Wer bestimmt über mich?

Die Antwort auf diese Frage hat sehr verschiedene Ebenen. Wir brauchen eine grundsätzliche Haltung, aber auch Antworten auf spezielle Fragen.

Jesus: „Vater, dein Wille geschehe“
Immer wieder betont Jesus, dass der Wille des Vaters geschehen soll [1] und er verherrlicht werden soll [2]. Das war seine Grundhaltung, die sein Leben geprägt hat. Jesus ist uns darin Vorbild, alles bewusst dem Vater in Seine Hände zu übergeben. Wenn wir das tun, haben wir eine stabile Lebensgrundlage.

gb_2013_02Jesus die Herrschaft übergeben
Die wichtigste Entscheidung, die wir im Leben treffen können und müssen ist die Entscheidung zu einem Leben in der Gemeinschaft mit Jesus Christus. Damit erkennen wir schon hier auf dieser Erde an [3], was in der zukünftigen Welt alle anerkennen müssen: Jesus ist der Herr. Aus diesem Grunde liegt es einem Christen fern, das heute sehr laut propagierte Selbstbestimmungsrecht zu postulieren, denn in unserem Wesen, der neuen Natur in Christus, liegt der Wunsch nach Unterordnung unter Seine Herrschaft.

Ewigkeitsbewusstsein: Gott ist Herr über Leben und Tod
Im Heiligabendgottesdienst 2012 grüßte mich ein Bruder (59) unserer Gemeinde sehr herzlich. Er war gerade von einer langen Reise zurückgekommen und freute sich, seine Familie zu sehen. Ich drückte ihn und wir wechselten liebe Worte. Am 1. Weihnachtsmorgen rief mich seine Frau an: Mein Mann ist heute Nacht um 2 Uhr verstorben, unerwartet, plötzlich. Dramatisch wurde mir deutlich, was die Jahreslosung sagt: Keine bleibende Stadt hier auf Erden [4]. Und wie schreiben die Psalmen? Die Tage unserer Jahre sind siebzig Jahre, und, wenn in Kraft, achtzig Jahre, und ihr Stolz ist Mühe und Nichtigkeit, denn schnell eilt es vorüber, und wir fliegen dahin. So lehre uns denn zählen unsere Tage, damit wir ein weises Herz erlangen! [5] Am Grab sprach ich eindringlich darüber, dass Gott der Herr über Leben und Tod ist und dass wir Ewigkeitsbewusstsein brauchen. Wir müssen weise leben! Trotz allerbester Vorsorge steht das über allem.

Die Erfolge der modernen Medizin
Die moderne Medizin hat in den vergangenen Jahren SEHR viele sehr beachtenswerte Erfolge erzielt. Bestimmt damit der Mensch? Ist damit Gott die Herrschaft aus der Hand genommen worden? Früher sind Menschen (Kinder) überhaupt nicht in das Leben hineingekommen, weil die medizinische Versorgung schlecht war. Menschen sind früher gestorben, weil es kaum oder keine medizinische Versorgung gab. Heute müssen wir uns mit anderen Fragen auseinandersetzen, die früher in der Form überhaupt nicht gestellt wurden. Welche „lebenserhaltenden“ oder „lebensverlängernden“ Maßnahmen will ich an mir zulassen? Je weiter die Medizin gelangt, desto schwieriger werden die Antworten auf diese Fragen. Wer soll „bestimmen“?

Ich bin dankbar dafür, was die Ärzte können, aber glaube, dass nicht alle Erfolge der Medizin wirklich gut sind. Ich habe Menschen erlebt, die eigentlich „reif“ waren für die Ewigkeit, die das auch dorthin wollten, aber durch die moderne Medizin am Leben erhalten worden sind. Nehmen wir Gott nicht „das Zepter aus der Hand“? Das ist keine einfache Frage. Meine Tante, eine vorbildlich-hingegebene christusgläubige Frau fiel mit über 80 beim Frisör, zu dem sie noch mit dem Fahrrad gekommen war, vom Stuhl. Tot. Notarztwagen. Dramatische Wiederbelebung. Erfolgreich! Mehrere Jahre noch „lebte“ sie bettlägrig, künstlich mit bester „Astronautennahrung“ ernährt, nicht kommunikationsfähig. Was war der „Wille Gottes“? Ich habe bis heute keine abschließende Antwort darauf.

