„Postfaktisch“

Ich finde es ab und zu sehr interessant zu sehen, welches Wort zum „Wort des Jahres“ gewählt wird, weil durch diese Wahl gesellschaftliche Entwicklungen ihren Ausdruck finden. „Postfaktisch“ hat in diesem Jahr das „Rennen“ gemacht. Am Freitag hörte ich davon im Autoradio. Das Wort hatte ich bis dahin noch nicht gehört.

pf_web

Also las ich bei Tagesschau.de nach: „Immer größere Bevölkerungsschichten sind in ihrem Widerwillen gegen ‚die da oben‘ bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen bereitwillig zu akzeptieren“, heißt es in der Begründung. Der Vorsitzende der Gesellschaft, Peter Schlobinski, räumte ein, dass „postfaktisch“ etwas akademisch klinge und noch keinen Eingang in die Umgangssprache gefunden habe. So heißt es auf der Internetseite der Tagesschau. (http://www.tagesschau.de/inland/wort-des-jahres-101.html)

Auf internationaler Ebene, so erfuhr ich weiter, war kurz zuvor das Wort „Post-truth“ durch das „Oxford dictionary“ zum Wort des Jahres 2016 gewählt worden. Das beschreibt den Sachverhalt eigentlich noch genauer. Man bewegt sich „nach“ oder außerhalb der „Wahrheit“.

Dass „Wahrheit“ in den letzten Jahren eine immer geringere Bedeutung bekommen hat, ist sicher vielen schon aufgefallen. Alles scheint relativ geworden zu sein, „Wahrheit“ wird mehr und mehr durch die eigene Sicht der Dinge ersetzt und abgelöst. Die Kommentatoren nehmen weltweit wahr, dass Menschen zunehmend Fakten ignorieren und ihre Entscheidungen anhand eigener subjektiver Maßstäbe treffen. Das wird mit „postfaktisch“ und „post-truth“ ziemlich gut beschrieben.

Gibt es überhaupt „die Wahrheit“? Nein, meinen viele!

Jesus sagt von sich, dass er die „Wahrheit“ ist (Joh. 14,6) und als er vor Pilatus steht, betont er, dass er in die Welt gekommen ist, um für die Wahrheit Zeugnis zu geben. „Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört meine Stimme“ (Joh. 18, 37+38). Postwendend stellt Pilatus ihm die Frage, die auch heute viele Menschen bewegt: „Was ist Wahrheit?“.

Jesus lässt Pilatus gegenüber diese Frage weiter unbeantwortet, beantwortet sie aber in seiner eigenen Person. In dem wir an ihn glauben, schließt Wahrheit sich für uns auf.

Wahrheit ist aus meiner Sicht nur durch einen festen Bezugspunkt zu definieren. Worauf beziehe ich meine Werte, Schwerpunkte und Sichtweisen? Wenn ich diesen Bezugspunkt nicht habe, bewege ich mich freischwebend im Raum.

Advent und Weihnachten sagt mir: Jesus ist in diese Welt gekommen, er selbst ist die Wahrheit und gibt Zeugnis für die Wahrheit. Das ist für mich ein fester Bezugspunkt. Wenn ich mein Leben an diesem Bezugspunkt verankere, habe ich einen festen Halt, der mir hilft, auch die „normalen“ Dinge des Lebens gesund, realistisch, ehrlich, offen, unvoreingenommen – und nicht postfaktisch – einzuschätzen.

In diesem Sinne: Einen gesegneten dritten Advent!

Alle Neune …

Verschlammt war er mal wieder, unser kleiner Vorgartenteich, liebevoll nennen wir ihn auch „Öcklsee“.
Also, Gummistiefel raus, und nicht vergessen, die alte Hose anzuziehen, mahnt die beste Ehefrau von allen.

Schnell war der Teich leergepumpt und unsere neun Fische eingefangen – alle einzeln, mit der Hand gefangen, was bei den noch kühlen Temperaturen kein größeres Problem darstellte. Etliche Eimer Schlamm musste ich beseitigen, die Steine mit dem Hochdruckreiniger abspritzen. Nachdem sich die Fische wieder an die neue Wassertemperatur gewöhnt hatten, setzte ich sie wieder ein – auch mit der Hand, und wieder „alle Neune“.

