Pfingsten kann man fühlen

Das historische Pfingstereignis und meine persönliche Pfingsterfahrung

Jesus reist durch Samarien und trifft dort an einem Brunnen eine Frau. Über den natürlichen Anknüpfungspunkt der Bitte um Wasser entspannt sich ein Gespräch über übernatürliche Themen.[1] Mit ihrer theologischen Frage nach dem „richtigen“ Ort der Anbetung lenkt Jesus ihre Aufmerksamkeit zunächst einmal auf Gottes Wesenszug: Er ist Geist![2]

Seit Jahrhunderten bekennen Menschen regelmäßig: „Ich glaube an den Heiligen Geist“. Das entspricht meinem Herzen, ich glaube an die Sendung des Heiligen Geistes zu Pfingsten, das damalige „Pfingstereignis“ in Jerusalem. Historisch einmalig geschieht hier etwas, was an Spektakularität kaum zu überbieten ist: In diesem Raum dort in Jerusalem, genannt der „Obersaal“, erleben die dort versammelten Jünger den Heiligen Geist in Form von Wind, Sturm, zerteilte Zungen wie von Feuer, fremde Sprachen und Bewegung.[3]

Das äußerlich Spektakuläre ist eine Sache, eine andere das Ergebnis: Die Jünger kommen in eine innere Freiheit hinein, die sie vorher nicht hatten: Petrus, der vorher Jesus noch verleugnet hat, wird zum Mega-Prediger, viele tun Buße, lassen sich taufen und kommen zur Gemeinde.[4]  Jesus hatte seine Jünger bei seiner Himmelfahrt mit einer klaren Anweisung ausgestattet: In Jerusalem auf die Erfüllung mit dem Heiligen Geist warten![5]Und er fügt hinzu: „Ihr werdet mit dem Heiligen Geist getauft werden.“[6]  

„Taufe im Heiligen Geist“

Dieser Begriff wirkt eher sperrig und wird nicht unbedingt von jedem im Zusammenhang mit Pfingsten genutzt. Aber schauen wir den Bibeltext genau an, so sehen wir: Ja, genau das „feiern“ wir am kommenden Wochenende. Statistisch gesehen tun sich die meisten Deutschen wohl am schwersten mit dem tieferen Sinn dieses christlichen Festtags. Und vor allem damit, was das für uns heute praktisch bedeutet. Selbst kirchlicherseits fällt es nicht immer leicht, zu erklären, was genau geschieht, wenn wir über die Verleihung des Heiligen Geistes sprechen, die in kirchlicher Tradition in der Tradition der Firmung oder gar Versiegelung wiederzufinden ist. Hier wörtlich von einer Taufe zu sprechen, tun sich viele sehr schwer. Aber Jesus selbst tut das![7]

Und auch genau mit dieser Beschreibung kündigt Johannes der Täufer Jesus selbst an: Er ist der „Täufer im Heiligen Geist“ und mit Feuer.[8] Jesus selbst spricht zur Volksmenge im Zusammenhang mit dem Heiligen Geist über „Ströme lebendigen Wassers“[9] und zur oben genannten Samariterin über das Wesen Gottes als Geist, der eine „Anbetung im Geist“ möchte[10], ohne genauer zu erklären, wie man das macht und wie das denn funktioniert. All das sind aber Bilder, die uns verstehen helfen, wie das mit dem Heiligen Geist praktisch zu sehen ist. Jesus dient außerdem dieser Frau, indem er ihr prophetisch-offenbarend aufzeigt, was die eigentlichen Probleme ihres Lebens sind.[11] Und er ermutigt an anderer Stelle dazu, den Vater im kindlichen Vertrauen um den Heiligen Geist zu bitten,[12] dieser würde keinen Skorpion für ein Ei oder eine Schlange für einen Fisch geben.

Meine persönliche Erfahrung

In freikirchlich-pfingstlicher Tradition aufgewachsen traf ich im Teenageralter eine bewusste Glaubensentscheidung für Jesus, die ich völlig ernst nahm und die bis heute lebensprägend für mich geworden und unverändert geblieben ist. Eine tiefe innere Überzeugung und Sicherheit erfüllten mich, heute würde ich sagen, der Heilige Geist war in mir, ich war von neuem geboren. Wenige Zeit später wurde ich ermutigt, durch mein persönliches Gebet den Vater um die Fülle im Heiligen Geist zu bitten. Obwohl ich in einer Pfingstgemeinde aufgewachsen war, hatte ich davon damals nicht allzu viel mitbekommen. Aber ich wollte das, was mir beschrieben wurde. Wir knieten nieder, ich erhielt Anleitung, Gott mehr zu danken als zu bitten – und ich tat das. Ich weiß heute nicht mehr genau, wie lange das Gebet dauerte, vielleicht eine Stunde.

Was dann geschah, war für mich persönlich ähnlich spektakulär, wie beim historischen Pfingsten: Auf einmal war eine übernatürliche Kraft zu spüren, es war wie ein Feuer, da fing etwas an zu brennen! Und ich fing an in einer Gebetssprache zu sprechen, die ich nicht gelernt hatte. Melodisch schöne Silben, Phrasierungen, einzelne Worte, Sätze kamen aus meinem Mund, zuerst wenig, dann immer mehr und vielfältiger. Nein, verstehen konnte ich sie nicht. Mir wurde nichts vorgesprochen, ich wurde nicht bedrängt, rein gar nichts. War das eine „extatische“ Erfahrung? Nein, keineswegs, aber unwahrscheinlich schön, mit großer, übersprudelnder Freude.  

