Besuch im Nordosten des Landes: „In MV geht was…“

Neubrandenburg – Stralsund – Rostock – Wismar – Perlin – Parchim – Schwerin – … Pünktlich zum 30-Jahre-Mauerfall-Wochenende besuchen Petra und ich BFP-Mecklenburg-Vorpommern, lang ist diese Reise bereits geplant. 622 Kilometer, acht Gemeindebesuche, fünf Versammlungen und unzählige Gespräche später sitzen wir im Zug über Hamburg zurück nach Velbert und denken über die vergangenen 72 Stunden nach… Es war stark!

„McPomm“ ist weitläufig! Die Baumalleen sind beeindruckend, die Felder riesig, das Land dünn besiedelt. Aber „McPomm“ ist schön. Nicht nur das Äußere ist auch im November wirklich schön – wir erleben die Schönheit der Gemeinde von Jesus. Ja, es gibt viel Luft nach oben, aber es gibt viel was unser Herz SEHR dankbar macht.

Kai ist mit seiner Frau Sarah als Royal-Rangers-Ost-Missionar in Perlin (nein, nicht Berlin), einem 300-Seelen-Dorf, 25 Minuten von Schwerin. Hier wohnen sie für ganz kleines Geld in einem fast herrschaftlichen ehemaligen Pfarrhaus. „Gott ist in seiner Versorgung so genial“, bestätigen uns beide.

Er hat die Reise für uns fast minutiös geplant und drängt immer wieder auf Einhaltung des Zeitplans. Ihre Herzen brennen für Stamm- und Gemeindegründung in dieser Region! Und es funktioniert! Unermüdlich erzählt Kai während der langen Autofahrten, was im Lande geht – und wo Bedarf ist. Hier will er einen Stamm gründen, dort hat einer begonnen – und dort sollte es eine Gemeindegründung geben. Und so ist er selbst mit seiner Frau auch in diesem Bereich aktiv.

Günther und Loni mit dem Jesus-Punkt in Neubrandenburg kennen wir seit unserer Studienzeit. Sie sind Papi und Mami für diese Gemeindegründung, die Räumlichkeiten mit „Unmengen“ an Platz hat, die andere Gemeinden vor Neid erblassen lassen würden. Sie erzählen uns beim Gang durchs Haus viele Wundergeschichten anderen, wie auch sie Gottes Versorgung erlebt haben.

In Wismar begegnen wir Christa und Helmut, einem älteren Ehepaar, die ihr Anwesen bei Hannover aufgegeben haben, um die Gemeinde hier zu unterstützen. Nein, leiten wollen und können sie nicht, aber unterstützen – das ist ihre Berufung! „Solche Menschen werden hier mehr benötigt“, hören wir unisono. Claudia und Andreas  dienen dieser Gruppe, die bald neue Räumlichkeiten beziehen will.

Im kleinen Städtchen Parchim treffen wir Anke, die mit ihrem neuen „Beratungs- und Begegnungszentrum“ Anschluss an unseren Bund sucht. Sie ist voller Begeisterung, gerade sind neue Möbel für die Räume angekommen. Eine Stunde fährt man zur nächsten BFP-Gemeinde, zur Muttergemeinde zwei!

Auf der dezentralen Regionalkonferenz in Rostock (Foto) erleben wir eine motivierte Gruppe, die für das Bundesland brennt. Pastor Daniel, der das CZ Rostock leitet, zeichnet die Vision nach, wie #ostdeutschlandglaubt auch in „McPomm“ als Weiterführung des Projektes MV Frucht bringen kann. Am Sonntag dienen wir in dieser aufstrebenden, richtig modern aufgestellten Gemeinde, deren multinationale Zusammensetzung unsere Herzen höher schlagen lässt, nebst ihrem nagelneuen Indoor-Spielplatz.

Christine aus der Arche in Schwerin bewirtet uns liebevoll und berichtet über den Dienst in der Landeshauptstadt, bevor wir wieder zum Zug eilen. In McPomm geht was! Vernetzung mit anderen missionarisch gesinnten Gemeinden, Patenschaften, ja das wäre was, höre ich immer wieder. „Ihr seid nicht die Stiefkinder im BFP“, versichere ich in der Gebetsrunde den versammelten Leitern.

Das sollen nicht nur nette Worte sein! (up)  

Rotes Band in Velbert durchschnitten

Das rote Band durchschnitten am Samstag bei strahlendem Sonnenschein die Vertreter der Christus Gemeinde Velbert und der Stiftung Leuchtturm in der Bahnhofstraße 45. Der leitenden Pastor der Christus Gemeinde, Frank Uphoff (rechts mit Mikro) und der Vorsitzende der Stiftung, Sven Both (links) dankten den ehrenamtlichen Mitarbeiter und Spendern, die dieses Projekt möglich gemacht haben.

