom Wächterruf. „Dafür sind wir euch Koreanern überaus dankbar – und für die Beter, die ihr zu uns geschickt habt.

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Ein weiterer Fokus ist das ehrende Miteinander der Generationen. Am Dienstagmorgen kommt die junge Generation auf die Bühne. Man geht aufeinander zu, betont die Notwendigkeit des Miteinanders, sowohl von den „Alten“ als auch den „Jungen“ – und gibt der jungen Generation Raum. Unabhängig von Alter, Status, Nationalität und Geschlecht geschieht hier ein Miteinander, das beispielhaft ist.

Am Mittwoch muss ich etwas früher gehen, da wir noch Termine haben. Schade, dass ich die Aussendung und die Schlussworte nicht mehr mitbekomme. Es war wirklich eine „sehr außergewöhnliche Nicht-Konferenz“. Für mich persönlich – und überhaupt.

Hinweis: Gott24.TV überträgt die Aufnahmen von Global Gathering am Samstag (7.11.) ab 14:00 und jede Nacht ab 23:30 diverse Wiederholungen davon.  

NTC – Sein letztes, mein erstes

IMG_20150611_180151536_HDR„NTC Buchsee“ steht auf der großen Holztafel, die in das überdimensionale Camptor (aus Holzstangen, Schwarzware und Seilen gebaut) – gehängt ist. Etwas verspätet komme ich von der BFP-Vorstandsklausur hier in der Nähe von Ravensburg an, um mein Versprechen vom Pastorencamp während des RR-Bundescamps 2014 einzulösen: Ich nehme an einem National-Trainings-Camp der Royal Rangers teil. Mein erstes!

Meine Frau ist auch schon da und begrüßt mich herzlich, sie ist beim Team der „Erdbeerbohrer“ eingeteilt, ich bin bei den „Nasenbären“, wirklich nette Namen! Nein, keine Sonderbehandlung, sondern auf der Isomatte schlafen, Kochen, Feuer machen – alles, wie es sich bei den Royal Rangers gehört, auch für mich!

Während mir die Bibelversprüfung keine Schwierigkeiten bereitet, ist die Seilprüfung oder die Feuerprüfung schon eher eine Herausforderung. Besonders der Palstek (ein spezieller Pfadfinderkoten) will nicht immer so, wie ich es will.

ntc_buchsee_2015_06__frank_uphoff_IMG_0048Manfred Knecht, der Bundeswart der Royal Rangers, führt mich in mein Team ein. Aus „nasser“ Erfahrung des Bundescamps habe ich ausreichend Folie mitgebracht, die ich unter meine Isomatte platziere.

Manfred ist eigentlich eine echte Royal-Ranger-Legende. Ich lerne, dass es sein letztes Camp als Ausbildungsleiter sein wird. Welch eine Ehre, mit dabei sein zu können!

46x war er Ausbilder auf einer Royal-Ranger-Maßnahme, 47 und 48 sind geplant, 24 NTCs hat er geleitet, auf einem war er der „Camppastor“. 1986 bei der Stammgründung von Stamm 25 in Ravensburg war er Stammhelfer, auf seinen dokumentierten NTCs waren 930 Nachwuchsmitarbeiter dabei, vorsichtig geschätzt dürften es 1200 gewesen sein, die von Manfred Prägung und den „Geist der Royal Rangers“ mitbekommen haben.

ntc_buchsee_2015_06__frank_uphoff_IMG_0311Das ist auch für mich das Wichtigste auf diesem Camp: zu erleben, zu spüren, zu fühlen, wie die Royal Rangers ticken, wie sie sind und was das Miteinander ausmacht. Schnell ist unser Team, obwohl nicht nur altersmäßig sehr unterschiedlich (zwischen 17 und 55), zu einer echten Mannschaft zusammengewachsen. Als die „Erdbeerbohrer“ bei uns zum „Gastessen“ sind, rücken wir alle überaus eng zusammen, so dass unsere Bänke am Teamtisch, gebaut aus Holzstangen und Schnüren, fast zusammenbrechen.