IMG_8212b
Am nächsten Morgen schaute ich in das klare Wasser und zählte: Nur acht sind da. „Der helle fehlt“, wusste Petra sofort. Irgendwie fühlte ich mich schlecht. An sich sind mir Fische nicht von großer Bedeutung und Rollmöpse esse ich ganz gerne, aber dass bei der Aktion einer „der unsrigen“ verschwunden sein sollte, war mir doch nicht egal. Gegen alle Katzen der Nachbarschaft hatten wir die Fische bist jetzt erfolgreich verteidigt – und jetzt so etwas?

Leben bedeutet manchmal Stress, nicht nur für die Fische. Da passieren so „verrückte“ Dinge, man wird „umgesetzt“ und fühlt sich von einer „übergroßen Hand“ im normalen Leben und Schlamm gestört. Und trotzdem sind solche „Stresserfahrungen“ wichtig, damit ein höheres Ziel erreicht wird: der gewohnte Schlamm muss weg. Ja, ich weiß, dass ich das „Biotop“ zerstört habe, aber dauerhaft geht es nicht anders.

Das, was wir manchmal bedrohlich empfinden, ist nichts anderes, als die liebevolle Hand des himmlischen Papas, der sich um dich sorgt. „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir“, weiß schon der Psalmschreiber zu sagen.. Ihm ist es nicht egal, ob „nur acht“ oder „alle neun“ da sind. Jesus geht dem Schaf nach, das offensichtlich fehlt.

Am Mittag kam die Entwarnung: „Alle Neune“ sind da. Der helle hatte sich zwischen den Steinen versteckt. Scheinbar hatte ihn die ganze Reinigungsaktion zu sehr gestresst. Eigentlich war es nur eine Kleinigkeit, aber ich habe ich mich doch gefreut …

Ich wünsche euch allen einen guten und gesegneten Monat April.

Wenn Angst und Unsicherheit zunehmen …

In der ersten Hälfte des Januar 2016 legt sich so etwas wie ein Schleier von Angst und Unsicherheit über unser Land. Nach den Anschlägen in Paris, Istanbul, Jakarta, Burkina Faso nun auch bei uns die Räumung des Münchner Hauptbahnhofs kurz vor Jahreswechsel. Und dann die Silvesternacht in Köln: Vor dem Hauptbahnhof sexuelle Übergriffe, Gewalt, Diebstahl, ausgehend von jungen Männern, die als Flüchtlinge hier sein sollen, so heißt es.

Quelle: http://de.freeimages.com - Dirk Ziegener
Quelle: http://de.freeimages.com – Dirk Ziegener

Fast im Tagestakt kommen Nachrichten über Anschläge und Gewalttaten. Es fällt beinahe schwer, sich alles zu merken. Überall scheint der IS „herumzugeistern“. Auch die bisher so geduldige Bundeskanzlerin reagiert etwas heftiger als sonst. Fast zeitgleich lässt eine andere Meldung aufhorchen: 2015 macht der deutsche Bundeshaushalt „wundersame“ 12 Milliarden (!) Euro Überschuss, trotz Flüchtlingskrise!

Gerechtigkeit und Ordnung
Eines muss klar sein: Die Werte unseres Landes, die uns dazu befähigen, andere willkommen zu heißen, brauchen Achtung und Respekt. Wer hierher kommt und Zuflucht sucht, muss verstehen, wie wir miteinander umgehen. Beispielsweise, dass Frauen keine beliebig zu behandelnden „Objekte“ sind. Wer Unrecht tut, wird dafür entsprechend zur Verantwortung gezogen, egal ob als Deutscher oder als Flüchtling. Hier müssen Politiker und Sicherheitskräfte konsequent und mit Augenmaß vorgehen.

Chancen ergreifen
Aus vielen Orten höre ich von Gemeinden, die sich mit großer Liebe für Flüchtlinge engagieren, ihnen sozial dienen, Gottesdienste mit ihnen halten, Menschen taufen – Wunder Gottes geschehen. Aber auch, dass man keinen Zugang findet, negative Erfahrungen macht, sich völlig hilflos vorkommt.

