Wirklich ein Schmelztiegel

Jerusalem ist wirklich ein Schmelztiegel. Hier prallt alles so stark und eng aufeinander.

Heute haben wir uns vorgenommen den Tempelberg zu besuchen. Es ist Ramadan und deswegen ist der Tempelberg nur von 7.30 Uhr bis 11 Uhr für Besucher geöffnet. Da wir wegen unseres Mietwagens sowieso früh unterwegs sein müssen, nutzen wir die Gelegenheit. Die Moscheen auf diesem Gelände sind seit der zweiten Intifada sowieso nicht mehr zugänglich.

Meine Dreiviertelhose ist akzeptiert, wir müssen uns kein „Röckchen“ kaufen, wie wir bei anderen sehen. Die Dimensionen dieser Anlage sind beeindruckend. Die Ausmaße stammen noch aus den Zeiten des Königs Herodes.

Auf dem Platz vor der Al Aksa Moschee gibt es einen Treppenniedergang. Zugang leider auch gesperrt. Was dort ist, wollen wir wissen. „Eine Moschee unterhalb des ganzen Platzes“, klärt man uns auf. Wahnsinn!

Überall sitzen kleine Gruppen. Die Frauen hier, die Männer dort. Gemeinsam werden Koranverse zitiert. So etwas hatte ich bisher nicht gesehen.  Was mich schon auf jüdischer Seite etwas irritiert hatte, finde ich auch hier: Der Mund ist bei der Sache, die Augen wandern sehr häufig über den ganzen Platz und zeugen von einem gewissen „Multitasking“. Und das vor allem bei den Männern, aber nicht nur.

Wenn Glaube sich nur auf den Mund beschränkt, ist es zu wenig.

Die goldene Kuppel strahlt an diesem Morgen leider nur begrenzt im Sonnenlicht. Unüblich für Jerusalem die vielen Wolken, die sich gesammelt haben. Vor dem goldenen Dach kicken einige muslimische Jungs mit dem Ball. Dass nicht gleich ein Wächter auf dem Tablett steht, wundert mich…

Wir versuchen uns zu orientieren. Wo ist die Klagemauer? Wir setzen uns auf die Steintreppe gegenüber hin und haben zeitnah den gleichen Gedanken: Wir beten hier für die Muslime. Das tun wir für einige Zeit.

Es ist kaum vorstellbar, dass auf der anderen Seite dieser Mauer, etliche Meter tiefer, die heiligste Gebetsstätte der Juden ist. Irgendwann wurden hier mal Steine auf die betenden Juden runtergeworfen, erinnern wir uns. Das geschah auch nicht „rein zufällig“. Das Gitter oben auf der Mauer gibt uns Orientierungshilfe, wo genau die „Western Wall“ ist. Eine halbe Stunde später schauen wir uns das noch einmal von der anderen Seite an.

Jerusalem ist wirklich ein Schmelztiegel, in dem alles zusammen kommt. Die christlichen Kirchen leisten hier auch ihren Beitrag, leider auch nicht immer nur positiv. Der Markt der (religiösen) Möglichkeiten hat in Jerusalem Hochkonjunktur.

Ob der dritte Tempel wohl gebaut wird?  Natürlich bewegt uns an diesem Ort diese Thematik. Wieder und wieder diskutieren wir verschiedene Aspekte dieser Frage. Hat Gott es „bewusst“ zugelassen, dass hier das drittheiligste Erbe für die Muslime gebaut wurde? Was wäre gewesen, wenn die Christen hier eine Kirche gebaut hätten?

Im Internet lese ich später, dass das Mitbringen von „andersreligiösen“ Büchern und andere als muslimische Gebete auf dem Tempelberg nicht erlaubt sind.

Zum Glück lassen sich Gebete in der Regel nicht kontrollieren. Auch nicht das Gideon-Testament meiner Frau und die Bibel in meinem Telefon…

Die „loser“ von Nazareth

Bist du auch ein „loser“? Ich verstehe, ich bin wohl einer, wenn ich der Botschaft direkt vor der „Verkündigungskirche“  in Nazareth Glauben schenken darf.