Ja, man legte mir die Hände auf und ermutigte mich freundlich – und dann geschah es einfach. Für mich war das, wie von Johannes dem Täufer beschrieben, wie eine „innere Taufe“, der Heilige Geist „auf“ mir, würde ich heute sagen. Wie frisch gebadet oder geduscht verließ ich diese Versammlung und spürte einen enormen Drang zum Gebet. Es war eine Krafterfahrung, wie Jesus sie seinen Jüngern eindrücklich verheißt,[13] irgendwie mein eigenes kleines Pfingstfest. Das war übrigens noch vor meiner Taufe im Wasser durch Untertauchen, um die ich wenig später dann bat. Diese Gabe des Sprachengebets praktiziere ich seit damals mit großer Begeisterung, nicht täglich, aber fast täglich – und das seit über 40 Jahren!

Mein persönliches „Pfingsterlebnis“ wurde später erweitert, indem ich anfing, in prophetischen Worten und Bildern zu sprechen, in der Form, wie das der Apostel Paulus im Brief an die Korinther[14] beschreibt. Auch hier war es zunächst zaghaft und vorsichtig, im Laufe der Zeit immer mehr und konkreter. Dies geschieht öffentlich oder im kleinen vertrauten Rahmen. 

Theologisch unerfahren – und doch voll Kraft

Als damals noch junger Christ hatte ich theologisch nicht so viel Ahnung, aber ich merkte, wie Kraft kam, beispielsweise in der Schule keine Mucke zu sein, sondern mich klar zu Jesus zu bekennen. Ich lernte von der ersten Gemeinde, dass sich diese Krafterfahrung bei ihnen wiederholte[15] und das Ergebnis sah ich bei mir auch: Freimütigkeit über Jesus zu reden!

Immer und immer wieder habe ich seitdem diese Erfahrung von Kraft im Zusammenhang mit der Bitte um den Heiligen Geist gemacht: Gott hört auf ein kindliches Gebet und gibt diese „Salbung“, um es mit einem alttestamentlichen Wort zu sagen. Irgendwie ist das so einfach und doch ein Geheimnis. Und ich lernte auch, dass die erste Gemeinde ebenso diese Erfahrung gemacht hat, dass Menschen, die diese „Taufe im Heiligen Geist“ erlebten, anfingen in ihnen unbekannten Sprachen zu reden.[16]

Im Laufe der Jahre lernte ich die Bedeutung des Sprachengebets für mich persönlich immer mehr schätzen. Es geschieht dadurch wirklich eine starke innere Erbauung,[17] wie der Apostel Paulus schreibt. Mein Verstand hat davon nicht allzu viel, bleibt „fruchtleer“[18], auch das sagt Paulus. Wenn ich auf meinem Home-Trainer sitze, hat mein Verstand auch nicht so viel davon, aber meine ganze körperliche Fitness. So kann ich sagen, dass das regelmäßige Gebet in Sprachen, das ich für mich persönlich gerne leise, halblaut oder ganz laut praktiziere, meine geistliche Fitness enorm stärkt. Und ich rede zu Gott[19], und das tut einfach gut! Manchmal klingt es wie Geheimnisse, aber auch das ist biblisch.[20] Oder ich setze ich mich an mein Klavier, schließe die Augen, verlasse bekannte Lobpreistexte (die ich übrigens sehr liebe) und singe in dieser himmlischen Sprache.

Kann ich mich dafür einfach so entscheiden? Meine Erfahrung ist dazu eindeutig „ja“. „Ja“ sagt auch der Apostel Paulus, wenn er über „ich will beten im Verstand, ich will beten im Geist“[21] redet. Das Gleiche sagt er über das Singen. Und ihm ist die Feststellung wichtig, dass er mehr in Sprachen redet, als alle anderen.[22]

Aber wie ist das in der Gemeinde?

In der Gemeinde will Paulus aber lieber fünf Worte im Verstand reden, als zehntausend in Zungen.[23] Viele schließen fälschlicherweise daraus, dass das Zungen- oder Sprachengebet (der Begriff ist übrigens austauschbar) nur für sich persönlich praktiziert werden darf, keineswegs aber in der Gemeinde. Ich finde, dass das ein Missverständnis ist. Es gibt verschiedene Arten von Sprachenrede.[24] Sprachenrede, die eindeutig als ein Gebet an Gott gerichtet ist, kann und soll genauso in der Gemeinde geschehen wie persönlich. Das braucht keine Auslegung! Welche eine Kraft ist darin, wenn eine Gemeinde gemeinsam und ggf. auch laut in Zungen betet. Ich liebe das! Aber es muss „zu Gott“ sein!  

Dann gibt es Sprachenrede zu Menschen. „Ich habe eine Sprachenrede mit Auslegung“, kam während des Gottesdienstes am letzten Sonntag eine Frau zu mir als Leiter der Versammlung. Ebenso, wenn prophetische Bilder oder ermutigende Worte da sind. Nicht immer aber oft geben diese Menschen dies direkt weiter, manchmal sammeln und bündeln wir, geben diese seitens der Leitung indirekt weiter. Die Praxis ist in Pfingstgemeinden sehr unterschiedlich – aber es ist Offenheit da!

Und wenn ein Christ nicht in Sprachen beten kann?

„Ist er dann weniger wert?“, werde ich immer wieder gefragt. Keineswegs! Ein Mensch, der die lebensverändernde Jesus-Beziehung erfährt, empfängt den Heiligen Geist, wie Jesus selbst es zu den Jüngern nach seiner Auferstehung sagt.[25] Wie er dieselben Jünger wenig später ermutigt, auf die Taufe im Heiligen Geist zu warten, ermutige ich: „Strebe danach, das Sprachengebet und andere Gaben zu empfangen!“ Ich denke, dass diese Gabe für jeden(!) Christen ist, wenn er sie denn nur möchte!    