Meine persönlichen „Kontrast“-Erfahrungen
Ich erlebe im Dezember und Januar, dass ich mit etlichen Menschen beten kann, die mit großer Freude und Leichtigkeit ihr Leben Jesus anvertrauen. Fast alle aus muslimischem Hintergrund, und hier besonders Iraner. Verschiedene Leute, die zu uns in die Gemeinde gekommen sind und Jesus angenommen haben, oder über das Internet die gute Nachricht gehört und angenommen haben. Das erfüllt mich mit großer Freude. Viele wollte ich gerne namentlich nennen, kann es aber nicht tun.

Und nun?
Ich bin fragend, denn Meinungen bedrängen mich. Kann ich wirklich allen Nachrichten glauben? Terror und Angst auf der einen Seite, Bekehrungen und Wunder auf der anderen. Krasser geht es kaum. Ich muss mich selbst „sortieren“, um nicht im aktuellen Meinungsstrudel unterzugehen. Mir gelingt das so:

  • Flüchtlinge, sind keine „Massen“ sondern Individuen, die Gott liebt.
  • Ich nutze Gelegenheiten tatkräftig, so, wie sie sich mir bieten und lamentiere nicht über die „Krise“.
  • Sich finanziell einzusetzen, individuell und auch als Nation, scheint immer noch mit Segen verbunden zu sein.
  • Ich erhebe mich nicht über Politiker, sondern bete für sie. Sie brauchen Mut, Weisheit und Weitblick. Konkrete, tragfähige Lösungen werden gebraucht.
  • Ich „hänge mein Fähnchen“ nicht nach dem Wind der Meinung, biblische Werte bestimmen langfristig meine Position anderen gegenüber.
  • Ich bin bereit, meine Haltung immer wieder zu überdenken, notfalls zu korrigieren.

Wassertropfen an der Kletterrose

Samstagmorgen, ein Blick aus meinem Bürofenster im ersten Stock. Draußen ist es ungemütlich kalt. An den Zweigen der mittlerweile riesigen Kletterrose vor meinem Fenster, die sich bis zum Dach hochzieht, halten sich standhaft einige Tropfen des gestrigen starken Regens. Es ist ein ungewöhnlicher Anblick, sie kleben förmlich an den Rosenzweigen, so dass ich gleich meine Kamera zücke und aus dem Fenster ein paar Fotos schieße.

Wasser_Rose02

Kaum bricht die Sonne durch und kann ihre Kraft entfalten, werden die Tropfen immer weniger. Trotzdem ist unverkennbar: Nach den ungewöhnlich sonnigen Herbsttagen der letzten Wochen bricht der Winter ein und hinterlässt seine Spuren – an diesem Samstagmorgen in ungewöhnlicher Form: Nur durch die Kälte können sich die Tropfen in dieser Art und Weise an den Ästen festhalten.

Starkregen…
Am Freitag in dieser Woche schüttet es wie aus Eimern. Nasse Füße, nasse Jacke, nasse Haare, die Scheiben des Autos beschlagen sehr – das ist meine Erfahrung des Tages. Einfacher ist es, wenn die Sonne scheint, aber so ist es im Leben – wir müssen mit unterschiedlichen Momenten klarkommen.

Die Anschläge von Paris vor mehr als etwa einer Woche sind auch wieder so etwas wie ein schwerer „Regenguss“ gewesen. Wie gehen wir damit um, wie fühlst du dich dabei? Da mag einen Angst beschleichen. Da legt sich ein Schleier auf uns, etwas, was an uns kleben bleiben will. Für manche Menschen wird daraus eine richtige Hysterie. Ohne Zweifel: Die Ereignisse waren schrecklich. Paris liegt in Europa, deswegen trifft es uns stärker. Fast im Nebensatz erwähnen die Nachrichten am Freitag, dass an dem Tag des Anschlages in Paris etwa 50 Menschen in Nigeria bei zwei Anschlägen umgekommen sind. Das hatte ich nicht wirklich registriert…

Eigentlich trifft das Bild nur sehr bedingt, aber ich will es trotzdem so benutzen: An manch einem bleiben vom „Regen des Lebens“ etliche „Tropfen“ hängen, so wie an meiner Rose, nur mit dem Unterschied, dass es nicht immer ganz so „malerisch“ ist, sondern durchaus tiefe Spuren hinterlässt.

Wasser_Rose01

Während ich den Artikel weiterschreibe, tut draußen die Sonne ihr Werk. Ich bin mit den Zeilen noch nicht ganz fertig, da ist das Bild schon völlig anders, die Tropfen sind fast komplett weg, die Sonne hat ganze Arbeit geleistet. Das fasziniert mich richtig.

