„Akzeptiere, dass das Treffen von Entscheidungen eine
Voraussetzung für Leiterschaft ist.“ Präses Johannes Justus ist ehrlich und bekennt,
dass es ihm manchmal nicht leichtfällt, Entscheidungen zu treffen. Er spricht
weniger von seinen „Siegen“, mehr von seinen „Niederlagen“, seine Seminare und
Predigten sind mit ganz vielen authentischen Beispielen gespickt.
Große Resonanz
Präses Johannes Justus dient in der CGV
Gemeindekonferenz in der CGV unter dem Generalthema „Unser Gott kann“. Eine große Zahl an Mitarbeitern der Christus Gemeinde Velbert sind zum Mitarbeiterseminar am Samstagmorgen gekommen und hängen förmlich an den Lippen des Präses. Er nimmt die Mitarbeiter mit in die Fragen von Mitarbeiter- und Leiterschaft. „Es ist wichtig, dass du reflektierte Entscheidungen triffst.“
Es ist ein Genuss ihm zuzuhören und der Morgen geht sehr
schnell vorbei. „Ich möchte, dass ihr die Gedanken, die ich euch gebe, in euren
Gruppen reflektiert und darüber sprecht“, empfiehlt er und stellt seine Präsentation
zur Verfügung.
„Bindet Menschen nicht an euch, sondern an Christus“. Für
unser Ego sei es gut, wenn wir Menschen an uns binden, führt er aus. Und er
empfiehlt, Rat bei Fachleuten zu suchen.
Starke geistliche Kraft
Die Konferenz beginnt am Freitagabend mit einem Gottesdienst,
der von der CHANGE-Jugend der CGV gestaltet wird. Er wird gleich zu einem
echten Highlight. Die Jugendband, die auch auf der regionalen Jugendfreizeit „Die
Burg“ dienen wird, gestaltet den Abend laut und mit Nebel – und mit großer
geistlicher Kraft.
Der Präses ist unkompliziert und direkt. Während der Predigt
ruft er Menschen heraus und dient ihnen mit einer großen prophetischen Dichte.
Am Ende des Abends ruft er zur Entscheidung für Jesus auf. Diesem Aufruf folgen
etliche Menschen. In der nachfolgenden Gebetszeit geht es sehr intensiv zu.
Reisebericht einer eindrücklichen Woche mit Konferenzbesuch
„Ich könnte nichts anderes tun, als 24 Stunden lang
Gemeinden gründen.“ Die Begegnung mit Pastor E. und seiner Frau in der Nähe von
Tel Aviv ist beeindruckend. Wir finden ihre Gemeinde, auch ohne GPS, am
Schabbat im Untergeschoss einer großen Shoppingmall. Hier beginnt unser
einwöchiger Israelaufenthalt.
Eingemietet ist die Gemeinde in einem Tanzstudio. Die Reihen sind gut gefüllt mit Menschen aus allen Altersschichten. Ob sie Probleme mit der Regierung haben bezüglich der Gemeindearbeit, will ich wissen? „Nein überhaupt nicht, wir können hier in völliger Freiheit arbeiten“, konstatiert der sympathische Pastor, der in der Ukraine geboren ist.
Pastor E. mit Frau sowie Petra und Frank Uphoff
Jüdische Wurzeln
„Meine Frau hat jüdische Wurzeln und deswegen kamen wir vor
mehr als zehn Jahren hierher“. Schon in der Ukraine diente er als Pastor. Was kann
er da anderes in Israel tun als Gemeindegründung? Und er hat ein starkes Herz
für Evangelisation. „Als Johannes unlängst da war, haben wir etwa 150 Menschen
zusammengebracht, die keine Beziehung zu Jesus haben. Und sie haben das klare
Evangelium gehört.“ Mit Johannes meint er natürlich „unseren Johannes Justus“.
Man spürt ihm die Wertschätzung für und die Beziehung zu unserem Präses total
ab. „Die Menschen haben gefragt, wann Johannes denn wiederkommen wird. Wir
laden sie erst zu einer Evangelisation ein, verknüpft mit einem touristischen
Programm.“ Jüdisch schlau wäre das, so meint er und lächelt.