Das „Ratslagerfeuer“ mit dem Schweigemarsch dorthin ist eine besondere Erfahrung – aber halt, darüber darf ich ja gar nicht berichten, wurde uns gesagt…

Die anderen Ausbilder verabschieden Manfred bei seinem „letzten“ NTC mit gebührender Wertschätzung und „Reiskörnern“, die die Multiplikation seines Dienstes symbolisieren sollen – „LKWweise“.

Ziemlich fertig, aber tief berührt fahren wir am Sonntag nach Hause. Royal Rangers sind klasse!

Ob es wirklich Manfreds letztes NTC war? Ich bin mir da nicht so sicher…

Im Western-Saloon in Baden-Baden …

oder: Was geschieht, wenn wir JESUS Priorität geben

11044964_811209975635075_370523568861684651_nSonntagmittag: Cool ist der Saloon. Auf Strohballen sitzen wir und genießen die Atmosphäre. „Das ist für unsere Ranger“, sagt Pastor M.. Petra und ich sind in Baden-Baden. Der zweite Gottesdienst ist gerade vorbei und wir machen einen kleinen Rundgang über das Gemeindegelände. Im Gebäude nebenan gibt es gerade Mittagessen. 7500 Quadratmeter groß ist das Grundstück, Platz ohne Ende. Die Gemeinde plant gerade ein Zentrum für 1000 Leute. „Mein Herz brennt für sein Haus“ ist das Motto, das die Gemeinde verfolgt. Die Dienste sind stark, aber auch die Impulse, die wir an diesem Wochenende für uns mitnehmen, sind sehr wichtig. Es ist immer eine Bereicherung, andere Gemeinden zu besuchen.

Montagvormittag: Für den Rückweg von Baden-Baden beten wir um die richtige Führung. Nicht über die Autobahn, sondern über den Schwarzwald fahren, ist in unserem Herzen. Altensteig liegt auf dem Weg, da halten wir einfach mal an. Der LIDL ist wenig frequentiert. Direkt gegenüber liegt das Gemeindezentrum von JMS. Hier, mitten in der „Pampa“ des Schwarzwalds, gibt es eine starke Gemeindearbeit. Wir melden uns an der Rezeption, weil wir nicht angekündigt sind. Pastor K. ist da und nimmt sich spontan Zeit für uns. Was sich anschließt, ist eine Zeit des intensiven Autausches und der starken Ermutigung. Das ist nicht einseitig, sondern gegenseitig. Stark.

11037777_812305402192199_5947725713708115747_nMontagnachmittag: Wir reisen weiter nach Tübingen. Die Stadt ist malerisch und wirklich eine Reise wert. Aber deswegen sind wir nicht hier. Ganz klar hatten wir bereits am Freitag den Impuls, ein älteres Ehepaar – Pastoren im Ruhestand – zu besuchen. Auch hier fallen wir einfach ohne Anmeldung ein, richtig undeutsch. T. und E. sind ganz schlichte Leute, die für Jesus brennen. T. hat zwei Fußprothesen und hatte gesundheitlich starke Probleme. Er konnte in den letzten Jahren nicht auf unseren BFP-Konferenzen sein. „Wenn Gottes Reich an der ersten Stelle steht, sind wir einfach gesegnet.“ E. ist entschlossen und dient auch im Alter Jesus von ganzem Herzen. In ihrem Haus ist ein riesiges Kleiderlager, wo sie Kleider für Nehemia/AVC sammeln. Mit gemeinsamem Gebet verabschieden wir uns nach knapp zwei Stunden. Eine sehr tiefgehende Zeit.