Nazareth liegt eigentlich malerisch. Unser Mietwagen hat die PS nicht sehr üppig unter der Haube, so „schnauft“ er ganz schön, um in die Heimatstadt von Jesus auf den Berg zu kommen. Wie gut, wer damals einen Esel gehabt hat. Etliche Orte liegen in diesem Land oben auf einem Berg. Das gilt für Jerusalem – und auch Nazareth. Von Nazareth ins Land hinein ist es ein einfacher Weg, da es „bergab“ geht. Auf der einen Seite in die Jesreel-Ebene, auf der anderen Seite nach Kana. Natürlich wird hier das erste Wunder Jesu ausreichend mit Hinweisschildern bedacht – und mit Souvenirläden.  Wer zu Jesu Zeiten nach Nazareth ging, der musste recht gut zu Fuß unterwegs sein…

„Was kann aus Nazareth schon Gutes kommen“, hat man ja über Jesus gesagt. Und heute?

Nazareth ist überwiegend arabisch geprägt. An den Ladenschildern ist das eindeutig zu erkennen. Dass es in der Verkündigungskirche, der „christlichen Hauptattraktion“ von Nazareth, mehr um Maria, als um Jesus geht, stört mich auch. Die Glocken klingen trotzdem gut und eignen sich für ein kleines Video. Den Muslimen aber ist die christliche Präsenz in der Stadt grundsätzlich ein Dorn im Auge. Unterhalb der Verkündigungskirche sollte eine zentrale Moschee gebaut werden. Dort gibt es heute ein übergroßes Schild (Foto bitte durch Klick vergrößern!), das neben einer kleinen (eher symbolischen) Mini-Moschee aufgestellt ist.

Verlierer – wer nicht dem Islam anhängt. „Depp“ ist auch eine mögliche Übersetzung für „loser“. Provokant. Direkt vor einer „christlichen Gedenkstätte“. Man stelle sich vor, selbiges würde vor einer muslimischen Gedenkstätte geschehen… Das Chaos wäre perfekt.

Man muss den Hintergrund des Konfliktes wissen: Hier stand einstmals eine staatliche Schule, die von einer kommunistischen Mehrheit im Stadtrat vor der Jahrtausendwende zum Abriss freigegeben wurde. Unter dem Druck der Muslime genehmigte die israelische Regierung zunächst den Bau einer Moschee an dieser Stelle.

Jetzt steht an dieser Stelle eine „Mini-Moschee – und das Schild. Überall im Land wird einem bewusst, wie sensibel das „Gleichgewicht“ der Religionen ist. Dieses Land gut zu regieren, ist ein Meisterstück, unabhängig von der Frage der palästinensischen Autonomiegebiete.  Beten wir für Weisheit für die Regierung von Israel!

Mein Gebet für die Moslems gerade jetzt während des Ramadans ist, dass sie eine Offenbarung über Jesus bekommen und erkennen, wann man wirklich ein „loser“ ist…

Pay half – get double: Pizzavermeeeeeehrung in Netanya

Kauf drei und bekomme eins frei! Das Werbemotto findet man in Israel in größeren Geschäften nicht selten.

Samstagabend, der Schabbat ist zu Ende. Das Leben erwacht wieder. Wir sind auf dem Weg von Tiberias über Nazareth nach Jerusalem zurück. Na klar, wir wollen noch mal ans Mittelmeer. Baden um 21 Uhr in Netanya. Das Wasser ist badewannenwarm, die Brandung mahnt zur Vorsicht. Trotzdem – wir trauen uns. Super.

Anschließend haben wir Hunger. Während auf dem zentralen Platz in Netanya eine Demo in Verbindung mit den landesweiten Protesten gegen Wohnungsnot und hohe Lebenshaltungskosten ihren Lauf nimmt, bestellen wir Pizza. Beim Pizza-Service mit kleiner Bar dabei. Der Laden scheint gut zu laufen. Hochbetrieb, alle Momente fährt ein Motorroller mit Pizza-Lieferung los.

Zehn Minuten würde es dauern, der Preis mit einem großen eisgekühlten Getränk nach Wahl für drei ist akzeptabel, ich bezahle mit Kreditkarte. Als nach einer halben Stunde immer noch keine Pizza in Sicht ist, aber haufenweise Motorroller abgefahren sind, frage ich vorsichtig mal nach. Man will ja nicht ungeduldig wirken, aber die Nachbarn neben uns haben auch schon bekommen, obwohl sie wesentlich später kommen.