Über Denominationsgrenzen hinaus

Ich finde es ermutigend zu sehen, dass die Taufe im Heiligen Geist und das zeitweilig be- und um kämpfte Sprachengebet heute durchgehend in fast allen Denominationen und Gemeinschaften zu finden ist. Die Begrifflichkeiten und die Praxis sind verschieden, aber Menschen erleben die Erfüllung, diese Taufe, diese Gnade – eben ihr persönliches Pfingsten. Und sie fangen an in der Kraft des Heiligen Geistes zu leben und zu dienen. Nachfolge und Dienst, von Jesus öffentlich zu reden, macht auf einmal Freude, es ist wie der eingeschaltete Turbo!

Ja, in der Tat, es ist nicht nur ein kopforientiertes Christentum, sondern hat durchaus viel mit Erleben zu tun. Aber ist das unbiblisch? „Schmeckt und seht“[26], predigt schon der Psalmschreiber sehr erfahrungsorientiert – und das zieht sich durch die ganze Bibel. Es ist für mich ein Unterschied, ob ich in einer Gemeinde bin, die Lieder „kopforientiert“ singt oder Bibelstellen rezitiert. Das ist an sich nicht schlecht. Aber da wo eine Gemeinde mit denselben Liedern und gleichen Worten, aber mit einer veränderten Haltung im Geist anbetet, fließe ich im Heiligen Geist mit, hebe meine Hände, klatsche begeistert oder kniee in stiller Anbetung nieder.

Pfingsten kann man wirklich fühlbar und begeistert feiern! Ich werde es auch dieses Jahr wieder tun!

Frank Uphoff  

Bibelstellen im Artikel


[1] Johannes 4 | [2] Johannes 4,24 | [3] Apostelgeschichte 2, 2-4 | [4] Apostelgeschichte 2, ab 14 | [5] Apostelgeschichte 1,4 | [6] Apostelgeschichte 1,5 | [7] Dto. a [8] Matthäus 3,11, Lukas 3,16 | [9] Johannes 7,39 | [10] Johannes 4,24 | [11] Johannes 4,29 | [12] Lukas 11, 11-13 | [13] Apostelgeschichte 1,8 | [14] 1. Kor 12, 4ff. | [15] Apostelgeschichte 4, 31 | [16] z.B. Apostelgeschichte 10, 44-46 | [17] 1. Kor 14,4 | [18] 1. Kor 14,14 | [19] 1. Kor 14,2 | [20] Dto. | [21] 1. Kor. 14, 15 | [22] 1. Kor. 14,18 | [23] 1. Kor. 14,19 | [24] 1. Kor. 12, 10 | [25] Johannes 20,22 | [26] Psalm 34, 8


„Mutig Botschafter für die Verfolgten sein!“

Etwa 350 Teilnehmer, vor allem aus Nordrhein-Westfalen, waren der Einladung nach Bochum gefolgt, um bei strahlendem Sonnenschein in der Ruhrmetropole den verfolgten Christen eine Stimme zu geben. „Etwa 200 Millionen Christen weltweit leiden aktuell unter Verfolgung“, führte Eduard Schmidt, designierter Leiter von „Aktion für verfolgte Christen und Notleidende“ (AVC), dem Initiator der Veranstaltung aus.

Die etwa zweistündige Veranstaltung war von einer Eröffnungs- und Schlusskundgebung auf dem Bochumer Husemannplatz umrahmt. Dazwischen bewegte sich ein Gebetszug durch die Innenstadt. Johannes Dappen, Referent von AVC führte während des Gebetszuges die Teilnehmer in verschiedene Länder und nannte Anliegen, für die die Teilnehmer des Zuges beteten. Er ermutigte sie, dabei laut zu sein.

Ivan Stukert, Pastor der Gemeinde „Gottes Wort“, Bochum, der die Veranstaltung lokal organisiert hatte, lobte die seit vielen Jahren sehr kooperative Zusammenarbeit mit der Bochumer Polizei, die u.a. mit ihrer Motorradstaffel für einen reibungslosen Ablauf der Zusammenkunft sorgte.

„Wir haben eure Gebete gespürt“

Isaac Liu, selbst in Verfolgung in China geboren, heute Pastor im BFP, gab den Versammelten einen sehr persönlichen Bericht. „Wir haben eure Gebete für uns gespürt.“ Dass er lebt, ist ein Wunder, denn er sollte wegen Regierungsrepressalien zwangs-abgetrieben werden – wurde aber einen Tag vor dem Termin der Abtreibung geboren.

Mutig Botschafter sein

Frank Uphoff, Vizepräses des BFP, hob in seinem Redebeitrag dankbar hervor, dass die Presse und selbst die Bundesregierung sich um dieses Thema kümmern würde, ermutigte aber jeden einzelnen Teilnehmer, selbst ein mutiger Botschafter für Verfolgte zu sein, indem er über das Thema in seinem Umfeld und in den sozialen Medien reden würde.

Dankbar und begeistert über die Veranstaltung äußerten sich viele Teilnehmer am Ende der Kundgebung. „Wir kommen im nächsten Jahr wieder, dann mit mehr Leuten“, meinte ein weiter angereister Teilnehmer, als wir zum Schluss noch in kleinen Gruppen miteinander beten.

Ja, die Fahrt nach Bochum hat sich gelohnt. (up)

Mein Beitrag auf der Demo am 18.05.2019

Auch IDEA hat über die Demonstration berichtet. Hier nachlesen.