Ich lese Johannes 16,33 in einer modernen Übersetzung: „Ich habe euch das alles gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. Hier auf der Erde werdet ihr viel Schweres erleben. Aber habt Mut, denn ich habe die Welt überwunden.“ In der Welt habt ihr Angst, klingt es in meinen Ohren. Welche Kraft haben doch die Worte der Bibel.

Wie die Sonne, die die Rosen-Regentropfen beseitigt hat.

Einladung zum „Jahr der Dankbarkeit“

jdd_2015

Ein dankbares Leben ist ein gesundes Leben. Körperlich, seelisch und geistlich. Ein für 2015/2016 ausgerufenes „Jahr der Dankbarkeit“ soll eine Kultur der Dankbarkeit fördern. Die Vision der Initiatoren ist, eine Kultur der Dankbarkeit im Privaten und in der Öffentlichkeit zu entwickeln und zu fördern Ein ehrenamtlicher Vorstand und viele Partner in den deutschsprachigen Ländern, darunter auch der BFP, laden zur Beteiligung ein.

„Diese Aktion kann wirklich gesellschaftsrelevant werden. Menschen, quer durch die Gesellschaft, können dafür sensibilisiert werden, das Gute in ihrem Leben zu entdecken und in Wort und Tat zum Ausdruck zu bringen“, sagt Ralph Habener (Pastor in Bad Hersfeld), der den BFP im Trägerkreis des Jahres der Dankbarkeit vertritt. „Dankbarkeit für das Normale und Alltägliche lässt uns zufriedener werden: Dank für Freiheit, Frieden. Dankbarkeit in Ehe oder Familie genauso wie in Büro, Nachbarschaft oder Sportverein. Und schließlich geht es darum, in der Gesellschaft eine Kultur der Dankbarkeit in Kirche und Gemeinde einzu¬üben.“

Das „Jahr der Dankbarkeit“ schließt sich an zwei Vorläuferprojekte an: das „Jahr der Stille“ 2010 und das Projekt „Glaube am Montag“. Es beginnt am 3. Oktober 2015 bis zum 2. Oktober 2016 und ist somit das dritte Projekt dieser Art.

Menschen sollen neu lernen, Gott und einander zu danken. Jede und jeder kann mitmachen! Michael Diener, Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbands und Vorsitzender der Evangelischen Allianz schreibt dazu: „Wir sind überzeugt davon, dass dieser Danke-Prozess uns selbst verändert. Und dann auch viele andere Menschen. Wir hoffen, dass das in der Summe dann im Land spürbar wird. Wir möchten gemeinsam der Unzufriedenheit und Nörgelei etwas entgegensetzen und laden alle, die das auch wollen, zum Mitmachen ein.“

Um nun dieses dankbare Leben ganz praktisch und kreativ in die Tat umzusetzen, bietet die Initiative auf ihrer Homepage www.jahr-der-dankbarkeit.net eine Fülle von hilfreichen Produkten und Materialien an, so dass man persönlich diese neue Haltung für sich im Alltag, aber auch in Kleingruppen und Gottesdiensten umsetzen kann. Ein Ideenheft gibt hierzu viele praktische Anregungen.

Das Erntedankfest 2015 und das Jubiläum 25 Jahre Deutsche Einheit sind gute Gelegenheiten, um Dankbarkeit im Großen zu praktizieren. Aber auch im Kleinen können wir Dankbarkeit walten und wachsen lassen.

(hi,rh,up)

Bewegende Bilder der Woche

Die Bilder, die wir in dieser Woche aus Budapest, von der „Wanderung auf der Autobahn“, vom ertrunkenen dreijährigen Jungen, angespült am Mittelmeerstrand, vom Münchner Hauptbahnhof und der Welle der Münchner Hilfsbereitschaft, gesehen haben, sind sehr bewegend. Erinnerungen an die Zeit der „Wende“ kommen hoch. Wie können wir als Nation Deutschland damit umgehen? Viele Menschen wollen nach Deutschland kommen, möchten hier gerne mit uns leben. Warum? Weil die Bedingungen in ihren Herkunftsländern teilweise traumatisierend sind. Schaffen wir das, diese Menschen alle aufzunehmen, fragt sich manch einer. Unsere Bundeskanzlerin hat dieser Tage gesagt: „Ja, Deutschland schafft das!“ So eine mutige und zukunftsweisende Aussage gefällt mir.