X  hinter der Theke fragt Y, Y fragt Z, Z wendet sich per Zuruf an X.  Man zuckt mit den Schultern. Keine Ahnung. Vergessen? Weiß nicht. Man windet sich. Ich werde energischer, das ist für mich nicht akzeptabel. Man meint hier einfach, das aussitzen zu können. Ich werde etwas deutlicher, immer noch betont höflich.

Schließlich merkt man, dass der deutsche Tourist sich nicht „abspeisen“ lässt. Ok, ok, wir geben uns Mühe. In fünf Minuten ist es soweit. Man drückt mir die Hälfte des Pizza-Preises als „Entschädigung“ in bar in die Hand.

Einverstanden! Ich frage noch nach einem weiteren kleinen Getränk. Kostenlos. Auch einverstanden.

In fünf Minuten ist die Pizza tätsächlich auf unserem Tisch. Der Belag entspricht zwar nicht wirklich dem, was wir bestellt haben, aber sie schmeckt ausgezeichnet. Wir sind zufrieden.

Als die Pizza halb in unserem Magen versenkt ist, kommt der „Verursacher“ und fragt mach, ob alles ok wäre. Ja, alles bestens. Pizza gut, Cola kalt…

Er hätte da noch eine Pizza, ob wir dafür Verwendung hätten. Free!

Ich fackele nicht lange. Ja, haben wir.

Die Reste der Pizza schmecken am kommenden Abend noch gut – aufgewärmt.

Pizzavermeeeeeehrung in Netanya: Pay half – get double. Warum nicht auch mal so…

 

(K)ein Platz für das Haupt in Galiläa

Tiberias. Hier war Jesus mit seinen Jüngern unterwegs, fuhr auf dem See Genezareth mit ihnen „spazieren“ und lehrte sie Lektionen des Glaubens. Brotvermehrung, Seligpreisungen, Kapernaum – viele Stichworte fliegen durch unseren Kopf.

Unsere Planungen sind, wie fast alles auf dieser Reise – spontan. Mittwoch miete ich das Auto, mit dem wir am Freitag losfahren wollen. Am Donnerstag stoßen wir unsere ursprünglichen Pläne um. Wir machen zwei Tage im Norden, mit Übernachtung. Das tote Meer verschieben wir einfach…

Jesus hatte oft keinen Platz, wo er sein Haupt hinlegen konnte. Aber irgendwo hat er dann wohl doch geschlafen. Mal sehen, wie es uns ergehen wird. Hochklassige Hotels sind heute in Israel kein Problem, das nötige Kleingeld vorausgesetzt.

Irgendwie geraten wir kurzfristig an die Telefonnummer einer Frau in Tiberias. Donnerstagabend rufe ich an. „Können wir morgen zu dritt kommen“. „A couple and one wife extra“. Der Englischfehler ist mir kurz darauf höchst peinlich, das Telefonat aber stimmt mich sehr fröhlich.

Unser „bed and breakfast“ liegt unweit vom Clubhotel hoch oben über dem See, der Ausblick von der Terasse ist fantastisch.

„For God so loved the world“. John 3,16. Die Bilder im Eingang zeigen uns schnell, wo wir hier gelandet sind. Gläubige Leute. Schnell sind wir miteinander in tiefsten Gesprächen, so dass wir uns kaum losreißen können, um in Tiberias noch „Petrusfisch“ genießen zu können.

Wir fühlen uns schnell „wie zu Hause“. Das Frühstück ist bestens, der Ausblick vom Balkon der Gastgeber lässt einem am Morgen fast den Atem stocken. Vor unserer Abreise beten wir miteinander und müssen noch deutsche Lobpreislieder singen.

Es ist wirklich „turbointeressant“, welche Leute wir während dieser Reise alle kennenlernen und treffen.

Gerne geben wir natürlich auf Anfrage den Tipp weiter…

Hugo, der Biber von Yardenit

Nennen wir ihn einfach Hugo.  Ihn lerne ich in Yardenit kennen. Scharen von Pilgern kommen hier jährlich her, um sich im Jordan taufen zu lassen – oder die Taufe zu erneuern. Oder weil sie neugierig sind.