2500 beim Bundeshajk der Royal Rangers in Thüringen

Campübersicht

„Wen der Sohn befreit, der ist wirklich frei“. – Es ist Karfreitag, aber vom „stillen Feiertag“ ist hier am Rennsteig wenig zu merken. Die Zelthalle bebt förmlich, 2500 Ranger, alle in Kluft – und am Schuh ein besonderes Schnürband, sind in Begeisterung. Natürlich sind sie begeisterte Ranger, aber hier steht vor allem Jesus, die Gemeinde, der Nächste im Mittelpunkt – und das durchgehend!

Rennsteig? Als die Einladung zum Besuch des ersten Bundeshajks vor etwa zwei Jahren bei mir eintrudelt, muss ich erst einmal nachschauen, wo das denn ist. Thüringer Wald, vom Skisportzentrum Oberhof habe ich schon gehört. Ortsbürgermeister Pulver kommt zum Abendessen, das Präses Johannes und ich mit der Hajkleitung und den Bundesleitern haben, persönlich und kann seine Lobesworte kaum bremsen: „Ihr habt hier ein sehr eindrückliches Bild im Ort hinterlassen, ihr habt Müll gesammelt, Bäume gepflanzt und euch vorbildlichst verhalten! Klasse.“

Julian Sandvoß, 24 Jahre (!), aus Düsseldorf hat diesen ersten Bundeshajk drei Jahre lang mit einer jungen Mannschaft konzipiert, Logistik geplant, Mitarbeiter gewonnen, mit der politischen Gemeinde verhandelt, eine Versammlungshalle, mehrere Bürocontainer und haufenweise „Dixi-Klos“, gemeinsam mit dem Betreiber des kurze Zeit später stattfindenden Rennsteig-Laufs, gebucht. Die Bühnentechnik allein füllt zwei LKWs… Respekt!

„Was wir machen, machen wir sehr gut“, lächelt Peter Lehmann, RR-Bundesleiter, und führt uns über den Platz, wo biwakiert wird. „Auf 12 Campussen haben wir übernachtet, manche sind in den Tagen mit ihren „Seilschaften“ über 70 Kilometer gelaufen.“ Dort waren Bergsteigen, Kanu-Fahren, Survival-Training angesagt. In jedem Camp gab es ein Lobpreisteam und einen Camppastor. „Was da geistlich passiert ist, ist enorm“, schwärmt er.

Es ist Karfreitag 18 Uhr und die Ranger kochen gerade, alles bestens geordnet. Von überall kommen sie gestürmt und begrüßen Petra und mich, ebenfalls in Kluft, sehr herzlich: „So schön, dass ihr gekommen seid.“ Vier Staus hatten wir unterwegs….

„Ranger und Gemeinde, das gehört untrennbar zusammen“, betont der Bundesleiter. Und Präses Johannes ist gerührt: „Ich bin nicht nah am Wasser gebaut, aber wenn ich euch sehe, habe ich Tränen in den Augen.“ Seine Predigt „sitzt“, es geht um „Charakter“, und als er zu Bekehrung, Taufe im Heiligen Geist und Empfang von Geistesgaben aufruft, ist die Reaktion enorm. Noch lange stehen die Pfadfinder in Trauben zum Gebet an, so dass wir kaum dazu kommen mit unserem Sohn zu reden, der selbst Stammleiter ist und mit 20 aus seinem Stamm mit „gehajkt“ ist.

Ach, das Schnürband will ich natürlich auch als Andenken mitnehmen. „Ein symbolisches Zeichen und ein Versprechen, dass wir mit Jesus unterwegs sind“, erläutert mir Daniel Berner, RR-Bundeswart. „Das bringe ich dir am Mittwoch, wenn wir uns in Erzhausen mit den BFP-Bundeswerksleitern treffen“, schmunzelt er.

BFP-Selbstverständnis: Kandidatenschulung in Erzhausen

Erwartungsvoll sitzen sie vor mir und ich schaue in 50 gespannte Gesichter: Kandidatenschulung auf BERÖA. Der große Seminarraum ist bis auf den letzten Platz gefüllt, wenn von hinten die Fragen gestellt werden, kann ich die Studenten nur schwerlich verstehen…

Seitdem ich Vizepräses bin, gebe ich diesen Unterricht zum Thema „BFP-Selbstverständnis“. „Was erzählst du den Teilnehmern in sieben Stunden denn über den BFP, geht dir da nicht der Stoff aus“, fragt meine Frau mich abends am Telefon, als wir gemeinsam über den Tag reflektieren. Nein, keineswegs – im Gegenteil. Identität des BFP ist jeweils mein erster Schwerpunkt, wobei ich auch ein wenig historisch beleuchte, wer und was die Identität unseres Bundes geprägt hat – und wie sie sich entwickelt hat.

JESUSbewegt ist unser Bund, GEISTbewegt, GEMEINDE- und MISSIONSbewegt – und PERSÖNLICHKEITSbewegt. Wir gehen tief in die Themen rein, sprechen dabei viele Punkt aus dem Gemeindealltag an, oft entspannt sich eine rege Diskussion. „Man spürt dir ab, dass dein Herz für den BFP brennt, du BFP bist…“, spiegelt mir eine Teilnehmerin später, die ihre geistlichen Wurzeln in der Landeskirche hat und jetzt in einer BFP-Gemeinde dient. Ja, das ist mein Herzensanliegen, dies zu vermitteln. Weiter geht es mit dem Thema „Zwischenkirchliche Beziehungen“.