Noch vor der dramatischen Zuspitzung der Ereignisse waren wir in dieser Woche im BFP-Präsidium in Erzhausen im Gebet zusammen. Aus dem Gebet heraus, verbunden mit geistlichen Eindrücken, entstand nachfolgendes „Wort“, das wir als BFP-Präsidium an die Gemeinden unseres Bundes gegeben haben. Ich wünsche mir, dass wir als Gemeinde das entsprechend aufnehmen. Hilfe kann da konkret werden, wo einzelne von uns aktiv werden und gemäß dem handeln, was sie für sich empfinden. Das kann dann auch in gemeinsame Aktionen münden.

Sehr berührt haben mich die Bilder vom Münchner Hauptbahnhof, wie tonnenweise Hilfsgüter gebracht wurden. Aber die Flüchtlinge benötigen mehr als Mineralwasser…

Wort des BFP-Präsidiums zur aktuellen Flüchtlingssituation

Wie ein breiter Strom kommen derzeit viele Menschen als Flüchtlinge in unser Land, um hier Schutz und Hilfe zu finden. Dieser Strom hat in den letzten Wochen Ausmaße angenommen, die bedrohlich und angstmachend wirken können.
Wir sind dankbar für unsere politisch Verantwortlichen, die sich intensiv um Lösungen auf allen Ebenen bemühen. Ebenso sind wir dankbar für eine breite Hilfsbereitschaft in unserer Bevölkerung. Wir sind aber auch dankbar für Gemeinden, die sich im Bereich der Flüchtlingshilfe engagieren und Möglichkeiten der praktischen und seelsorgerlichen Hilfestellung suchen und auch umsetzen. Mit Sorge schauen wir auf fremdenfeindliche Äußerungen und Handlungen in unserem Land. Diesem stellen wir uns mit aller Entschlossenheit entgegen.

Die Bibel ermahnt uns, dem Fremden wohlwollend und hilfsbereit zu begegnen. „Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich war durstig, und ihr gabt mir zu trinken. Ich war ein Fremder, und ihr habt mich in euer Haus eingeladen“ (Matthäus 25,34). Wir ermutigen unsere Gemeinden, diesem Thema nicht angstbesetzt zu begegnen, sondern die damit verbundenen Herausforderungen als Chance zu sehen und im Rahmen der sich bietenden Möglichkeiten Hilfe zu geben. Wir sind in Deutschland durch die aktuelle Situation herausgefordert, aber nicht überfordert. Gott hat unser Land gesegnet. Es ist gut, wenn wir von diesem Segen weitergeben.

Die Bibel fordert uns dazu auf, nicht müde zu werden Gutes zu tun. Dies gilt allen Menschen gegenüber, unabhängig von Rasse, Sprache, Hautfarbe oder Religion. Sie betont in diesem Zusammenhang aber auch, besonders die Geschwister im Glauben zu segnen und nicht zu vergessen (Galater 6,10). Wir ermutigen deshalb ebenfalls dazu, Hilfe nicht nur auf praktische Bereiche zu beschränken. Insbesondere sollte die Hilfe in den Bereichen gegeben werden, worin die Gemeinde ihre Stärke und Berufung hat. Hierzu zählen nicht zuletzt die Verkündigung der Botschaft von Jesus Christus und die seelsorgerliche Hilfestellung. Wir sind überzeugt, dass sich jegliche Hilfe für Notleidende zum Segen für unser Land und unsere Gemeinden auswirken wird.

Das Präsidium des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden KdöR am 03.09.2015

 

„Gewöhnliches“ mit anderen Augen sehen!

Am Samstag bin ich unterwegs mit dem Gemeindebus nach Dietlhofen. Hinter uns im Royal-Rangers-Anhänger haben wir einige Sitzgelegenheiten und die Technik für unseren Gottesdienst am Sonntag. Außerdem wollen wir vor Ort die letzten Dinge besprechen und Vorbereitungen treffen. Als wir ankommen ist Christl, die mit Miri den Ausflug vorbereitet hat, schon dort.