Hugo lebt am Jordan, am südlichen Ende des See Genezareths. In der leicht erdfarbenen – eher Brühe als Wasser – lebt er mit seiner großen Familie. Mehrere Familienmitglieder sichte ich an diesem Freitag. Hugo lässt sich von den Pilgern bereitwillig mit Brot verwöhnen. Immer, wenn er fertig ist, macht er „Männchen“. „Will mehr“. Selbst wenn man kein Hebräisch versteht, kann man das auslegen. Hugo kriegt mehr. Und die vielen dicken, fetten Jordanfische, die sich nebenbei gesammelt haben, auch.

So kann ich Hugo artig portraitiren. Ich bin begeistert.

Es ist hier heißer als in Jerusalem. Wesentlich heißer. Ein paar russische Freunde haben sich ein Taufgewand besorgt, um hier schwimmen zu können. Scheinbar sind sie schon getauft. So verliert der Wunsch unbedingt im Jordan getauft worden zu sein, doch etwas an Mythos und Glanz… Bei unseren letzten beiden Besuchen war hier immer ordentlich „Taufbetrieb“.

Am Morgen sind wir 100 km weiter südlich, gleich gegenüber von Jericho. Auch dort gibt es eine Taufstelle. Die schon länger auf jordanischer Seite existierende Taufstelle mit alter Kirche hat auf israelischer Seite ein Pendant bekommen. Dazu hat man von der Grenzanlage einen Korridor zum Jordan gebaut, durch den man jetzt bequem Zugang hat. Dies ist erst vor ein paar Wochen fertig geworden, so hören wird.

„Heute morgen waren schon Deutsche da“, erzählt mir der israelische Soldat, der hier heute gemeinsam mit einem Kollegen Dienst hat. Ob er uns fotografieren würde? Na, klar. Zum Glück richtet sich sein MG nur auf den Boden. Wie meistens. Irgendwie verliert man den inneren Respekt, wenn man täglich von (jungen) Menschen umgeben ist, die so ein Gerät „spazierentragen“. Das ist in Israel ganz normal. Überall.

Drei Jahre müsse er im Militär dienen. Hier würde man ja wirklich mehr Soldaten brauchen als in Deutschland. Recht hat er. Klar, hier sollte möglichst keiner über den Jordan schwimmen, der hier nicht gerade breit ist.  Ob denn heute schon jemand getauft worden ist, will ich wissen? „Getauft“, was ist das? Vielleicht liegt es am Englischen oder er macht hier heute zum ersten Mal Dienst, sonst kann ich mir die Unkenntnis kaum vorstellen.

Diese Taufstelle, so wird uns klar, hat durchaus das Zeug zu einer neuen Attraktion für Taufwillige und Touristen zu werden, zumal der Weg von Jerusalem hierher nicht sehr weit ist. Und es ist irgendwie authentischer als in Yardenit.

Und in Israel ist man nicht auf den Kopf gefallen, wenn es darum geht, den christlichen Pilgern etwas zu bieten – auch bei aller höflichen Abgrenzung dem Christentum gegenüber.

Am Schabbat sind wir in der Gemeinde von Pastor D. in Tiberias. Die Gemeinde hat in den letzten Jahren ein erfreuliches Wachstum erlebt. Hebräisch, Englisch, Russisch, Gebärdensprache. Viele russische Leute gehören zur Gemeinde. „Wir haben die Informationen in vielen Sprachen ausgedruckt“, sagt der Pastor. Wir fühlen uns sehr wohl. D. ist sehr väterlich und gibt der Gemeinde eine gute Grundlage im Wort Gottes. Als er mich entdeckt lächelt er mir von der Kanzel aus zu. Nun gut, zuordnen kann er mein Gesicht nicht, aber dafür war der persönliche Kontakt während des Besuchs im vergangenen Jahres in unserer Gemeinde auch zu kurz.

„Heute morgen vor dem Gottesdienst haben sich 15 taufen lassen. Wir wollen sie jetzt im Gebet segnen“. D. holt die 15 Täuflinge nach vorne. Welch eine Freude, nicht nur in Tiberias.

Ob Hugo der Taufe beigewohnt hat oder ob sie woanders stattgefunden hat (vermutlich), lässt sich leider für uns nicht feststellen. Er hätte sich sicher auch gefreut.

Leider nicht hier…

Sorry, er ist leider nicht hier. Auch keine Überreste von IHM. Kein Bild. Keine Statue. Keine Ikone. Keine Marienfigur. Kein Grabtuch. Keine Nägel. Kein sonstwas.