Die Mischung der Teilnehmer gefällt mir: Kandidaten der modularen Ausbildung, BERÖA-Absolventen im Vikariat und Integrationspastoren. Als Leiter des Bundes haben wir die Möglichkeit eine nachwachsende Generation mit den Visionspunkten zu prägen, über die vor allem der Präses spricht. Peter Bregy spricht über die strukturellen Fragen und den Pastorendienst im Allgemeinen, Daniel Dallmann über Finanzen, Missionsleiter Thomas Halstenberg über das Anliegen von Mission und Regionalleiter Andy Kopp aus der Sicht seiner Aufgabenstellung und Erfahrung, der Personalbeauftragte Daniel Aderhold thematisiert Datenschutz und Dienstwechsel. Studienleiter Horst Werner hat alles bestens organisiert und nimmt die Fäden während des Kurses immer wieder in die Hand.

Horst Werner, Markus Schmutz

Im Rahmen des Kurses BFP-Selbstverständnis wird Markus Schmutz der BFP-Dienstausweis von Studienleiter Horst Werner im Auftrag des Generalsekretärs überreicht. Markus hat alle erforderlichen Kurse als Integrationspastor erfolgreich absolviert. Er ist als Pastor in einer Gemeindegründung in Peiting / Allgäu tätig. Seine Gemeinde ist angedockt an das Netzwerk, das durch Jean-Christof Nadon von Füssen aus gebildet wird.

Am Mittwochabend predige ich im Rahmen des Gottesdienstes. Die Atmosphäre ist dicht, der Hunger nach Gebet groß.

Wie gut, dass wir diese begleitende Kandidatenausbildung im BFP haben.   (up)

„Unser Gott kann“ – Gemeindekonferenz in Velbert mit Präses Justus

„Akzeptiere, dass das Treffen von Entscheidungen eine Voraussetzung für Leiterschaft ist.“ Präses Johannes Justus ist ehrlich und bekennt, dass es ihm manchmal nicht leichtfällt, Entscheidungen zu treffen. Er spricht weniger von seinen „Siegen“, mehr von seinen „Niederlagen“, seine Seminare und Predigten sind mit ganz vielen authentischen Beispielen gespickt.  

Große Resonanz

Präses Johannes Justus dient in der CGV

Gemeindekonferenz in der CGV unter dem Generalthema „Unser Gott kann“.  Eine große Zahl an Mitarbeitern der Christus Gemeinde Velbert sind zum Mitarbeiterseminar am Samstagmorgen gekommen und hängen förmlich an den Lippen des Präses. Er nimmt die Mitarbeiter mit in die Fragen von Mitarbeiter- und Leiterschaft. „Es ist wichtig, dass du reflektierte Entscheidungen triffst.“

Es ist ein Genuss ihm zuzuhören und der Morgen geht sehr schnell vorbei. „Ich möchte, dass ihr die Gedanken, die ich euch gebe, in euren Gruppen reflektiert und darüber sprecht“, empfiehlt er und stellt seine Präsentation zur Verfügung.

„Bindet Menschen nicht an euch, sondern an Christus“. Für unser Ego sei es gut, wenn wir Menschen an uns binden, führt er aus. Und er empfiehlt, Rat bei Fachleuten zu suchen.

Starke geistliche Kraft

Die Konferenz beginnt am Freitagabend mit einem Gottesdienst, der von der CHANGE-Jugend der CGV gestaltet wird. Er wird gleich zu einem echten Highlight. Die Jugendband, die auch auf der regionalen Jugendfreizeit „Die Burg“ dienen wird, gestaltet den Abend laut und mit Nebel – und mit großer geistlicher Kraft.

Der Präses ist unkompliziert und direkt. Während der Predigt ruft er Menschen heraus und dient ihnen mit einer großen prophetischen Dichte. Am Ende des Abends ruft er zur Entscheidung für Jesus auf. Diesem Aufruf folgen etliche Menschen. In der nachfolgenden Gebetszeit geht es sehr intensiv zu.

Welch ein Start für die Gemeindekonferenz. (up)  

Gottes Berufung mit Israel geht weiter

Reisebericht einer eindrücklichen Woche mit Konferenzbesuch

„Ich könnte nichts anderes tun, als 24 Stunden lang Gemeinden gründen.“ Die Begegnung mit Pastor E. und seiner Frau in der Nähe von Tel Aviv ist beeindruckend. Wir finden ihre Gemeinde, auch ohne GPS, am Schabbat im Untergeschoss einer großen Shoppingmall. Hier beginnt unser einwöchiger Israelaufenthalt.

Eingemietet ist die Gemeinde in einem Tanzstudio. Die Reihen sind gut gefüllt mit Menschen aus allen Altersschichten. Ob sie Probleme mit der Regierung haben bezüglich der Gemeindearbeit, will ich wissen? „Nein überhaupt nicht, wir können hier in völliger Freiheit arbeiten“, konstatiert der sympathische Pastor, der in der Ukraine geboren ist.

Pastor E. mit Frau sowie Petra und Frank Uphoff

Jüdische Wurzeln

„Meine Frau hat jüdische Wurzeln und deswegen kamen wir vor mehr als zehn Jahren hierher“. Schon in der Ukraine diente er als Pastor. Was kann er da anderes in Israel tun als Gemeindegründung? Und er hat ein starkes Herz für Evangelisation. „Als Johannes unlängst da war, haben wir etwa 150 Menschen zusammengebracht, die keine Beziehung zu Jesus haben. Und sie haben das klare Evangelium gehört.“ Mit Johannes meint er natürlich „unseren Johannes Justus“. Man spürt ihm die Wertschätzung für und die Beziehung zu unserem Präses total ab. „Die Menschen haben gefragt, wann Johannes denn wiederkommen wird. Wir laden sie erst zu einer Evangelisation ein, verknüpft mit einem touristischen Programm.“ Jüdisch schlau wäre das, so meint er und lächelt.