Dienstagabend: Der „Runde Tisch“ trifft sich wieder. Wie können wir Jugendliche für Jesus erreichen? Eine tolle Runde ist hier zusammen, um zu ringen und zu suchen, wie wir als FCG-M junge Leute besser erreichen können. Ein „Jugendcafe“ steht auf der Agenda, viele Gedanken werden ausgetauscht. „Was du heute kannst besorgen…“, schreibt I. bereits um 23:45 Uhr und sendet mir das Protokoll des Abends. „Ich bin schon fertig“, schreibt I.. Auf geht’s! Klasse.

Mittwochabend: Unser Bibelkreis ist wieder oben oben im Saal, damit auch Karin dabei sein kann. Schon zwei Abende sprechen wir intensiv und tief über den Gedanken, dass wir „Kinder des Gehorsams“ sind und nicht „Kinder der Finsternis“. Wow, das geht wieder sehr tief. Dieser Bibelkreis ist echt die Wucht. Ich hoffe, dass wir heute Abend mit dem Vers fertig werden. Leider werde ich enttäuscht.

Donnerstagmorgen: K., die gerade bei uns unter der Woche ein freiwilliges Praktikum macht, druckt heute die bulgarische Ausgabe von „Sündenbekenntnis befreit“. Auch eine französische Übersetzung liegt inzwischen fertig gedruckt vor. Ich bin sehr dankbar für alle, die sich hier engagieren, in der Übersetzung der Hefte, aber auch in der Umsetzung.

Donnerstagmittag: PARS heißt das persische Restaurant in der Nähe des Hauptbahnhofs. R. hat uns hier einen Tisch reserviert. Aus Dänemark ist K. J. nach München gekommen. Er vertritt SAT-7, einen christlichen Fernsehsender, der Programme in die arabisch-, farsi- und türkischsprechende Welt sendet – rund um die Uhr. „Wir senden ein lebensveränderndes Programm, das von einer halben Milliarde arabisch sprechenden Menschen – und vielen weiteren via Satelit gesehen werden kann.“ Auch R. brennt dafür, seine Landsleute mit dem Evangelium zu erreichen. Eine Begegnung mit dem Prädikat „himmlisch“.

Donnerstagabend: „Wir sind 25 und jeder kann ein Ticket für eine Kleingruppe ziehen“. M. gestaltet den Rahmen. Der Workshop „soziale Dienste“ des Team2020 ist bestens vorbereitet. A. H. hält einen motivierenden und fundierten Vortrag über die soziale Verantwortung der Gemeinde und über die konkrete Situation in München. Was ist unsere Berufung als Gemeinde in diesem Bereich? Fast vier Stunden ist die Truppe zusammen und am Ende sind viele Gedanken zusammengetragen, die nun vom Team2020 weiterentwickelt werden. Klasse, wie unsere Gemeinde sich hier aufgestellt hat und mit einem visionären Blick in die Zukunft schaut.

Freitag-Mitternacht: „Das Evangelium wird allen Menschen gepredigt werden.“ Stjepan gibt einen Impuls zu Beginn des zweiten Gebets um Mitternacht. Vom ersten Moment an ist eine starke Gebetsatmosphäre da. Wie im Flug vergeht die Zeit und um viertel vor eins stapfe ich dankbar durch die nächtliche Kälte nach Hause. R. hat mir noch die Farsi-Übersetzung des „Sündenbekenntnis befreit“ mitgebracht. „Unter Tränen habe ich die Übersetzung gemacht“, hatte er mir gemailt. Jetzt habe ich sie in der Hand. „Falsch gedruckt“ sind sie, denke ich. Nein, nicht falsch, denn Farsi liest man „von hinten“.