Einfach ein leeres Grab!

„Dieses Schild hast du doch jedes Mal fotografiert, wenn wir hier waren.“ Richtig, habe ich. Aber es muss auch dieses Jahr wieder sein.


Wir sind im Gartengrab. (The Garden Tomb). Im Gegensatz zur Grabeskirche ist dies ein Ort, an dem man wirklich abschalten und auftanken kann. Die Schlichtheit beeindruckt.

Im Felsen ist ein Grab ausgehauen, wie man sich das Grab Jesu vorstellen könnte. Es wird nicht der Anspruch erhoben, dass dies wirklich „das Grab“ war. Die Schlichtheit ist das Besondere dieses Ortes.

Die Botschaft muss immer wieder in ihrer Einfachheit wiederholt werden.

Er ist nicht hier! Er ist auferstanden! Er lebt. ERlebt!

Mehr nicht.

Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit. Hebr 13.8


Jerusalem, deine Katzen!

Jesus klagt über Jerusalem. Er hatte Grund dazu. Menschen haben sich für seinen Ruf verschlossen.

Jerusalem, Jerusalem, die da tötet die Propheten und steinigt, die zu ihr gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt! (Matthäus 23,37).

Wenn man durch Jerusalem geht, sucht man Hennen und Küken heute vergeblich. Dieses Bild haben die Menschen zur damaligen Zeit gut verstanden. Das Bild der schützenden Henne, die die Küken unter ihre Flügel ruft, ist eindrücklich und deutlich.

Es ist gut, wenn wir uns nicht für seinen Ruf verschließen!

Was man heute sieht, sind Katzen. Sie springen durch die Straßen Jerusalems. Überall. Hunde sieht man eher selten, Katzen um so mehr. Oft sind sie sehr mager. Einer ihrer liebsten Aufenthaltsorte sind die halboffenen Müllcontainer am Straßenrand. Sie erfreuen das Katzenherz und geben reichlich Nahrung – allezeit.

Bei unseren Streifzügen durch Jerusalem haben wir einige Katzen im Portrait festgehalten.

Tisha B’Av, die zweite – oder: Warum ’sich ärgern‘ meistens wenig bringt…

Es ist immer noch Tisha B’Av. Der neunte des Monats. Die Fahrt in die Innenstadt mit dem Bus fordert mich an diesem Tag besonders. Besser gesagt, das Warten. Geschlagene 25 Minuten stehen wir an der Bushaltestelle bis der nächste Bus kommt. Der Fahrplan spricht von „etwa“ 10 Minuten. Warten, so merke ich, gehört nicht zu meinen ersten Gaben…

Dann verpassen wir noch die richtige Bushaltestelle zum Aussteigen… Heute geht einiges schief.

Zum Glück gibt es in der Ben Yehuda eine gute Eisdiele, wo wir uns erstmal „trösten“. Schnell lecken, sonst labt sich auch der Rock mit. Meine Tochter will ein Bild von Palmen haben, das sie als Desktophintergrund zur klimatischen Aufheiterung in D. verwenden möchte. Kein Problem. In Jerusalem gibt es genug davon. Und auch genug offene WiFis, um von überall Mails zu verschicken…

Unvermittelt werden wir auf der Straße auf Hebräisch angesprochen. Das ist – außer von Bettlern – eher ungewöhnlich. Ja, er nennt eindeutig den Namen unseres „besten jüdischen Freunds“. Diese Worte erkenne ich deutlich aus dem hebräischen Wortschwall heraus. Ich antworte auf Englisch. Wir lieben ihn auch! Ooh, gut, ob wir für ihn beten könnten? Ja, natürlich können wir das. Wofür denn? Gerade war jemand da, mit dem er gesprochen hätte, der bald mit ein paar Kumpels wiederkommen wolle, um ihn etwas „aufzumischen“. Ob wir dableiben sollen, fragen wir. Nein, Beten wäre gut und ausreichend.

Am Tor zum Jewish Quarter sehe ich ein mir bekanntes Gesicht. Woher wir uns kennen? Natürlich, Pater W. aus Augsburg. Er leitet eine Gruppe in der Charism. Erneuerung in Augsburg. Schnell werden alte Erinnerungen der Begegnung aufgefrischt und herzliche Grüße ausgetauscht. Wen man in dieser Stadt nicht alles trifft. Und wo! Und zu welchen Zeiten!