Der historische Charakter des Gebäudes wurde erhalten und der Innenbereich kernsaniert. Die Stiftung und die Freikirche weihten es in einem kleinen Festakt ein, sie nutzen es zukünftig gemeinsam, um der Stadt Velbert besser dienen zu können. So soll in Kürze der Taschenfüller, eine Schulmaterialkammer, eröffnet werden. Außerdem haben Gruppenräume und Büros der Gemeinde in dem Gebäude, das sich mit dem bisherigen Anwesen der Christus Gemeinde verbindet, Platz gefunden.

Gleichzeitig feierte die Christus Gemeinde ihren 111 Geburtstag. In seinem schriftlichen Gruß würdigte Velberts Bürgermeister Dirk Lukrafka die Arbeit der Gemeinde, ebenso Vertreter des Rates der Stadt, die zur Einweihung gekommen waren. Alt-Bürgermeister Heinz Schemken sprach in seinem Grußwort im Rahmen des Festgottesdienstes über seine langjährige gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde und hob besonders das Engagement im Bereich von Kindern und Jugendlichen hervor.

Hefel 2019 begeistert 99 Kinder

Wenn 99 Kinder und über 75 Mitarbeiter das Kirchengebäude für eine Woche auf den Kopf stellen, ist Ausnahmezustand in der Christus Gemeinde Velbert angesagt. „Kindertreff-Hefel“ heißt die Woche seit etwa sechs Jahrzehnten traditionell, obwohl sie aus logistischen Gründen nur noch teilweise im „Hefel“ im Hespertal stattfinden kann. Zunächst als Stadtranderholung in einfachstem Ambiente durchgeführt, bleiben mittlerweile Sporthallen, Spielplätze und der Baldeney-See ebenso wenig verschont wie das Außengelände der Freikirche in der Bahnhofstraße.

So wiederum geschehen 2019 in der letzten vollen Ferienwoche. Schon seit März war die Woche ausgebucht, manche Eltern der Kinder waren selbst vor Jahren schon als Teilnehmer dabei. Mit Frühsport wird der Tag begonnen. „Das hilft, dass die Kinder sich für den Tag ausrichten und sammeln können“, ist eine der Leiterinnen, Minette Klemm, die in diesem Jahr das Event zum zweiten Mal gemeinsam mit Tabea Müller leitet, froh über die Begeisterung der Kinder.

Marvin Göpfert bringt mit seiner Hefel-Band, allesamt Musiker und Sänger im jugendlichen Alter, Stimmung in Kirche. „Hallele, hallele, halleluja,…“ ist einfache Botschaft im modernen Kirchensound, dazu hüpft der gerade werdende Vater mit seinem Team, bis die Schweißperlen fließen – die 99 Kinder und auch viele Mitarbeiter mit ihm. Nebelmaschine und Laserlicht schaffen das nötige Ambiente, an Technik spart man in der CGV nicht.

Mit dem Fall des aus der Vergangenheit zurückgekommen biblischen Petrus beschäftigen sich drei jugendliche Detektive und bringen eine inhaltliche Dramaturgie in die ganze Woche. Jedes Kind bekommt einen Detektivausweis. Mit Hilfe einer eigens konstruierten „Zeitmaschine“, die Petrus auf wundersame Weise zurück in die Vergangenheit bringt, kann der Fall am Ende der Woche gelöst werden. In den Gruppen arbeiten die Kinder mit ihrem eigens hergestellten Arbeitsheft am Thema weiter, lösen Rätsel und entwickeln kreative Showbeiträge für den Abschlussabend.

Nachmittags stehen Workshops (Kistenklettern, Sport, Kanufahren, Basteln, Specksteinfeilen,…) auf dem Programm, für jeden Geschmack gibt es etwas. Höhepunkt ist eindeutig der gemeinsame Ausflug mit drei Reisebussen ins „Irrland“, wo sich die Kids bei bestem Wetter austoben können. Viele Kinder mit Migrationshintergrund sind in der Woche dabei, auf diesen Punkt legen die CGV besonderen Wert. Ein weiterer Grundsatz ist, dass die Teilnahme nie aus Kostengründen scheitern soll.

„Ich bin begeistert über das hohe ehrenamtliche Engagement unserer (vor allem jugendlichen) Mitarbeiter“, resümiert Frank Uphoff, leitender Pastor der Christus Gemeinde, beim abschließenden Mitarbeiter-Dankes-Grillfest. Für den Kindertreff-Hefel 2020 steht man schon wieder in den Startlöchern.  