 „In Petah Tiqua suchen wir gerade nach geeigneten Räumlichkeiten, weil wir da schon so viele Gläubige haben“, berichtet er begeistert. Und samstags haben wir immer einen Gebetsdienst auf dem höchsten Gebäude Jerusalems. „Nebenbei“ geht er noch einer Teilzeittätigkeit im Bereich der öffentlichen Sicherheit nach. „Dadurch kenne ich viele Menschen und kann ihnen dienen.“

Wir sind BFP

„Im September sehen wir uns wieder auf der BFP-Konferenz in Willingen“, ist er entschlossen. „Na klar, wir sind BFP und wollen das auch leben“, fügt er hinzu, denn seit einem Jahr gehören sie zum BFP International Network. In-israel.bfp.de ist die Internetadresse für die Arbeit des BFP in Israel. Etliche Gemeinden aus Deutschland unterstützen sie.

Ob er denn noch mehr Pastoren aus Russland oder der Ukraine kennen würde, die hier im Land leben, will ich wissen. Sicher, es gibt etliche, die auch Gemeinden gründen, weiß Pastor E. zu berichten. Sein Englisch, das er erst hier gelernt hat, ist exzellent, so dass Kommunikation leichtfällt. Gerade die Tage vorher war mir wichtig geworden, welch ein Segen für Deutschland (und den BFP) Geschwister aus russischsprachigem Hintergrund sind. Das erlebe ich auch hier.

Der Platz auf dem Karmel, wo Altar des Elia gestanden haben soll.

Feuerstätte mit gutem Ausblick 

Weiter geht es gen Norden. „Ich bringe euch zu dem Platz, wo Elia gebetet hat und Feuer vom Himmel fiel“, sagt Pastor M., unser Gastgeber, ein arabischsprechender Israeli. „Wir sind in wenigen Minuten da.“ Dass er damit arabische Minuten gemeint hat, merken wir etwa eine Dreiviertelstunde später. Der Berg Karmel ist groß und die Stadt Haifa erstreckt sich über eine weite Distanz. Aber auf googleMaps sieht manches anders aus, als es in Wirklichkeit eben ist.

Es ist der zweite Tag unseres Besuchs in Israel, wir sind in den Norden gefahren, um Pastor M. zu treffen, der uns in Velbert schon besucht hat. Seine Gemeinde trifft sich in einem selbst errichteten Gebetshaus gleich außerhalb von Haifa.

Vom Berg Karmel aus ist die Ebene Meggido, das „Tal Israel“, gut überschaubar, leider ist es etwas diesig und verhangen.  Hier wird Geschichte total lebendig, aber auch prophetische Worte der Bibel über diesen Ort, an dem sich laut Bibel einmal alle Völker gegen Israel versammeln werden, kommt zum Greifen nahe.

Abends sind wir in einer anderen arabischsprechenden Gemeinde in Haifa, der dortige Pastor Y. lädt mich – ohne mich zu kennen – am Morgen per Telefon zum Predigtdienst ein. Es entsteht eine herzliche Verbindung, die Gemeinde tut einen europaweiten Dienst unter Flüchtlingen.

Auch die befestigte Stadt Akko, nördlich von Haifa, lassen wir nicht aus. Pastor H. heißt uns in seinem baptistischen Bibelladen in der Altstadt von Akko willkommen. Das Angebot an christlicher Literatur und Bibeln ist breit. Jesus steht hier eindeutig im Mittelpunkt. An diesem Tag schüttet es wie aus Eimern, gut für das Land, für unsere Schuhe leider nicht.   

100 Leiter aus 20 Nationen

ENVISION heißt die Leiterkonferenz der Internationalen Christlichen Botschaft (ICEJ) zu der wir zum Wochenbeginn reisen. 100 Leiter aus 20 Nationen sind da und werden von Dr. Jürgen Bühler, dem Präsidenten der ICEJ willkommen geheißen. „Die deutsche Delegation ist mit 25 Leuten die stärkste“, freut sich Gottfried Bühler, Bruder von Jürgen und Leiter des deutschen Zweiges der ICEJ. Jürgen ist ein BFP-Pastor. Ihr verstorbener Vater Albert war es auch und „der hat die Liebe zu Israel in unser Herz gepflanzt“, bestätigen beide. Mit der ICEJ ist der BFP in Partnerschaft.

Eine größere Delegation kommt aus Liberia/Afrika, unter ihnen eine Parlamentarierin, die das Grußwort ihrer Regierung weitergibt. Nach vielen Jahren Bürgerkrieg formiert sich hier ein neues Bewusstsein innerhalb der Gemeinden, zu Israel zu stehen, zu segnen und sich segnen zu lassen. „Watch out for Liberia, wir werden mit einer größeren Delegation zum Laubhüttenfest kommen“, ist die charmante Parlamentarierin selbstbewusst.

Hochkarätige Sprecher

Die Rednerliste der Konferenz ist lang, wobei sich intensive Bibellehre und gemeindliche / gesellschaftliche Analyse, gewürzt mit politischen Aspekten ergänzen. In mehreren Diskussionsrunden kommen lokale Pastoren, sowohl messianische als auch arabische zu Wort. Durch die Vorstellung verschiedener lokaler Projekte und Gemeinden bekommt man ein umfassendes Bild, was sich im Land tut und wie die geistliche Entwicklung ist.

Auch der politische Chefanalyst der Jerusalem Post, Gil Hoffmann, ist als Sprecher eingeladen. Humorvoll und eloquent führt er den Pastoren die aktuelle politische Lage in Israel vor Augen. „Betet für uns“, schließt er seinen Vortrag. Als Jude weiß er die Sichtweisen evangelikaler Christen gut einzuschätzen – und pointiert zu kommentieren.