10985871_814390671983672_2167548967370880210_nSamstagvormittag: D. holt uns um acht Uhr ab, weil wir gemeinsam nach Augsburg fahren. Regionaler BFP-Pastoren und Leitertag ist heute im neuen Gemeindezentrum der Gemeinde „Neues Leben“ angesagt. Diese Gemeinde kenne ich seit vielen Jahren. Wenige Meter weiter hat diese Gemeinde vor 20 Jahren ein „kleines Räumchen“ von 35 qm, damals hatte ich sie dort besucht. Heute haben sie ihre „Zelte weit gemacht“ und ein großes Gemeindezentrum im Süden von Augsburg, fast 1800 qm sagt Pastor I.. Um den Platz beneide ich sie, um die Arbeit, die noch nötig ist, ihn nutzbar zu machen, nicht. Das Thema des Leitertages ist genau hier angesetzt: „Mache deine Zelte weit.“ Jörg Delekta, unser Regionalleiter, inspiriert die Teilnehmer, sich mutig nach Neuem auszustrecken. Die Sonne scheint verheißungsvoll warm, als wir nach Hause fahren. Was für eine intensive und gute Woche…

… und nun steht der Sonntag vor der Tür: Wir beten für unsere Elmshorner Freunde, die den ZDF-Gottesdienst bei sich haben (siehe unten). J. predigt bei uns am Vormittag, dazu kommen extra seine Eltern, :-), danach hat unsere bulgarische Gruppe eine Taufe mit sechs Leuten, die Jesus in ihrem Leben Priorität geben wollen. Genau! Das machen sie richtig! Das bewirkt und „ferändert“ etwas in unserem Leben.

Und abends haben wir dann noch unseren Abendgottesdienst… „Friede. Freude. Feränderung.“

Friede_Freude_Feraenderung_v2_SLIDERIch freue mich, euch an diesem Sonntag in der FCG-M zu sehen.

Jeder hat seinen Platz im Reich Gottes

IMG_8643aEs ist Samstagnachmittag. Draußen scheint die Sonne, es ist etwas Schnee gefallen. Diese Zeilen schreibe ich euch aus unserem Hostel in Kosice in der Slowakei. Mit den slowakischen Geschwistern haben wir hier einige intensive Tage zum Thema „Wie Gott es sich gedacht hat – Die Botschaft der Wiederherstellung in den kleinen Propheten.“ verbringen können. Über dieses Thema hatten Petra und ich schon im vergangenen Jahr in Rumänien gesprochen, inzwischen haben wir es weiter ausgebaut und die Botschaft ist hier auf sehr offene Herzen gestoßen. „Und wenn ihr nur für mich gekommen seid…“, meint F., der Pastor der Gemeinde. Er ist familiär durch eine schwierige Zeit gegangen, seine Frau war an Krebs erkrankt, ihr geht es aber nach Operation und Therapie schon wesentlich besser. F. hat seit einiger Zeit die Leitung der Arbeit von S. H. übernommen, der für uns übersetzt.  Er sieht neue Weichenstellungen für seinen Dienst und seine Berufung.

IMG_8663Immer wieder ist es ein Phänomen, mit Geschwistern im Ausland gemeinsam zu beten und im Lobpreis zu sein. Auch hier ist die Erfahrung wieder sehr stark. Obwohl die sprachlichen Hindernisse da sind, scheinen sie im Gebet und Lobpreis völlig in den Hintergrund zu treten. Auch hier in Kosice fühle ich mich diesbezüglich wie zu Hause.

IMG_8704Dass unsere Reise nicht ganz einfach werden würde, hatten wir schon im Vorfeld „gespürt“. So kommt es dann auch. Das beginnt schon, als wir auf dem Weg zum Bahnhof sind. Obwohl wir mit ausreichend Vorlauf losgefahren sind, endet die Reise schon hier fast im morgendlichen Münchner Verkehrschaos. Aber eben nur fast. Vor Ort äußert sich das dann in einer geringeren Teilnehmerzahl, als die Organisatoren erwartet haben. Aber wir sollten uns durch nichts irritieren lassen – das war ebenfalls in unseren Herzen. Und das haben wir auch nicht. So ist die Zeit hier (bisher) stark, intensiv und gut, in manchem aber anders als geplant und erwartet.