Besuch bei motivierten BFP-Gemeindegründern in Thüringen

„Ist das nicht der Bach, der da am Kreuz hängt?“ Nein, das sei keine Scherzfrage gewesen, erzählt uns Marco Kircher, Gemeindegründer im „Kirchenthür“-Team in Arnstadt in Thüringen. Solche und ähnliche Fragen seien die Regel, das christliche Grundwissen hier eher dürftig.

25.000 Einwohner hat das hübsche Städtchen Arnstadt, gelegen südwestlich von Erfurt, bekannt als Stadt, wo Johann Sebastian Bach seine erste Stelle als Organist hatte. Wir sind in Thüringen und verbinden das mit einem Besuch. Marco und Rebekka gründen hier Gemeinde, die „ConnectKirche“. Den Gottesdienst nennen sie „Sonntag mit Freunden“. Wir sitzen auf dem ehem. Schlossturm und blicken über die Altstadt, Marco erzählt uns eine Geschichte nach der anderen.

Sein Herz sprüht für die Menschen hier, ist voller Leidenschaft, dass Menschen Jesus kennenlernen. Der Begriff „Gottesdienst“ könne negative Vorurteile hervorrufen, deswegen mache man den „Sonntag mit Freunden“, erläutert er uns und zeigt uns in seinem kleinen Büro Bilder und Flyer von den Events, die sie bereits hatten. 40 bis 50 kommen regelmäßig sonntags. Respekt! Die Geschichten sind bewegend und spiegeln die Mühe wider, die in jeden Einzelnen investiert werden muss.

Marco ist promovierter Archäologe und nun Gemeindegründer. Ein Freundeskreis macht das (finanziell) möglich, hier im Osten Missionar zu sein. Nach seiner Bibelschulausbildung lernte er James Ros und das Kirchenthür-Team kennen und hörte gemeinsam mit seiner Frau den Ruf Gottes hierher.

Erfurt und mehr

Abends treffen wir James Ros, er ist so etwas wie ein apostolischer Vater für die Arbeiten hier. Sein Herz brennt für #ostdeutschlandglaubt. Und so zeichnet er uns ein weites Bild, was an Vision auf seinem Herzen liegt. Ja, ich habe seine Ausführungen schon oft im Präsidium gehört, aber hier vor Ort bekommt es richtig Fleisch für mich, wird greifbar. Er zeigt uns die Räumlichkeiten, in denen die ConnectKirche Erfurt ihren Gottesdienst feiert und erläutert uns das Konzept von Kevin und Katharina Herla, die hier am Start sind.

James ist wie ein Ermöglicher, der strategisch denkt und Leiter stärkt. Und er denkt nüchtern, dass Finanzen nötig sind, um diese Arbeit zu tun und wie jeder von den Gemeindegründern hier selbst mitverantwortlich ist.

Uns berührt die Hingabe der Geschwister sehr. Hier kann man nicht Gemeinde gründen, ohne ein besonderes Maß an Hingabe. Kein Ton von Klage, kein Jammern über einen „harten Boden“, sondern Begeisterung und Liebe zu den Menschen und dem Land – pur!

Oben auf dem Turm beten wir gemeinsam mit Marco für „viele Arbeiter in Ostdeutschland“. Ich nehme mit, dass das im BFP alle (Gebets)-Unterstützung würdig ist, die wir irgendwie auf die Beine stellen können.

Damit #ostdeutschlandglaubt.

Frank Uphoff

Heilt die Kranken – Predigtreihe von Frank Uphoff, cgvelbert.de

Die Bibel sagt uns: „Heilt die Kranken“ (Matthäus 10,8). Ist das keine Anmaßung, wenn wir das heute noch glauben, dass das unser Auftrag ist? Wie soll „ich“ die Kranken heilen? Ich kann das nicht, das kann doch nur Gott tun.

In einer dreiteiligen Predigtreihe beschäftigen wir uns mit dem Thema der Heilung. Diese Predigtteile sind auf Youtube zu finden.

Pfingsten kann man fühlen

Das historische Pfingstereignis und meine persönliche Pfingsterfahrung

Jesus reist durch Samarien und trifft dort an einem Brunnen eine Frau. Über den natürlichen Anknüpfungspunkt der Bitte um Wasser entspannt sich ein Gespräch über übernatürliche Themen.[1] Mit ihrer theologischen Frage nach dem „richtigen“ Ort der Anbetung lenkt Jesus ihre Aufmerksamkeit zunächst einmal auf Gottes Wesenszug: Er ist Geist![2]