Gottes Berufung: Gemeinde hat Israel nicht ersetzt

Schwerpunkt der Bibellehre ist Gottes Sicht von Israel, seine Berufung für das Volk – und welche Bedeutung das für die Gemeinde hat. Dass Gott einen Plan für sein Volk hat und dieser Plan nicht durch die Gemeinde ersetzt wird, zieht sich wie ein roter Faden durch die Predigten der meist lokal ansässigen Pastoren und Mitarbeiter der ICEJ.

Eine Ebene des Vertrauens

Kranzniederlegung in der Gedenkstätte Yad Vashem

ICEJ genießt in Jerusalem einen überaus guten Ruf. Durch ihre sozialen und karitativen Projekte haben sie eine Ebene des Vertrauens geschaffen. „Wenn wir euch gebraucht haben, wart ihr SOFORT da“, sagt ein leitender Kibbutzvertreter und führt uns stolz die mobile Brandbekämpfungseinheit vor, von denen die ICEJ insgesamt 17 gespendet hat. Sie helfen zum schnellen Eingreifen bei Feuern, die durch Feuerdrachen von Gaza aus in Israel entzündet werden. Ein lokaler Bürgermeister kommt extra zu unserer Gruppe, als wir an die Grenze von Gaza gefahren sind und spricht über die lokale Lage. „Dass ihr uns besuchen kommt, ist für uns ein hoher Beweis dafür, dass ihr zu uns steht! Hier kommt sonst keine Reiseorganisation mit ihren Gästen hin.“ Kein Wunder, die Grenze zu Gaza ist in Sichtweite. „Vor einigen Wochen hatten wir 500 Raketeneinschläge innerhalb von 24 Stunden“, erzählt der Bürgermeister weiter. „Aber wir weichen nicht von hier. Hier ist unsere Heimat, hier ist unsere Berufung.“  

Kranzniederlegung

Auch in der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat sich die ICEJ hohes Vertrauen erworben. Aus Anlass des Holocaust-Gedenktages legen wir als Konferenzdelegation in einer kurzen Zeremonie mit Psalmlesung und Gebeten zwei Kränze nieder. Es folgen Momente der Stille und des Gedenkens.

Baumpflanzung

Baumplanzung in Kfar Azar.
Frank Uphoff, Dr. Jürgen Bühler, Präsident ICEJ und dem Vertreter des Kibbutz Kfar Azar, Shai Hermesh, einem früheren Knesset-Mitglied

Während des Besuches im Kibbutz Kfar Azar pflanzen wir als Konferenzdelegation einen Feigenbaum, der ein Zeichen der Hoffnung in diesem Kibbutz sein soll, der in „Schussweite“ der Gaza-Grenze liegt. Die Bushaltestelle mit Bomben-Shelter trägt ein Schild: Gespendet von der ICEJ. „Wir stehen zu euch“, betont Dr. Jürgen Bühler und gießt Wasser an den frischgepflanzten Baum. Die Konferenzgruppe segnet die Bewohner des Kibbutz!  

Keinen „Israel-Extremismus“

„Es gab während der ganzen Konferenz keine Fahnenschwenker oder Schofarhornbläser“, resümiert Edwin Jung, Leiter der österreichischen Pfingstgemeinden. Recht hat er, denn selbst Jürgen Bühler warnt vor den „Israel-Extremisten“, die sich hier und da sammeln. ICEJ will hier einen gesunden Gegenpol mit Liebe zu Israel setzen, die aber auch die Fehlentwicklungen und falschen Haltungen klar benennt, sowohl auf israelischer als auch auf (internationaler) Gemeindeseite.

Ich denke, das gelingt ICEJ in hervorragender Weise.

Frank Uphoff

mehr: icej.de oder envision.icej.de

Namenswechsel zum 111. Jubiläum


Aus Christlicher Gemeinschaft wird Christus Gemeinde Velbert | „+Gottesdienst“ ab Februar

Auf 111 Jahre Bestehen blickt die Christus Gemeinde in Velbert zurück. Das Jubiläumsjahr wurde zum Jahresbeginn unter dem Motto „Aufbruch 2019“ eingeleitet und in einem feierlichen Gottesdienst der Namenswechsel zelebriert: Aus der Christlichen Gemeinschaft wurde die Christus Gemeinde Velbert.  

Der Beginn der Gemeinde reicht bis in das Jahr 1908 zurück. Damals gab es geistliche Aufbrüche im Rahmen der Velberter Kirchen. Neue Gläubige, die sich neben den kirchlichen Gottesdiensten zu intensiveren Zusammenkünften, Gebeten und Bibelstudien trafen, sammelten sich und bildeten die „Christliche Gemeinschaft“. Man wählte damals bewusst den Namen „Gemeinschaft“ und nicht Gemeinde oder Kirche, um deutlich zu machen, dass man ein Zusatzangebot machen wollte. 

Das Bild der Gemeinschaft hat sich im Laufe der Geschichte der Gemeinde stark gewandelt. Aus einer Gemeinschaft ist eine fest in Velbert etablierte Kirchengemeinde geworden, die mit ihrem Standort in der Bahnhofstraße weit über die Grenzen der Stadt bekannt ist. Mit 330 auf eigenen Wunsch getauften Mitgliedern plus Kindern, Jugendlichen und Zugehörigen ist die „CGV“, wie sie gern kurz (auch weiterhin) genannt wird, eine multikulturelle Multigenerationsgemeinde mit starkem Familiencharakter geworden. 