„In Petah Tiqua suchen wir gerade nach geeigneten Räumlichkeiten, weil wir da schon so viele Gläubige haben“, berichtet er begeistert. Und samstags haben wir immer einen Gebetsdienst auf dem höchsten Gebäude Jerusalems. „Nebenbei“ geht er noch einer Teilzeittätigkeit im Bereich der öffentlichen Sicherheit nach. „Dadurch kenne ich viele Menschen und kann ihnen dienen.“
Wir sind BFP
„Im September sehen wir uns wieder auf der BFP-Konferenz in
Willingen“, ist er entschlossen. „Na klar, wir sind BFP und wollen das auch
leben“, fügt er hinzu, denn seit einem Jahr gehören sie zum BFP International
Network. In-israel.bfp.de ist die
Internetadresse für die Arbeit des BFP in Israel. Etliche Gemeinden aus
Deutschland unterstützen sie.
Ob er denn noch mehr Pastoren aus Russland oder der Ukraine kennen würde, die hier im Land leben, will ich wissen. Sicher, es gibt etliche, die auch Gemeinden gründen, weiß Pastor E. zu berichten. Sein Englisch, das er erst hier gelernt hat, ist exzellent, so dass Kommunikation leichtfällt. Gerade die Tage vorher war mir wichtig geworden, welch ein Segen für Deutschland (und den BFP) Geschwister aus russischsprachigem Hintergrund sind. Das erlebe ich auch hier.
Der Platz auf dem Karmel, wo Altar des Elia gestanden haben soll.
Feuerstätte mit gutem Ausblick
Weiter geht es gen Norden. „Ich bringe euch zu dem Platz, wo Elia gebetet hat und Feuer vom Himmel fiel“, sagt Pastor M., unser Gastgeber, ein arabischsprechender Israeli. „Wir sind in wenigen Minuten da.“ Dass er damit arabische Minuten gemeint hat, merken wir etwa eine Dreiviertelstunde später. Der Berg Karmel ist groß und die Stadt Haifa erstreckt sich über eine weite Distanz. Aber auf googleMaps sieht manches anders aus, als es in Wirklichkeit eben ist.
Es ist der zweite Tag unseres Besuchs in Israel, wir sind in den Norden gefahren, um Pastor M. zu treffen, der uns in Velbert schon besucht hat. Seine Gemeinde trifft sich in einem selbst errichteten Gebetshaus gleich außerhalb von Haifa.
Vom Berg Karmel aus ist die Ebene Meggido, das „Tal Israel“, gut überschaubar, leider ist es etwas diesig und verhangen. Hier wird Geschichte total lebendig, aber auch prophetische Worte der Bibel über diesen Ort, an dem sich laut Bibel einmal alle Völker gegen Israel versammeln werden, kommt zum Greifen nahe.
Abends sind wir in einer anderen arabischsprechenden
Gemeinde in Haifa, der dortige Pastor Y. lädt mich – ohne mich zu kennen – am Morgen
per Telefon zum Predigtdienst ein. Es entsteht eine herzliche Verbindung, die
Gemeinde tut einen europaweiten Dienst unter Flüchtlingen.
Auch die befestigte Stadt Akko, nördlich von Haifa, lassen
wir nicht aus. Pastor H. heißt uns in seinem baptistischen Bibelladen in der
Altstadt von Akko willkommen. Das Angebot an christlicher Literatur und Bibeln
ist breit. Jesus steht hier eindeutig im Mittelpunkt. An diesem Tag schüttet es
wie aus Eimern, gut für das Land, für unsere Schuhe leider nicht.
100 Leiter aus 20 Nationen
ENVISION heißt die Leiterkonferenz der Internationalen Christlichen Botschaft (ICEJ) zu der wir zum Wochenbeginn reisen. 100 Leiter aus 20 Nationen sind da und werden von Dr. Jürgen Bühler, dem Präsidenten der ICEJ willkommen geheißen. „Die deutsche Delegation ist mit 25 Leuten die stärkste“, freut sich Gottfried Bühler, Bruder von Jürgen und Leiter des deutschen Zweiges der ICEJ. Jürgen ist ein BFP-Pastor. Ihr verstorbener Vater Albert war es auch und „der hat die Liebe zu Israel in unser Herz gepflanzt“, bestätigen beide. Mit der ICEJ ist der BFP in Partnerschaft.
Eine größere Delegation kommt aus Liberia/Afrika, unter ihnen eine Parlamentarierin, die das Grußwort ihrer Regierung weitergibt. Nach vielen Jahren Bürgerkrieg formiert sich hier ein neues Bewusstsein innerhalb der Gemeinden, zu Israel zu stehen, zu segnen und sich segnen zu lassen. „Watch out for Liberia, wir werden mit einer größeren Delegation zum Laubhüttenfest kommen“, ist die charmante Parlamentarierin selbstbewusst.