Seit Jahrhunderten bekennen Menschen regelmäßig: „Ich glaube an den Heiligen Geist“. Das entspricht meinem Herzen, ich glaube an die Sendung des Heiligen Geistes zu Pfingsten, das damalige „Pfingstereignis“ in Jerusalem. Historisch einmalig geschieht hier etwas, was an Spektakularität kaum zu überbieten ist: In diesem Raum dort in Jerusalem, genannt der „Obersaal“, erleben die dort versammelten Jünger den Heiligen Geist in Form von Wind, Sturm, zerteilte Zungen wie von Feuer, fremde Sprachen und Bewegung.[3]

Das äußerlich Spektakuläre ist eine Sache, eine andere das Ergebnis: Die Jünger kommen in eine innere Freiheit hinein, die sie vorher nicht hatten: Petrus, der vorher Jesus noch verleugnet hat, wird zum Mega-Prediger, viele tun Buße, lassen sich taufen und kommen zur Gemeinde.[4]  Jesus hatte seine Jünger bei seiner Himmelfahrt mit einer klaren Anweisung ausgestattet: In Jerusalem auf die Erfüllung mit dem Heiligen Geist warten![5]Und er fügt hinzu: „Ihr werdet mit dem Heiligen Geist getauft werden.“[6]  

„Taufe im Heiligen Geist“

Dieser Begriff wirkt eher sperrig und wird nicht unbedingt von jedem im Zusammenhang mit Pfingsten genutzt. Aber schauen wir den Bibeltext genau an, so sehen wir: Ja, genau das „feiern“ wir am kommenden Wochenende. Statistisch gesehen tun sich die meisten Deutschen wohl am schwersten mit dem tieferen Sinn dieses christlichen Festtags. Und vor allem damit, was das für uns heute praktisch bedeutet. Selbst kirchlicherseits fällt es nicht immer leicht, zu erklären, was genau geschieht, wenn wir über die Verleihung des Heiligen Geistes sprechen, die in kirchlicher Tradition in der Tradition der Firmung oder gar Versiegelung wiederzufinden ist. Hier wörtlich von einer Taufe zu sprechen, tun sich viele sehr schwer. Aber Jesus selbst tut das![7]

Und auch genau mit dieser Beschreibung kündigt Johannes der Täufer Jesus selbst an: Er ist der „Täufer im Heiligen Geist“ und mit Feuer.[8] Jesus selbst spricht zur Volksmenge im Zusammenhang mit dem Heiligen Geist über „Ströme lebendigen Wassers“[9] und zur oben genannten Samariterin über das Wesen Gottes als Geist, der eine „Anbetung im Geist“ möchte[10], ohne genauer zu erklären, wie man das macht und wie das denn funktioniert. All das sind aber Bilder, die uns verstehen helfen, wie das mit dem Heiligen Geist praktisch zu sehen ist. Jesus dient außerdem dieser Frau, indem er ihr prophetisch-offenbarend aufzeigt, was die eigentlichen Probleme ihres Lebens sind.[11] Und er ermutigt an anderer Stelle dazu, den Vater im kindlichen Vertrauen um den Heiligen Geist zu bitten,[12] dieser würde keinen Skorpion für ein Ei oder eine Schlange für einen Fisch geben.

Meine persönliche Erfahrung

In freikirchlich-pfingstlicher Tradition aufgewachsen traf ich im Teenageralter eine bewusste Glaubensentscheidung für Jesus, die ich völlig ernst nahm und die bis heute lebensprägend für mich geworden und unverändert geblieben ist. Eine tiefe innere Überzeugung und Sicherheit erfüllten mich, heute würde ich sagen, der Heilige Geist war in mir, ich war von neuem geboren. Wenige Zeit später wurde ich ermutigt, durch mein persönliches Gebet den Vater um die Fülle im Heiligen Geist zu bitten. Obwohl ich in einer Pfingstgemeinde aufgewachsen war, hatte ich davon damals nicht allzu viel mitbekommen. Aber ich wollte das, was mir beschrieben wurde. Wir knieten nieder, ich erhielt Anleitung, Gott mehr zu danken als zu bitten – und ich tat das. Ich weiß heute nicht mehr genau, wie lange das Gebet dauerte, vielleicht eine Stunde.

Was dann geschah, war für mich persönlich ähnlich spektakulär, wie beim historischen Pfingsten: Auf einmal war eine übernatürliche Kraft zu spüren, es war wie ein Feuer, da fing etwas an zu brennen! Und ich fing an in einer Gebetssprache zu sprechen, die ich nicht gelernt hatte. Melodisch schöne Silben, Phrasierungen, einzelne Worte, Sätze kamen aus meinem Mund, zuerst wenig, dann immer mehr und vielfältiger. Nein, verstehen konnte ich sie nicht. Mir wurde nichts vorgesprochen, ich wurde nicht bedrängt, rein gar nichts. War das eine „extatische“ Erfahrung? Nein, keineswegs, aber unwahrscheinlich schön, mit großer, übersprudelnder Freude.  