Dieser Entwicklung will man durch den Namenswechsel Rechnung tragen und hat dazu auch den Auftritt in der Öffentlichkeit unter dem Motto „Komm. Entdecke. Lebe.“ mit einem neuen Logo und einem neuen Design zeitgemäß aufgefrischt. Die Änderung des Namens wurde auch mit den Gremien anderer Kirchen im Vorfeld abgestimmt, unter anderem mit dem Kirchvorstand der Evangelischen Gemeinde in Velbert-Mitte, die ja in der „Christuskirche“ beheimatet ist. 

Bekannt ist die heutige Christus Gemeinde auch durch die von ihr gegründete Velberter Mission, eine Organisation, mit der derzeit 70 geistliche und soziale Mitarbeiter weltweit ausgesandt sind, beispielsweise Afrika, Südamerika und Indien. Ein weiterer Schwerpunkt ist ihr Dienst unter Kindern und Jugendlichen. Der Kindertreff Hefel, eine Stadtranderholung im Sommer, lockt seit über 60 Jahren jedes Jahr über 100 Kinder an, der Jugendgottesdienst CHANGE bringt freitags etwa 60 Jugendliche zusammen. 

Die Kinderband „Puzzles“ ist mit ihren Konzerten für Kinder bundesweit gefragt. Mehr als 60 Mitarbeiter sind im Kindergottesdienst engagiert. Highlight der Woche ist der sonntägliche Familiengottesdienst um 10 Uhr, der ab Februar 2019 durch einen +Gottesdienst am Nachmittag für die Generation der jungen Erwachsenen ergänzt wird. 

„Wir wollen Kirche für Velbert und für den Einzelnen sein“, betont der leitende Pastor Frank Uphoff, der seit Herbst 2017 die Gemeinde und das mehrköpfige Pastorenteam leitet. Pastor in Ausbildung z.A. Benjamin Hinze, der für die Jugendarbeit verantwortlich ist, bereitete den Gottesdienst zum Namenswechsel mit Musik, Segensgebeten und Choreografie vor, so dass dieser zu einem eindrücklichen Erlebnis wurde. 

Nach dem Gottesdienst wurde die mehrstöckige Torte von den Pastoren gemeinsam angeschnitten und war schnell verzehrt.     

Willkommen in der Christus Gemeinde Velbert. Pastoren Uphoff, Hinze, Leistner 



„Postfaktisch“

Ich finde es ab und zu sehr interessant zu sehen, welches Wort zum „Wort des Jahres“ gewählt wird, weil durch diese Wahl gesellschaftliche Entwicklungen ihren Ausdruck finden. „Postfaktisch“ hat in diesem Jahr das „Rennen“ gemacht. Am Freitag hörte ich davon im Autoradio. Das Wort hatte ich bis dahin noch nicht gehört.

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Also las ich bei Tagesschau.de nach: „Immer größere Bevölkerungsschichten sind in ihrem Widerwillen gegen ‚die da oben‘ bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen bereitwillig zu akzeptieren“, heißt es in der Begründung. Der Vorsitzende der Gesellschaft, Peter Schlobinski, räumte ein, dass „postfaktisch“ etwas akademisch klinge und noch keinen Eingang in die Umgangssprache gefunden habe. So heißt es auf der Internetseite der Tagesschau. (http://www.tagesschau.de/inland/wort-des-jahres-101.html)

Auf internationaler Ebene, so erfuhr ich weiter, war kurz zuvor das Wort „Post-truth“ durch das „Oxford dictionary“ zum Wort des Jahres 2016 gewählt worden. Das beschreibt den Sachverhalt eigentlich noch genauer. Man bewegt sich „nach“ oder außerhalb der „Wahrheit“.

Dass „Wahrheit“ in den letzten Jahren eine immer geringere Bedeutung bekommen hat, ist sicher vielen schon aufgefallen. Alles scheint relativ geworden zu sein, „Wahrheit“ wird mehr und mehr durch die eigene Sicht der Dinge ersetzt und abgelöst. Die Kommentatoren nehmen weltweit wahr, dass Menschen zunehmend Fakten ignorieren und ihre Entscheidungen anhand eigener subjektiver Maßstäbe treffen. Das wird mit „postfaktisch“ und „post-truth“ ziemlich gut beschrieben.

Gibt es überhaupt „die Wahrheit“? Nein, meinen viele!

Jesus sagt von sich, dass er die „Wahrheit“ ist (Joh. 14,6) und als er vor Pilatus steht, betont er, dass er in die Welt gekommen ist, um für die Wahrheit Zeugnis zu geben. „Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört meine Stimme“ (Joh. 18, 37+38). Postwendend stellt Pilatus ihm die Frage, die auch heute viele Menschen bewegt: „Was ist Wahrheit?“.

Jesus lässt Pilatus gegenüber diese Frage weiter unbeantwortet, beantwortet sie aber in seiner eigenen Person. In dem wir an ihn glauben, schließt Wahrheit sich für uns auf.

Wahrheit ist aus meiner Sicht nur durch einen festen Bezugspunkt zu definieren. Worauf beziehe ich meine Werte, Schwerpunkte und Sichtweisen? Wenn ich diesen Bezugspunkt nicht habe, bewege ich mich freischwebend im Raum.

Advent und Weihnachten sagt mir: Jesus ist in diese Welt gekommen, er selbst ist die Wahrheit und gibt Zeugnis für die Wahrheit. Das ist für mich ein fester Bezugspunkt. Wenn ich mein Leben an diesem Bezugspunkt verankere, habe ich einen festen Halt, der mir hilft, auch die „normalen“ Dinge des Lebens gesund, realistisch, ehrlich, offen, unvoreingenommen – und nicht postfaktisch – einzuschätzen.

In diesem Sinne: Einen gesegneten dritten Advent!