Mit mir im Auto habe ich A., einen Freund aus einem anderen Land, der noch nicht lange in Bayern ist. Ich habe ihn gebeten, mir beim Transport und Ausladen zu helfen. Sehr gerne kommt er mit. Er fragt, ob er das Fenster des Busses herunterkurbeln kann. Ja, darf er, selbst auf der Autobahn. Wegen des Hängers kann ich sowieso nicht so schnell fahren.

A. ist begeistert von der bayerischen Luft, beugt sich zum Fenster heraus, „schaufelt“ mit seinen Armen die Luft in den Bus hinein. „Ich liebe die bayerische Landschaft“, ist er begeistert. All die grünen Bäume, die Berge, das grüne Gras, das Getreide. Da, wo er herkommt, ist es garnicht so grün. Unterwegs sprechen wir viel über Gott, über Jesus und was es bedeutet, an ihn zu glauben. Und wir sprechen über die Heilung von Erinnerungen.

Schau auf das Gute, das Gott dir gibt
Irgendwie bin ich beschämt. Ich finde an dieser kleinen Tour nicht so viel Besonderes, für mich ist „fast alles normal“. Mein Freund, den ich erst seit ein paar Tagen kenne, sieht alles mit „ganz anderen Augen“. Der Blickwinkel macht den Unterschied. Während ich das, was ich sehe, gewöhnlich finde, ist er hellauf und überschwänglich begeistert. Er meint, dass er seine Begeisterung sogar bremsen muss.

Mit welchen Augen schaust du deine Umstände an? Siehst du nur die Schwierigkeiten? Siehst du nur das Gewöhnliche? Schau auf das, was Gott dir an Gutem gegeben hat – was andere nicht haben. Sei dankbar dafür, lebe in einer Haltung der Dankbarkeit!

Wohnung gesprengt!
explosionAm Donnerstag jagt ein Nachbar, wenige Meter weg von der HB4, seine Wohnung in die Luft. Viele Polizeiautos und Feuerwehrfahrzeuge sind da. Sieben Wohnungen sind unbewohnbar, sagt man, 500.000 EUR beträgt der Sachschaden. Ihm stand offenbar die Zwangsräumung bevor. Am Freitag steht in der Zeitung, dass er sich am Donnerstag selbst umgebracht hat. Was mag diesen Mann getrieben haben? Lebte er in Hoffnungslosigkeit? Alles über den Kopf gewachsen? Vermutlich. 34 Jahre ist er alt geworden. Mir geht es durch den Kopf: Bei Gott gibt es immer eine Hoffnung!

Abschied von Hressi V.
Am Donnerstag tragen wir unsere bulgarische Schwester Hressi V. zu Grabe. Es ist ein bewegender Abschied auf dem Pasinger Friedhof. Erst im März haben wir Schwester Hressi getauft. Etwas später wird ihre Krankheit bekannt. Sie nimmt im Glauben an Jesus im Alter von 49 Jahren Abschied von uns. „Auf Wiedersehen, Hressi, in der Ewigkeit bei Jesus“, ruft Georg am offen Grab aus. Es stimmt. Bei Jesus gibt es immer eine Hoffnung!

hressi

Sauerstoff, bitte!

Acht Fische „wohnen“ in unserem kleinen Gartenteich. Sie haben schon manchen Winter überstanden. Viel Wasser haben sie bei uns nicht – und auch ein Heer von Feinden: durch unseren Weg schleichen immer wieder etliche Katzen… Unser Gartenteich ist ein „beliebter“ `Aufenthaltsort der schnurrenden Nachbarn, manchmal müssen auch unsere Sitzkissen für ein Sonnenbad herhalten, einmal sogar als Katzentoilette. Aber daraus haben wir gelernt.

teichVor wenigen Tagen schnappten unsere Fische etwas nach Luft. Ja, natürlich haben wir eine Pumpe, die den Teich mit Sauerstoff belüftet, aber die sprang seit einigen Tagen nicht mehr an. Nach fast zehn Jahren wollte sie nicht mehr so recht. „Das muss bis zum Montag, meinem freien Tag, warten, damit ich mich darum kümmern kann. Aber zunächst einmal muss die Steuererklärung gemacht werden.“ Meine Frau war (besorgt) einverstanden, schwamm doch vor wenigen Tagen schon ein Fisch „kieloben“.

Drei Versuche gab ich mir am Montag. Die Pumpe lief immer für 5 Minuten, dann schwieg sie. Beharrlich. Dann blieb nur noch ebay. 10 Watt, 16.95 EUR, inklusive Versand, am Mittwoch war sie da. Sie liefert ein wenig Bewegung für das Wasser – und den Fischen Sauerstoff. Sie „schnappen“ nun nicht mehr.