Ja, man legte mir die Hände auf und ermutigte mich freundlich – und dann geschah es einfach. Für mich war das, wie von Johannes dem Täufer beschrieben, wie eine „innere Taufe“, der Heilige Geist „auf“ mir, würde ich heute sagen. Wie frisch gebadet oder geduscht verließ ich diese Versammlung und spürte einen enormen Drang zum Gebet. Es war eine Krafterfahrung, wie Jesus sie seinen Jüngern eindrücklich verheißt,[13] irgendwie mein eigenes kleines Pfingstfest. Das war übrigens noch vor meiner Taufe im Wasser durch Untertauchen, um die ich wenig später dann bat. Diese Gabe des Sprachengebets praktiziere ich seit damals mit großer Begeisterung, nicht täglich, aber fast täglich – und das seit über 40 Jahren!

Mein persönliches „Pfingsterlebnis“ wurde später erweitert, indem ich anfing, in prophetischen Worten und Bildern zu sprechen, in der Form, wie das der Apostel Paulus im Brief an die Korinther[14] beschreibt. Auch hier war es zunächst zaghaft und vorsichtig, im Laufe der Zeit immer mehr und konkreter. Dies geschieht öffentlich oder im kleinen vertrauten Rahmen. 

Theologisch unerfahren – und doch voll Kraft

Als damals noch junger Christ hatte ich theologisch nicht so viel Ahnung, aber ich merkte, wie Kraft kam, beispielsweise in der Schule keine Mucke zu sein, sondern mich klar zu Jesus zu bekennen. Ich lernte von der ersten Gemeinde, dass sich diese Krafterfahrung bei ihnen wiederholte[15] und das Ergebnis sah ich bei mir auch: Freimütigkeit über Jesus zu reden!

Immer und immer wieder habe ich seitdem diese Erfahrung von Kraft im Zusammenhang mit der Bitte um den Heiligen Geist gemacht: Gott hört auf ein kindliches Gebet und gibt diese „Salbung“, um es mit einem alttestamentlichen Wort zu sagen. Irgendwie ist das so einfach und doch ein Geheimnis. Und ich lernte auch, dass die erste Gemeinde ebenso diese Erfahrung gemacht hat, dass Menschen, die diese „Taufe im Heiligen Geist“ erlebten, anfingen in ihnen unbekannten Sprachen zu reden.[16]

Im Laufe der Jahre lernte ich die Bedeutung des Sprachengebets für mich persönlich immer mehr schätzen. Es geschieht dadurch wirklich eine starke innere Erbauung,[17] wie der Apostel Paulus schreibt. Mein Verstand hat davon nicht allzu viel, bleibt „fruchtleer“[18], auch das sagt Paulus. Wenn ich auf meinem Home-Trainer sitze, hat mein Verstand auch nicht so viel davon, aber meine ganze körperliche Fitness. So kann ich sagen, dass das regelmäßige Gebet in Sprachen, das ich für mich persönlich gerne leise, halblaut oder ganz laut praktiziere, meine geistliche Fitness enorm stärkt. Und ich rede zu Gott[19], und das tut einfach gut! Manchmal klingt es wie Geheimnisse, aber auch das ist biblisch.[20] Oder ich setze ich mich an mein Klavier, schließe die Augen, verlasse bekannte Lobpreistexte (die ich übrigens sehr liebe) und singe in dieser himmlischen Sprache.

Kann ich mich dafür einfach so entscheiden? Meine Erfahrung ist dazu eindeutig „ja“. „Ja“ sagt auch der Apostel Paulus, wenn er über „ich will beten im Verstand, ich will beten im Geist“[21] redet. Das Gleiche sagt er über das Singen. Und ihm ist die Feststellung wichtig, dass er mehr in Sprachen redet, als alle anderen.[22]

Aber wie ist das in der Gemeinde?

In der Gemeinde will Paulus aber lieber fünf Worte im Verstand reden, als zehntausend in Zungen.[23] Viele schließen fälschlicherweise daraus, dass das Zungen- oder Sprachengebet (der Begriff ist übrigens austauschbar) nur für sich persönlich praktiziert werden darf, keineswegs aber in der Gemeinde. Ich finde, dass das ein Missverständnis ist. Es gibt verschiedene Arten von Sprachenrede.[24] Sprachenrede, die eindeutig als ein Gebet an Gott gerichtet ist, kann und soll genauso in der Gemeinde geschehen wie persönlich. Das braucht keine Auslegung! Welche eine Kraft ist darin, wenn eine Gemeinde gemeinsam und ggf. auch laut in Zungen betet. Ich liebe das! Aber es muss „zu Gott“ sein!  