Hochkarätige Sprecher
Die Rednerliste der Konferenz ist lang, wobei sich intensive
Bibellehre und gemeindliche / gesellschaftliche Analyse, gewürzt mit politischen
Aspekten ergänzen. In mehreren Diskussionsrunden kommen lokale Pastoren, sowohl
messianische als auch arabische zu Wort. Durch die Vorstellung verschiedener
lokaler Projekte und Gemeinden bekommt man ein umfassendes Bild, was sich im
Land tut und wie die geistliche Entwicklung ist.
Auch der politische Chefanalyst der Jerusalem Post, Gil
Hoffmann, ist als Sprecher eingeladen. Humorvoll und eloquent führt er den
Pastoren die aktuelle politische Lage in Israel vor Augen. „Betet für uns“,
schließt er seinen Vortrag. Als Jude weiß er die Sichtweisen evangelikaler
Christen gut einzuschätzen – und pointiert zu kommentieren.
Gottes Berufung: Gemeinde
hat Israel nicht ersetzt
Schwerpunkt der Bibellehre ist Gottes Sicht von Israel,
seine Berufung für das Volk – und welche Bedeutung das für die Gemeinde hat.
Dass Gott einen Plan für sein Volk hat und dieser Plan nicht durch die Gemeinde
ersetzt wird, zieht sich wie ein roter Faden durch die Predigten der meist
lokal ansässigen Pastoren und Mitarbeiter der ICEJ.
Eine Ebene des
Vertrauens
Kranzniederlegung in der Gedenkstätte Yad Vashem
ICEJ genießt in Jerusalem einen überaus guten Ruf. Durch
ihre sozialen und karitativen Projekte haben sie eine Ebene des Vertrauens
geschaffen. „Wenn wir euch gebraucht haben, wart ihr SOFORT da“, sagt ein
leitender Kibbutzvertreter und führt uns stolz die mobile
Brandbekämpfungseinheit vor, von denen die ICEJ insgesamt 17 gespendet hat. Sie
helfen zum schnellen Eingreifen bei Feuern, die durch Feuerdrachen von Gaza aus
in Israel entzündet werden. Ein lokaler Bürgermeister kommt extra zu unserer
Gruppe, als wir an die Grenze von Gaza gefahren sind und spricht über die
lokale Lage. „Dass ihr uns besuchen kommt, ist für uns ein hoher Beweis dafür,
dass ihr zu uns steht! Hier kommt sonst keine Reiseorganisation mit ihren Gästen
hin.“ Kein Wunder, die Grenze zu Gaza ist in Sichtweite. „Vor einigen Wochen
hatten wir 500 Raketeneinschläge innerhalb von 24 Stunden“, erzählt der
Bürgermeister weiter. „Aber wir weichen nicht von hier. Hier ist unsere Heimat,
hier ist unsere Berufung.“
Kranzniederlegung
Auch in der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat sich die ICEJ hohes Vertrauen erworben. Aus Anlass des Holocaust-Gedenktages legen wir als Konferenzdelegation in einer kurzen Zeremonie mit Psalmlesung und Gebeten zwei Kränze nieder. Es folgen Momente der Stille und des Gedenkens.
Baumpflanzung
Baumplanzung in Kfar Azar. Frank Uphoff, Dr. Jürgen Bühler, Präsident ICEJ und dem Vertreter des Kibbutz Kfar Azar, Shai Hermesh, einem früheren Knesset-Mitglied
Während des Besuches im Kibbutz Kfar Azar pflanzen wir als Konferenzdelegation einen Feigenbaum, der ein Zeichen der Hoffnung in diesem Kibbutz sein soll, der in „Schussweite“ der Gaza-Grenze liegt. Die Bushaltestelle mit Bomben-Shelter trägt ein Schild: Gespendet von der ICEJ. „Wir stehen zu euch“, betont Dr. Jürgen Bühler und gießt Wasser an den frischgepflanzten Baum. Die Konferenzgruppe segnet die Bewohner des Kibbutz!
Keinen „Israel-Extremismus“
„Es gab während der ganzen Konferenz keine Fahnenschwenker oder Schofarhornbläser“, resümiert Edwin Jung, Leiter der österreichischen Pfingstgemeinden. Recht hat er, denn selbst Jürgen Bühler warnt vor den „Israel-Extremisten“, die sich hier und da sammeln. ICEJ will hier einen gesunden Gegenpol mit Liebe zu Israel setzen, die aber auch die Fehlentwicklungen und falschen Haltungen klar benennt, sowohl auf israelischer als auch auf (internationaler) Gemeindeseite.
Ich denke, das gelingt ICEJ in hervorragender Weise.