Zurück zum Thema: Tisha B’Av ist heute. Unsere ersten Erfahrungen hatten wir ja schon am Vorabend gemacht. So heißt das Ziel unseres heutigen Altstadtbesuchs wiederum Klagemauer. Den Security-Check lassen wir neben uns liegen und gehen ein wenig aufwärts in das jüdische Viertel, um von dort auf die Westmauer und den Platz davor herabzublicken.

Wie geführt, aber ungewollt, kommen wir mit einem aufgeschlossenen jungen Juden ins Gespräch. Aus Haifa stammend empfiehlt er uns die nicht so zahlreichen Sehenswürdigkeiten seiner Heimatstadt. Ja, die Stadt wollen wir auch noch besuchen. Wenn es denn klappt.

Gemeinsam blicken wir auf den reich bevölkerten Platz vor der Westmauer herab. An Tisha B’Av scheint „die ganze Stadt“ hier zu sein. In einem dichten Kreis haben sich viele Männer hingesetzt. Ihr inbrünstiger Gesang dringt zu uns herauf. Ob er denn auch religiös wäre, wollen wir von unserem Haifanischen Freund wissen. „Nein, ich reise durch Europa, esse alles, halte mich nicht an die religiösen Gesetze“. Er positioniert sich eindeutig. Aber es ist irgendwie leicht, ihm von „unserem besten jüdischen Freund“ zu erzählen. Unter anderem weil wir hier in diesem Land auf seine Spuren treffen, sind wir gerne hier. Wir lieben euer Land! Bevor wir uns verabschieden machen wir ein Foto. Nein, Namen haben wir nicht ausgetauscht, aber das ist auch nicht nötig.

10 Schekel Sicherheitsgebühr kostet der Besuch im AISH Hatora World Center. Hier finden viele religiöse jüdische Veranstaltungen statt. Irgendwie haben wir den Weg hierher gefunden. Ja, wir können jetzt auch das Dach besuchen. Oben angekommen verschlägt es uns fast den Atem. Die 20 Schekel sind bestens investiert. Der Ausblick auf den Platz vor der Klagemauer ist einzigartig. Dort drängen sich inzwischen immer mehr Menschen, der Gesang ist weitaus stärker geworden. Die langsam herabsinkende Sonne taucht die goldene Kuppel des Felsendoms in ein warmes Licht. „Isn’t the atmosphere here awesome?“ Eine ältere Dame aus Florida teilt uns ihre Gefühle mit. Die werden bei ihr aber nicht durch die goldene Kuppel sondern durch das ausgelöst, was heute vor der Mauer geschieht.

Das Modell des zweiten Tempels, das hier oben aufgebaut ist, lässt einen eine Vorstellung davon gewinnen, wie es hier ausgesehen haben mag – und wie es hier wieder aussehen könnte.

Wir gehen herunter zur Klagemauer. Kippas gibt es heute keine, deswegen kann ich nicht bis zur Mauer vorgehen und mache zunächst bei ein paar Fotos von der Menge. Dann erwische ich doch noch eine und versuche mich zur Mauer hin durchzuschlagen. Keine Chance. Ich gebe nach halbem Weg auf. Hier tritt man sich heute auf die Füße. Inmitten alldem intensive Gebete, manche auch etwas oberflächlicher und unkonzentriert. Auch die Spendensammler haben heute Hochkonjunktur.

Ich stelle mich in den Kreis der „Sänger“. Viele sitzen auf dem Steinboden. Noch immer sind sie engagiert im Gesang.  Viele sind innerlich stark engagiert, das ist unschwer zu erkennen. Ohne Leiter. Ohne Organisation. Ohne Zeitdruck. Einfach singen. Für wie lange? Keine Ahnung, aber es ist eine gefühlt lange Zeit. Irgendwann löst sich die Gruppe auf.