Dann gibt es Sprachenrede zu Menschen. „Ich habe eine Sprachenrede mit Auslegung“, kam während des Gottesdienstes am letzten Sonntag eine Frau zu mir als Leiter der Versammlung. Ebenso, wenn prophetische Bilder oder ermutigende Worte da sind. Nicht immer aber oft geben diese Menschen dies direkt weiter, manchmal sammeln und bündeln wir, geben diese seitens der Leitung indirekt weiter. Die Praxis ist in Pfingstgemeinden sehr unterschiedlich – aber es ist Offenheit da!

Und wenn ein Christ nicht in Sprachen beten kann?

„Ist er dann weniger wert?“, werde ich immer wieder gefragt. Keineswegs! Ein Mensch, der die lebensverändernde Jesus-Beziehung erfährt, empfängt den Heiligen Geist, wie Jesus selbst es zu den Jüngern nach seiner Auferstehung sagt.[25] Wie er dieselben Jünger wenig später ermutigt, auf die Taufe im Heiligen Geist zu warten, ermutige ich: „Strebe danach, das Sprachengebet und andere Gaben zu empfangen!“ Ich denke, dass diese Gabe für jeden(!) Christen ist, wenn er sie denn nur möchte!    

Über Denominationsgrenzen hinaus

Ich finde es ermutigend zu sehen, dass die Taufe im Heiligen Geist und das zeitweilig be- und um kämpfte Sprachengebet heute durchgehend in fast allen Denominationen und Gemeinschaften zu finden ist. Die Begrifflichkeiten und die Praxis sind verschieden, aber Menschen erleben die Erfüllung, diese Taufe, diese Gnade – eben ihr persönliches Pfingsten. Und sie fangen an in der Kraft des Heiligen Geistes zu leben und zu dienen. Nachfolge und Dienst, von Jesus öffentlich zu reden, macht auf einmal Freude, es ist wie der eingeschaltete Turbo!

Ja, in der Tat, es ist nicht nur ein kopforientiertes Christentum, sondern hat durchaus viel mit Erleben zu tun. Aber ist das unbiblisch? „Schmeckt und seht“[26], predigt schon der Psalmschreiber sehr erfahrungsorientiert – und das zieht sich durch die ganze Bibel. Es ist für mich ein Unterschied, ob ich in einer Gemeinde bin, die Lieder „kopforientiert“ singt oder Bibelstellen rezitiert. Das ist an sich nicht schlecht. Aber da wo eine Gemeinde mit denselben Liedern und gleichen Worten, aber mit einer veränderten Haltung im Geist anbetet, fließe ich im Heiligen Geist mit, hebe meine Hände, klatsche begeistert oder kniee in stiller Anbetung nieder.

Pfingsten kann man wirklich fühlbar und begeistert feiern! Ich werde es auch dieses Jahr wieder tun!

Frank Uphoff  

Bibelstellen im Artikel


[1] Johannes 4 | [2] Johannes 4,24 | [3] Apostelgeschichte 2, 2-4 | [4] Apostelgeschichte 2, ab 14 | [5] Apostelgeschichte 1,4 | [6] Apostelgeschichte 1,5 | [7] Dto. a [8] Matthäus 3,11, Lukas 3,16 | [9] Johannes 7,39 | [10] Johannes 4,24 | [11] Johannes 4,29 | [12] Lukas 11, 11-13 | [13] Apostelgeschichte 1,8 | [14] 1. Kor 12, 4ff. | [15] Apostelgeschichte 4, 31 | [16] z.B. Apostelgeschichte 10, 44-46 | [17] 1. Kor 14,4 | [18] 1. Kor 14,14 | [19] 1. Kor 14,2 | [20] Dto. | [21] 1. Kor. 14, 15 | [22] 1. Kor. 14,18 | [23] 1. Kor. 14,19 | [24] 1. Kor. 12, 10 | [25] Johannes 20,22 | [26] Psalm 34, 8


„Mutig Botschafter für die Verfolgten sein!“

Etwa 350 Teilnehmer, vor allem aus Nordrhein-Westfalen, waren der Einladung nach Bochum gefolgt, um bei strahlendem Sonnenschein in der Ruhrmetropole den verfolgten Christen eine Stimme zu geben. „Etwa 200 Millionen Christen weltweit leiden aktuell unter Verfolgung“, führte Eduard Schmidt, designierter Leiter von „Aktion für verfolgte Christen und Notleidende“ (AVC), dem Initiator der Veranstaltung aus.