Das Spannungsfeld der eigenen Entscheidung
Jeder von uns muss Entscheidungen treffen, weil sie nötig sind. Dazu gehört z.B. die Frage, wo ich wohne, was und wie viel ich esse, ob ich gewisse Dinge tue, oder nicht. Er kann Entscheidungen treffen, die darüber hinausgehen, die man aber nicht notwendigerweise treffen muss, aber die dann aber auch Einfluss haben (z.B. dass ich einen Urlaub mache, etc.). Das nennt man Lebensgestaltung. Je weitreichender eine Entscheidung ist, desto sorgfältiger treffe ich sie. Wie tue ich das gewöhnlich? Ich bete und suche Gott. Ich bespreche mich mit Ehepartner, Freunden und geistlichen Beratern. Ich suche die Stille. Ich versuche Gottes Willen zu erfragen. Dann treffe ich die Entscheidung nach der inneren Führung, die ich erlebe. Bei einem anderen Menschen kann die innere Führung durchaus anders aussehen.

Wer bestimmt also über mich?
Es liegt also an mir, wer über mich bestimmt, wie ich die Weichen stelle. Gott habe ich als erstes genannt, an ihn habe ich in Christus alles übergeben. Damit wir nicht „fremdbestimmt“ werden, müssen wir entsprechend Vorsorge treffen und dies dokumentieren. Denn im Krankheitsfalle haben die Ärzte die Verpflichtung, Leben zu erhalten. Und sie werden so entscheiden (müssen). Die Verwandtschaft und Angehörige müssen manchmal Entscheidungen treffen, die für sie dann auch sehr schwer zu treffen sind.

Insofern plädiere ich dafür, Entscheidungen für sich persönlich in der Stille vor Gott so zu treffen, wie ich sie als persönliche Führung von Gott erlebe und das auch entsprechend kund zu tun. Wie Petrus müssen wir aber manchmal auch lernen, dass andere uns „gürten und führen“ werden [6]. Über allem steht aber immer der allmächtige Gott.

(Dieser Artikel erschien in der Februar-Ausgabe (download hier) der BFP-Zeitschrift GEISTbewegt!)

Bibelstellen:
[1] Matth 6,10; Matth 26,42 u.a.
[2] Joh. 12,28; Joh. 13,32
[3] Phil 2,9-11
[4] Hebr 13,14
[5] Psalm 90,10+12
[6] Joh 21,18

Ermutigt – auf jede erdenkliche Art und Weise

Wer mag sie nicht, die kleinen Zeichen der Ermutigung, die man von anderen Menschen bekommt? Früher waren es kunstvoll und sorgfältig geschriebene Briefe, heute sind Kurzbotschaften „in“, elektronisch, SMS oder mit kleinen Post-its angeklebt – sie verfehlen ihre Wirkung nicht. „HDL“ – du, ich mag dich. Eine Süßigkeit, eine Blume, eine Karte – wir können Menschen auf jede erdenkliche Weise ermutigen. Der Kreativität ist hier kein Ende gesetzt. Wem tut das nicht gut?

vater_trostGottes Wesen ist von Ermutigung geprägt. Paulus hatte viele Phasen in seinem Leben, in denen Entmutigung überhand hätte nehmen können. Schiffbruch, geschlagen, verfolgt, in Angst – da kann einem schon anders werden, da ist man geneigt, die „Flinte ins Korn zu werfen“. In allem hat Paulus trotzdem immer wieder erlebt, wie Gott sich wie ein Vater ihm zugewendet, ihm Ermutigung gegeben hat. Auf jede erdenkliche Weise hat er den Trost des himmlischen Vaters erlebt. Deswegen war er auch in der Lage, anderen Ermutigung und Zuspruch zu geben.

Manchmal wünschen wir uns das große Wunder, aber es bleibt aus. Dann zweifeln wir an der Liebe Gottes. Wir übersehen dabei die kleinen Zeichen der Ermutigung, die er uns zukommen lässt. Vielfach und auf jede erdenkliche Art und Weise hat Gott sein „HDL“ eingepackt und lässt es dich sehen und spüren.

Seit einigen Monaten kommt K. zu uns. Seit etwa 50 Jahren folgt K. Jesus, seit knapp 20 Jahren sitzt sie im Rollstuhl. MS war der Auslöser für ihre äußerlich schwierige Lage „Bist du entmutigt?“, frage ich sie beim Besuch Ende Januar. „Nein, überhaupt nicht.“ K.s Gesicht strahlt, während sie begeistert weiterspricht: „Das Wichtigste ist, dass ich Jesus habe.“ Und dann erzählt sie von vielen kleinen Ermutigungen und Tröstungen, die ihr Leben reich machen. K. weiß, dass sie geliebt ist. Ich habe K. gebeten uns an einem der nächsten Sonntage ein wenig zu erzählen.

Entdecke doch in deinem Alltag Gottes Zuspruch und Trost, sein „Du, ich hab dich lieb“. Er ist ein liebender Vater, der dir diesen Zuspruch auf jede erdenkliche Weise zukommen lässt. Und er macht dich fähig, andere durch eine kleine Geste zu ermutigen. Tue es doch einfach!