Es ist dunkel geworden. Wir wollen noch einmal versuchen auf das Dach zu kommen. Der Sicherheitsinspektor akzeptiert unsere 10-Schekel-Quittungen für einen zweiten Eintritt und so sind wir schnell wieder oben. Die Dunkelheit lässt den Platz wiederum in eine ganz andere Atmosphäre eintauchen als noch vor einer Stunde. Leider habe ich heute meinen Kamera-Akku nicht ausreichend geladen, so droht der bei 194 Bildern seine Dienste zu versagen…

Busfahren oder Laufen? Wir entscheiden uns für den Heimweg heute für letztere Variante. Bewegung tut gut, auch in Jerusalem. Fast an unserem Quartier angekommen werden wir von hinten an einer Bushaltestelle angesprochen. Es ist Frau K., die wir vor ein paar Tagen kennengelernt hatten…

Ich bin versöhnt. Den „Ärger“ über den auf der Hintour nicht kommenden Bus hätte ich mir besser gespart. Ich glaube nicht, dass wir sonst all den Menschen begegnet wären, mit denen wir heute Erfahrungen gemacht haben…

Tisha B’Av – Fasten für den Tempel

Montagmorgen. Yehuda Markt in Jerusalem. Vor unserer Busfahrt nach Netanya kaufen wir noch ein wenig ein. Brot und etwas Melone haben wir uns ausgedacht. Das reicht als Snack für den Strand. Bei der Hitze hat man sowieso keinen Hunger.

„Wozu hast du denn 10 Sesamstangen gekauft?“ Die beste Ehefrau von allen bringt es mal wieder auf den Punkt. Ja, warum eigentlich? Am Abend vorher waren wir auf dem Markt gewesen und hatten uns nach dem Gottesdienst so ein stangenähnliches Brötchen reingeschoben. Das hatte super geschmeckt. Also kaufe ich gleich 10 für diesen ganzen langen Tag. Man weiß ja nie. Außerdem, so hatte ich am Vorabend gelernt, sind sie zu zehnt im Sonderangebot zu haben…. Sieben Schekel, ungefähr 1,40 EUR.

Der Tag am Strand in Netanya ist wunderbar. Wir haben ein schattiges Plätzchen unter den Sonnendächern, die es überall am Strand gibt. Von dort kann man sich immer wieder in die Sonne und in das Wasser wagen. Wir bleiben den ganzen Tag über dort.

Den Sonnenuntergang am Strand genießen wir besonders. Das Fotografenherz schlägt eindeutig schneller. Sogar bei meiner Frau mit ihrer Digi-Cam.

Auf dem Weg zum Strand hatten wir viele schöne Restaurants und Imbissstände gesehen. Also, kein Problem, da können wir am Abend, wenn wir wieder zur Central Bus Station gehen, noch schön etwas essen und dann gemütlich nach Jerusalem zurückfahren.

Soweit die Vorstellung der unbedarften deutschen Touristen.

Reisen bildet. Ungemein!  Man lernt auch die Feiertage eines Landes kennen. Heute ist so einer, hatte man uns am Morgen gesagt. Aber die Busse fahren alle und auch alle Geschäfte haben geöffnet. Na, also, kein Problem.

Tisha B’ Av. Schon mal gehört? Nein, ich bisher nicht wirklich. Ein israelischer Feiertag, der an die Zerstörung beider Tempel und an andere nationale Ereignisse  erinnert. An diesem Tag fasten die orthodoxen Juden, die „weltlichen“ Israelis nicht. Man geht zur Klagemauer und liest das Buch der Klagelieder.

Tisha B’Av fängt, wie der Schabbat, am Vorabend an, also am 8. August. Ja, in Augsburg ist am 8. August das Friedensfest, da sind die Touristen auch immer ganz überrascht, wenn die ganze Stadt geschlossen hat, die einzige in der ganzen Republik an diesem Tag…

Wir kommen also gegen 20 Uhr vom Strand, um noch etwas zu essen. Der Sonnenuntergang hat uns lange am Strand gehalten und nicht wenig fasziniert.