Die etwa zweistündige Veranstaltung war von einer Eröffnungs- und Schlusskundgebung auf dem Bochumer Husemannplatz umrahmt. Dazwischen bewegte sich ein Gebetszug durch die Innenstadt. Johannes Dappen, Referent von AVC führte während des Gebetszuges die Teilnehmer in verschiedene Länder und nannte Anliegen, für die die Teilnehmer des Zuges beteten. Er ermutigte sie, dabei laut zu sein.

Ivan Stukert, Pastor der Gemeinde „Gottes Wort“, Bochum, der die Veranstaltung lokal organisiert hatte, lobte die seit vielen Jahren sehr kooperative Zusammenarbeit mit der Bochumer Polizei, die u.a. mit ihrer Motorradstaffel für einen reibungslosen Ablauf der Zusammenkunft sorgte.

„Wir haben eure Gebete gespürt“

Isaac Liu, selbst in Verfolgung in China geboren, heute Pastor im BFP, gab den Versammelten einen sehr persönlichen Bericht. „Wir haben eure Gebete für uns gespürt.“ Dass er lebt, ist ein Wunder, denn er sollte wegen Regierungsrepressalien zwangs-abgetrieben werden – wurde aber einen Tag vor dem Termin der Abtreibung geboren.

Mutig Botschafter sein

Frank Uphoff, Vizepräses des BFP, hob in seinem Redebeitrag dankbar hervor, dass die Presse und selbst die Bundesregierung sich um dieses Thema kümmern würde, ermutigte aber jeden einzelnen Teilnehmer, selbst ein mutiger Botschafter für Verfolgte zu sein, indem er über das Thema in seinem Umfeld und in den sozialen Medien reden würde.

Dankbar und begeistert über die Veranstaltung äußerten sich viele Teilnehmer am Ende der Kundgebung. „Wir kommen im nächsten Jahr wieder, dann mit mehr Leuten“, meinte ein weiter angereister Teilnehmer, als wir zum Schluss noch in kleinen Gruppen miteinander beten.

Ja, die Fahrt nach Bochum hat sich gelohnt. (up)

Mein Beitrag auf der Demo am 18.05.2019

Auch IDEA hat über die Demonstration berichtet. Hier nachlesen.

2500 beim Bundeshajk der Royal Rangers in Thüringen

Campübersicht

„Wen der Sohn befreit, der ist wirklich frei“. – Es ist Karfreitag, aber vom „stillen Feiertag“ ist hier am Rennsteig wenig zu merken. Die Zelthalle bebt förmlich, 2500 Ranger, alle in Kluft – und am Schuh ein besonderes Schnürband, sind in Begeisterung. Natürlich sind sie begeisterte Ranger, aber hier steht vor allem Jesus, die Gemeinde, der Nächste im Mittelpunkt – und das durchgehend!

Rennsteig? Als die Einladung zum Besuch des ersten Bundeshajks vor etwa zwei Jahren bei mir eintrudelt, muss ich erst einmal nachschauen, wo das denn ist. Thüringer Wald, vom Skisportzentrum Oberhof habe ich schon gehört. Ortsbürgermeister Pulver kommt zum Abendessen, das Präses Johannes und ich mit der Hajkleitung und den Bundesleitern haben, persönlich und kann seine Lobesworte kaum bremsen: „Ihr habt hier ein sehr eindrückliches Bild im Ort hinterlassen, ihr habt Müll gesammelt, Bäume gepflanzt und euch vorbildlichst verhalten! Klasse.“

Julian Sandvoß, 24 Jahre (!), aus Düsseldorf hat diesen ersten Bundeshajk drei Jahre lang mit einer jungen Mannschaft konzipiert, Logistik geplant, Mitarbeiter gewonnen, mit der politischen Gemeinde verhandelt, eine Versammlungshalle, mehrere Bürocontainer und haufenweise „Dixi-Klos“, gemeinsam mit dem Betreiber des kurze Zeit später stattfindenden Rennsteig-Laufs, gebucht. Die Bühnentechnik allein füllt zwei LKWs… Respekt!

„Was wir machen, machen wir sehr gut“, lächelt Peter Lehmann, RR-Bundesleiter, und führt uns über den Platz, wo biwakiert wird. „Auf 12 Campussen haben wir übernachtet, manche sind in den Tagen mit ihren „Seilschaften“ über 70 Kilometer gelaufen.“ Dort waren Bergsteigen, Kanu-Fahren, Survival-Training angesagt. In jedem Camp gab es ein Lobpreisteam und einen Camppastor. „Was da geistlich passiert ist, ist enorm“, schwärmt er.