Sauerstoff ist doch genügend da, oder? Uns reicht er doch auch aus! Für die Fische aber nicht. Für sie muss er speziell ins Wasser gebracht werden, eben an heißen Tagen und besonders bei so einem kleinen Teich, wie wir ihn haben. Als Menschen bekommen wir relativ wenig von der „Problematik“ mit, außer das „Schnappen“!

Geistlicher Sauerstoff, bitte!
Wenn es um uns herum „heiß“ ist und unser Lebensraum beengt ist, brauchen wir manchmal eine extra-Portion geistlichen Sauerstoff. Da reicht es nicht mehr aus, wenn man sich mit dem zufrieden gibt, was sowieso schon da ist. Manchmal müssen „lebensrettende“ Maßnahmen ergriffen werden, damit das geistliche Leben nicht abstirbt.

Wenn du bei dir „geistliche Schnappatmung“ feststellst, brauchst du eine Extra-Portion: Gebet, Wort Gottes, Zeit mit Gott, Predigt, Lobpreis – was auch immer. Andere sehen es vielleicht gar nicht, oder merken nicht, was du brauchst. Aber du weißt, dass dich nur Göttliches weiterbringen kann.

Warte nicht, bis du „kieloben“ schwimmst…“

Schweizerischer Hausbau

praesidium_2015In dieser Woche hatten wir BFP-Vorstandsklausur in der Schweiz. Während der Tage, die von einer intensiven geistlichen und geschwisterlichen Gemeinschaft geprägt waren, hatten wir auch Gelegenheit zu einer Ortsführung durch unseren lokalen Gastgeber. Er führte uns begeistert in die Geschichte des historischen schweizerischen Hausbaus in den Bergen ein. Dabei zeigte er uns Häuser, die mehrere hundert Jahre alt waren.

IMG_9882„Früher musste man die Balken mit viel Mühe bearbeiten, damit sie für den Hausbau geeignet waren“, erklärte er uns. „Die Balken mussten genau aufeinander passen.“ Dann zeigte er uns, wie man die Balken leicht aushöhlte, sie dann in den Bergen in feuchtem Zustand zusammenfügte und einfach Moos dazwischen fügte. „Damit wurden die Wände dicht verschlossen und 10 cm Balken hatten etwa den Isolierungswert von 100 cm Mauerwerk. Und wenn ein Haus an einer Stelle abgerissen werden musste, dann wurden die wertvollen Balken für gewöhnlich an anderer Stelle wiederverwendet.“

IMG_9883Ich wurde an den Gemeindebau erinnert. Wieviel Mühe ist nötig, damit Gott mich formen kann, damit ich in sein „Bauwerk“, wie uns die Bibel sagt, eingefügt werden kann. Und wenn etwas verändert werden muss, dann arbeitet er mit diesem wertvollen Material weiter. Dann deutete unser Führer auf die Querbalken, die geschickt eingebaut worden waren, um das ganze Haus stabil zusammenzuhalten, wie er uns erklärte. Und bei den meisten Häusern war deutlich, wie sie über Jahrhunderte immer wieder erweitert und umgebaut worden waren. Genauso, wie in der Gemeinde. Nicht stehen bleiben, sondern immer weiterentwickeln. Und auf die Statik achten!

IMG_9903Besonders spannend fand ich die etwa 60 cm großen kreisrunden „Steinteller“, die man auf Pfählen unter bestimmte Häuser gestellt hatte. Natürlich wollten wir wissen, wofür die denn seien. „Die waren ein Schutz gegen Feuchtigkeit und gegen Nagetiere“, die über diese „Tellerfüße“ nicht in die Häuser kommen konnten. So konnte man das wertvolle Getreide trocken und sicher lagern. Klasse gelöst, fand ich.

Ist nicht die Gemeinde auch so ein „Schutzort“?

 

Ein ganz neues Verhältnis?