Sorry, wir haben Tisha B’Av. Alles dicht!  Unfreiwilliges Fasten für den Tempel ist also angesagt. Irgendwo werden wir schon noch etwas zu essen kriegen…

Na, klar dann gleich zum Busbahnhof. Dort gibt es doch, so erinnere ich mich, das gelbe M, diesmal in der Variante auf roten Grund. Die werden uns sicher nicht im Stich lassen. Ja, da sitzen noch Leute drin, wie gut…

Die Erfahrung gemäß Offenbarung 3,20 müssen wir auch hier machen. Vor der Tür und anklopfend…

Die vollelektronischen Anzeigetafeln am Busbahnhof sind in Netanya alle nur auf Hebräisch. Außergewöhnlich. Aber so viel erkennen wir: kein Bus nach Jerusalem zu sehen. Die feiern hier doch wohl nicht auch noch das Tisha-Fest ohne Bus nach Jerusalem? Meine Frau sucht in Gedanken schon ein Hotel aus. Ich erwäge in der Sleep-in-Zone an der Strandpromenade nachzufragen…

Linie 947 – er kommt. Stein-vom-Herzen-Fall. Diesmal geht an Bord sogar das WLAN, so dass ich mich bei Google über Thisha B’Av informieren kann. Alle Geschäfte haben am Vorabend geschlossen, auch alle Bars und Restaurants, sagt die allwissende Internet-Krake, Da haben wir’s. Selbst das gelbe M bildet keine Ausnahme.

„Wir haben noch genau fünf Sesam-Brötchen übrig“. Wie gut! Das Buddeln im Rucksack zwischen den nassen Badesachen und unserer „Mexico-Decke“, die schon viele Länder mit uns gesehen hat,  ist erfolgreich. Fastenspeise! Wir teilen „brüderlich“, drei zu zwei… Die zwei Fische suche ich im Rucksack vergeblich. Leider keine eingepackt.

Der kleine Laden bei uns um die Ecke hat um 23:30 Uhr noch auf. Scheinbar kein Tisha B’Av. Dort kaufe ich eine Dose Thunfisch. Daheim angekommen habe ich dann aber auch darauf keinen Hunger mehr.

Reisen bildet. Ungemein! Jedenfalls weiß ich jetzt, was Tisha B’Av ist –  und was es in der Praxis bedeutet…

Wellenreite(r/n)

Netanya. Wir sind das erste Mal hier. Die Sonne schafft es auch heute wieder zu mediteranen Höchstleistungen. Auch hierher hat der Egged-Bus uns problemlos gebracht. Am Strand genießen wir die Erholung, Wellen und die Sonne. Ipad mit Bluetooth-Tastatur machen das Bloggen im Jahr 2011 auch am Strand möglich…

Der Strand in Netanya wird von einer Steilküste begrenzt. Hier entstehen warme Aufwinde. Unzählige Gleitschirmflieger nutzen sie und können den Hotelgästen – so scheint es – in die Zimmer gucken.

Die Wellen des Mittelmeers sind ein echtes Erlebnis. Man kann sich gegen die Welle stellen, dann haut sie einen um. Mann kann durch die Welle durchtauchen, dann wird sie zur Herausforderung, man kann auf der Welle schwimmen, „reiten“ oder die Energie ausnutzen – dann wird sie zum Erlebnis. In Mengen sind die jungen Leute mit ihren Surfbrettern an den Strand gekommen, um dieses Erlebnis auszunutzen.

Man muss den Scheitel der Welle ausnutzen, um richtig Fahrt drauf zu kriegen. Es kitzelt mich in den Füßen, mich auch mal auf so ein Brett zu stellen. Da schwimmt eins ohne Besitzer. Ich „fange“ es ein. Der junge Mann, der von seinem Brett getrennt wurde, taucht Augenblicke später aus der sich glättenden Woge auf und nimmt es dankbar von mir in Empfang. Wenige Minuten später dasselbe Spielchen. Diesmal kann ich das Brett nicht „einfangen“. Na, ganz so einfach scheint es doch nicht zu ein.

Die Wellen des Lebens sind manchmal hoch, wie hier in Netanya. Stelle ich mich gegen sie? Schaffe ich es, „hindurchzutauchen“? Oder gelingt es mir, die Welle des Lebens zum Erlebnis zu machen? Man muss Mut haben sich entsprechend zu entscheiden.

Richtig, Das Wasser im Lebensmeer hat nicht immer die Badewannentemperatur, die es hier in Netanya hat. Da will man gar nicht raus aus dem Erlebnis!

Jede Herausforderung des Lebens kann zu einem Erlebnis und zum Segen werden. Es kommt immer darauf an, mit welcher „Haltung“ wir an etwas herangehen.

Stell dich der Welle nicht entgegen und lass dich nicht von ihr umwerfen!