Es ist Karfreitag 18 Uhr und die Ranger kochen gerade, alles bestens geordnet. Von überall kommen sie gestürmt und begrüßen Petra und mich, ebenfalls in Kluft, sehr herzlich: „So schön, dass ihr gekommen seid.“ Vier Staus hatten wir unterwegs….

„Ranger und Gemeinde, das gehört untrennbar zusammen“, betont der Bundesleiter. Und Präses Johannes ist gerührt: „Ich bin nicht nah am Wasser gebaut, aber wenn ich euch sehe, habe ich Tränen in den Augen.“ Seine Predigt „sitzt“, es geht um „Charakter“, und als er zu Bekehrung, Taufe im Heiligen Geist und Empfang von Geistesgaben aufruft, ist die Reaktion enorm. Noch lange stehen die Pfadfinder in Trauben zum Gebet an, so dass wir kaum dazu kommen mit unserem Sohn zu reden, der selbst Stammleiter ist und mit 20 aus seinem Stamm mit „gehajkt“ ist.

Ach, das Schnürband will ich natürlich auch als Andenken mitnehmen. „Ein symbolisches Zeichen und ein Versprechen, dass wir mit Jesus unterwegs sind“, erläutert mir Daniel Berner, RR-Bundeswart. „Das bringe ich dir am Mittwoch, wenn wir uns in Erzhausen mit den BFP-Bundeswerksleitern treffen“, schmunzelt er.

BFP-Selbstverständnis: Kandidatenschulung in Erzhausen

Erwartungsvoll sitzen sie vor mir und ich schaue in 50 gespannte Gesichter: Kandidatenschulung auf BERÖA. Der große Seminarraum ist bis auf den letzten Platz gefüllt, wenn von hinten die Fragen gestellt werden, kann ich die Studenten nur schwerlich verstehen…

Seitdem ich Vizepräses bin, gebe ich diesen Unterricht zum Thema „BFP-Selbstverständnis“. „Was erzählst du den Teilnehmern in sieben Stunden denn über den BFP, geht dir da nicht der Stoff aus“, fragt meine Frau mich abends am Telefon, als wir gemeinsam über den Tag reflektieren. Nein, keineswegs – im Gegenteil. Identität des BFP ist jeweils mein erster Schwerpunkt, wobei ich auch ein wenig historisch beleuchte, wer und was die Identität unseres Bundes geprägt hat – und wie sie sich entwickelt hat.

JESUSbewegt ist unser Bund, GEISTbewegt, GEMEINDE- und MISSIONSbewegt – und PERSÖNLICHKEITSbewegt. Wir gehen tief in die Themen rein, sprechen dabei viele Punkt aus dem Gemeindealltag an, oft entspannt sich eine rege Diskussion. „Man spürt dir ab, dass dein Herz für den BFP brennt, du BFP bist…“, spiegelt mir eine Teilnehmerin später, die ihre geistlichen Wurzeln in der Landeskirche hat und jetzt in einer BFP-Gemeinde dient. Ja, das ist mein Herzensanliegen, dies zu vermitteln. Weiter geht es mit dem Thema „Zwischenkirchliche Beziehungen“.

Die Mischung der Teilnehmer gefällt mir: Kandidaten der modularen Ausbildung, BERÖA-Absolventen im Vikariat und Integrationspastoren. Als Leiter des Bundes haben wir die Möglichkeit eine nachwachsende Generation mit den Visionspunkten zu prägen, über die vor allem der Präses spricht. Peter Bregy spricht über die strukturellen Fragen und den Pastorendienst im Allgemeinen, Daniel Dallmann über Finanzen, Missionsleiter Thomas Halstenberg über das Anliegen von Mission und Regionalleiter Andy Kopp aus der Sicht seiner Aufgabenstellung und Erfahrung, der Personalbeauftragte Daniel Aderhold thematisiert Datenschutz und Dienstwechsel. Studienleiter Horst Werner hat alles bestens organisiert und nimmt die Fäden während des Kurses immer wieder in die Hand.

Horst Werner, Markus Schmutz

Im Rahmen des Kurses BFP-Selbstverständnis wird Markus Schmutz der BFP-Dienstausweis von Studienleiter Horst Werner im Auftrag des Generalsekretärs überreicht. Markus hat alle erforderlichen Kurse als Integrationspastor erfolgreich absolviert. Er ist als Pastor in einer Gemeindegründung in Peiting / Allgäu tätig. Seine Gemeinde ist angedockt an das Netzwerk, das durch Jean-Christof Nadon von Füssen aus gebildet wird.

Am Mittwochabend predige ich im Rahmen des Gottesdienstes. Die Atmosphäre ist dicht, der Hunger nach Gebet groß.

Wie gut, dass wir diese begleitende Kandidatenausbildung im BFP haben.   (up)