IMG_8617Besonders beeindruckt sind wir von D., die seit vier Jahren wegen MS im Rollstuhl sitzt. Sie ist morgens schon da, bevor wir zum Frühstück kommen (um 9 Uhr beginnen die Lehreinheiten) und ist rund um die Uhr bis abends um 22:00 Uhr bei jedem Seminar dabei. Eine starke Ausstrahlung geht von ihr aus. „Ich habe keinen Dienst in der Gemeinde“, meinte sie, als wir alle danach fragen. Heftig widerspricht der Pastor. „D. bringt Menschen zusammen, die sonst nicht von Gott hören würden“, konstatiert er. Ja, so ist es. JEDER hat seinen Platz im Reich Gottes.

Am Sonntag haben wir noch mehrere Gottesdienste, bevor wir dann am Montagmorgen um 6:00 Uhr wieder nach München aufbrechen, um uns um 9:30 Uhr dann im Bahnhof Budapest Keleti mit C. K. zum Frühstück zu treffen …

Gebet hilft Unruhe zu überwinden

Freitag, gegen 12 Uhr: Ich stehe auf dem „Guten Land“ vor einer historischen Schul-Schiefertafel. In fein säuberlichen Buchstaben lese ich die Notizen einer Lektion über das Gebet. „Es hilft mir Unruhe zu überwinden“ steht dort als einer von mehreren Punkten. Wann habt ihr darüber gesprochen, will ich von D. wissen? „Das war gestern morgen in unserem Bibelstudium, das wir jeden Tag von 9 bis 10 Uhr haben.“

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Das gute Land ist eine Reha-Einrichtung von Teen Challenge. Dirk und Meike sind das Leiterehepaar. Zunächst einmal gibt es bei ihnen einen Kaffee und wir beten miteinander. Dirk schreibt gerade an seiner Biografie, wie Jesus ihn aus einem kaputten Leben herausgeholt hat und etwas Neues in seinem Leben gemacht hat. Sie freuen sich über den Austausch und dass ich gekommen bin, um D. zu besuchen.

Ich habe ein kleines „Gastgeschenk“ mitgebracht. Unsere alte FCG-M-Schneefräse hatte ich am vergangenen Wochenende den Gemeinden in Bayern-Süd per Rund-eMail angeboten, ruckzuck gab es vier Bewerber. Am Dienstag morgen bat ich den Gebetskreis dafür zu beten, dass der richtige Bewerber die Schneefräse bekommt. Dann war es klar: die nehme ich am Freitag mit nach Schnedenhaarbach bei Vilsbiburg zum Guten Land. So kann die alte Dame hier noch einen guten Dienst ableisten. Die Freude ist groß.

glZurück zur Schul-Schiefertafel. Wir sprechen mit D. über sein letztes Jahr hier im Guten Land. Es war wirklich „Gutes Land“ für ihn, wenn auch nicht immer einfach. Ich freue mich ihn zu sehen – und er auch, dass ich gekommen bin. Riesig. „Grüße die ganze Gemeinde von mir. Danke an alle, die mir schreiben.“ Sein Bart steht ihm gut. Nein, wir haben D. nicht vergessen. Wir beten gemeinsam. Im Gebet merke ich, wie D. wirklich Schritte gemacht hat. Das Gebet hilft uns wirklich Unruhe zu überwinden.

Auf dem Weg nach München mache ich noch einige andere Besuche. Überall wo ich hinkomme, gibt es konkrete Gebetsanliegen. Wie gut, dass wir beten können. Gebet hat Kraft und hilft uns in unseren verschiedenen Lebenslagen.

Am Samstagmorgen kommt eine Schwester in mein Büro, die an diesem Morgen mit im Putzteam ist. In ihrer weiteren Familie gibt es eine schwierige Situation. „Komm, lass uns beten“, ermutige ich sie. „Es ist so gut in das Gemeindehaus kommen zu können und gemeinsam mit Geschwistern zu beten.“ Sagt’s und drückt auf den Einschaltknopf des Staubsaugers.

Gebet hilft wirklich die Unruhe zu überwinden.