Es war Konrad Adenauer, der am 4.3.1953 im deutschen Bundestag die Hoffnung äußerte, dass es zu einem ganz neuen Verhältnis zwischen dem deutschen und dem jüdischen Volke (…) und zu einer Normalisierung der Beziehungen“ kommen würde. Durch das sog. „Luxemburger Abkommen“ wurde nach den unsäglichen vorherigen Ereignissen ein vorsichtiger Neubeginn versucht. Zu den unsäglichen Ereignissen gehören auch die „Todesmärsche“, an die wir heute demütig und klagend erinnern und gleichzeitig entschieden und hingegeben für das Leben eintreten – in allen nur möglichen Facetten.

Ganz neu?
Wie gestalten wir dieses „ganz neue Verhältnis“, von dem Adenauer damals sprach? Das war damals ein mutiger Schritt in der deutschen Geschichtsaufarbeitung. Wir wollen weitergehen, nicht nur historisch agieren. Beziehungen leben davon, dass man sie pflegt und in sie investiert – vor allem in Begegnung und durch segnende Worte. Auch das tun wir heute. 70 Jahre nach Kriegsende ist ein guter Zeitpunkt, entschlossen weiter an dieser Beziehung zu arbeiten. Das gilt für unsere persönliche Beziehung zu Israel und dem jüdischen Volk, für unsere Gemeinden und für alle Kirchen und Gemeinschaften in unserem Land. Wo sich auch nur ein Schatten auf die Beziehung gelegt hat, ist es jetzt an der Zeit, „Beziehungsklärung“ vorzunehmen.

Eine „Liebesbeziehung“
„Warum kommt ihr in unser Land“, fragte mich im Bus nach Jerusalem ein junger Mann. „Weil unser bester Freund hier gelebt hat“. Sofort sind wir bei „meinem“ Thema. Weil ich Jesus liebe, liebe ich Israel. Dass Israel eine besondere Erwählung haben soll, ist vielen Zeitgenossen ein Dorn im Auge und Anlass zu Kritik. Warum wurde Jesus nicht bei den Eskimos geboren oder in China? Gott hat seinen Finger auf die Geschichte der Stammväter Abraham, Isaak und Jakob gelegt und mit dem Volk Israel eine „besonders – besondere“ Geschichte geschrieben. Es war Gottes souveräner Plan, sich der Menschheit durch Israel zu offenbaren und durch Jesus, einem Juden, den Weg der versöhnten Gemeinschaft mit Gott zu öffnen. Und eben nicht durch Deutschland oder eine andere Nation. Deswegen hat Israel eine besondere und bleibende Berufung, die wir achten und wertschätzen – und deswegen lieben und segnen wir Israel und ordnen uns damit der Souveränität Gottes unter.
Und wir segnen auch die Feinde des jüdischen Volkes, in ihrem und um ihr heutiges Staatsgebiet selbst und weltweit. Auch in unserer Nation. Angesichts des heutigen Gedenkens an die todbringenden Handlungen vieler Menschen unserer Nation, segnen wir und sprechen Leben aus. Gott will, dass allen Menschen geholfen wird und sie ihn selbst und seine Wahrheit erkennen.

Entschieden für Versöhnung eintreten
Wo immer wir können, treten wir für Frieden und Versöhnung ein, segnen , weil wir zum Segnen berufen sind. Weil das einer der Ansätze des „Marsches des Lebens“ ist, habe ich mich gerne dazu gestellt. Als deutsches Volk haben wir viel Hass verbreitet und Zerstörung angerichtet, gemordet und verfolgt. Das Blut tropft förmlich aus den Geschichtsbüchern. Das war und ist nicht Gottes Plan und Berufung für uns. Deswegen wenden wir uns entschieden gegen jede Form von Hass, Gewalt, Verachtung, Unterdrückung oder Geringschätzung. Und wir treten mutig und entschieden jedem Ansatz von Antisemitismus entgegen, auch in unserem Land. Wo heute Antisemitismus Raum hat, ist morgen die Christenverfolgung nicht weit.

Durch eine eindeutige und klare Haltung gegenüber Israel dokumentieren wir, dass nicht wir die Wurzel tragen, sondern sie uns, wie uns Paulus sagt . Damit ehren wir Gott und zeigen demütig, dass wir unsere heutige Berufung leben wollen, die gute Nachricht von Jesus Christus in der Kraft des Heiligen Geistes auszubreiten.

Und das geht eben nicht ohne unsere Wurzeln.

(Dieser Beitrag erschien in Erstveröffentlichung in GEISTbewegt! 04/2015
www.geistbewegt.de)